Kategorie-Archiv: Zolin Empfiehlt

Review: United Nations – The Next Four Years

United Nations  The Next Four Years

In einer Zeit, in der Armeen pre-pubertärer Jünglinge mit fünf Einkaufstüten aus dem Kaufhaus im Arm und mit Ramones-T-Shirts auf der Brust durch die Shopping-Meilen schwadronieren, ohne auch nur ein einziges Lied der besagten Band rezitieren zu können, kommt man unweigerlich nicht um die Frage herum, ob Punk tatsächlich noch nicht tot ist oder doch eher hirntot und im Koma, angesteckt an diffusen Maschinerien, um seinen Angehörigen und Gläubigern auch die letzten Therapiekosten aus der Tasche ziehen zu können – kurz; die Diagnose sieht zurzeit schlecht aus. Wenn es jedoch nach United Nations geht, ist Hoffnung in Sicht. Der Patient lebt noch, er ist wohlauf – und unglaublich wütend, wie The Next Four Years eindrucksvoll zeigt. Dabei war die selbsternannte „Power Violence“-Formation und Hardcore-Supergroup, die Mitglieder aus teils namhaften Bands wie Thursday, Glassjaw, Converge und Pianos Become the Teeth umfasst, noch nie lange auf der Sonnenseite des Lebens; ihr gigantischer Namensvetter, dessen Befürchtung, dass einige verwirrte Seelen an ihn gerichtete Botschaften der Band zusenden könnten und verschiedene Copyright-Verstöße haben bewirkt, dass ihre Social Media-Seiten gesperrt und ihre Alben vom Markt genommen wurden – keine guten Voraussetzungen für eine Band.

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Review: Swans – To Be Kind

swans to be kind

Betrachtet man die alternative Musikwelt im allgemeinen, wird man schnell feststellen, dass es so etwas wie Kritikerlieblinge schon seit längerer Zeit nicht mehr gibt. Natürlich werden einige Künstler und Bands nach wie vor in zahlreichen Magazinen in den Himmel gelobt, aber oft bleibt es bei einem Album oder manchmal sogar noch weniger. Swans sind da eine Ausnahme. Die jetzt seit mittlerweile über dreißig Jahren bestehende Band hat es mit den letzten Alben seit ihrer Reunion geschafft, immer und immer wieder Material zu veröffentlichen, welches für offene Münder und große Augen sorgte und gleichzeitig auch noch überraschend innovative Ideen in den mittlerweile ausgelutschten Post-Rock Sound brachte. Schaut man jedoch auf die Diskographie der Band, wird man entdecken, dass The Seer und To Be Kind eigentlich keine große Überraschung hätte sein dürfen. Schließlich begann die Band mit klebrigem, harschen und erniedrigendem Industrial, welcher Konzertbesucher in Ohnmacht fallen lies, wurden dann sanfter, folkiger, dank Jarboe’s Stimme oft auch ätherisch und fanden ihr Ende in grausamen und dichten Soundcollagen auf den Alben Soundtracks for the Blind und ihrem Abschieds-Livealbum Swans Are Dead. Somit hat gerade The Seer dieses Konzept eigentlich nur um krautige Rhythmen und dronige Hypnose ergänzt.

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