Kategorie-Archiv: Zolin Empfiehlt

Review: Father John Misty – I Love You, Honeybear

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Gehört Humor in die Musik? Seit der musikalische Hexenmeister Frank Zappa mit seinem ‘86er Live-Album diese recht simple Frage in den Raum warf, scheint sie unbeantwortet geblieben zu sein; viele Musiker halten ihren Sinn für das Gewitzte außerhalb von aufschlussreichen Interviews öfters hinterm Berg –es sei denn, sie sind wirklich nicht humorbegabt-, während ausschließlich humorbelastete Musik wie zum Beispiel der Katalog von Weird Al Yankovic eher den Status von musikalisch umgesetzter Comedy als den von musikalisch relevantem Material mit humoristischem Biss besitzt. Bei Musik scheint es also nicht anders als bei Menschen zu sein; Humor, Tristesse, Elan, Ernst etc. sind nicht die Extreme, in deren Richtung der Geigerzähler der Persönlichkeit ausschwenken soll, sondern vielmehr die einzelnen Komponenten, deren Zusammenspiel einen gesunden Geist ergibt. J. Tillman, besser bekannt als Father John Misty und noch besser bekannt als der Ex-Drummer der zurzeit beim Feuilleton erfolgreichsten Folk-Formation Fleet Foxes, hat eben diesen gesunden Geist auf eines der allgegenwärtigen Themen des Lebens kanalisiert, und zwar die Liebe.

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Review: …And You Will Know Us By The Trail Of Dead – IX

… And You Will Know Us By The Trail Of Dead ix

Die erfolgreichste Alternative-Band mit zehn Wörtern in ihrem Namen, im folgenden Trail of Dead abgekürzt, sind das Progrock-Äquivalent zu Weezer: Komplexe Rhythmen und eruptionsartige Gitarrenarbeit treffen auf einen euphorischen Sound und ein Gespür für Melodien in Songs, die sich auch in die Playlist des örtlichen College-Rock-Senders schmuggeln ließen. Musik, um sich auf der nächsten Hausparty mit Interessierten ins Hinterzimmer zurückzuziehen und sich als Connaisseur geschmackvollen Indierocks zu outen, während sich im Wohnzimmer die Boys und Girls zu Say It Ain’t So leicht biertrunken in die Arme fallen. Gleichzeitig Kunststudenten und waschechte Rock ’n‘ Roller mit intensiven Liveshows samt Zerstörung des Bühnenequipments schafft die Band es, einen interessanten Mittelweg zwischen zugänglicher Rockmusik und originellen Songstrukturen zu bieten. Oftmals opulent mit Streicher- und Klavierarrangements ausgestaltet verfielen sie in der Vergangenheit dennoch nie proggiger Prätenziösität. In ihrem neuesten Release IX, benannt nach einem Planeten aus Frank Herberts Dune-Zyklus und auch neuntes Album der Gruppe, verfolgen sie diesen Weg konsequent weiter.

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Review: DJ Koze – Reincarnations, Pt. 2

DJ Koze - Reincarnations, Pt. 2

Dass DJ Koze letztes Jahr mit seinem zweiten Album Amygdala das beste Album des Jahres ablieferte, war nicht unbedingt eine Überraschung. Denn obwohl sein Debüt Kosi Comes Around „nur“ ganz gut war, gab es einen großen Unterschied zum Vorgänger. Auf nahezu jeden Track gab es einen Gastbeitrag. Dadurch kam Koze seiner Paradedisziplin, nämlich dem Remixen, wesentlich näher als beim instrumentalen Debüt. Diese zunächst mal kühn wirkende Behauptung hat DJ Koze stets durch ausführliche Remix-Werkschauen bewahrheitet – Anfang des Jahrtausends auf dem teilweise noch recht HipHop lastigen Music is Okay mit Klassikern wie Kozes Remix von Blumfelds Tausend Tränen Tief oder der Is mir egal Remix von Tobi und das Bo. Erst 2009 und damit nach Kosi Comes Around folgt mit Reincarnations der nächste Querschnitt seiner Remixarbeiten. Auch dieses Mal ist ein Remix besser als der andere, auch wenn der technoidere Sound jetzt deutlich spürbar ist. Höhepunkte sind unter anderem seine Versionen von Matthew Dears Elementary Lover oder Matias Aguayos Minimal.

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Review: Iceage – Plowing Into the Field of Love

Iceage - Plowing Into the Field of Love

Sanfte Klaviereinschläge, gezupfte Violinen, schwerelose Passagen voller Bläser und eine gewaltige Prise Gemächlichkeit; was sich zunächst wie die Rezeptur für ein x-beliebiges, unter Umständen belangloses Album aus dem Sommerloch lesen lässt, verwundert umso mehr, wenn diese formlose Brühe bei den gefühlten 2000 Grad Umlufthitze, die Iceage von sich strahlen, eine Köstlichkeit ohnegleichen ergibt . Seitdem die vier Herren aus Kopenhagen vor drei Jahren mit ihrem explosiven, kratzig gehaltenen Punk-Sound auf dem gerade einmal 24 Minuten umfassenden New Brigade von sich reden machten, war man ihren rotzigen Sound darauf erst gewohnt, als mit dem Nachfolgewerk You’re Nothing schon der nächste Schritt der Band anstand. Während New Brigade in manchen seiner Momente wie ein typisches DIY-Punk-Album vom Blatt klang, besaß You’re Nothing die Dichte und Härte desselben Stück Papiers nach hundertfachem Falten; die Musik wirkte teils noch chaotischer, mal klaustrophobischer, doch noch immer waren die eindeutigen Punk-Attitüden vordergründig – es klang so, als würden Iceage versuchen, ihre Definition von Chaos, die sie mit dem Vorgänger-Album aufgestellt hatten, zu aktualisieren, wenn nicht sogar revidieren; im Angesicht dieser Maxime mag es zunächst nicht verwunderlich wirken, dass man sich mit den beiden Single-Auskopplungen, The Lord’s Favorite und Forever erst einmal anfreunden muss. Country-Licks? Gesangsmelodien zum Mitgröhlen? Sind das noch die vier Dänen, oder hat sich da jemand einen Copyright-Verstoß mit ihrem Namen erlaubt?

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Review: Aphex Twin – Syro

Aphex Twin - Syro

Wenn Daft Punk den Maschinen das Tanzen beibrachten, so war es Richard D. James, der ihnen das Denken lehrte. Zugleich Sonderling und Wunderkind der elektronischen Musik, programmierte er die ersten Tracks seines Debuts Selected Ambient Works 85-92 im Alter von 14 Jahren. Seitdem nimmt er bis heute einen unanfechtbaren Sonderstatus unter den Pionieren des Genres ein, welcher auch während der 13-jährigen Pause seit dem letzten Release unter seinem bekanntesten Alias zu keiner Zeit in Frage gestellt wurde. Sicherlich werden sich währenddessen einige gefragt haben, ob er nicht in der Zwischenzeit Aphex Twin mit Drukqs zu den Akten gelegt habe – bis zu dem Tag, als ein mit seinem Siegel versehener Zeppelin über London erschien, als sei James abermals von einer Expedition zu unerforschten Welten in der Maschine zurückgekehrt. In einer Zeit, in der so viele elektronische Künstler wie Sterne am sichtbaren Nachthimmel existieren, war er das Zeichen dafür, dass das Urgestein aus den Tiefen des Weltalls mit seinen außerirdischen Sounds wieder in die Erdumlaufbahn kommen würde.

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