Kategorie-Archiv: Video der Woche

Video der Woche: The Chemical Brothers – Go

Um ehrich zu sein, war bei der Ankündigung, dass endlich mal wieder ein neues Video von Michel Gondry erscheint schon klar, dass es auch mindestens eins der besten der Woche werden würde. Schließlich ist Gondry nicht nur für großartige Filme wie Be Kind Rewind (dt: Abgedreht) mit Jack Black und Mos Def oder Eternal Sunshine of the spotless mind (dt: Vergiss mein nicht!) verantwortlich, sondern ist mit Spike Jonze auch eigentlich DER Musikvideoregisseur der 90er. Auf seinem Mist sind unter anderem Foo FightersEverlong, Daft Punks Around The World oder The Chemical Brothers Star Guitar gewachsen.

Mit letzteren hat er sich nun wieder für ihr neues Video Go zusammengetan. Ohnehin scheinen die beiden Briten von Chemical Brothers auf einem Retro Trip zu landen. Die Vokale steuert nämlich A Tribe Called Quests Zeremonienmeister Q-Tip bei, wie auch schon auf dem letzten großen Hit der Chemical Brothers, Galvanize. Der konnte aber immerhin noch durch eine unglaubliche Härte punkten, Go wirkt dagegen nicht nur seltsam Dancefloor orientiert, sondern auch tatsächlich richtig schwach. Da das aber nicht für’s Video gilt, ist Go das verdiente Video der Woche. Gondry sei dank!

Video der Woche: Silkersoft – Waterlust

Auch wenn es hier die letzten Wochen etwas ruhiger war, ist Zolin lebendig wie nie zuvor. Er hat nämlich gemeinsam mit dem werten Lennart Thiem (unter anderem von TWISK und Niedervolthoudini) das Label GZYGUSK gegründet und hatte dementsprechend die Hände voll zu tun. Es erfolgte sogar schon mit Cassiel, dem aufmerksamen Leser noch bekannt aus seinem Zolin Sagt Podcast, das erste Release, welches hier zum kostenfreien Download zur Verfügung steht.

Doch nun genug der wilden Entschuldigungen in eigener Sache. Wir sind nämlich hier, um das Video der Woche vorzustellen und das kommt in dieser Woche mal wieder aus Deutschland, auch wenn man das zunächst gar nicht vermutet. An Silkersoft wirkt nämlich nahezu alles international. Sowohl seine Beatbeiträge auf dem letzten Album von Zugezogen Maskulin als auch seine eigenen Tracks, die geschickt Bubblegum Pop, Trap und sogar ein bisschen Trance-Einflüsse balancieren. Kein Wunder, dass der Kölner mittlerweile auch schon in der Londoner Ausgabe des Boilerrooms eingeladen wurde.

Das grandiose Video zu seiner neusten Auskopplung Waterlust erhärtet den eh schon positiven Eindruck, den man von ihm hat und folgt der zuckersüßen Corporate-Design Ästhetik des britischen Labels PC Music und wirkt im Zusammenspiel mit dem Track nahezu zynisch. Vor dem Branchenprimus PC Music braucht sich der Kölner schon mal nicht zu verstecken, erst recht nicht vor verwandten Produzenten wie Cashmere Cat oder auch Hudson Mohawke. Doch wer weiß, vielleicht wird er ja schon bald gar ein Teil des Ganzen.

Video der Woche: Snoop Dogg – So Many Pros

Seien wir mal ehrlich: Schon seit Jahren bewegt sich Snoop Dogg auf seinen eigenen Alben stets unter dem, was er eigentlich leisten könnte und vereinzelt ja auch tat. Man denke nur einmal an den großen Klassiker Doggystyle oder vereinzelte Songs von R&G (Rhythm & Gangsta): The Masterpiece. Letzteres entstand unter der Regie eines gewissen Pharrell Williams, dementsprechend kann man es durchaus als positives Zeichen sehen, dass beide endlich wieder an einem gemeinsamen Album schrauben, zumal Pharrell kürzlich ja auch schon bei T.I., einem weiteren hinter seienen Ansprüchen hängender Rapper, gute Arbeit geleistet hat.

Im Video zur Single-Auskopplung So Many Pros wird mal wieder das Konzept des ach so beliebten Lyric-Videos neudefiniert. Die größtenteils von Snoop gesungenen Parts flimmern als Titel von Blaxploitation und Grindhouse-Film Plakaten über den Bildschirm. Selbstverständlich mit dem Rapper aus Compton als Hauptrolle, man muss sich ja schließlich auch mal blicken lassen. Der Track ist zwar kein Meisterwerk, aber mehr als Durchschnittskost ist man ja sowieso von Snoop nicht mehr gewöhnt. Bleibt zu hoffen, dass das Album BUSH noch einiges an Highlights zu bieten hat, denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Video der Woche: Hiob & Morlockk Dilemma ft. Karate Andi – Die Drinks

Akustischen next level Storytelling shit haben Hiob und Morlockk Dilemma ja quasi schon immer gemacht. Auch das eine oder andere Video der beiden konnte daran anknüpfen, aber die neuste Auskopplung aus ihrem aktuellen Remix/B-Seiten-Album Kannibalismus, Jetzt! mit dem neuen Selfmade-Signing Karate Andi, schießt wahrlich den Vogel ab. Wir folgen dem russichen Regisseur und Deutschrap-Liebhaber Vadim auf dem Weg nach Berlin, wo er sich seinen Traum erfüllen will, um mit Morlockk Dilemma ein Video zu drehen.

Doch angekommen ist alles gar nicht mal so geil, wie erhofft. Der als erstes erscheinende Hiob kommt mit seiner Visagistin und muss seinen Part von einem Zettel abrappen, Karate Andi hat noch Saufkumpanen MC Bomber im Schlepptau und reißt quasi das halbe Studio ab, und der als letztes erscheinende Morlockk Dilemma schickt bei seiner Ankunft lieber als erstes seinen Anwalt vor. Alles in allem also ein gelungener Videodreh und ein ebenso gelunges Video.

Videos der Woche: Action Bronson & Chance The Rapper//Run The Jewels & Zack De La Rocha


Action Bronson – Baby Blue (Feat… von Blak_Music_First

Ganz großes Bronsolini-Kino. Mit dem Release seines Debüt-Albums Mr Wonderland haut Riesenbaby Action Bronson diese Woche auch gleich mal das Musikvideo zur hitverdächtigen Soul Single Baby Blue raus. Nicht nur der Track, produziert von Mark Ronson und gefeatured von Chance The Rapper, ist einsame Spitze, sondern auch die visuelle Hommage an den Eddie Murphy Klassiker Coming To America (oder in unseren Breitengraden bekannt als Der Prinz aus Zamunda) ist liebevoll und wunderbar ästhetisch umgesetzt. Unter Regie von Lil Chris reist Bronson in die 80er und bedient gleich mehrere Rollen – angefangen als Coiffeur wird Action Bronson zum schleimigen Sänger der Band Sexual White Chocolate, die bei der Albanien Awereness Week musiziert und legt schließlich als Imbissverkäufer im Schottendresss einem Verbrecher das Handwerk.

Um Verbrechensbekämpfung geht’s auch in dem zweiten Video der Woche, nur dass der Ansatz ein gänzlich anderer ist. Statt zugegebenermaßen unthaltsame Stereotypen aufeinander prallen zu lassen, sehen wir in dem schwarz/weiß gehaltenen Video zu Run The JewelsClose Your Eyes (And Count To Fuck) einen intensiven – vielleicht sogar DEN intensivsten – Kampf zwischen zwei Archetypen, den man je in einem Musikvideo gesehen hat. Ein Polizist, übrigens dargestellt von Boardwalk Empire/True Detective-Darsteller Shea Whigham, und ein Zivilist gehen aufeinander los. Wieso? Nicht genau geklärt, genauso wenig wie die Schuldfrage. Und genau das ist auch das interessante: Was macht der Zuschauer draus? Ist es der rassistische Cop? Der kriminelle, schwarze Jugendliche? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Der Zuschauer.