Archiv der Kategorie: Tosca

Bienenjäger: Tosca im CBE in Köln, 23.02.2014

Schon wieder der Club Bahnhof Ehrenfeld, schon wieder eine Verspätung. Doch dieses Mal ist es weder dem Veranstalter noch der Band in die Schuhe zu schieben, denn kurz vor dem eigentlichen Gig Mitte Dezember hat wohl die Technik gestreikt. Wohl denn, wenn die Technik so wichtig erscheint, dass dafür eine komplette Tour gecanceled wird, dann muss nun aber auch wirklich etwas von dieser Seite geboten werden. Tosca selbst sind ja, zumindest musikalisch, sowieso über jeden Zweifel erhaben und Richard Dorfmeister verfügt über eine schier endlos wirkende Liste an besonderen Erfahrungen, die er während seiner Karriere als Teil von Kruder & Dorfmeister, sowie als Solo-DJ gesammelt hat. Aber nun wieder zurück zur besonderen Unterhaltungs-Technik: Wie zu erwarten war, bestand diese hauptsächlich aus Visuals. Im Vorfeld noch groß als das Werk des berühmten Ars Electronica Future Lab aus Linz angekündigt, bestanden die Visuals tatsächlich nur aus simpelsten 3D-Animationen. Viel mehr technische Raffinesse wurde, zumindest optisch, nicht geboten.

Akustisch sah es da zum Glück weitaus besser aus. Der Sound im CBE war gewohnt klar und auch die Tracklist Toscas konnte weitestgehend überzeugen. Wenig überraschend war der Opener Zur Guten Ambience, also jener Track mit dem sie auch ihr aktuelles Album Odeon beginnen. Was danach folgte, war schon wesentlich überraschender: Sie feuerten direkt danach Chocoalte Elvis raus. Ihr vielleicht bekanntester Klassiker wurde auch mit großen Applaus in einem fast ausverkauften CBE bejubelt. Doch damit nicht genug, denn Rupert Huber und Richard Dorfmeister spielten nicht einfach nur den Track ab, nein, Acid-Jazz Legende Earl Zinger, mittlerweile unter seinem bürgerlichen Namen Robert Gallagher performend, betrat die Bühne und besang Chocolate Elvis. Danach folgte erstmal eine Pause. Zinger richtete das erste Mal das Wort an das Publikum und begrüßte es frenetisch. Daraufhin konnte man auch das erste Mal ein Grinsen über die Gesichter von Rupert Huber und Richard Dorfmeister huschen sehen.

Kurz darauf war er schon wieder verschwunden. Dafür folgte eine Art Medley aus den Klassikern Suzuki, Annanas und Oscar. Nun betrat zum ersten Mal Cath Coffey die Bühne, die als Backgroundsängerin der Stereo MCs bekannt wurde. Im Gegensatz zu Zinger geht ihre Performance jedoch mehr oder weniger unter, da sie stimmlich nicht ganz mithalten kann. Nichtsdestotrotz heizte sie gut die Stimmung an, bis ihr wieder Earl Zinger auf die Bühne folgte. Gemeinsam funktionierten sie schon wesentlich besser als Coffey alleine. Höhepunkt ihrer Reihe gemeinsam performter Tracks war Richard Dorfmeisters Remix von In My Brain, der zweite und (leider) schon letzte Track des aktuellen Albums. Ein Grund für die spärliche Auswahl an aktuellen Tracks wird mit Sicherheit das Funk und Uptempo Übergewicht des Sets gewesen sein. Für Ambient Stücke, wie eben hauptsächlich auf Odeon vorzufinden, bleibt da kein Platz. Aber gemessen daran, dass sich das Publikum scheinbar ohnehin eher auf Bewegung eingestellt hatte, keine allzu schlechte Entscheidung. Mit dem weiteren Voranschreiten des Sets verfiel das Publikum dann auch immer mehr in eine große Tanz-Ekstase, welche ihre Climax bei dem technoiden Rodney Hunter Remix des No Hassle-Stücks Rosa fand.

Beim offiziell letzten Track des Abends Outta Here kündigte Earl Zinger indes noch an, dass es schon in kurzer Zeit ein neues Tosca Album geben werde. Gemessen an dem Funk Einschlag des Abends ist wohl zu erwarten, dass der Nachfolger von Odeon wieder viel mehr in diese Richtung gehen wird. Außerdem offenbarte er, dass alle Gäste als Entschädigung für die Verschiebung sowie als Dankeschön der Band, am Ende des Konzertes noch Souveniers, die Remix CD des Albums J.A.C., kostenlos überreicht bekommen. Ein guter Move, doch bevor es soweit war, folgten noch drei Zugaben. Zunächst den Klassiker Wonderful, danach aber die noch unbekannten und wahrscheinlich vom kommenden Album stammenden My Sweet Monday und Have Some Fun. Alles in allem ein durchaus gelungener Abend, wenn man denn das Konzert nicht wegen Toscas Ambient, sondern deren Funk Tracks besucht hat.

Die besten Alben des Jahres 2013: 20-11

Die Spannung steigt, wir sind mitten im Jahrespoll, doch noch viel liegt vor uns! So nähern wir uns erst langsam aber sicher den Top-Platzierungen. Nun geht’s aber erstmal zum Sequel des ersten Teils der Hauptkategorie, quasi die besten Alben des Jahres: Die Rückkehr. Naja, so dick muss man dann sicherlich doch nicht auftragen, obwohl es sich bei den Platzierungen 20 bis 11 um allesamt grandiose Werke handelt.

20. Lustmord – Word As Power

Ein Bekannter fragte mich: „Wieso The Word As Power? Meditierst du gerne?“ Es gibt die einen, die bei Musik wie dieser hier nur gähnen und sich langweilen oder einen platten Soundtrack eines nicht gedrehten Films hören. Es gibt aber auch die anderen, welche die Möglichkeit der Erhabenheit der menschlichen Stimme zur Kenntnis nehmen und sich bei einem Brillant dieser Güte voller Demut in die Tiefe stürzen, auf der Suche nach Erkenntnis jenseits von Sprache. Gänsehaut? Auf jeden Fall, unverändert. Very not now, diese dröhnende Einladung, in anderen Erdschalen oder auch Atmosphären zu verweilen.

19. Machinedrum – Vapor City

Dass sich Travis Stewart aka. Machinedrum als eine der führenden Persönlichkeiten etabliert hat, die ihre eigene elektronische Vision – eine ungefähre Mischung aus Dubstep, Footwork und Deep House – verfolgen, ist spätestens seit seinem Kollaboalbum mit Praveen Sharma als Sepalcure und den etlichen Produktionen für Azealia Banks bekannt. Dass Machinedrums kreative Ressourcen aber sogar noch ein Stückchen weiter gehen, hätten vor Vapor City nicht viele für möglich gehalten. So entwarf er einfach eine fiktive Stadt, dessen Stadtteile er jeweils einzeln vertonte. Das Projekt wird übrigens mittels EPs fortgesetzt – auf, das Vapor City die musikalischste Stadt werde.

18. Oneohtrix Point Never – R Plus Seven

Daniel Lopatin scheint 2013 tatsächlich das Rad neu erfunden zu haben. Es rollt nicht mehr ganz so linear, eher völlig eigensinnig, ein wenig wie ein selbstständig gewordenes Laufrad, das sich streckt und wieder zusammenzieht, ohne für uns erschließbare Logik und Regelmäßigkeit. Doch genau das evozierte den einzigartigen Reiz an R Plus Seven, diesem so komplett neu definierten Mikrokosmos aus Ambient-Musik und gefühlten tausend anderen Charakteristika. Beeindruckende Zusammenspiele aus roh belassener, kalter Synthetik, beunruhigenden Sample-Schnipseln und großartig komponierter Atmosphäre ließen R Plus Seven ein Gefühl des Loslösens vom eigentlichen Erschaffer spüren. Fast so, als hätte es sich und seine verstörende Art der Kommunikation mit dem Hörer ganz von selbst geschaffen.

17. Thundercat – Apocalypse

Der goldene Lorbeerkranz steht ihm gut. Auch auf seinem zweiten Album Apocalypse schafft es Thundercat, auf ganzer Linie zu überzeugen, wobei er sich dieses Mal sogar noch mehr von seinem Förderer und Labelkopf Flying Lotus abzusetzen weiß. Das gelingt ihm vor allen durch die stärkere Fokussierung auf Soul und nahezu stürmisch klingende Arrangements. Das Ergebnis ist eins der zeitgemäßesten Alben des Jahres. Der Mann hat also mal wieder alles richtig gemacht.

16. DJ Rashad – Double Cup

DJ Rashads Debüt auf Hyperdub ist eine der wahrscheinlich heterogensten Footwork Alben. Er beschränkt sich nämlich zu keinem Moment auf sein Genre, sondern lässt allerlei regionale Einflüsse aus seiner Heimatstadt Chicago zu. Das geht von Bounce Rap (Pass That Shit), über klassischen House (Leavin‘), bis zu R&B (Only One). Trotzdem trägt das ganze Album die klare Handschrift von DJ Rashad. Wer damit nichts anfangen kann, der stelle sich einfach eine Mischung aus Dr. Dre, Flying Lotus und Machinedrum vor. Mag sich vielleicht verrückt lesen, klingt aber großartig und vor allen Dingen: Einzigartig.

15. Prezident – Kunst Ist Eine Besitzergreifende Geliebte

Die Leiden des jungen Bertermann in Form eines der atmosphärisch dichtesten und intelligentesten Gesamtpakete des Deutschraps diesen Jahres verpackt. Inhaltlich beweist Prezident einmal mehr außergewöhnliche Themenwahl, die konzeptionell stets kreativ verarbeitet wird. Wobei die Feststellung, dass er dabei lyrisch nicht nur in absoluter Höchstform arbeitet, sondern besonders im Vergleich zu 90 % des schnöden Rests deutscher Rapper brilliert, fast nicht mehr erwähnenswert scheint. Viktor Bertermann zeigt plastisch und stimmungsvoll die dunklen und noch dunkleren Seiten so vieler Welten. Nie ohne eine angenehm selbstkritische Zweitstimme hebt der „Wuppertaler Suffkopp“ den intellektuellen Zeigefinger: schwankend zwischen düsteren Zukunftsvisionen, subtil verstörenden Gradwanderungen des Erzählens und nicht zuletzt technisch zerstörenden Fähigkeiten als Ausnahmekandidat im Rap.

14. Die Goldenen Zitronen – Who’s Bad

Auch dieses Jahr liefern sie das relevanteste, weil politischste deutschsprachige Album ab, um mit Max Dax zu sprechen. Gefragt ist der gesellschaftlich geformte Raum, ein nach wie vor wasserbeworfenes Thema, sofern du denn die Nachrichten in Hamburg am 21. Dezember verfolgtest. Davon abgesehen: Perkussion auf Anschlag, absurd tight. Kamerun in gesanglicher Höchstform – er verblüht, wie seine Kollegen bezeugen. Auch schön: Als Mammutprojekt wollen sie alle 15 Lieder verfilmen. Schaffen sie das? Ungeklärt. Das was bisher kam: Sehr gut. Die goldenen Zitronen sind die Oase in der Wüste Punk.

13. Dexter – The Trip

Deutschlands umtriebigster Produzent veröffentlichte dieses Jahr sein zweites Album nach seinem Beitrag zu Melting Pots Signature Reihe Hi-Hat Club. Während er auf seinem Debüt nahezu ausschließlich Jazz-Platten zu einem der besten deutschen Instrumental HipHop Alben aller Zeiten verwurschtelte, wendet er sich auf seinem zweiten Album nun einer Plattenkiste zu, die prall gefüllt ist mit Psychedlic Platten der 60er und 70er Jahren. Der Titel The Trip ist daher doppelt passend. Das Album eignet sich nämlich sowohl zur Rekapitulation der Zeit als auch als Trip durch die eigenen Sinne und beschreitet damit einen ähnlich hauntologischen Pfad wie DJ Shadow oder Flying Lotus. Dexter bleibt in der deutschen Produzenten-Riege einzigartig.

12. Tosca – Odeon

Dass die Zeit des großen Kruder & Dorfmeister-Hypes mittlerweile abgelaufen ist und beide nur noch sehr vereinzelt gemeinsam auftreten, scheint Richard Dorfmeister herzlich egal zu sein. In einem Interview verkündete er unlängst, dass sich sowieso kein Club mehr ihre Gage leisten könnte. Um so besser, dass er sich stattdessen in diesem Jahr wieder seines Projektes Tosca mit Rupert Huber annahm und das mittlerweile schon sechste Studioalbum Odeon veröffentlichte. Eine gute Entscheidung, denn im Gegensatz zu Kruder & Dorfmeister, welche sich immer nur auf Compilations, Remixe und einzelne Tracks spezialisierten, haben Tosca bisher ausschließlich grandiose Alben produziert – Odeon ist hiervon keine Ausnahme.

11. Boards of Canada – Tomorrow’s Harvest

Mit ihrem ersten Release nach acht Jahren folgten so viele Erwartungen und Gerüchte, dass die beiden schottischen Brüder des IDM-Duos sich vor der sowieso schon konstant hohen Nachfrage nach Information und Kommentaren kaum noch retten konnten. Fans, die etwas maßgeblich Neuartiges von Tomorrow’s Harvest fürchteten, wurden letztlich nicht enttäuscht: der nostalgische, Sci-Fi-beeinflusste, für Boards Of Canada so typische Sound blieb erhalten. Lediglich aufgefrischt und zu 17 neuen, unheilvoll langsam trottenden Stücken voller elektronischer Hypnose verarbeitet. Aufgrund der deutlich dunkleren Tendenzen in Bezug auf Melodien und Produktion besitzt das Album einen nihilistischeren, hoffnungsloseren Grundklang, der jedoch nur noch zur schwerwiegenden, gelungenen Atmosphäre beisteuert.

Review: Tosca – Odeon


Tosca sind und bleiben eine der wahrscheinlich unterschätztesten Bands aller Zeiten. Bereits seit ihrem Debut Opera, welches bereits 1997 veröffentlicht wurde, sind sie eine der atmosphärischsten, besten Downtempo Bands und vor allen Dingen eine, die ihren eigenen Sound immer weiter geprägt und modernisiert hat. Das hat sich auch nicht auf Odeon, ihrem mittlerweile schon sechsten Album, verändert. Was sich hingegen verändert hat, ist die allgemeine Grundstimmung auf Odeon, die dieses mal deutlich düsterer, als beispielsweise noch auf ihrem letzten Album No Hassle ist.

Dieses deutliche Bild wird aber nicht durch ebenso klare, dunklere Einflüsse gezeichnet, sondern ist eher die Summe von einzelnen Faktoren, die nur sehr gut in Szene gesetzt werden. Einer dieser Faktoren ist zum Beispiel, dass nur einer der Songs auf Odeon von einer weiblichen Sängerin getragen wird, während sonst nahezu ausschließlich auf die natürliche Dunkelheit des männlichen Organs gesetzt wird. Außerdem kommt noch hinzu, dass durch den verstärkten Einsatz von Sprechgesang der Blues-Charakter gegenüber ihren bisherigen Alben deutlicher ausfällt.

Das soll jedoch keinesfalls bedeuten, dass Odeon so düster oder ambientlastig ist, dass es selbst Anklang in den dunkelsten Szenen finden würde. Nur in solchem Maße, wie es den typischen Tosca Sound bereichert. Trotzdem ist es für den geübten Tosca Hörer deutlich schwieriger einen Zugang zu Odeon zu finden, als zu den Vorgänger Alben. Das hat aber den psychischen Vorteil, dass der Hörer, sobald er sich dann eingehört hat, noch mehr von dem Hörerlebnis bereichert wird, als bei den ohnehin schon sehr guten Alben.

Diejenigen, die bisher nur dazu geneigt waren, Tosca als rein meditative Musik für zwischendurch zu hören, werden jedoch auch weiterhin nicht enttäuscht werden. Man kann Odeon eben unter zweierlei Gesichtspunkten hören: Will man was entdecken oder reicht die kurzfristige aus Odeon hervorgehende Entspannung aus? Egal wie, in beiden Fällen schlagen sich Tosca großartig und dies ist ein Erfolg, den Tosca so konkret noch nicht verbuchen konnten. Es lässt somit eigentlich nur die Schlussfolgerung zu, dass sich Tosca auf dem Gipfel ihres künstlerischen Schaffens befinden, denn eine qualitative Steigerung dieser Art von Musik ist kaum mehr möglich.

1. Zur Guten Ambience
2. What If
3. Heatwave
4. Jayjay
5. Soda
6. Meixner
7. Stuttgart
8. In My Brain Prinz Eugen
9. Cavallo
10. Bonjour

Zolin sagt: 9 von 10

Verlosung: Tickets für Richard Dorfmeister in Düsseldorf!

Diesen Freitag ist es wieder Zeit, dass sich die sonst so klassische Tonhalle in Düsseldorf zu dem besten Club der Stadt verwandelt. Dieses Mal ist ein besonderes Highlight am Start, nämlich Gründer und Boss des besten TripHop Labels G-Stone, Hälfte des wohl besten TripHop Duos, und ganz zu schweigen, von seiner noch viel besseren Band Tosca. Die Alten unter euch werden es schon erraten haben: Die Rede ist von Über-DJ Richard Dorfmeister.

Supportet wird er übrigens von dem nicht minder schlechten, (noch) Geheimtipp Jan Schulte. Und jetzt kommt das Beste: Ihr habt die Möglichkeit 2×2 Karten für einen Abend der Superlative zu gewinnen.Weiter unten könnt ihr euch auch noch ein paar Höreindrücke verschaffen.

Um an der Verlosung teilzunehmen, müsst ihr dem üblichen Prozedere folgen: Ihr müsst Zolin sagt auf Facebook liken. Dabei muss gewährleistet sein, dass ihr Nachrichten von „Nicht-Freunden“ empfangen könnt, damit ihr auch informiert werden könnt, falls ihr gewinnt. Einsendeschluss ist Sonntag, der 10. Mai um 16 Uhr. Die Leute, die Zolin sagt schon geliked haben, kommentieren einfach den Beitrag auf der Facebook-Page. Also los!

Die Verlosung ist beendet, die Gewinner wurden benachrichtigt!

Depeche Mode – Useless (Kruder & Dorfmeister Remix)

 Tosca – No Hassle