Archiv der Kategorie: The Shins

Die Videos des Jahres 2012 – Die zweite Hälfte

Nachdem sich jetzt alle über die freien Konsumfesttage vollgefressen haben, ist jetzt endlich mal wieder etwas Platz für die fehlenden besten Videos des Jahres. Die haben jetzt auch schon viel zu lange auf sich warten lassen. Natürlich geht’s dieses Mal bei all den guten Videos in alphabetischer Reihenfolge weiter. Alles wie gehabt also.

MC Fitti – 30 Grad

Der vielleicht beste und zugleich abstoßendste Sommerhit des Jahres 2012! Hier wird so penetrant mit Hipster-Klischees gespielt, dass – wie auch bei dem gesamten Auftreten von MC Fitti – eine ganz eigene Dynamik entsteht, die man zwar zu keiner Minute ernst nehmen kann, aber gerade dadurch so gut funktioniert. Ein besseres Beispiel für diese Theorie ist MC Fittis neuster „Hit“ Bushaltestelle.

M.I.A. – Bad Girls

Romain Gavras tritt bei seinem aktuellsten Video erneut den Beweis an, dass das Regie führen dominant rezessiv vererbt wird. Sein Vater Costa Gavras führte nämlich bei Klassikern wie Vermißt oder Z Regie, während Romain Gavras ebenfalls ein Videomeisterwerk nach dem nächsten raushaut. Sei es die brutale Dystopie in Justices Stress oder das urbane Schaffen in Dubai bei M.I.A.s Bad Girls. Romain Gavras ist definitiv ein vielseitiger Regiesseur.

Psy – Gangnam Style

Dieses Video ist natürlich genauso wenig ernst zu nehmen, wie das bereits erwähnte MC Fitti Video. Trotzdem muss man auch angesichts der behinderten Pop-Instrumentierung und des noch behinderteren Tanzes sagen, dass bei Gangnam Style das Video wirklich das einzig positive an dem ganzen Song ist. Dafür ist das Video aber auch so fett, dass man sich das beschissene OPPA GANGNAM STYLE auch mal über 3 Minuten gönnen kann.

The Shins – Simple Song

Die Anwesenheit des Videos zu The Shins Simple Song in dieser Liste ist natürlich absolut keine Überraschung. Schließlich wurde es von dem großartigen Regisseur-Team DANIELS geschaffen, welches letztes Jahr mit dem aberwitzigen Rolltreppen Video zu Battles My Machines ebenfalls in dem Jahrespoll zu finden war. Spätestens seit das Video zu Simple Song sollten sie zurecht im Musikvideo-Regisseur-Olymp angekommen sein.

WhoMadeWho – Running Man & The Sun (Pitfalls of Modern Man)

Running Man & The Sun ist der krönende Abschluss der Pitfalls of Modern Man, einer Reihe von Musikvideos, die von WhoMadeWho geschaffen wurde, um den westlichen Zeitgeist zu persiflieren. Abseits davon sind all die Videos der Reihe aber auch visuell ziemlich eindrucksvoll. Der einzig negative Punkt ist, dass die Reihe jetzt wohl endgültig abgeschlossen ist. Schade drum.

Die besten Alben des Jahres 2012: 30-21

Nun kommen wir endlich zur Königsdisziplin! Die 30 besten Alben des Jahres. Los geht’s mit den Plätzen 30 bis 21. Die weiteren Plätze werden in den kommenden Tagen folgen. Unter den Platzierten sind unter anderem der letztjährige Sieger Robag Wruhme, die gute Lana del Rey, Dr Dres Schützling Kendrick Lamar und der zornige Morlockk Dilemma.

30. Lana Del Rey – Born To Die

Lana. Lana war in diesem Jahr überall. In der Fachpresse wurde Anfang des Jahres wild über ihr Debut spekuliert, in der nicht so fachlichen Presse über ihre Lippen und an der Bushaltestelle zerriss man sich das Maul über den hässlichen Fummel, den Lana auf den H&M Plakaten präsentierte. Bei all dem Gerede um Lana Del Rey fiel es immer schwerer, sich nur um die Musik zu kümmern. Aber die ist wirklich gut geworden! Born To Die hat großartige Hits wie Summertime Sadness oder das gleichnamige Born To Die am Start. Da ist es mal egal, was Lana auf ihren Plakaten trägt.

29. Robag Wruhme – Olgamikks

Good Guy Robag hat’s einfach verdammt nochmal raus. Nicht nur, dass sein letztes Jahr veröffentlichtes Debut Thora Vukk das beste Album des Jahres war, nein, dieses Jahr haut der freundliche Kerl direkt noch ein grandioses Release raus. Dieses Mal handelt es sich zwar „lediglich“ um eine Mischung aus Liveset und Remix-Kollektion, die dafür aber noch immer doper sind, als der Großteil der anderen veröffentlichten experimentellen Deep House/Techno Alben.

28. Menomena – Moms

Wer hätte gedacht, dass die mittlerweile zum Duo geschrumpften Menomena nochmal ein so gutes Album wie Moms raushauen? Verstecken vor den Vorgängern braucht sich Moms jedenfalls nicht, vielleicht ist es sogar ihr bisher Bestes? Wer weiß das schon, Tatsache ist jedeoch, dass Moms die verstärkte Zugänglichkeit vom typischen Menomena Klanggerüst sehr gut steht.

27. Kendrick Lamar – good kid, m.A.A.d city

Wahrscheinlich das zweitmeist diskutierte Album des Jahres. Kendrick Lamar hat auf seinem Major-Debut good kid, m.A.A.d city schon einmal die Erwartungen, die an ihn gestellt wurden, erfüllt. Dabei rausgekommen ist eines der wohl wichtigsten HipHop Outputs des Jahres und eine Reanimation des Raps aus Compton. Wesentlich besser könnte auch ein Comeback von N.W.A. nicht werden. In diesem Sinne: „Straight outta Compton, Crazy Muthafucker named Kendrick Lamar„.

26. Julia Holter – Ekstasis

Die Reise von Julia Holter nach Europa war wieder einmal vergleichsweise lang. Fast um ein halbes Jahr hat sich die Veröffentlichung ihres großartigen Ekstasis in Europa verspätet. Ist aber eigentlich auch egal. Ekstasis ist und bleibt ein Werk, welches nicht nur einfach gut ist, sondern auch bestimmte Teile im Kopf des Hörers anspricht, die von Musik normalerweise nicht erreicht werden.

25. The Shins – Port Of Morrow

Hach, Port Of Morrow ist einfach DAS „gudde Laune-Album“ des Jahres. Dadurch bietet es zwar auch viel Angriffsfläche, dennoch muss man unter dem Strich sagen, dass auch das vierte The Shins Album sehr gelungen ist. Besonders profitiert hat die Band übrigens durch von dem Beitritt des Keyboarders Richard Swift, der Solo ja schon seine Qualitäten unter Beweis gestellt hat und auch The Shins zu ausgetüfelteren Songstrukturen verhilft.

24. Killer Mike – R.A.P. Music

El-P, die erste. Na gut, bei R.A.P. Music steht er natürlich hinter Hauptakteur Killer Mike, trotzdem ist es hauptsächlich sein Verdienst, dass es Killer Mike zum ersten Mal in seiner Solo-Karriere gelungen ist, ein Album zu veröffentlichen, welches nicht im Schatten seiner Langzeitkollaboratoren Outkast steht. R.A.P. Music ist brutal, eigenständig und dabei sogar politisch, ohne peinlich zu wirken. Eine wahrliche Glanzleistung von Killer Mike.

23. Tame Impala – Lonerism

Auch auf Lonerism lassen Tame Impala mal wieder die 60s und 70s aufleben. Dieses Mal vielleicht sogar ein bisschen stärker, als auf ihrem Debut. Stärker sowohl im Bezug auf die schiere Qualität, als auch in Bezug auf ihre Anleihen. Dieses Mal bedienen sie sich nämlich noch vehementer bei John Lennon und teilweise sogar bei Led Zeppelin und zwängen jene in ein modernisiertes Gerüst. Großartig!

22. Grizzly Bear – Shields

Grizzly Bears neuster Streich Shields verhält sich in etwa so zu der Band, wie Helplessness Blues zu den Fleet Foxes im letzten Jahr. Die perfekte Musik zum Spazieren, Schnee schippen oder sonstige Tätigkeiten, bei denen man seine Gedanken schweifen lässt. Abgesehen davon ist Shields auch so toll. Einzig fader Beigeschmack ist die permanente Öffentliche Zurschaustellung des Sänger Ed Droste. Mal sind’s die bösen Streaming Dienste, mal die Grammies. Die Welt ist einfach böse zu Mr. Droste.

21. Morlockk Dilemma & Dexter – Weihnachten Im Elfenbeinturm

Morlockk Dilemma entwickelt sich langsam aber sicher auch zu dieser Art Rapper, die es schafft, innerhalb von kürzester Zeit ein dopes Album nach dem nächsten rauszubringen. Bei seinem Kollabo-Arbeit mit Dexter macht er natürlich keine Ausnahme. Ganz fein durchgestyltes Gesamtkonzept mit den Beats von Dexter und Gastbeiträgen von Audio88, Hiob und Kamp. So kann es ruhig weiter gehen.

Review: The Shins – Port Of Morrow

Die ersten Töne, die feine Stimme von James Mercer und das erste Shins Album seit 5 Jahren. Frühling. Gute Laune. Passt alles zusammen, aber mal ehrlich: Ist das nicht zu glatt? So groß die Freude über ein neues Shins Album sein mag, sehnt der Mensch sich nicht nach unerreichbarer Perfektion? Was ist denn nun mit einem Album, welches genau diesen Anspruch stellt, perfekt zu sein, und es dabei jedem recht machen will?

Das damit das neue Album der Shins gemeint ist, welches übrigens den Titel Port Of Morrow trägt, liegt jetzt natürlich nahe. Port Of Morrow ist das angenehmste und zugleich amerikanischste Album seit langer Zeit. Mit amerikanisch ist dabei noch nichtmals 0815-Patriotismus à la Bruce Springsteen oder Lana Del Rey gemeint, sondern diese gewisse übertriebene Perfektion. So ungefähr hört sich nämlich Port Of Morrow an. Zugänglich, angenehm und freundlich. Perfekt.

All das führt dazu, dass man Port Of Morrow schon beim ersten hören sympathisch findet, und von verliebten Melodien und leichten Gitarren umgarnt wird. All das hat nur einen Zweck: Um von den wahren Schattenseiten abzulenken: langweilige Texte („If I still fight, it’s just that I’m/Afraid I’ll fall into that spell again/The way we used to carry on/Is stuck in my head like a terrible song„) und starke Abnutzungserscheinungen.

All das liest sich jetzt wahrscheinlich harscher, als es eigentlich gemeint ist. Port Of Morrow ist ein gutes Album und enttäuscht im Vergleich zu den Vorgängern nicht einmal. Es ist sogar auf dem ersten Blick perfekt, aber man sollte Port Of Morrow zu dosieren wissen, sonst ist es mit der Perfektion aus und es zeigen sich langsam die schon aufgezählten Nebenwirkungenen. Wie Horst Theis einst sprach: „Was den Menschen sympatisch macht, sind seine Schwächen.“.

1. The rifle’s spiral
2. Simple song
3. It’s only life
4. Bait and switch
5. September
6. No way down
7. For a fool
8. Fall of ’82
9. 40 Mark Strasse
10. Port of morrow

Zolin sagt: 7 von 10

Video der Woche: The Shins – Simple Song

Ausnahmsweise soll es in diesem Video der Woche-Artikel mal nicht in erster Linie um die Band gehen, sondern um den Regisseur, in diesem Fall um die Regisseure. Der Artikel kann also getrost als Liebeserklärkung an das Team Daniels gesehen werden, das sich für das neuste Video der Shins verantworlich zeigt.

Bereits in den letzten Jahren lieferten die Daniels regelmäßig einige Perlen ab. Allen voran ihr Video für My Machines der Battles mit Gary Numan. Zolin hat sich bestimmt noch nie ein Video so oft hintereinander angeschaut, wie dieses Meisterwerk. Der Inhalt ist schnell zusammengefasst: Ein Mann fällt 4 Minuten lang eine Rolletreppe runter. Das mag jetzt nicht interessant klingen, ist aber an Intensität kaum zu überbieten. All das wurde mit einem äußerst begrenzeten Budget realisiert.

Auch für ihr neustes Werk, dem neuen Video für die „Comeback-Single“ Simple Song der Shins bauen sie wieder auf kleine Tricks und atemberaubende Ideen. Das gesamte Video ist wie eine Art Kurzfilm mit eigener Geschichte. Man sollte sich das Video unbedingt 10 Mal hintereinander anschauen. Mindestens. Das bisher beste Video des Jahres.