Kategorie-Archiv: Soul

Heißer Scheiß: Quadron

Nach all dem Trubel um das nun endlich erschienene Debütalbum von Rhye sind die Hauptprojekte von Sänger Milosh und Produzent Robin Hannibal nahezu in Vergessenheit geraten. Während Milosh momentan jedoch seine Karriere nach drei sehr guten Soloalben ruhen zu lassen scheint und seine Aktivität auf Gastauftritte wie zuletzt bei DJ Koze oder Daedalus beschränkt, bringt Robin Hannibal nicht ganz drei Monate nach der Veröffentlichung des Rhye Debuts auch schon das nächste Album Quadron heraus, das Projekt, durch dessen selbstbetiteltes Debüt 2009 sich die beiden überhaupt erst kennenlernten.

Doch hierzulande sagt den meisten die eigentlich dänische Band Quadron leider nichts, und das obwohl ihr Debüt zum einen sehr gut, dabei aber auch noch ziemlich einzigartig zu einer Zeit war, in der Amy Winehouse, Duffy und Konsorten bereits den Bogen für Pop mit einer Prise Soul, vorgetragen von einer weiblichen Sängerin, überspannten. Dementsprechend gut kam auch das Debüt an, nur eben leider in erster Linie bei sogenannten „Tastemaker’s Tastemaker“ wie Jay-Z, Mark Ronson oder Tyler, The Creator. Letzterer schnappte sich auch sofort Quadron-Sängerin Coco O. für den Abschluss seiner Wolf-Trilogie und lies die Hook von TreeHome95 von ihr singen.

Quadron stehen also vor guten Voraussetzungen, mit ihrem Zweitling Avalanche endlich den erhofften Durchbruch zu schaffen. Zum einen durch die nun auf Quadron aufmerksam gewordenen Rhye-Hörer und zum anderen durch das Lob von allerlei illusteren Verehrern. Nicht ganz undienlich wird wohl auch sein, dass das einzige Feature des neuen Albums von niemand geringerem als Kendrick Lamar ist. Der Track namens Better Off ist mittlerweile schon – genauso wie die tolle Single Hey Love – streambar. Im Sommer erscheint dann Avalanche in seiner vollen Pracht, inklusive der beiden Songs sowie acht weiteren. Also volle zehn Gründe, wieso Quadron die Zukunft gehört.


Quadron „Hey Love“ from Tom Banks on Vimeo.

Heißer Scheiß: Thundercat

Bereits vor knapp anderthalb Jahren gab’s an dieser Stelle einen Artikel zu Stephen Bruner, besser bekannt als Thundercat, der unter anderem auch für den großen Maestro Flying Lotus die Basssaiten anschlägt. Dieser Artikel war jedoch, wie man jetzt leicht vermuten könnte, kein Heißer Scheiß, sondern ein Review zu seinem Debut The Age Of The Apocalypse. Wohlbemerkt kein beliebiges Review, sondern ein seltenes 9 von 10er Review. Und anstatt dass Thundercat wegen seiner fast von Zolin verliehnen Höchstwertung zum gefeierten Superstar wird, ist er seltsamer Weise immer noch nur Eingeweihten bekannt.

Gründe dafür könnten beispielsweise sein, dass das beeindruckende Portfolio von Stephen Bruner schlichtweg einschüchtert, so ist er nicht nur auf den letzten Flying Lotus Alben für die Bass Arrangements zuständig gewesen, er ist auch immer noch aktives Mitglied bei der Funk/Thrash/Hardcore Band Suicidal Tendencies, bei der er der Nachfolger von dem mittlerweile bei Metallica beschäftigten mexikanischen-Bassmonster Robert Trujillo ist. Sein Debut klang aber kein bisschen nach Thrash oder überhaupt nach Musik der härteren Gangart. Es war viel eher die sehr angenehme Synthese aus Soul, der nicht nur durch das Cover von For Love I Come an George Duke erinnert, Jazz und den kleinen elektronischen Spielereien von FlyLo persönlich, der es sich nicht nehmen lies, das Album für seinen Schützling auch gleich zu produzieren.

Auch auf Thundercats nun angekündigten zweiten Album Apocalypse sitzt Flying Lotus wieder an den Reglern, um dem Album ein wenig seiner Magie zu verleihen. Anhand der beiden bisher veröffentlichten Tracks des Albums Oh Sheit It’s X und Heartbreaks + Setbacks scheint der Einfluss von Flying Lotus dieses Mal aber deutlich geringer zu sein, da beide Songs jetzt nicht mehr so nach ihrem Produzenten klingen, sondern tatsächlich nach einer Soloarbeit von Stephen Bruner, dabei jedoch keinen deut schlechter, als sein Debut. Heartbreaks + Setbacks ist beispielsweise schon jetzt einer der besten Songs des Sommers. Wenn da die Zeichen nicht mal endlich auf Durchbruch stehen.

Heißer Scheiß: Cassie

Vor wenigen Tagen wurde an dieser Stelle noch das letzte Lil Wayne Album I’m Not A Human Being 2 verrissen. Hauptkritikpunkt waren die mittlerweile ausgelutschten Trap Beats, auf denen Weezy rappt. Dass diese Kritik jedoch keinesfalls universell zu sehen ist, beweisen ja sowieso Producer wie Hit-Boy oder Hudson Mohawke. Meistens bleiben diese Beats aber instrumental oder werden berappt. Cassie singt hingegen auf ihrem neuen Mixtape RockaByeBaby über Trap Beats. Was sich vielleicht erstmal ein wenig befremdlich anhört, entpuppt sich als großer Spaß! Doch Cassie ist keineswegs ein richtiger Newcomer, nur ist ihr neues Mixtape ihre erste große eigene Veröffentlichung seit ihrem Debut von 2006.

Spätestens jetzt sollte es jeden halbwegs aktiven R&B-Hörer in den Ohren klingen. Cassie hatte damals nämlich den Hit Me & U. Nicht unbedingt ein Meisterwerk, aber durchaus Party tauglich. Seit dem gab’s nur noch vereinzelt hier und da einen Feature-Track für beispielsweise Nicki Minaj. Grund genug für jeden orthodoxen HipHop-Hörer, einer neuen Veröffentlichung eigentlich negativ gegenüber zu stehen. Als Ende letzten Jahres sogar ein 3er Mixtape mit gesammelten Tracks von Cassie im Internet auftauchte, war das allgemeine Interesse in sie wieder geweckt. Dass Cassie ohnehin schon einen Zweitling für letztes Jahr angekündigt hatte, war fast schon wieder in Vergessenheit geraten. Doch nun war sie wieder im Mittelpunkt. Doch bis sie im März ihr erstes Video Numb mit Rick Ross veröffentlichte, zogen wieder drei Monate ins Land.

Zeit, die sie angeblich für die Fertigstellung ihres Mixtapes RockaByeBaby gebraucht hat. Ihr sei es verziehen, denn RockaByeBaby hat es wirklich in sich. Auf der einen Seite die für ein R&B Werk recht düsteren, bereits erwähnten, Trap-Beats, auf der anderen Cassies eisige, aber immer klare Stimme. Hinzu kommen die kommerziellen, aber sehr gut performenden Gäste, wie die auf Mixtapes spezialisierten French Montana und Meek Mill sowie die Routiniers Rick Ross und Too $hort. Viele werden sich aber schon aus Prinzip nicht an das Mixtape heranwagen. Riskiert es. Der Download des Mixtape ist kostenlos. Außerdem ist es mittlerweile 2013 und R&B erlebt in den letzten beiden Jahren sein großes Revival, so dass eigentlich alles möglich ist. Warum also auch nicht?

Heißer Scheiß: The Thiams

So ganz kann sich der frostige Winter ja doch nicht verabschieden. Ob in Berlin wohl gerade die Sonne scheint? Zumindest lassen sich recht zuversichtliche Tonfrequenzen seitens der Hauptstadt aufzeichnen lassen. Mit eben dortigem Wohnsitz klingen The Thiams so unheimlich nach Sommer, dass Zolin sich gedanklich fast schon wieder in der Sonne räkelt. Aus den Boxen dröhnen die Klänge der Soul-Schwestern N’gone und Boussa Thiam, die mit ihren warmen Stimmen und der wohllautenden Leichtigkeit alles auftauen, was unterhalb des Wohlempfindungs-Gefrierpunktes liegt.

Mit dem Motto „Zwei Schwestern machen Krach in jedem Herzen“ gibt’s jetzt das poppige Debut Ko Ok in den Läden. So unbekannt sind uns die Beiden vielleicht aber gar nicht mal. N’gone hat schließlich schon auf Bühnen von Mando Diao und Seal gesungen und sogar das Tanzbein in Jan Delays Disko No.1 geschwungen. Schwesterchen Boussa ist Radiosprecherin bei Radio Energy Berlin und sorgt für gute Laune in den morgendlichen Küchenradios. Aber warum nur versteckt und unsichtbar den Background zieren, wenn man doch mit eigener, ungebundener Arbeit begeistern kann?

The Thiams haben zwei Paar geschickte Hände, denen das Zusammenflechten von vielen verschiedenen Einflüssen und Stilen zu einem wunderbar luftigen, universellen Sommer-Album gelingt. Nicht nur der poppige und stark amerikanisch geprägte Soul schimmert beinahe wie eine Motown-Perle durch, auch schmeckt man neben der afrikanischen Note, Jazz, Reggae und R’n’B heraus. Recht angenehm und in jedem Gemütszustand erträglich. Vielleicht kann man damit ja die Sonne verlocken und den Schal mal zu Hause lassen.

Review: DJ Koze – Amygdala

Obwohl es lange Zeit keine Informationen mehr zu einem möglichen kommenden DJ Koze Zweitling gab, war jeder, der auch nur ansatzweise etwas für elektronische Musik offen hat, Feuer und Flamme für das nun erschienene Amygdala. Natürlich nicht unbedingt nur wegen Koze, sondern eher wegen der illustren Gästeliste, die für alteingesessene DJ Koze-Fans natürlich nur die Kirsche auf dem Sahnehäubchen ist, denn bisher vermochte es DJ Koze ja ohnehin zu entzücken – ob alleine, oder eben mit einem Mitstreiter.

Es ist prinzipiell genau das Album geworden, auf das alle gewartet haben. Koze funktioniert besser denn je auf Albumlänge und die Gäste sind gut in Szene gesetzt. So ist es auch logisch, dass auf Amygdala bis auf Ich Schreib’ Dir Ein Buch mit Hil­de­gard Knef kein richtiger Partytrack vorhanden ist, sondern die Grundstimmung etwas entspannter und deeper bleibt. Dabei bedient sich Koze besonders des Soul-Trends der letzten Monate und formt beispielsweise Kings Of Convenience traurigen Song Home­sick zu einer catchy R&B Nummer um, oder funktioniert Dirk Von Lowtzow, Sänger von Tocotronic, zu einer deutschen Soulikone um.

Zuerst mag diese Entscheidung vielleicht ein wenig befremdlich erscheinen, doch sie macht durchaus Sinn: Man stelle sich ein klassisches DJ Koze-Album mit Weirdo Techno vor, ungefähr wie sein Debut Kosi Comes Around. Das wäre zwar ganz nett, würde qualitativ aber nie in die Sphären vordringen, in denen Amygdala ganz entspannt in der Sonne flaniert. Da ist es fast unnötig zu erwähnen, dass DJ Koze ja schon mit den International Pony Alben einen gewissen Soul Appeal bewiesen hat. Doch wer hätte ihm schon zugetraut, dass er bei seinem erstem Album seit acht Jahren eine solche Souveränität an den Tag legt.

Der auf der CD pappende Aufkleber, der besagt, dass man hier sein persönliches Sgt. Peppers in den Händen hält, ist also durchaus ernst zu nehmen. Bleibt nur zu hoffen, dass dieser Kerl uns auch weiterhin mit grandiosen Alben, Remixen und Tracks versorgt. Denn bis heute gibt’s tatsächlich kein Material von DJ Koze, was auch nur im Ansatz enttäuscht hat. Und auch mit Amygdala wird sich das erstmal nicht ändern.

1. Track ID Anyone? (Feat. Caribou & Die Vögel)
2. Nices Wölk­chen (Feat. Apparat)
3. Royal Asscher Cut
4. Magi­cal Boy (Feat. Matthew Dear)
5. Das Wort (Feat. Dirk Von Lowtzow)
6. Home­sick (Feat. Ada)
7. La Duquesa
8. Mari­lyn Whirlwind
9. My Plans (Feat. Matthew Dear)
10. Don’t Lose My Mind
11. Amyg­dala (Feat. Milosh)
12. Ich Schreib’ Dir Ein Buch 2013 (Feat. Hil­de­gard Knef)
13. NooOoo (Feat. Tomerle & Maiko)

Zolin sagt: 9 von 10