Kategorie-Archiv: Siriusmo

Die besten Alben des Jahres 2013: 10-1

Trommelwirbel, bitte! Denn bevor uns die Silvesterknaller um die Ohren fliegen und der ein oder andere den Sinn des Lebens in einer Pfütze aus Erbrochenem findet, kommt hier endlich der letzte Artikel des Jahrespolls, bevor das Jahr endgültig abgeschlossen wird: Das feine Finale der Trilogie der besten Alben des Jahres.

10. Arcade Fire – Reflektor

Es war schier unmöglich, wegzusehen. Allerorts begegnete man den propagandaartigen Verheißungen um den neuen Zweiteiler von Arcade Fire. Böse Zungen zerrissen sich schon im Vorfeld genervt die Mäuler, sprachen sich mit aller Gewalt dagegen aus. Aber warum der Unmut? Weg damit, denn Reflektor ist ein wunderbares viertes Album. Kuschelt man noch in nachweihnachtlicher Sanftmut, mag man sogar meinen, es sei eines der Besseren, ja vielleicht gar das Beste. Nun, was war auch anderes zu erwarten bei einer Zusammenarbeit mit James Murphy von LCD Soundsystem oder aber keinem Geringeren als David Bowie? Anders als sonst strotzen Arcade Fire vor Energie, bunte Funken sprühen und ein jeder beginnt zu tanzen.

9. Unknown Mortal Orchestra – II

Für Freunde von psychedelischer Rockmusik war 2013 mal wieder ein hervorragendes Jahr. Die Routeniers MGMT und Flaming Lips konnten jeweils mit, erneut, sehr guten Alben überzeugen, aber auch kleinere Bands wie Foxygene oder Unknown Mortal Orchestra schafften es zurecht, einige Aufmerksamkeit auf sich zu siehen. Besonders letztere konnten auf ihrem zweiten Album nicht nur mit ausgeklügelterem Songwriting, sondern auch mit einer angenehmen Pop-Note punkten. Hinzu kommt eine Lo-fi Produktion, die nicht über das Ziel hinausschießt, sondern den Sound durch eine weitere Retro-Komponente sinnvoll ergänzt.

8. Earl Sweatshirt – Doris

Was Herr Sweatshirt mit seinem Ehrgeiz und mühelos scheinendem Arbeitsenthusiasmus in den letzten Monaten geschaffen hat, grenzt, besonders in Anbetracht seines zarten Alters von 19 Jahren, an Wahnsinn. Nach dem von Gerüchten umschwärmten Erziehungslager-Timeout auf Samoa sicherte der wohl talentierteste Jungspund der OFWGKTA sich kurzum einige der derzeit gefragtesten Produzenten und Gast-Auftritte wie BadBadNotGood, Mac Miller, Frank Ocean und selbstverständlich Tyler, The Creator für sein grandioses Album Doris. Da wundert es, auch in Bezug auf Projekte abseits der LP, kaum, dass Earl sich erst vor ein paar Tagen den rühmlichen, verdienten Platz als Act des Jahres auf die Supreme-Kappe schreiben darf.

7. Siriusmo – Enthusiast

Moritz Friedrich stellt höchste Ansprüche an sich selbst – ein etwas schüchterner, äußerst talentierter, netter, blonder, bebrillter junger Herr, der in warmen Farben malt und um kein abreißendes Break verlegen scheint. Auf Enthusiast ist alles wie immer und doch überzeugt die Sammlung von Liedern, die zum Tanzen kaum geeigneter sein könnten, noch mehr als der Vorgänger Mosaik. Niemals klang ein Perfektionist gleichzeitig so entspannt und durchgelockert wie hier. Humor? Keine Fehlanzeige. Gemessen an der Qualität der Musik wäre eine weltweite Produktionsdominanz nicht überraschend. Es mag an seiner Persönlichkeit liegen, dass sich diese bisher noch nicht einstellte. Aber wozu auch; in seiner Nische lebt er gut.

6. Danny Brown – Old

Detroits auffälligste Rapper-Frisur gepaart mit der auffälligsten Frontzahnlücke geben nicht nur äußerlich ein höchst interessantes Ausnahmebild eines MCs ab. Auch das diesjährige Debüt LP-Release des 32-jährigen Daniel Dewan Sewell aka Danny Brown hatte es in sich. Auf Old bekam die leidenschaftliche Rap-Hörerschaft den exzellent portionierten Zucker der Glanzproduktion per Trichter eingeflößt. Dazu ließ ein reiferer, reflektierter Danny Brown lyrisch dermaßen die Korken knallen, dass man sich unter kleineren Schweißausbrüchen zwischen der emotional persönlichen ersten Hälfte und der gewohnt exzessiv scheppernden zweiten kaum entscheiden konnte.

5. Mount Kimbie – Cold Spring Fault Less Youth

Dass Warp ohnehin ein Händchen für Releases aller Art haben, ist ein offenes Geheimnis. Dass sie sich aber mit Mount Kimbie eine von vielen, aber guten, Post-Dubstep Bands der englischen Szene gesichert haben, überrascht. Nicht, dass ihr auf Hotflush veröffentlichtes Debüt Crooks And Lovers nicht auch gut war, aber ihr Zweitling Cold Spring Fault Less Youth ist nahezu eine Steigerung in allen Belängen. Mount Kimbie können sowohl für das Tanzparkett, als auch für regnerische Tage produzieren und setzen ihre Vokalisten immer perfekt in Szene. Der Kokon Post-Dubstep reicht hierfür längst nicht mehr aus. Sie sind ihm entwachsen und zu einem Schmetterling geworden.

4. Forest Swords – Engravings

Als die Akkordfolge von Miarches, dem Opener von Matthew Barnes erster EP Dagger Paths, vor drei Jahren das erste Mal erklang, öffnete sich ein Tor zu einer neuen Welt, in der Ennio Morricones tausend Tränen tiefe E-Gitarre wildem Sex mit viel dubbigem Hall und kessen R’n’B Samples fröhnte; Untergang wie Beginn in einem Augenblick zusammengedacht. Drei Jahre später fehlt die Schockwirkung dieses psychedelischen Trips – was nichts daran ändert, dass Engravings in seiner rhythmusbetonten Verfeinerung ein herausragendes Album ist, mit Potenzial zum Götzen. Wir sehen uns – Vorfreude enabled – anfang März in Köln, sagt der Bienenjäger.

3. Kanye West – Yeezus

Was lässt sich noch großartig über Kanye West sagen? Menschlich am unteren Ende der Skala, musikalisch seinen Kollegen im amerikanischen Mainstream Rap weit voraus. Wer beide Eigenschaften nicht voneinander trennen kann, wird auch mit Yeezus nicht warm werden, alle anderen werden mit einer weiteren Facette seines Schaffens beglückt. In Zusammenarbeit mit unter anderem Gesaffelstein, Hudson Mohwake, Arca und Daft Punk legt er eine elektronischere und kühlere Version seines Bombast-Raps von My Beautiful Dark Twisted Fantasy vor, während es textlich wieder eher in Richtung 808s & Heartbreak geht. Doch Bitterheit ist nicht das einzige, das Yeezus prägt, es ist vor allen Dingen der Closer Bound 2, eine der besten Liebeserklärungen des Jahres. In diesem Sinne: Uh Huh Honey.

2. Dean Blunt – The Redeemer

Ja, wir wissen, zunächst arbeitet Dean Blunt mit Kollegin Inga Copeland unter dem Namen Hype Williams an einer Fülle von Mixtapes und veröffentlicht im Jahr 2012 das Album Black Is Beautiful mit ihr. Im selben Jahr noch erscheint das Mixtape The Narcissist ll – diesmal von Blunt im Alleingang – und wenig später im Frühjahr sein alles übertrumpfendes Album The Redeemer. Doch schon hier hört unsere Kenntnis auf; der mysteriöse Londoner wirft mehr Fragen auf, als dass er Antworten gibt. Ähnlich okkult wie seine Identität ist auch sein musikalisches Schaffen auf The Redeemer. Ohne sich jeglicher Art der Songkonventionen zu bedienen, konstruiert Blunt ein faszinierendes Gebilde aus Soundcollagen, verwendet ungewöhnlichste, disharmonische Instrumente oder gar Alltagsgeräusche, AB-Soundschnippsel. Alles der unbegreiflichen Atmosphäre zuliebe. Wen wundert’s da noch, dass das wandelnde Mysterium Blunt einige Monate später gleich daran anknüpft und Stone Island, sein nächstes Album, bestehend aus kyrillisch verfassten Titeln, über die Website eines russischen Magazins veröffentlicht? Nun, er darf das. Blunt ist unser Erlöser.

1. DJ Koze – Amygdala

Er selbst sagt, dass Amygdala so etwas wie sein ganz persönliches Sgt. Peppers ist. Nur, in welcher Beziehung? Betrachtet man Sgt. einfach als Gamebreaker, quasi als Metapher für Qualität, die die folgende Pop-Geschichte beeinflusst hat, so lässt sich sicherlich auch über Amygdala sagen, dass alle kommenden technoiden Alben sich an diesem hohen Maßstab messen lassen müssen. Doch nicht nur das alleine macht Amygdala so stark. Bei all der Weiterentwicklung von DJ Koze ist es nämlich gerade die Bewahrung von dem, was DJ Koze schon immer ausgezeichnet hat, einen Sinn sowohl für kühle Basslines, als auch für einen wohlig warmen Soul-Kern. Dass dann noch viele Weggefährten mit mittlerweile großen Namen dabei sind, ist fast nur eine Randnotiz wert – Amygdala ist schon als solches zu gut.

Review: Siriusmo – Enthusiast

Dieser Moritz Friedrich ist schon etwas Besonderes. 13 Jahre Berlin, genau wissend, wie frische Musik klingen soll. Es gibt wenige Produzenten elektronischer Musik, die so gut in dem sind, was sie tun, wie Siriusmo. Mag an seinen musikalischem Talent liegen, an seiner unbedarft-eklektischen Art, oder an dem sympathisch reziproken Verhältnis seiner in Interviews introvertiert-schüchternen Persönlichkeit und der Extrovertiertheit seiner Exkursionen in Disco, Funk und French House. Woher das jetzt kommt, sei dahingestellt, Fakt ist: Er hat den Dreh raus. Anfangs veröffentlichte er nur Singles und Eps auf diversen Labels, bis er 2011 mit dem Album Mosaik in den Hafen von Monkeytown Records einlief, bei denen er gut aufgehoben ist. Nicht umsonst ist Modeselektors Motto: May the bass be with you!

Nun ist es Zeit für das „schwierige“ zweite Album, Enthusiast. So absurd der dazugehörige Pressetext ist, kann er nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihm auch auf dem Zweiten nichts misslingen möchte. Das ist immer noch die beste Kirmes, die vollendete Musik, um gut druppa zu sein. Unverkrampft und verspielt wie eh und je, stoßen zu den bekannten Sounds noch hübsche Jungle Breaks und anderer Zierrat. Den knallendsten Tech-Rap Track der Saison produziert zudem Siriusmo 2013 nebenbei, Cornerboy heißt er. Wieso gibt es eigentlich nur einen schmalen Output von Roman Geike, dem Teufelskerl am Mikrophon? Ungelöstes Rätsel. Sonstige Songtitel? Ja, wie immer herrlich irre. Peaks: Doctor Beak, Tränen aus Bier, Stinky Wig. Bestes Stück, abseits der Tanzfläche: Liu – Harmoniewunder, Seelenbaumel. Die Gastauftritte erweitern die Palette, neben Hochgeschwindigkeitsrap auch frei-assoziativer Sprechgesang von Icke & Er, französische Liebeseinladungen von Nicola Rost und eine stromverstärkte Gitarre von Rico Baade.

Dass sich Siriusmo im Grunde auf höchstem Niveau nicht radikal verändert ist gar nicht schlimm, denn die Stücke tragen eine eigene Handschrift, die nicht langweilt. Für Zukünftiges wären noch ausgefallenere Kollaborationen interessant. Wieso nicht mal eine Rockband produzieren? Oder ein Remix von einem Jochen Distelmeyer Stück? Leider ist die Experimentierfreude und Genreüberschreitung bei Kollaborationen nicht so beliebt wie innerhalb eines Œuvres. Gerade jemand wie Siriusmo könnte dies ändern.

1. Doctor Beak
2. Congratulator
3. Tränen aus Bier
4. Enthusiast
5. Plastic Hips
6. Cornerboy
7. Itchy
8. Stinky Wig
9. Liu
10. Rantanplant
11. Wattnlosmitmir
12. Petite Cochon
13. Leftovers

Zolin sagt: 8 von 10

Die besten Alben des Jahres: 20-11

20. Kreidler – Tank

Krautrock ist Tod? Auf keinen Fall! Kreidler sind eine der wenigen Krautrock Bands aus Düsseldorf, die auch bis heute noch überlebt haben. Ihr aktuelles Album Tank ist, gerade auf Vinyl, eine Reise durch das Bewusstsein.

19. Siriusmo – Mosaik

Wer hätte gedacht, dass der Berliner DJ nochmal so ein gutes Album raushaut? Am besten eine Zusammenfassung, was Mosaik erreicht hat: Elektro wieder salonfähig gemacht, Modeselektor den Rang als besten deutschen Elektro-Act abgelaufen und mindestens 5 Lieblingstanznummern des Jahres hervorgebracht. Wenn das mal nichts ist!

18. DJ Shadow – The less you know, the better

DJ Shadow ist und bleibt einer der Besten seines Faches. Auch sein neuster Streich The less you know, the better ist zwar nicht, wie The Outsider, eine Neuerfindung seines ureigenen Sounds, aber eine Rückkehr zu dem, was ihn ausmacht. Samples.

17. Touché Amoré – Parting The Sea Between Brightness And Me

Parting The Sea Between Brightness And Me ist das beste Hardcore Album seit einigen Jahren. Hinzu kommen intensive Liveshows und sympathische Typen. Touché Amoré haben den Sprung hinbekommen, von einer kleinen Hardcore Band aus Kalifornien zu einem der besten Acts des Jahres zu werden.

16. Wolf + Lamb vs. Soul Clap – DJ Kicks

Vier DJ-Kicks Compilations in einem Jahr. Mensch, da haben sich die Verantwortlichen aber mal wieder etwas vorgenommen. Der mit Abstand beste kommt von gleich vier Produzenten. Man möchte sich gar nicht vorstellen, was für eine Anstrengung das Ergebnis gewesen sein muss. Naja, so ist das nun mal bei guter Musik.

15. Destroyer – Kaputt

Das definitiv entspannteste, aber trotzdem schönste Album des Jahres. Dem Kanadier Destroyer gelingt nach einer 15jährigen Bandgeschichte ein Album, welches wirklich mal das Label Dreampop verdient hat.

14. Robot Koch – The Other Side

Robot Koch ist der Mann im Hintergrund. Zuerst produzierte er Materias Übertrack Verstrahlt, dann Lach Mich Tot, einen der besten Tracks von der aktuellen K.I.Z. Platte und nun legt er ein neues Soloalbum vor. Und was für eins. Glitch und Dubstep reichen sich die Hände – kein Auge bleibt trocken.

13. 13&God – Own Your Ghost

13&God auf der 13. Welch Zufall. Ihr zweites Album Own Your Ghost ist kein Album, was sich aufdrängt. Man kommt langsam in den Genuss. Aber dann am besten mit einem guten Glas Rotwein. The Notwist, die singende Hälfte, und Themselves, die rappende Hälfte, zeigen, dass sie auch einen ausgelutschten Begriff wie Crossover neu definieren können.

12. Casper – XOXO

DAS meist diskutierte Album des Jahres. Wieso? Nun ja, ein spannender Mix aus deutschen HipHop und Indie-Kulissen à la Kings Of Leon ist leider nicht unbedingt etwas für jedermann. Interessant wird es nun zu sehen, in welche Richtung sich Ben Griffey aka Casper weiterentwickelt.

11. Wolves In The Throne Room – Celestial Lineage

Dieses Jahr funktionierten Bands wie Liturgy oder Deafheaven vor allen Dingen als Mittler zwischen den finsteren Abgründen des Black Metal und der vielschichtigen Welt des Hipstertums. Die eigentlich abstoßende Musikrichtung mutiert immer mehr zum Trend, bevorzugt in Kombination mit Post-Rock und Shoegaze. Wolves in the Throne Room kann man definitiv in diese Spalte einordnen, was keinesfalls negativ gemeint sein soll. Ihr letztes Album Celestial Lineage ist modern und eigenständig, allerdings wird die Tradition der Ursprungsbands nicht leichtsinnig über den Kopf geworfen.

Mixtape #5: edited

Ausschnitt aus Esben and the Witchs Video Marching Song

James Blake hat einmal gesagt: „Remixing is like musical prostitution.“ Diese 11 Songs beweisen das Gegenteil.

1. Lykke Li – I Follow Rivers (Dave Sitek Remix)
2. Tyler, The Creator – French (Toro Y Moi Remix)
3. Esben And The Witch – Marching Song (Snorkel Remix)
4. Bikini – American Mourning (WIN WIN Remix)
5. Rick Ross – Hustlin‘ (xxxchange Remix)
6. Marlena Shaw – California Soul (Diplo Remix)
7. Kraak & Smaak – No Sun In The Sky (Henrik Schwarz Remix)
8. Breakbot – Baby I’m Yours (Siriusmo Remix)
9. The Rolling Stones –  You Can’t Always Get What You Want (Re-Mixed and Re-Edited by Soulwax)
10. Matthew Dear – Elementary Lover (DJ Koze Remix)
11. Paul Kalkbrenner – Gia 2000 (Modeselektor Remix)