Archiv der Kategorie: Rock

Review: Motorpsycho – Still Life With Eggplant

Es gibt mehr als genug Bands, die sich in ihrer fast 25 jährigen Band Geschichte nur von der Aufnahmequalität verändert haben. Motorpsycho gehören jedoch definitiv nicht zu diesem Schlag von Bands. Seit ihrer Gründung 1989 haben sie unter dem Deckmantel des Progressive-Rocks sehr viele musikalische Felder wie Grunge, Pop und Jazz abgegrast. Ihr letztes Jahr erschienenes Doppelalbum The Death Defying Unicorn hatte sogar einen Klassik Einschlag. Dass man trotzdem die gemeinsame Handschrift der Band entdeckt, ist wohl dem Umstand geschuldet, dass meist die Genre Experimente als großes Konzeptalbum, wie das eben erwähnte The Death Defying Unicorn, angelegt werden.

Doch diese Konzeptalben verlangen den Musikern eben besonders viel ab. So dauerte die Konzeption von The Death Defying Unicorn beispielsweise drei Jahre, was in dem Klangkosmos von Motorpsycho eine halbe Ewigkeit Wartezeit für ein neues Album darstellt. So entschlossen sich Motorpsycho, nach einigen Jahren das erste Mal wieder ein Album aufzunehmen, welches Song- und nicht Konzeptorientiert ist. Das Ergebnis ist das, je nach Zählweise, mittlerweile 19te (!) Motorpsycho-Album Still Life With Eggplanet, für das sich Motorpsycho Hilfe bei dem The Amazing-Gitarristen Reine Fiske suchten, um das Album in ihrer Diskographie noch einzigartiger wirken zu lassen.

Klanglich bewegt sich Still Life With Eggplant dadurch im Vergleich zu dem letzten Werk natürlich in deutlich poppigeren Gewässern, ist dabei aber trotzdem nicht unbedingt das, was man im Volksmund als zugänglich bezeichnen würde. Denn obwohl mit Barleycorn (Let It Come/Let It Be) durchaus sogar ein potentieller Song zum Mitsingen auf der Platte ist, folgt danach direkt das sehr psychedelische Ratcatcher, bei dem dem Höhrer erst die Vorzüge des zweiten Gitarristen bewusst werden. Denn Motorpsycho-Gitarrist Snah und Fiske begegnen sich hier auf selbem Niveau und jammen die Welt zu Boden, bis sie in den letzten drei Minuten langsam wieder zusammen gesetzt wird.

Beim Hören von Still Life With Eggplant fühlt man sich unweigerlich an die großen Klassiker des Progressive-Rocks erinnert. Ist dem wirklich so oder sind Motorpsycho einfach mittlerweile selber zu einer der Klassiker Bands des Progressive geworden, die man ohne zu Zögern in einen Topf mit Pink Floyd, Marillion, King Crimson oder Yes werfen kann? Doch, es muss so sein.

1. Hell [Part 1-3] Start
2. August Start
3. Barleycorn (Let it come/Let it be) Start
4. Ratcatcher Start
5. The afterglow

Zolin sagt: 8 von 10

Review-Runde: Lil Wayne, Johnossi, HK119, Ill Bill

Und schon wieder ist es Zeit für ein Review-Ründchen. Dieses Mal mit dem wieder unter den Lebenden weilenen Lil Wayne, den zu neuer Größe gefundenen Johnossi, der okkulten HK119 und zuletzt Ill Bill, seines Zeichens Gründungsmitglied von La Coka Nostra und Bruder von Necro.

Lil Wayne – I Am Not A Human Being II

Der Schock saß schwer, als mehrere Internetdienste die Meldung durchgaben, dass Dwayne Michael Carter, Jr., aka. Lil Wayne im Sterben liegt. Aber in Wirklichkeit alles halb so schlimm, der Gute hat sich wieder erholt und erlebt nun noch die Premiere seines mittlerweile zehnten Albums I Am Not A Human Being II. Doch fragen wir uns mal: Was wäre passiert wenn Lil Wayne wirklich gestorben wäre? Nun ja, I Am Not A Human Being II wäre sicherlich nicht das große Vermächtnis geworden. Dafür ist es einfach zu langweilig. Zwar finden sich mit Rich As Fuck oder Love Me einige nette Ansätze, aber das wars dann auch schon, zumal sich die meisten Tracks durch ihre Trap Beats eh sehr ähnlich anhören. Bleibt nur zu hoffen, dass Lil Wayne vor seinem – hoffentlich noch fernen – tatsächlichen Tod noch Alben veröffentlicht, die seinem Gesamtwerk gerecht werden und für die man sich an diesen eigentlich guten MC erinnern wird.

Zolin sagt: 4 von 10

Johnossi – Transitions

Wer hätte gedacht, dass Johnossi nochmal ein gutes Album herausbringen? Zolin sicherlich nicht. Schließlich war zwar ihr selbstbetiteltes Debut zwar noch sehr gut, doch alles was folgte war im Vergleich wesentlich schlechter. Bei Album Nummer Vier mit dem Titel Transitions ist das anders. Aus einem ganz einfachen Grund: Man kann es kaum mit dem Debut vergleichen. Transitions ist nämlich im Gegensatz zu dem Debut eine richtige hochglanz Rockplatte geworden. Dadurch fühlt man sich halt auch eher an Kings Of Leon erinnert, als an Mando Diao oder Kakkmaddafakka. Was einem davon jetzt mehr zusagt ist sicherlich Geschmackssache. Dennoch funktioniert Transitions als ein solches Album sehr gut und verleiht Johnossi mal wieder etwas Glanz.

Zolin sagt: 7 von 10

HK119 – Imaginature

Hach, es geht doch nichts über ein neues Album einer Frau, die ihre Liebe zum Okkulten entdeckt hat. Imaginature ist das mittlerweile schon dritte Album von Heidi Kilpeläinen aka HK119, aber ihr erstes mit ihrer neu entdeckten Spiritualität, die sie nach der Veröffentlichung ihres zweiten Albums Fast, Cheap and Out of Control fand. Ihr Zweitling hatte sie emotional ausgelaugt, und so entschied sich die Finnin für ausgedehnte Reisen und eine Regenerationsphase. Ausgeruht und voller guter Geister veröffentlicht sie jetzt nun ihr erstes Album im neuen Bewusstsein und das kann sich durchaus hören lassen. Man fühlt sich ein wenig an eine Mischung aus den Instrumentals von The Knife und der Stimme von Rosin Murphy erinnert, obwohl Imaginature wohl trotzdem noch eine Liga unter den beiden genannten Bands spielt.

Zolin sagt: 6 von 10

Ill Bill – The Grimy Awards

Für alle konservativen HipHop-Hörer, die nach der Erwähnung von Lil Wayne einen Brechreiz bekommen haben, wird natürlich auch gesorgt. Schließlich hat La Coka Nostra-Gründungsmitglied und Bruder von Necro Ill Bill endlich mal wieder ein Album veröffentlicht. Und im Gegensatz zu dem besprochenen Lil Wayne Album veröffentlicht Ill Bill auch nach fast 15 Jahren im Game noch verdammt dope Alben. The Grimy Awards (pun intended) ist da sicherlich keine Ausnahme. Besonders sticht der gemeinsame Song mit EL-P herraus, der sowohl bei Severed Heads Of State den Beat als auch eine Strophe beisteuert. Überhaupt versammeln sich auf The Grimy Awards neben EL-P noch viele weitere bekannte Namen wie Pete Rock oder Meyhem Lauren, die die ohnehin schon starken Ill Bill Alben nochmal nach oben drücken und The Grimy Awards so zu dem wohl besten Ill Bill Album seit einigen Jahren machen.

Zolin sagt: 8 von 10

Video der Woche: Biting Elbows – Bad Motherfucker

Biting Elbows – ‚Bad Motherfucker‘ (Insane Office Escape 2) from Ilya Naishuller on Vimeo.

Auch abseits der Musik gibt immer wieder die Diskussion, in wie weit etwas noch dem Anspruch der Kunst gerecht wird. In anderen Medien, wie beispielsweise in Videospielen, wird schon von vornherein vorrausgesetzt, dass diese nichts mit Kunst zu tun haben, sondern einzig und alleine den Verbraucher inhumanisieren. Zwar mag das für manche Videospiele, die bewusst nicht mit überzeichneter Gewalt geizen, zutreffen, doch bleibt es im Endeffekt ja eher demjenigen überlassen, der dieses Werk konsumiert und was er für sich selber daraus macht. Einfach purer Trash, der nicht ernst zu nehmen ist oder doch Menschenverachtung.

Aber wieso jetzt diese Videospiel-Einleitung auf einem Musikblog. Nun ja, weil es zu dem Video der Woche Bad Motherfucker der russischen Rock Band Biting Elbows einige Paralellen zu Videospielen gibt, denn ebenso wie in den besagten Videospielen, gibt’s in dem Video einiges an Gewalt aus der Ego-Perspektive zu „bewundern“. Und auch die daraus folgende Problematik ist die Gleiche: Was macht man mit diesem Video? Feiert man es für seine intensive, ausgefallene und kompromisslose Inszinierung oder verteufelt man es wegen seiner Gewalt-Relativierung.

Das Video ist übrigens nur Teil 2, Teil 1 gibt’s hier.

Review: Steven Wilson – The Raven That Refused to Sing (And Other Stories)

Dass Steven Wilson jemand ist, der gerne alte Weisheiten und Perlen zwecks der Integration in sein persönliches kreatives Schafen sammelt, dürfte eigentlich keine Neuigkeit sein. Seine neuste Hymne des Übernatürlichen The Raven That Refused to Sing (And Other Stories) – das Bildungsbürgertum entdeckt hier sofort die Poe Anspielung – treibt Wilsons Rolle des „Architekten“ von alt und neu auf die Spitze.

Da wären zum Beispiel Edgar Allen Poe, ein Modernisierer, der vor ca. 200 Jahren lebte und dem Album hier gewissermaßen den ideologischen Mantel aufsetzt, Alan Parson an der Gitarre, der bereits 1976 an Eric Woolfsons Vertonung des „Raben“ mitwirkte und schließlich die Namen, die seit jeher um Wilsons Karriere herumschwirren: King Crimson, Jethro Tull, Emerson, Lake and Palmer aber auch Genesis.

Da wir uns hier auf einem Blog für Musik und Senf befinden, ist es wohl am sinnvollsten, die musikalischen Widersprüche zwischen Innovation und Götzenanbetung genauer unter die Lupe zu nehmen. Es ist teilweise bedauerlich, dass Steven Wilson im Gegensatz zum Vorgänger Grace for Drowning auf The Raven tatsächlich von seinen oben genannten Göttern ertränkt wird (pun intended). Das muss man aber nicht einmal so negativ sehen, wie es eventuell im ersten Moment klingt.

The Raven eher von seiner berüchtigten „Mastermind“ Seite leben zu lassen, könnte letztlich Wilsons großes Ego doch auf positive Art und Weise hinten anstellen. Das heißt in diesem Fall, die Eigenschaften des Artrocks der 70er so dermaßen genial zu studieren, dass die wilsonsche Fortentwicklung derselben keinesfalls als billiges Plagiat daherkommt, trotz der diesmal weniger prägnanten Marke Steven Wilsons selbst. Bei all der tiefgründigen Spekulation um den arg individuellen Briten vergisst man machmal gar, die Songs einfach zu genießen. Darauf kommt es ja eigentlich an, jedoch setzt man diese Qualität bei Wilson mittlerweile wohl von vorneherein voraus.

1. Luminol
2. Drive Home
3. The Holy Drinker
4. The Pin Drop
5. The Watchmaker
6. The Raven that Refused to Sing

Zolin sagt: 8 von 10

Review: Blackmail – II

Passender hätte der Titel zu dem neuen Blackmail Album eigentlich gar nicht sein können. Denn obwohl II eigentlich schon das mittlerweile achte Studioalbum der Koblenzer ist, war das letzte Album Anima Now! so etwas wie die Wiedergeburt der Band und das erste Album nach dem Ausstieg des ehemaligen Sängers Aydo Abay und das erste mit dem Nachfolger Mathias Reetz. Logisch also, dass das neue Album den schlichten Titel II trägt, denn es knüpft genau dort an, wo Anima Now! aufgehört hat. Doch bedeutet dies, dass II ein Kracher ist oder der überhaupt erste Reinfall der Band?

Ein Kracher ist II schon mal definitiv und braucht sich auch in dieser Hinsicht vor keinem anderen Blackmail Album zu verstecken. Ein großer Unterschied zu dem letzten Album ist hingegen, dass dies nicht allzu episch, von Streicher Arrangements gestützt abläuft, sondern sich noch rockiger gestaltet, als Blackmail ja schon ohnehin waren. Dadurch schlagen sie eine ähnliche Richtung ein wie …And You Will Know Us By The Trail Of Dead, die auf ihrem letzten Album ja bekanntlich auch wieder deutlich lauter wurden. Obwohl „lauter“ wohl nicht genau die Entwicklung beschreibt, die Blackmail bei II gemacht haben. Viel eher ist das Album wirklich im klassischeren Sinne rockiger geworden: Mehr Soli, mehr Hall und ein noch feineres Gespür für die Dramatugie eines Rocksongs.

Diese Entwicklung steht Blackmail wirklich sehr gut. Fragt sich, ob nach 20 Jahren Bandgeschichte und acht großartigen Alben in der Diskographie überhaupt noch Platz für ein mittelmäßiges oder gar schlechtes Album ist. Was Blackmail auch machen, sie machen es gut. Mit II ist nun auch endlich bewiesen, dass Reetz ein nicht nur ebenbürtiger Ersatz für Abay ist, sondern mittlerweile sogar den Sound mindestens genauso stark geprägt hat wie Abay. Die Sorgen, nach Anima Now! käme nun ein schlechtes Album raus, sind damit aus der Welt geschafft. Blackmail bleiben auch weiterhin eine der besten deutschen Bands und es gibt auch keine Anzeichen, dass sich das jemals ändern sollte.

1. Impact
2. The Rush
3. Day of Doom
4. Shine
5. Kiss the Sun
6. La Futura
7. Palms
8. O
9. Sleep well, Madness
10. Dual

Zolin sagt: 8 von 10