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Review: Rick Ross – Mastermind

Meist sind es für den Gangster-Rap der letzten Jahre sehr stereotypische Schlagzeilen, mit denen nicht nur die Hip-Hop-Klatschpresse ihr Fähnchen schwingt. Besonders wenn es um (Rap-)Schwergewicht William Roberts aka Rick Ross geht, ist sich kaum ein Portal zu fein, neben der Musik selbst gerne auch auf all die aktuellsten Kontroversen des Mannes hinzuweisen und das nicht immer subtil: Beef mit 50 Cent, Versöhnung mit Young Jeezy, Enthüllung des früheren Jobs als Bundesvollzugsbeamter in Miami, Vorwürfe der „Date-Rape“-Verherrlichung usw. Natürlich bleibt jede von diesen brennend wichtigen Neuigkeiten um den fast schon mystischen Personenkult des Rick Ross auch in seiner Musik ein Stück weit relevant. Für sein aktuelles, mittlerweile sechstes Album verschaffte der 38-Jährige sich neben verschiedensten Feature-Gästen diverser Kaliber und einer 29-tracks starken Ultra Deluxe-Version auch die gestalterische Zusammenarbeit mit Mr. Brainwash, dem unfreiwilligen Protagonisten im Banksy-Film Exit Through The Gift Shop. Nachdem auch die vorangegangenen Album-Titel nicht gerade vor Bescheidenheit strotzten, folgt nun Mastermind.

Nach einem selbstgefälligen Intro mit sekundenlangen Einschnitten in Roozays größte Hits der letzten Jahre folgt der erste großspurig angelegte Rich Is Gangsta. Hallende Drum-Fills, majestätische Bläser und ein theatralischer Chor bilden den Auftakt des Albums und bieten eine doch recht gelungene Mischung aus Sample-basiertem und synthetischem Material. Dann: eine digitale Ansage, vermutlich des Online Bank-Accounts Rick Ross‚ selbst, verrät dem Hörer den protzigen Geldbetrag auf der Kreditkarte des Masterminds. Drug Dealer’s Dream spiegelt die typiche Rick Ross-Mobster-Ästhetik schon viel klassischer wieder: Bedrohlich tief gehaltene Synthies, böse Bässe und Adlibs über Adlibs. In dieser Hinsicht kann man dem selbsternannten Teflon Don jedoch ein gut gemeintes Lob aussprechen und das nach zwei Tracks. Seine gutturale, ohnehin schon sehr präsente Stimme verfeinert er mit immer zahlreicher werdenden, ab und an auch regelrecht gebrüllten Vocal-Fill-Ins. Glich er zuvor damit noch eher einschlägigen Trap-Koryphäen wie Waka Flocka Flama ,hebt er sich nun noch darüber hinaus, beizeiten sogar mit dem französischen Ausnahme-MC Sefyu vergleichbar.

Nach dem verheißungsvollen Titel Shots Fired wartet Ross mit dem ersten Feature, genauer mit Rapper French Montana auf. Die Produktion an Nobody siedelt sich irgendwo zwischen vagen Boombap-Tendenzen und Plastik-Pump-Beat an, während der weibliche Soul-Support im Hintergrund vor sich hin säuselt. Etwas spannender klingt das darauffolgende Feature-Team, bestehend aus den Reggae & Dancehall-Legenden Sizzla und Mavado. Nachdem Roozay die üblichen Mobster-Zeilen stimmungsvoll auf den fast experimentell gehaltenen Sample-Dub-Beat fliegen lässt, scheint Mavados an sich beeindruckend weitläufige Stimmgewalt ein wenig schief zu hängen. Sizzla entschädigt dafür mit einem glänzend dem gepfefferten Bassbeat angepassten Verse und lassen den Track zu einem der Highlights heranwachsen. Wenn man glaubt, man hätte in den dunklen Street-Trap-Ecken schon alles an bösen Basslines und unheilvollen Sythie-Dudlern gehört, gibt einem War Ready noch ein weiteres Mal zu denken. Tiefer kann die alles zu verschlingen drohende Bassmelodie kaum klingen und auch hier weiß der Vollbärtige sich, wenn auch etwas haspelig ob des extrem niedrigen Tempos, mit solidem Rap zu platzieren. Wenn sich der bescheidene Don in Supreme von schmalzig triefendem RnB-Support umgarnen lässt, verzeiht man es ihm zumindest im wunderbar vorgetragenen Verse-Teil, der durch den produktionstechnisch grandiosen, ja sogar gutmütigen Sommer-Hit-Beat noch unterstrichen wird.

Dass das Feature mit dem kanadichen RnB-Wunderknaben The Weeknd etwas anders als der stereotype Maybach-Sound aufällt, war anzunehmen. Doch mehr noch: Nicht nur, dass Abel Tesfaye in großen Teilen des Songs alle Aufmerksamkeit an sich und seine feinfühlige, verletzlich wirkende Stimme reißt. Auch Ross selbst weiß gegen das ungewöhnlich ruhige, hallend atmosphärische Instrumental einen sehr soliden Anteil vorzuweisen, der nur durch die schiere Kürze des Tracks an Wirkung verlieren könnte. Was sich Schwergewichte Kanye West, Rick Ross und Weltergewicht Big Sean zusammen bei der Auswahl des, milde gesprochen, schwierigen Instrumentals von Sanctified überlegt haben, bleibt dem 0815-Rapfan wohl bis auf Weiteres ein Rätsel. Vor pompösem Größenwahn in Beatform überlaufend, bleibt der Kitsch auf einem gerade noch erträglichen Niveau in der durch das Vocal-Sample aufgewerteten Hook annehmbar. Auch Maybach Music-Zögling Meek Mill hat einen Gastauftritt ergattern können, den er mit überenthusiastisch furioser Arbeit im Verse von Walkin On Air gut nutzt. Thug Cry zeigt eine wirklich interessante, neuartige Nutzung des guten alten Billy Cobham-Songs Heather, der vor allem durch das Sample des Souls Of Mischief-Hits 93 Til Infinity bekannt wurde. Insgesamt scheint Rick Ross im frühen 2014 selbstverständlich nach wie vor der Teflon Don, Boss des allmächtigen Maybach-Music-Empires zu bleiben. Ein wirkliches Mastermind scheint hinter diesem Album jedoch noch nicht zu stecken, dafür fehlt es an vielen Ecken und Enden trotz der authentisch vermittelten, eigenwilligen Attitüde einfach noch an Konzept, Technik und vor allem Innovation in den eigenen Inhalten. Dennoch liefert Rick Ross auch für den anspruchsvolleren Hörer vor allem produktions- und featuretechnisch ein überaus solides Rap-Album ab.

1. Intro
2. Rich Is Gangsta
3. Drug Dealer’s Dream
4. Shots Fired
5. Nobody
6. The Devil Is A Lie (feat. JAY Z)
7. Mafia Music III (feat. Sizzla & Mavado)
8. War Ready (feat. Jeezy)
9. What A Shame
10. Supreme
11. BLK & WHT
12. Dope Bitch Skit
13. In Vein (feat. The Weeknd)
14. Sanctified (feat. Kanye West & Big Sean)
15. Walkin On Air (feat. Meek Mill)
16. Thug Cry (feat. Lil Wayne)

Zolin sagt: 7 von 10

Mixtape #25: 2011

Die besten Tracks des Jahres.

1. WIN WIN & Gang Gang Dance – Release RPM
2. Radiohead – Lotus Flower
3. Drake feat. DJ Khaled, Rick Ross & Lil Wayne – I’m On One
4. James Blake – Limit To Your Love
5. Crystal Fighters – Champion Sound (Alt. Version)
6. Diamond Messages – Liquid Summer
7. The Strokes – Machu Picchu
8. Spank Rock – DTF DADT
9. GusGus – Over
10. K.I.Z – Fremdgehen
11. Bibio – Anything New
12. Gotye – Somebody That I Used To Know
13. tUnE-yArDs – Bizness
14. Flashguns – Passions of A Different Kind
15. Metronomy – Everything Goes My Way

Video der Woche: Kanye West – Monster

Kanye West mag menschlich gesehen ein noch so großes Scheusal sein, doch sein letztes Album My Beautiful Dark Twisted Fantasy ist ein Meisterwerk. Nun veröffentlicht er mit Monster auch noch den besten Song als Single. Die Frage ist jedoch: Kann das dazu gehörige Video, mit dem Song mithalten?

Ja, es kann. Herausgekommen ist ein groteskes Video, über dessen Brutalität in Zukunft wahrscheinlich noch viel geredet werden wird. Man kann es sich mitlerweile nicht mehr verkneifen zu fragen, wer diesem (Rap-) Monster überhaupt noch das Wasser reichen kann. Die Frage beantwortet sich beim Ansehen dieses Videos.