Archiv der Kategorie: Pop

Review: Trust – Joyland

Als Rezensent hat man es generell einfacher, wenn man über ein Album sprechen kann, welches in irgendeiner Weise aus dem restlichen und nebenbei bemerkt gigantischen Berg an Veröffentlichungen heraussticht. Dabei ist es grundsätzlich egal in welcher Weise dies geschieht. Ein Album mag besonders gut, besonders schlecht oder einfach nur besonders sein, es hilft auf jeden Fall, die Musik mit Worten beschreiben zu können, die wie auf das entsprechende Album zugeschnitten zu sein scheinen. Vor allem Bands aus den zahlreichen Revival-Szenen haben es da schwer, nicht andauernd mit meist bereits lange vor ihrer Zeit gefeierten Gruppen verglichen zu werden. Trust sind eine dieser Bands, welche viele Elemente bereits bestehender Genres direkt übernehmen. Das kanadische Synth Pop-Projekt, welches mittlerweile nur noch aus einer Person, Robert Alfons, besteht, kombiniert Depeche Mode und Gothik Pop/Rock zu einer durchaus tanzbaren Mischung, die gerade Nostalgiker, welche in der Ära der synthetischen Pop-Musik und dunklen Klamotten zu Hause sind, zum Hören antreiben sollte.

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Review: Chet Faker – Built On Glass

Seit seiner erfrischend soulig ausgelegten Version des 2000er-Hits No Diggity von Blackstreet genießt der Australier Nicholas James Murphy alias Chet Faker nicht nur in seiner lokalen Umgebung Aufmerksamkeit und große Nachfrage. Der gebürtige Melbourner schuf sich nach ersten größeren Remix-Anfragen und einem kurzfristigen Werbevertrag mit Beck’s eine Fanbasis, die über ein One-Hit Wonder weit hinaus ging. Mittlerweile ist er als Globetrotter seit 2012 immer wieder auf größeren Festivals wie dem amerikanischen Coachella oder SXSW, doch auch seine europäischen Tourneen erfreuen sich dankbarer Besucherzahlen. Mit seinem ersten größeren Release Thinking In Textures verschaffte er sich 2012 dann den nötigen Respekt für seine gefühlvoll nuschelnde Neo-Soul-Bandbreite auf der Länge einer EP. Vor allem der gute alte Fender Rhodes kommt dabei seit jeher immer wieder sanft untermalend zum Einsatz. Beobachter der elektronischen Beat-Szene bezeichnen Australien in Bezug auf momentan aufsteigende Künstler wie Flume, Ta-Ku oder eben Chet Faker als Mischungen aus „Future Beat“ und „Modern Soul“.

Die zwangsläufige Zusammenarbeit der drei Bastler lässt sich in diversen Features vermehrt feststellen. So veröffentlichten Flume und Chet Faker ebenfalls 2012 die Lockjaw EP, auf der leicht schwankende, elektronische Off-Beat Spielerei mit deutlichem J Dilla-Einfluss von den summenden Singereien des vollbärtigen Chet Fakers unterlegt wurde. Des Weiteren ließ er Fans allerorts die Ohren spitzen, als er den wohl bekanntesten Song Archangel der sagenumwobenen Future Garage-Legende Burial neu interpretierte. Was bei all den Projekten in einem ohnehin beachtlichen Zeitrahmen von knapp zwei Jahren nie aus der Gewichtung fallen sollte: Bis dato erledigte Murphy alles selbst. Songwriting, Aufnahmen, Mastering und Performances werden von ihm nach wie vor fast vollständig nach dem DIY-Motto abgearbeitet. Nicht anders verhält es sich bei seinem nun erschienenen Debüt Built On Glass. Vorab versetzte das Video zum eingängig warmen Talk Is Cheap Hörer in Aufregung. Im Zeitraffer aus der Close-Up Perspektive erliegt das markante Gesicht Murphys nach und nach der Witterung der Natur und schließlich der Verwesung. Wie bei den meisten seiner Songs schafft er es trotz der spürbaren Verletzlichkeit und Trauer, den Melodien Leichtigkeit und einen Hauch von Sex-Appeal zu verleihen. Nicht das plakative, in Pop-Clips so vulgär dargestellte Sexy. Eher das leicht Angetrunkene, langsam und intensiv vorangetriebene Spiel zweier Körper.

Dabei schafft Murphy auch auf Built On Glass eine elegante Brücke zwischen seinem eigenständigen, cremig verrührten Fender Rhodes-Soul mit elektronischer Schlafzimmer-Produktion und einer gesunden Prise an Pop-Tendenzen. Der Opener Release Your Problems zeigt beispielhaft, inwiefern sich Murphy mit seinem Alias der einstigen Jazz-Legende Chet Baker und dessen damals neuartiger, sehr intimer und nah erscheinender Stimme widmete. Back-Up Vocals, Drum-Computer und eine saftige Bassline lassen die gefühlvoll vorgetragenen Zeilen in gedimmtem Rampenlicht angenehm ihren Lauf nehmen. Zusammen mit der jungen amerikanischen Sängerin Kilo Kish wandelt er bei Melt den wohlbekannten Fender-Rhodes leicht ab, fügt knackige Synthies und eine digitale Flöte der Klasse Black Moth Super Rainbow hinzu. Auf To Me fällt der Rhodes dann ganz weg, dafür bereiten griffige Bass-Riffs neben sporadisch vorbeiziehenden Bläsern und nebeligen Synthesizern den Weg. Ab diesem Punkt geleitet der Track / den Hörer unter Vinylknistern in die zweite Hälfte mit den Worten: „This was the other side of the record. Now relax even more and drift a little deeper as you listen„. Und hier wird das Album erst richtig interessant. Murphy bereitet den Hörer ganz bewusst vor und unterteilt Built On Glass in die erste, seichte und leicht bekömmliche Hälfte und die zweite, weitaus experimentierfreudigere Hälfte. Auf Blush erlebt man einen Chet Faker mit Filtern, mit großen Effekten und feingeschnittenen Vocal-Samples.

Gerade jenen, denen die zweifellos angenehme Stimme Murphys eben manchmal einfach nicht emotional genug klingt, dürfte die zweite Hälfte eine interessante neue Perspektive auf den Mann vermitteln. Klar, Murphy trifft seine Töne und auch im Bereich Songwriting hält er seine Versprechen. Doch insgesamt erwischt man sich ab und an dabei, wie man ihm eine noch ausdrucksstärkere Art des Gesangs wünscht. Zwar steht er verhältnismäßig nach wie vor in den Startlöchern seiner Karriere, doch verglichen mit momentanen Größen des modernen Soul wie Aloe Blacc, Frank Ocean oder Janelle Monae bleibt er stimmlich noch oft zu zurückhaltend, was bei einigen Songs Potenzial zu verschenken droht. Beispielsweise das von Flume grandios als leicht angestaubter House-Track produzierte 1998 würde mit ein paar mehr ausufernden Vocal-Momenten glänzen. Andererseits fügt sich Murphy in den meisten Fällen trotzdem passend verhalten an seine Kompositionen an. Bei Cigarettes & Loneliness arrangiert er im gelungenen Wechsel zwischen seiner Kopfstimme und den hellen Akkorden der Hintergrund-Vocals. Für manch Einen klingt es sogar ein wenig nach Atoms For Peace. Wirft man einen kurzen Blick auf die Minutenzahlen hinter den einzelnen Songs, kann man schon mal ins Staunen geraten: Die eben erwähnten beiden Songs halten die Aufmerksamkeit des Hörers immerhin für sechs und acht Minuten konstant. Auch das darauffolgende, schleppend jazzige Lesson In Patience fließt mit knapp sechs Minuten und ohne eine einzige Zeile Text in Richtung Schlusslicht. Dead Body schließt letztlich mit Kerzenlicht neben hocherotischer Blues-Gitarre und der kurzen, stimmlich verführenden Darbietung Chet Fakers ab. Alles in allem bildet Built On Glass eine logische, teils sogar sehr ambitionierte Erweiterung des musikalischen Spektrums des Nicholas James Murphy. Die Tracks variieren stärker als noch auf Thinking In Textures, die Gastbeiträge sind bereichernd und die Instrumentalisierung ist vor allem im zweiten Teil um einiges breiter gefächert. Obwohl es kaum Stücke gibt, die herausragen, schafft Chet Faker hier einen sehr soliden Startpunkt einer ehrlichen Karriere.

1. Release Your Problems
2. Talk Is Cheap
3. No Advice (Airport Version)
4. Melt feat. Kilo Kish
5. Gold
6. To Me
7. /
8. Blush
9. 1998
10. Cigarettes & Loneliness
11. Lesson In Patience
12. Dead Body

Zolin sagt: 7 von 10

Findling #1: tUnE-yArDs, How To Dress Well, Ice Cream Cathedral

Nachwuchs bei Zolin! Zwar handelt es sich bei diesem nicht um seinen direkten Nachkommen, das soll aber an dieser Stelle nicht interessieren. Schließlich ist es ein Geschöpf ohne Vergangenheit, ohne jegliche Prägung. Daher tauft Zolin ihn einfach auf den Namen „Findling“ und führt ihn ein, in das Reich der Musik. Zu allererst beschäftigt er sich mit der neuen Single von tUnE-yArDs und How To Dress Well, sowie dem Debüt Song der verheißungsvollen dänischen Band Ice Cream Cathedral.

tUnE-yArDs – Wait For A Minute

Ein wenig bin ich schon aufgeregt… Wie viele singen denn da? Was fiepst? Summende Fliegwesen summen. Ah, Geboller, und schön und auf und nieder, diese Stimme. Eine Frau singt also, denke ich. Eine Frau, wer anders oder so klopft und klappert, eine kleine… Sirene im Hintergrund? Mehr Klopfen? Hey, jetzt wackelt es, jetzt schiebt da wer Gesang rein! Und das Summen, Flirren! Insekten? In Gläsern? Nein, sie würden gegen die Wände stoßen. Die Frau hat sicher Recht, mit dem, was auch immer sie da singt. Hoffentlich geht es ihr gut. Doch, dieser Frau soll es immer gut gehen. Ich muss ja aufpassen, sonst würde ich tanzen… Da schiebt sich schon wieder, „How-how-how-how“, wer dawischen! Pause mit dem Klopfen, dunkler wird’s! Dunkel, ja, dunkel! Jetzt muss noch was passieren… Klopfen! Nicken, nicken! Hey, wer hackt denn da schon wieder? „How-how-how“, Schönelei ist das nicht. Überhaupt keine -lei. Diese Frau ist ein guter Mensch, ganz bestimmt.

How To Dress Well – Repeat Pleasure

Ah, sanft, glatt. Meine Bettwäsche fühlt sich auch so an, weich, aber etwas kühl und kalt. Das ist ein Liebender liebender Mensch, der Sänger. Ob er wohl so empfindsam sein kann, wie er singt? Würde ich ihn zu meinem Geburtstag einladen? Der würde seinen Besuch doch für das beste Geschenk halten… Zolin, wann habe ich eigentlich Geburtstag? Wieso wird hier wieder geklopft und geklatscht? Ist der Mann immer so verliebt? Wie schmiert er sich sein Brot, elegant? Sicher. Die anderen Musiker da machen gerne plötzlich laut, obwohl’s doch empfindsam sein soll… sie bauen mir ein Schloss aus Lego, und dann wollen sie, dass ich mich in die Badewanne lege, aber die ist ja viel zu klein! Nein, ich bin misstrauisch. Ich bleibe misstrauisch. Wolken, Nebel, Effekte! Noch mehr Klatschen! Ein Chor aus…Rehen? Die ziehen doch auf Nebel umwehte Lichtungen, um so etwas zu singen! In wallenden Gewändern! Und drunter tragen sie Jeans.

Ice Cream Cathedral – The Swans

Klopfen, und Geräusche, die so klingen, wie es aussieht, wenn wer Luftballons aufbläst… Geburtstag! Zolin…?! Mhm, ist das eine Mischung aus der Frau vom ersten Lied und dem Mann aus dem zweiten? Wieder waberndes Klopfen, ah, es wird harsch! Zuckeln, da baut sich etwas auf! Spannung, Spannung! Wie die Taube ruckel ich mit dem Kopf, aber bin still und flieg auch nicht weg, ich will ja hören. Passiert gleich was? Ja! Krächz! Da ist bestimmt Rost gerieselt, Knöpfe blinken und piepen! Wo ist das Weltall… husch! Wieder so verschobene Sachen wir beim ersten Lied. Es sammelt sich… Hui! Bitte noch mal krächzen! War ja nur ganz kurz. Ah, Pause. hier ist’s, anders als grad eben bei dem Mann, egal, worum es in dem Lied geht, das höre ich so. Es wird wieder gebollert. Im Hintergrund dreht sich etwas sanft quietschen, oder so ein durch die Luft geschleuderter Schlauch… Rausch! Noch mal das Krächzen, Schaben! Metal, Rost, Raketenstart und ein etwas verzweifeltes Abenteuer. Lässig! Rauschen… Knirschen? Mhm, warum? Was denn noch? Das klingt aber bedrohlich… gruselig! Ist das Lied denn noch nicht vorbei… Wann habe ich noch mal Geburtstag… das rostige Krächzen, es wird lauter! Ei, ei, ei… Ich höre übrigens nur das Lied und schreibe gleich dabei, das Video sehe ich nicht. Ich bin ja auch schreckhaft… Ah, der Beat kehrt zurück! Und irgendwie ist der Beat auch ein guter, glaube ich… Fauchen! Ist das jetzt ein Lied! Das wird immer unruhiger! Was denn, was ist nur los? So langsam könnte wieder mal wer singen, selbst das rostige Krächzen langweilt… Lalala. Gleich singe ich selbst. Und doch, Wabern, Flimmern, am Ende ein helles Strahlen im Ohr… Das war schön.

Review: Skrillex – Recess

Ohne Ankündigung, ohne Werbefeldzug. Recess, das erste tatsächliche Album von Skrillex, einer der präsentesten und gleichzeitig verschmähtesten elektronischen Musikerfiguren weltweit, erschien plötzlich am 18. März. Nicht wenige warfen ihm kurz darauf vor, sich die geplant spontane Veröffentlichung bei R’n’B-Ikone Beyoncé Knowles-Carter abgeschaut zu haben. Doch auch sein letztes großes Release, Bangarang wurde im Jahre 2011 einzig über Facebook verlautbart und promoted. Sonny John Moore, so Skrillex bürgerlich, feierte nach seinem Austritt aus der Band From First To Last als Solo-Künstler und wohl einer der ersten amerikanischen Musiker Erfolge mit dem damals noch größtenteils nischenartig bekannten Genre des Dubstep. Halb scherzhaft, halb böswillig titelten ihn Fans, Hater und sogar der Rolling Stone aufgrund eines zunächst fehlenden weiblichen Publikums als Pionier des Brosteps. Moore selbst nimmt die Hetzereien gelassen und dreht vielen seiner Gegner einen humoristischen Strick aus den Anschuldigungen.

All Is Fair In Love And Brostep bringt bereits in den ersten Sekunden unheilvolle Vorahnungen für all Jene, die das elektronische Alter Ego Sonny Moores seit Jahren meiden und diskreditieren. Zerknirschende, großspurige virtuelle Synthesizer quetschen sich hysterisch zwischen die schwere Kick-Drum auf der 1 und die ebenso basslastige Snare-Drum auf der 5. Dazu servieren die Ragga Twins aus England Gimmicks und vokale Drop-Unterstützung mit der nötigen Portion an Patois-Akzent, um den Titel zu rechtfertigen. Das zweite Drop-Fest wartet bereits in Form des Titeltracks Recess, der neben Owsla-Labelkollegen Kill The Noise auch die schreiende Legende Fatman Scoop zu Tisch bringt. Abseits der zu erwartenden prallen Faust voller dominanter elektronischer Bassbomben überrascht der Track jedoch mit einem deutlich höheren Tempo und jeder Menge Details in der Produktion. Mit dem dritten Streich folgt dann die bis dato größte Überraschung. Auf zunächst subtil gehaltenen, spärlich gesetzten Drums entfaltet sich die sanfte R’n’B-Stimme von Featuregast Sam Dew. Der unvermeidliche Drop bleibt jedoch auch hier nicht aus. Statt aggressiv gegeneinander donnernden Dubstep-Übersteuerungen prescht Skrillex mit einem Gemisch aus Moombaton und Trap-Verschnitt nach vorn, während die helle Synth-Melodie im Vordergrund den roten Faden vorgibt. Bei Try It Out schmeißen Skrillex und der notorische Karoträger Alvin Risk dann wieder akustische Blendgranaten in klassischer Manier.

Mit Chance The Rapper als Gast-MC beherbergt Recess bei Coast Is Clear sogar einen fein ausgearbeiteten Drum n Bass-Track, der mit viel Probierfreude, Beatboxing und der richtigen Menge an komprimierenden Filtern genug Platz für den Rapper aus Chicago lässt. Aufgenommen haben die Beiden den Track nach einem Live-Gig des Rappers in Seattle. Auf Dirty Vibe feuert das Noise-Team einen kräftigen Schuss in Richtung Trap ab. Bestehend aus, natürlich, Skrillex, Twerk-Promoter Diplo, Rapperin CL und G-Dragon, dem Kopf der koreanischen Boyband Big Bang entfacht das ungleiche Quartett eine Bass-Hymne sondergleichen. Eine weitere Überraschung bildet der Kollabo-Track mit Mishka, dem Reggae-Aushängeschild der Insel Bermuda. Auf seltsamen, dicht verstrickten elektronischen Schreitschritten stolziert Doompy Poomp genau so ungleichmäßig wie es der Titel vorgibt. Auch House- und Techno-Einflüsse lassen sich, originell und auf unverkennbare Skrillex-Art verarbeitet, bei Fuck That finden. Mit seiner knappen Dreiviertelstunde Laufzeit und jeder Menge buntgemischter Features schafft es Skrillex bei allen Vorurteilen, den gehässigen Vorwürfen und der öffentlichen Diffamierung zu beeindrucken. Sei es durch die breit gefächerte Verarbeitung verschiedenster musikalischer Einflüsse unter Anwendung der deutlichen, eigenen Handschrift oder durch die bodenständige Art und Weise, wie er ein solch rundes Gesamtpaket auch nach Jahren der Diskreditierung zusammengeschustert bekommt.

1. All Is Fair In Love And Brostep feat. Ragga Twins
2. Recess feat. Kill The Noise, Fatman Scoop & Michael Angelakos
3. Stranger feat. KillaGraham (Milo & Otis & Sam Dew)
4. Try It Out (Neon Mix) feat. Alvin Risk
5. Coast Is Clear feat. Chance The Rapper & The Social Experiment
6. Dirty Vibe feat. Diplo, G-Dragon (Big Bang) & CL (2NE1)
7. Ragga Bomb feat. Ragga Twins
8. Doompy Poomp
9. Fuck That
10. Ease My Mind feat. Niki & The Dove
11. Fire Away feat. Kid Harpoon

Zolin sagt: 6 von 10

Review: TWISK – TWO

twisk two

Erwartungen sind der schlimmste Feind eines Jeden, der sich versucht mit Musik objektiv auseinanderzusetzen. Denn sowohl in dem üblichen Fall, der Enttäuschung, als auch beim genauen Gegenteil, nämlich der Überraschung, sind die Maßstäbe rein subjektiv. Das ist einerseits OK, wer kann sich schließlich schon komplett von äußeren Einflüssen befreien, führt jedoch leider viel zu oft dazu, dass ein eigentlich gutes Album zu schnell als Schund, wegen der guten Vorgeschichte der Band, oder der Pressestimme abgetan wird. Ganz davon abgesehen gibt es, ob man es glauben kann oder nicht, dann immer noch Fälle, bei denen man tatsächlich keinerlei Vormeinung zu einer Band, bzw. deren Platte hat. Das kann verschiedene Gründe haben: Zum einen hat diese Band in den meisten Medien kaum Beachtung gefunden, oder die gesamte Platte ist so unüblich, dass man es, obwohl man eventuell sogar den Drang verspürt, nicht katalogisieren kann.

Am ehesten trifft wohl eine Mischung aus beidem auf die Hamburger Band TWISK zu. Eben diese veröffentlicht in wenigen Tagen nämlich ihr Debüt namens TWO. Doch so fragwürdig, wie der Titel für ein Debüt im ersten Moment scheint, ist er gar nicht unbedingt. Zum einen, da TWISK als Duo aus Lennart Thiem und Martina Lenzin besteht, die letztes Jahr noch gemeinsam mit den momentan pausierenden Honeyheads das Album Live in Wimbledon veröffentlichten. Aber vor allen Dingen deshalb, da die isolierte Handschrift der beiden sehr programmatisch für ihre Musik steht. Sie spielen eine ähnlich minimale Mischung aus Pop, Punk und Funk, wie die Young Marble Giants, bei der die jeweiligen Parts der beiden immer deutlich heraushörbar sind: Lennarts treibendes Bassspiel und Martinas verstohlen, aber trotzdem locker leicht wirkenden Gitarreneinsatz. Dazu gesellen sich stets einfach wirkende, programmierte Drum Beats, die meistens eher im Hintergrund stehen und größtenteils als zweckmäßig bezeichnet werden könnten.

Dass das jedoch gar nicht als Vorwurf zu verstehen ist, merkt man, wenn man sich mit den TWO beschäftigt, denn abseits des Instrumentalen, teilen sich Martina und Lennart auch am Mikrophon das Rampenlicht. So wechseln sie sich als Leadstimmen ab. Das bringt vor allen Dingen Variation und Dynamik in das Album, ihre Stimmen könnten nämlich kaum unterschiedlicher sein: Lennart singt mit einer leicht zittrigen Stimme, die nahezu ein wenig nach David Byrne oder Violent Femmes‚ Sänger Gordon Gano klingt. Martina Lenzin hingegen möchte man teilweise als klassische Punkröhre bezeichnen, obwohl ihr das wohl nicht in Gänze gerecht wird. Denn dafür hat ihre Stimme viel zu viel Raum und bewegt sich von tieferen Oktaven nahezu fließend in höhere Bereiche, ohne dabei aber einen Punkt zu erreichen, wo es nervig werden könnte. Überhaupt ist das die große Stärke von TWO. Es geht eine sehr entspannende Wirkung von dem Album aus. Wohl bemerkt von einem Album, das man am ehesten in sein Post-Punk Regal stellen würde. Aber wer sagt überhaupt, dass Widersprüche nicht auch eine feine Sache sind? Vielleicht ja nur ein weiteres Vorurteil?

Doch zumindest textlich gehen TWISK schon wesentlich deutlicher in eine punkige Richtung. Vor allen Dingen, da sich eher persönliche und politische Texte abwechseln. Diese fallen zwar simplizistisch aus, haben aber durchaus konkrete und komplexere Inhalte, wie das menschliche Verlangen nach Eskapismus. Dass sie extra beteuern, dass die Texte durchgängig ehrlich sind, wirkt fast ein bisschen nebensächlich. Niemand würde nach nur einem Hören auf die Idee kommen, dies anzuzweifeln. Ganz Punk typisch wurde das Album übrigens ausschließlich als Kassette veröffentlicht. Und zwar nicht (ausschließlich), da es sich um ein fancy, analoges Format handelt, sondern, da eine große Vinyl und CD Auflage aufgrund der geringen Verkaufserwartung ein Verlustgeschäft gewesen wäre. Eigentlich schade, dass TWISK so pessimistisch kalkulieren, TWO ist nämlich ein verdammt gutes Album und hätte Aufmerksamkeit und zumindest den Ausverkauf einer LP-Auflage verdient. Aber vielleicht handelt es sich bei der Kalkulation ja doch nur um ein Vorurteil. Es wäre doch mal schön, wenn sich auch dieses als falsch herausstellen würde.

(Post Scriptum: Zusätzlich zu dem Review präsentiert Zolin übrigens noch die Premiere ihres Albumtracks Mated, sowie die Recordreleaseparty am kommenden Freitag. Weitere Einblicke in TWO gibt’s bei jahrgangsgeraeusche.de, kotzendes-einhorn.de, postpunk.de, munitionen.de, prettyinnoise.de.)

1. Salty And Free
2. But To The Water
3. Money For Millionaires
4. Bowser
5. Idon Twanna
6. Mated
7. Uncover
8. Mail
9. Salary Workers
10. Silver Salute

Zolin sagt: 8 von 10