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Zolin Sagt 001: David Dröge – 21.09.2011

Was ist „Revolution„? Laut Wikipedia steht es „allgemein für Veränderung, plötzlicher Wandel, Neuerung gebräuchlich“. Zolin Sagt erlebt zwar keine Revolution im epochalen Sinne, aber durchaus eine Veränderung. Denn es war schon lange an der Zeit für eine eigene Zolin Sagt Podcast-Reihe! Die Besten der Besten ihres Faches stellen exklusiv auf Zolin Sagt ihre Mixe vor und sprechen über sie.

Den Anfang macht das junge Techno-Talent David Dröge aus Ratingen, mit einem Mix aus Deep House und Techno. In dem Interview spricht er über seine Einflüsse und seine weitere Karriere.

Wo hast du dich zuletzt rumgetrieben?

Meinen letzten Auftritt hatte ich in den Ferien im Rheingold, bzw. im Orange Club. Das ist der kleine Club innerhalb des Rheingolds, in dem etwas „softer“ als in der Mainhall gespielt wird, deswegen habe ich auch etwas entspannter insgesamt aufgelegt. Kann man sich übrigens auf David Dröge Musik anhören, ich habe das Set aufgenommen.

Wo und wann wurde der Mix aufgenommen?
Bei mir Zuhause mit Traktor Pro vor einigen Tagen.

Welche Idee steckt hinter dem Mix?
Da ich wusste, dass der Podcast extra für Zolin Sagt wird habe ich mir einige Gedanken gemacht, was ich mit dem Set zeigen möchte. Sonst ist es immer so, auch wenn ich im Club auflege, dass ich mir vielleicht mal ein paar Tracks zurecht gelegt habe, die ich unbedingt spielen möchte, aber nie und nimmer weiß, was genau ich spielen werde. Das halte ich so, weil ich denke, dass es besser ist, seinem Gefühl in der jeweiligen Situation zu vertrauen bzw. im Club auf die Menge zu achten und darauf reagieren zu können. Bei diesem Podcast hingegen wollte ich eine Geschichte erzählen. Wenn man mal hinhört, kann man bei sehr guten DJ’s so eine Geschichte auch entdecken, vielleicht auch manchmal wenn es gar nicht so sehr gewollt war. Die grundsätzliche Idee hinter dem Mix war meine Entwicklungsgeschichte und auch die Geschichte meiner Einflüsse zu demonstrieren. Deswegen werden Leute, die mich und die Musik die ich seit längerem mache kennen auch einige Tracks wieder erkennen.

Wie würdest du deinen Mix beschreiben?
Rein musikalisch gesehen: eine Mischung aus Minimal, Tech House und Techno. Da mir aber immer wieder bei guten DJ’s auffällt, wie wenig solche Begriffe so etwas definieren würde ich sagen: es ist eher ein ruhigeres, entspanntes Set mit schönen treibenden Höhen, die aber eben mit der Geschichte zu tun haben.

Was war deine bisher magischste Erfahrung mit Musik?
Das ist für mich schwer zu sagen, weil es einige Augenblicke gab, die sehr magisch für mich waren. Welcher davon magischer oder wichtiger war, ist also nicht so einfach zu sagen. Ich denke aber, dass ich die bisher für mich beeindruckendste Erfahrung gemacht habe, als bei den Pollerwiesen Minus plötzlich Richie Hawtin 5m entfernt von mir stand. Dazu muss man allerdings wissen, dass dieser weltbekannte DJ für mich vor 2 Jahren ungefähr mit das Hauptmotiv dafür war, mit dem Auflegen anzufangen – an meiner Bewunderung für ihn hat sich seitdem nichts geändert. Als es dann vor Kurzem endlich so weit war und ich sogar einige Worte mit ihm wechseln durfte, war das fast schon ein himmlischer Moment für mich. Die wahre Magie an diesem Tag begann aber schon mit Gaiser, der vor Hawtin spielte und endete 4 Stunden danach, als Richie mit seinem Set fertig war. Ich habe noch nie so euphorisch getanzt und gefeiert wie an diesem Tag und habe bisher auch noch nie selber so eine tobende Menge erleben können. Das war schon faszinierend und für mich nochmal ein neuer Antrieb, der mich wieder sehr stark in die Faszination für DJing gebracht hat.

Vinyl, CD oder MP3?
Die Frage stellt sich am Anfang wohl jeder DJ, bei mir kam es, eben auch durch Hawtin beeinflusst, auf MP3. CDs sind meiner Meinung nach ein merkwürdiges Zwischending, nichts Ganzes und nichts Halbes. Den Zauber an Vinyl kann ich noch nachvollziehen, auch wenn es eben sehr viel schwerer ist. Allerdings finde ich bis heute, dass ich mit MP3 eine gute Schiene fahre, obwohl diese Art des Auflegens unter vielen alteingesessenen Technoliebhabern noch nahezu verpönt ist. Dass ich MP3 favorisiere liegt daran, dass es einem unfassbar viele Möglichkeiten bietet. Ich meine, wenn man mal ehrlich ist, dann geht es ja nicht darum, wie man guten Sound macht – Hauptsache man macht halt guten Sound. MP3 erlaubt dir auf eine einfache Art, aus einer riesen Auswahl an Musik zu schöpfen, die dabei noch sehr viel preiswerter ist als Vinyl, und es eröffnet einem die Möglichkeit einen richtigen Fluss zu erzeugen. Bei Deep House mag der Unterschied nicht so groß sein, da werden sowieso nur 2 Decks gleichzeitig gespielt, aber bei Techno können 4 Decks großartige neue Wege eröffnen – ganz abgesehen von Loops, FX, und, und, und.

Inwiefern hat sich, deiner Meinung nach, Musik in den letzten Jahren verändert?
Bevor ich angefangen habe Techno zu hören – das war so vor ca. 3 Jahren – habe ich nicht wirklich bewusst einen Musikgeschmack entwickelt. Ich kann mich offen gestanden nicht mal besonders gut erinnern, was ich gehört habe, aber es war nichts besonders, reines Chartszeug. Von daher kann ich maximal etwas zu den letzten drei Jahren sagen und selbst da nur sehr beschränkt, weil ich mich eben sehr stark auf Techno konzentriert habe – eine Musikrichtung, von der manch einer behauptet, sie hätte sich seit den 90ern nicht verändert. Zu dem restlichen Zeug, dass ich mitbekomme: ich könnte kotzen, wenn ich den Namen Taio Cruz auch nur höre. Ich möchte niemanden in seinem Musikgeschmack beleidigen oder kränken, aber wenn ich mir angucke, wie immer die gleichen Top 10 Hits totgenudelt werden, kriege ich wirklich böse Gedanken – das hat die Techno – Szene dem Mainstream eindeutig vorraus, diese Vielfalt. Ich merke einfach, dass diese sogenannten „Clubhits“ immer mehr alltagstauglich werden, mit anderen Worten: House und Electro gliedern sich halt etwas stärker in den Geschmack des Otto Normalverbrauchers ein. Ich finde es bis heute unfassbar schade, wie wenig, gerade junge Leute bereit sind, mal was Neues auszuprobieren. Seit 3 Jahren nörgele ich jeden Tag jeden an, aber man hat einfach keine Chance. Einzig und allein meine zwei besten Freunde konnte ich durch Dauerbeschallung dazu bringen, die Musik immerhin zu mögen. Es klingt doof, aber wenn ich darüber nachdenke, sind die meisten Leute, die meinen Geschmack teilen mehr als zehn Jahre älter als ich (unter anderem meine Eltern).

Welches Projekt planst du als nächstes?
Ich hatte vor, in nächster Zeit den Leuten das, was ich da mache etwas mehr unter die Nase zu reiben. Soll heißen: Ich arbeite daran, eine neue Website für David Dröge Musik zu kreieren. Zusammen mit meinen Freunden, die allesamt super coole, gute Idee haben – danke an Marco, Lexi und Dodo an dieser Stelle – und dem neuen Logo, mit dem sich eine Menge anstellen lässt, könnte es schon noch ein, zwei Leute mehr geben, die sich dafür interessieren. Abgesehen davon läuft bei mir jetzt so langsam das richtige Auflegen in Clubs an, was ich unbedingt fortsetzen möchte, es gibt nämlich nichts Schöneres auf der Welt als „…die Mission, Menschen glücklich zu machen, gepaart mit Pioniergeist und der Freude am Tanzen!“, Sven Väth auf die Frage: „Was ist DJing?“

Tracklist:
Walk Music – Original Mix / Henrik Schwarz
Go – Marcel Dettmann Remix / Ellen Allien
Work It – Original Mix / Harvey McKay
Kalua – Original Mix / Mario Ochoa
Remember Love – Original Mix / Nôze
Drumming – Original Mix / Marco Carola
Unstable Condition – Original Mix / John Tejada
Triton – Gaisers Trial Tone Remix / Marc Romboy vs Stefan Bodzin
Black Horse Down – Original Mix / Pan – Pot
Doiicie A – Original Mix / Minilogue
Second Scale – Original Mix / Mihai Popoviciu
Minimal – John Acquaviva & Oliver Gaicomotto Remix / Speedy J
Xerrox Moonphaser 2 – Original Mix / Alva Noto