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Review: Muso – Stracciatella Now

 

Dass sich mit Muso vielversprechender Nachwuchs aus dem Chimperator-Camp erahnen lässt, ist ja schon länger kein großes Geheimnis mehr. Und dass es sich dabei glücklicherweise keinesfalls um einen feuchtfröhlichen Abkömmling des Hipster-Pandas Cro handelt, war spätestens mit der Malibu Beach EP zweifellos. Der gute Daniel Giovanni Musumecim – so sein bürgerlicher Name – legt sich als Gegengewicht auf die Waage Chimperators und liefert wesentlich unverdaulichere, aber eben  substanzvollere Kost, als manche Labelgenossen. Zur Seite stehen ihm dabei schließlich auch Konstantin Gropper alias Get Well Soon und Sizarr/Dagobert und bald Casper-Produzent Markus „Pink“ Ganter. Unbewohntes Areal war es bislang, so vertrackte Lyrik mit derart überladenen, elektronischen, ja beinahe kryptischen Beats zu koppeln. Allen voran der Übertrack Garmisch-Partenkirchen. An einem Vergleich tut man sich eher schwer. Dementsprechend hellhörig wurde die deutsche Musikwelt, als Stracciatella Now, ein gewaltiges Debut prophezeit wurde.

Und siehe da, hier ist es nun. Gewaltig, oh ja. Nach dem ersten Hördurchgang ist man nur leider genau so schlau wie vorher auch schon. Leicht überfahren versucht man die Reizüberflutung zu entschlüsseln, sich einen Weg durch die obskuren, eindringlichen Zeilen zu bahnen, aber irgendwie möchte sich das komplexe Konstrukt partout nicht mit reiner Logik erklären lassen. Schlüssige Gedankengänge? Fehlanzeige! Der Halb-Italiener macht es einem nicht gerade einfach, er sei ja auch kein Filmregisseur, lässt er verlauten und überlässt den Zuhörer viel lieber seiner Eigeninitiative. Dabei geht es doch eigentlich sehr gut los mit Tracks wie Garmisch-Partenkirchen und Malibu Beach, bei welchen man noch mit dem harten Stoff umzugehen weiß. Muso gelingt es, die dicke Portion 80er-Jahre Synthies und die konsequent treibenden Bassdrums durch seinen absolut unkonventionellen Flow zu einer hypnotisierenden Komposition zu fügen.

Weniger ist mehr? Hm, naja. Stracciatella Now lässt jedenfalls in keinerlei Hinsicht nach. Der eisige, orchestrale Elektrosound wird in Die alte Ruine um orakelhafte Mönchschöre und Schwertergeschlitze ergänzt. Und auch textlich scheint sich der kleine Lyriker in Sieben gerade zu in einem Portfolio aus Wortspielen, Sprichwörtern und Redewendungen zu verstricken. Ob das nun gut oder schlecht ist, hängt von der Ausdauer und Aufmerksamkeit des Einzelnen ab. Verschnaufpausen gibt es dann aber glücklicherweise mit Alles Sofort oder Blinder Passagier, netten Pop-Nummern, die die heißgeliebten Indie-Einflüsse des Labels zu zelebrieren suchen. Interessant wird es dann nochmal mit dem Versuch, Eine eigene Geschichte von Blumfeld zu covern, bevor man sich schließlich bei dem eigenwilligen All Eyes on you mit letzter Kraft auf den Dancefloor hievt.

Muso bannt jede Menge Kritik, Widerspruch und Weisheit auf seiner Platte und bastelt somit kein allzeit verwertbares Sommeralbum für’s Freibad. Mal introspektiv, mal objektiv, begibt er sich auf eine Sinnsuche, indem er sich an schon ausgesprochenen Worten hangelt, sie dreht und wendet und schließlich in einem neuen homogenen Konzept beherbergt. Ein Großteil des Albums ist, so sagt man sich, in den vernebelten, schlaflosen Afterhour-Stunden entstanden. Es heißt: „Jede Nacht ist Apokalypse„. Das sind keine leeren Worte. Muso versucht nicht, es jedem Recht zu machen; somit wird er auch nicht bei jedem ausschließlich auf Beifall stoßen. Aber eines sei gesagt: Stracciatella Now ist eine völlig autonome und souveräne Interpretation des deutschen Raps und auch beim fünften Hördurchlauf noch für Überraschungen gut.

1. Garmisch-Partenkirchen
2. Malibu Beach
3. Die alte Ruine
4. Sieben
5. Hölle, Hölle
6. Wir lassen uns nicht fallen
7. Blinder Passagier
8. Eine eigene Geschichte
9. Wachturm
10. Knutsch nicht mit dem Disko-Muso
11. Alles sofort
12. All Eyes On You

Zolin sagt: 7 von 10

Heißer Scheiß: Muso

Als deutscher HipHop Freund gibt’s ja eigentlich auf Grund der unendlichen Wackness von Cro, Sam und Rockstah genug Gründe, Chimperator zu hassen. Dafür gab’s letztes Jahr immerhin das grandiose Orsons Album Das Chaos Und Die Ordnung. Und nun signen Chimperator einen der interessantesten deutschen HipHop Newcomer. Die Rede ist von Muso, der letztes Jahr das erste Mal in Verbindung mit seinem Debut-Song Malibu Beach in die Öffentlichkeit rückte. Ein Song, der gemeinsam von Konstantin Gropper aka. Get Well Soon und Markus Ganter, besser bekannt als Kopf von Sizarr, produziert wurde. Das selbe Produzententeam hockt übrigens momentan auch mit Casper zusammen, um mit ihm dessen drittes Album aufzunehmen.

Es folgte ein Woodkid‚kes Video zu Malibu Beach, welches von der Bildundtonfabrik realisiert wurde, die sich bis vor kurzem noch für die einzig wahre Talkshow Roche & Böhmermann verantwortlich zeigte. Wenig später wurde dann auch schon von Chimperator bekannt gegeben, dass man Muso gesignt habe. Ein großartiger Deal, vor allen Dingen jetzt, wo Muso eine erste EP veröffentlicht hat, bei der er schonmal einen 26 Minütigen Einblick in sein künstlerrisches Schaffen zeigt. Allzu einfach fällt die musikalische Einordnung dieses Schaffens aber nicht. Zumindest beattechnisch bewegt sich Muso irgendwo zwischen Post-Dubstep und dem, was irgendwann als die neue Welle des HipHops bezeichnet wurde.

Bei dem Versuch eines Vergleiches zu Musos Flow kann man jedoch nur scheitern. Während Malibu Beach zumindest noch ansatzweise an Marteria erinnert, offenbart der Rest der EP keine deutlichen Anleihen an andere Rapper. Zumindest keine Kopie, was dadurch ja nur den durchaus positiven Umkehrschluss zulässt, dass Muso in dieser Hinsicht einzigartig ist. Seine Texte beschreibt er selber als After-Hour-Depressionen, was das Ganze mit einem Augenzwinkern recht passend trifft. Man darf gespannt sein, wie das Konzept der Mischung aus Malibu Beach und Garmisch-Partenkirchen auf seinem immerhin schon angekündigten Debut Album Stracciatella Now klappt. Bis dahin kann man sich die Malibu Beach noch im Tausch gegen einen Like auf seiner Facebook-Seite runterladen.

Verlosung: 2×2 Tickets für das NOISEY SHOWCASE mit MUSO in Berlin

Für einen Newcomer Rapper beschreibt MUSO seinen Stil ziemlich ungewöhnlich mit „post-irgendwas„. Seine Musik bewegt sich zwischen Underworld, Blumfeld, Marteria, Odd Future, James Blake und Elektromaschinensound. Er rappt über Exzesse, schmerzliche Trennungen – und die Wahrheit. Für die Beats seines Debütalbums hat er sich u.a. mit Konstantin Gropper alias Get Well Soon und Pink Ganter eingeschlossen um seine After-Hour-Depressionen lyrisch-musikalisch in Szene zu setzen. Am liebsten würde er mit Falco verglichen werden, weil er genau wie dieser in keine Schublade passen will.

Am 19. Juli feiert MUSO auf dem NOISEY SHOWCASE seine exklusive Videopremiere „Malibu Beach – Vol.2“ und bringt gleich seine Crew für einen Live-Gig mit. Wer die Mischung aus Malibu Beach und Garmisch-Partenkirchen, aus Orchester und Laptop erleben will, sollte einfach bei der Verlosung mitmachen und live dabei sein! NOISEY SHOWCASE MIT MUSO am 19. Juli um 22 Uhr im HBC.

Um an der Verlosung teilzunehmen, müsst ihr dem üblichen Prozedere folgen: Ihr müsst Zolin sagt auf Facebook liken. Dabei muss gewährleistet sein, dass ihr Nachrichten von „Nicht-Freunden“ empfangen könnt, damit ihr auch informiert werden könnt, falls ihr gewinnt. Einsendeschluss ist Dienstag, der 17. Juli um 16 Uhr. Die Leute, die Zolin sagt schon geliked haben, kommentieren einfach den Beitrag auf der Facebook-Page.



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