Kategorie-Archiv: Kritiken

Review: Oneohtrix Point Never – Garden Of Delete

CD Booklet OPN GOD - images embeded

Hektik, Überforderung oder gar Resignation gegenüber ihrem Werk sind nun wirklich nicht die Reaktionen, die Musikern den Tag versüßen dürften; wie passend also, dass sich Daniel Lopatin a.k.a. Oneohtrix Point Never als „Nicht-Musiker, der Musik macht“ versteht und sich aus dieser Zwangsbeziehung zu bugsieren weiß. Wäre es also angebrachter, ihn aufgrund seines offensichtlichen elektronischen Schwerpunktes als bloßen Produzenten abzustempeln? Eventuell nicht angebrachter, sondern nur leichter – und zwar auch nur so lange, bis sein neustes Werk, Garden of Delete, die nächste Wortfindungsstörung auslöst. Bar jeglicher Möglichkeiten, Garden of Delete als etwas anderes als die logische, weiterhin MIDI-lastige Weiterführung von R plus Seven zu beschreiben, ist das Album-Artwork zu Beginn das eventuell greifbarste Mittel, um es im Ansatz zu erläutern; ein Totempfahl-ähnliches, stringentes Konstrukt aus weißen Strichen, das den tiefschwarzen Hintergrund durchbricht.

Review: Oneohtrix Point Never – Garden Of Delete weiterlesen

Review: Ahzumjot – Minus

Ahzumjot - Minus

Um die dritte Veröffentlichung Ahzumjots aus dem richtigen Blickwinkel betrachten zu können, sollte man zunächst einen Blick auf die Vergangenheit von Al Julian Asare, kurz Alan, werfen. Das DIY-Debut Monty hievte den Wahlberliner 2011 in Falk Schachts viel diskutierte »Neue Reimgeneration«. Ein halbes Jahr darauf folgte die Crockstahzumjot-Tour, die wie der Name schon erahnen lässt, zusammen mit Rockstah und Cro bestritten wurde. In der Szene konnte Ahzumjot sich langsam einen Namen erspielen und galt als Geheimtipp. Nach der Tour standen die Weichen denkbar gut um das große Album zu veröffentlichen – doch Alan ließ sich Zeit. 2014 war es dann soweit, dass Ahzumjot mit frischen Major-Deal in der Tasche auf großen pathetischen Instrumentalen daher kam und seinen Platz nicht nur in der Szene, sondern auch in den Charts einforderte. Dieser sollte ihm allerdings verwehrt bleiben. Neben guten Ansätzen und vereinzelten starken Songs löste der Geheimtipp aus Hamburg sein Ticket in Richtung Top 10 nicht ein und dümpelte auf #32 herum.

Review: Ahzumjot – Minus weiterlesen

Review: The Game – The Documentary 2

The Game - The Documentary 2

Ein Jubiläum ist natürlich immer ein Grund zur Freude. Besonders wenn es sich wie im Falle The Games um das 10-jährige Jubiläum seines Debutalbums und Westcoastklassikers The Documentary handelt. Obwohl Fortsetzungen zu erfolgreichen Filmen oder Alben oft hinter den Erwartungen bleiben. Was kann also Games neues Album? Mit seinem im Jahre 2005 veröffentlichten Erstlingswerk liegt der Maßstab für die Fortsetzung sehr hoch und trotz angekündigtem Klassikerstatus und Probs von Dr. Dre himself, bekommen diese Ankündigungen in Betracht seiner letzten Alben einen gewissen faden Beigeschmack.

Review: The Game – The Documentary 2 weiterlesen

Review: Deerhunter – Fading Frontier

Deerhunter - Fading Frontier

Die Faustregel des Jägers, dass ein verwundetes Tier ein gefährliches Tier ist, scheint auch für den Jäger selbst zu gelten. Vor allem nach dem schweren Autounfall Bradford Coxs und dem darauf folgenden mehrmonatigen Krankenhausaufenthalt, aber auch nach der vergleichsweise nervenaufreibend verzerrten Kakophonie auf Monomania hätte man von Deerhunter erwarten können, dass das Folgewerk der Psych-Pop-Formation verstärkt die Abgründe des Noise-Rock im Scheinwerferlicht ihres immer wieder bewiesenen, genialen Songwritings erkunden würde. Doch stattdessen legt die Truppe um Cox a.k.a. Atlas Sound, Moses Archuleta, Lockett Pundt a.k.a. Lotus Plaza, Josh McKay und Frankie Broyles einen (un-)erwarteten linken Haken vor – Fading Frontier zeigt den brachialen Pop Chop, den sie bisher unterschwellig hinter Noise, Shoegaze oder punkigen Ausfällen versteckt hielten, mehr denn je.

Review: Deerhunter – Fading Frontier weiterlesen

Review: Deafheaven – New Bermuda

deafheaven new bermuda

Zwei Jahre ist es her, da beförderten sich Deafheaven, die angesagteste Post-Black Metal Band aus San Francisco, rasant an die Spitze ihres raffinierten Schwarzmetall Subgenres, zumindest nach ganz herrschender Meinung. Dem rebellischen Zolin hingegen fiel es schwer, der Hypewelle um ihr groß angelegtes Album Sunbather ganz unkritisch zu folgen. Ohne dem aufwendigen Werk seine durchaus stark vorhandenen Qualitäten absprechen zu wollen, war es doch nicht nur der Höhepunkt des Post-Black Metal, sondern auch ein Ausdruck von Stillstand in diesem Genre, welches nicht mehr so richtig weiß, was denn nach dem „Post-Post- Black Metal“ kommen könnte. Womöglich hält ja Deafheavens brandaktuelles Werk New Bermuda eine Antwort parat.

Review: Deafheaven – New Bermuda weiterlesen