Kategorie-Archiv: Kelela

Video der Woche: Bok Bok feat. Kelela – Melba’s Call

Hach, man muss eigentlich nicht erneut erwähnen, wie gut Kelelas Debüt Mixtape Cut 4 Me ist. Falls es aber dennoch unter euch ein paar Leute geben sollte, die sich noch nicht dieses kostenlose Großwerk zugelegt haben, bitteschön: Kelelas eiskalte, aber immer soulige Stimme auf extrem ungewöhnlichen Beats, irgendwo zwischen synthetischem HipHop, Grime, RnB und Ambient, für die sich unter anderem Nguzunguzu und auch der Brite Bok Bok verantwortlich zeigen. Letzterer hat sich nun übrigens erneut Kelela geschnappt um mit ihr gemeinsam einen ebenso guten, aber neuen und einen wesentlich klassischeren Track namens Melba’s Call produziert und das Ganze direkt mit einem Video ausgestattet.

Eigentlich recht minimalistisch, überzeugt das Video zu Melba’s Call vor allen Dingen durch den dynamischen Einsatz der Kamera. Alles was wir sehen ist nämlich eigentlich nur so etwas wie ein Science Fiction-Musikstudio mit einer Grünfläche im Hintergrund inmitten einer riesigen Lagerhalle. Ästhetisch könnte das Szenario durchaus von James Camerons Aliens stammen. Über dem Keyboard des Studios findet außerdem eine Videoübertragung statt, auf der man die gesamte Videospiellänge die wunderschöne Kelela singend und sich auf einem Bett räkelnd sieht. Die Kamera schwebt währendessen weiter munter durch den Raum und sorgt dafür, dass keine Langeweile aufkommt.

Mixtape #39: 2013

Die besten Tracks des Jahres in einem Mix und in keiner qualitativen Chronologie.

1. Jay-Z & Rick Ross – F*ckwithmeyouknowigotit
2. Kelela – Bank Head
3. Moderat – Bad Kingdom
4. Disclosure – You & Me (Flume Remix)
5. Blood Orange & Despot – Clipped On
6. Ok Kid – Verschwende Mich
7. Major Lazer – Watch Out For This (Bumaye)
8. Kanye West – New Slaves
9. DCVDNS feat. Celo & Abdi – Frankfurter Zoo
10. Mount Kimbie & King Krule – You Took Your Time
11. Drake – Hold On, We’re Going Home
12. Bilderbuch – Maschin
13. Mount Kimbie – Made To Stray
14. Autre Ne Veut – Counting
15. Lorde – Royals
16. Arctic Monkeys – R U Mine?
17. Slava – Werk
18. Machinedrum – Gunshotta
19. Tirzah – I’m Not Dancing
20. Earl Sweatshirt & Tyler The Creator – Whoa
21. Pusha T – Numbers On The Boards
22. Prodigy & Alchemist – Bible Paper
23. Dexter – Pictures
24. Haftbefehl & Veysel – Blockparty
25. Kanye West – Bound 2
26. Bilderbuch – Feinste Seide
27. DJ Koze & Apparat – Nices Wölkchen
28. Jessy Lanza – Against The Wall
29. Devendra Banhart – Your Fine Petting Duck
30. Drake – The Motion
31. DJ Koze & Dirk von Lowtzow – Das Wort

Mixtape #39: 2013 by Zolinsagt on Mixcloud

Die besten Mixtapes 2013

Mixtapes sind eine tolle Sache. Künstler können vor einem Debüt Album beispielsweise ein Mixtape produzieren um Fans und potentiell interessierten Labels schon vorher zu zeigen, was sie können, ohne dass sie sich mit rechtlichen Sample-Problematiken auseinandersetzen müssen. Auch in diesem Jahr erschienen wieder einige Mixtapes von aufstrebenden Künstlern oder auch einfach welche, die aus dem Dasein als One Hit Wonder zurückgekehrt sind. Hier eine Auswahl der besten des Jahres.

5. Kelela – Cut 4 Me

Dass Kelela Mizanekristos nach all den verschiedenen Sing-Sang-Experimenten vorheriger Jahre zwischen Jazz, Indie-Rock und anderem gerade bei Fade To Mind ihr wohliges Plätzchen gefunden hat, darf man ihr guten Gewissens gönnen. Die Fusion zwischen der klassisch zarten, geschmackvoll eingesetzten R’n’B-Stimme Kelelas und den dunklen, synthetisch funkelnden Kleinoden funktioniert überraschend stark. Obwohl Kelelas Stimmchen ab und an in den Fluten der Synthie-Bombardements zu ertrinken droht, ergänzen sich die gegensätzlichen Aspekte der Beats zu den Vocals harmonisch und machen CUT 4 ME zu einem überaus eigenständigen, frischen Mixtape und einem überdurchschnittlichen Debüt.

4. Jai Paul – Demos

Zugegeben, bei Jai Pauls Demos handelt es sich nicht wirklich um ein Mixtape. Schließlich wurde das vermeintliche Album wohl von einer unbekannten Person zuerst von Jai Pauls PC entwendet und danach bei Bandcamp zum kostenpflichtigen Download angeboten. Nach ein paar Tagen verschwand der Download zwar wieder, mit der Info, dass dies kein offizielles Release von Jai Paul sei, was blieb waren aber 16 wirklich fantastische Songs, die How To Dress Well in einem Tweet als „progressive“, „crazy“ und „really challenging“ bezeichnet. Recht hat er damit! Wenn das nur ein Vorgeschmack sein soll, dann kann man wirklich auf Jai Pauls richtiges Debüt gespannt sein.

3. Chance The Rapper – Acid Rap

Chance The Rapper war wohl DER Shootingstar der HipHop Szene 2013. Tracks mit Action Bronson, James Blake, Childish Gambino oder Joey Badass untermauern das. Dass plötzlich jeder einen Track mit dem 20 jährigen Rapper aus Chicago möchte, lag vor allen Dingen an seinem grandiosen Mixtape Acid Rap, auf denen er die Wärme von Soulsamples der Chicagoer Schule à la Kanye West, mit abgefahrenen Songideen und der lyrischen Raffinesse von Outkast paart. Man kann sich sicher sein, dass sich momentan alle Labels um das Raptalent reißen werden. Das Album darf nächstes Jahr dann bitte mindestens genauso gut werden.

2. Cassie – RockaByeBaby

Viele haben Cassie nach den enttäuschenden Verkaufszahlen ihres Debüts 2006 bereits abgeschrieben, obwohl das Album damals von der Presse sehr gut aufgenommen wurde. Tatsächlich hat Cassie seit dem kein einziges Album mehr veröffentlicht, sondern sich nur auf einzelne Feature Parts beschränkt. Ihr Mixtape RockaByeBaby war zunächst als der Nachfolger zu ihrem Debüt angekündigt worden, entwickelte sich aber nach und nach zum Mixtape. Doch nicht zu irgendeinem Mixtape, denn Cassie ist mittlerweile weit davon entfernt, eine beliebige R&B Sängerin zu sein. Dafür ist sie viel zu kühl. Auch auf den dicksten Trap Beats. Großartig.

1. Death Grips – Government Plates

Die konstante Erhaltung überragender Bewertungen und ständigen Lobgesangs verdienen sich Death Grips nicht etwa mit einem stumpfen Hype, wie böse Zungen behaupten möchten. Das radikale Chaos-Ensemble, bestehend aus der Ekstatik-Drum-Machine Zach Hill, dem unkonventionell komponierenden Keyboarder Andy Morin und dem lautesten wie kryptischsten Rapper Stefan Burnett aka MC Ride, überrascht und überzeugt mit jedem Release bisher. Nicht anders beim plötzlich, ganz ohne Vorwarnung unangekündigt, umsonst ins Netz gestellten Government Plates: kompromisslose Adrenalinflüsse aus epileptisch wirbelnden Glitch-Drums, allerlei bunten wie düsteren Sample-Crashs, überflutet durch MC Rides brachial gebrüllte Abgesänge. An ihr tatsächliches Album des letzten Jahres The Money Store reichten Ausarbeitung und Originalität der Konzepte noch nicht ganz ran, aber wer kann es ihnen verübeln. Bei dem unfassbar hoch gesetzten Anspruch, den sich das kontroverseste Rap-Trio mit ihren Werken selbst setzt.

Review: Kelela – Cut 4 Me

Schwer zu sagen, wer in den letzten Jahren da oben veranlasst hat, dass early-2000s RnB in letzter Zeit wieder öfter eine brillierende Glanzpolitur verabreicht kriegt. Dabei handelt es sich zum Glück auch immer öfter eben nicht um ein plumpes Ent- und Abstauben oder einen chartsträchtig überproduzierten Chromüberzug, sondern um waschechten, originellen Rhythm and Blues der digitalen Ära. Ob zeitgenössische Interpreten wie The Weeknd, Frank Ocean und FKA Twigs, Wiedereinsteiger wie Cassie oder Klassiker wie Aaliyah und Erykah Badu: Die Tendenz steigt abseits von Popkonserven auch unter dem Radar stark in qualitativ hochwertige Richtung. Kelela Mizanekristos lässt sich ohne Zweifel dazu zählen, wenn man sie releasetechnisch auch erst seit diesem Jahr wirklich auf dem größeren Schirm haben konnte. Die Äthiopierin zweiter Generation mit Vergangenheit in Rockville, Maryland und auffälligem Dreadlock Side-Cut lebt in Los Angeles, wo sie das Vorantreiben der dortigen Beat-Szene genauestens verfolgen und unter Umständen mit verfeinern darf. Ihre Stimme hat sie bereits in den verschiedensten Formen und Kalibern trainiert, verlieh ihr zartes Organ u.a. bereits an Jazz- und Indie-Bands. Schon früh spielte sie außerdem Geige in Orchestern, von ihren Eltern erhielt sie musikalische Erziehung und Einflüsse.

Doch erst durch den Kontakt zu den außergewöhnlichen Produzenten rund um die Nightslugs / Fade To Mind-Crew fand sie den ungekannten Thrill, den die kaum klassifizierbaren Bass- und IDM-Stolpereien der Mitstreiter um Kingdom erzeugen. Durch immer nähere Zusammenarbeit mit den zahlreichen Mitgliedern, wie z.B. Bok Bok, Nguzunguzu, Girl Unit und Jam City entstand über das letzte Jahr hinweg eine Zusammenstellung einiger vollendeter Arbeiten. Mit Cut 4 Me brachte Kelela die Musikpresse zu verzückten Luftsprüngen und eifrigem Interesse an ihrer Musik und dem beeindruckenden Charakter, der dahinter steht. Inhaltlich betrachtet hat die junge Amerikanerin eine interessante Herangehensweise an Methodik des Schreibens: Vieles ergibt sich ihr selbst erst spontan aus dem schieren Wortlaut heraus, gesummte Silben bilden sich irgendwann wie von selbst zu Worten. Sie „schreibe keine Lyrics“ und doch gibt es klare Themen, Metaphern und Symbole in ihren Texten. Thematisch fordert sie sich selbst gern heraus und fragt sich vor Beginn der Arbeit an einem Song, welche Aspekte ihres Lebens sie nur mit der größten Angst und Verunsicherung niederschreiben könnte. Trotzdem tut sie es. Beispielsweise die Beziehung zu Ex-Freund Tosin Abasi, der übrigens auch Gitarrist von Animals As Leaders ist, oder Identitäts- und Anschlussprobleme in ihrer Kindheit.

Stimmlich bewegt sich Kelela dabei auf Gradwanderungen zwischen Aaliyah, der britischen Newcomerin FKA Twigs und Little Dragons Yukimi Nagano, wenn man den Vergleich ziehen mag. Wirklich einzigartig und interessant wird es jedoch am ehesten, wenn man sich die kontrastreiche Kollision zwischen Kelelas eher zartem Stimmorgan und den meist futuristisch-kalten, nach nächtlicher Verlorenheit klingenden Instrumentals zu Gemüte führt. Die Künstlerin wählte dabei ganz bewusst die unwahrscheinlich dunklen Machwerke der Nightslugs / Fade To Mind-Crew aus: Laut Interviews war es schon immer ihre Art, musikalisch ihr bekannte und geliebte Aspekte auf eigene Tour auf ihre Extreme zu testen und auszureizen. „Just take it and fuck it up“ scherzt Kelela. Auf Cut 4 Me wirkt das allerdings wunderbar. Der Opener Guns & Synths schwingt peitschende Dub-Drums und bunte Synths in wechselnden Harmonien umher, das Ganze klingt leicht wie alte britische Schule à la Benga oder Skream. Enemy lässt knüppelnde Bassdrums auf einen eingängigen, metallenen Monoton-Synth los, während Kelelas zahlreiche Vocal-Layers sich immer wieder wie wütende Kopfstimmen übereinander legen und eine vergangene Liebschaft verurteilen. Atmosphärischer Trap mit Dub-Elementen wird auf Go All Night (Let It Burn) mit verzerrten Vocal-Samples versehen, nach zu kurzem stimmungsvollem Warmwerden fadet der Track jedoch schon nach knapp zwei Minuten ohne erkennbaren Grund aus.

Wunderschön futuristische Bass-Anmut mit minimalster Melodiebemalung findet sich auf Something Else, dabei gibt sich wie so oft auf diesem Mixtape viel Raum auf, den Kelela stets mit gefühlvoller Stimmdynamik auszufüllen weiß. Auch auf Send Me Out beweist sie bewegende Stimmkraft auf einer pointierten Kombination aus schleppenden Drum- und Akkordhighlights, unterstrichen von passenden Zusatzsounds im Hintergrund. Der Titeltrack Cut 4 Me strapaziert hingegen das Gehör mit stolperndem Plastik-Beat, 808-Drums versuchen den letzten Glanz aus einer schwer erträglichen Keyboard-Monotonie zu locken. Hier und an wenigen anderen Stellen geht Kelelas noch teils zu wenig ausdrucksstarke bzw. herausstechende Stimme ein wenig in den penetranten Instrumentals unter, statt sich einzufügen. Zum Schluss glänzt Cherry Coffee mit wenigen, weitläufigen Synthies, einer knackigen Bassline und geschmackvoll gesetzten Piano-Akkorden und beendet ein sehr starkes Debüt-Tape eines noch stärkeren Jungtalents in Gestalt von Kelela Mizanekristos. Einziges, wenn man es denn so nennen mag, Manko, bleibt wohl die technisch als auch auf kreativem Level sehr hohe Produktion: in Verbindung mit der Tatsache, dass die junge Sängerin und Liebhaberin der Extreme mit ihrem Stimmorgan noch weiter ausholen dürfte und sollte, um beizeiten nicht von Synth-Bergen unterdrückt zu werden.

01. Guns & Synths [Prod. Bok Bok, Napolian, Tariq & Garfield]
02. Enemy [Prod. Nguzunguzu]
03. Floor Show [Prod. Girl Unit]
04. Do It Again [Prod. NA]
05. Go All Night (Let Me Roll) [Prod. Morri$]
06. Bank Head (Extended) [Prod. Kingdom]
07. Cut 4 Me [Prod. Kingdom]
08. Keep It Cool [Prod. Jam City]
09. Send Me Out [Prod. Kingdom]
10. Go All Night (Let it Burn) [Prod. Morri$]
11. Something Else [Prod. Nguzunguzu]
12. A Lie [Prod. Bok Bok]
13. Cherry Coffee [Prod. Jam City]

Zolin sagt: 8 von 10