Archiv der Kategorie: Julia Holter

Review: Julia Holter – Loud City Song

Durch oder in Einsamkeit entsteht schöne Musik. Das ist allgemeines Naturgesetz. Beispiele dafür gibt’s schließlich auch genug. Ein aktuelleres davon ist Julia Holter. Alleine und mit allerlei Referenzen zu griechischen Mythen gespickt, produzierte sie ihre bisherigen beiden Alben Tragedy und Ekstasis. Vor allen Dingen durch letzteres Album erfolgte dann ihr qualitativer Durchbruch und in Folge dessen wurde sie – zurecht – in der einschlägigen Fachpresse gepriesen und vom englischen Magazin Wire sogar zur „Lo-Fi-Göttin“ gekürt.

Ihr nun erschienenes drittes Album Loud City Song nahm sie nun das erste Mal nicht in elektronischer Einsamkeit, sondern unter Mitwirkung zahlreicher Gastmusiker, wie unter anderem Nite Jewel, auf. Dies wirkt sich auch hörbar auf den Gesamtsound des Albums und besonders auf einzelne Songs wie Maxim’s II aus. Das Album klingt dadurch im Vergleich zu den Vorgängern viel erhabener, nahezu majestätisch und nicht nach klassischem Lo-Fi. Es führt sogar dazu, dass Julia Holter mit This Is a True Heart einen Song abliefert, der als fluffiger Pop-Song durchgehen könnte. Doch so ganz möchte man Julia Holter den ihr verliehenen Titel doch nicht absprechen. Das liegt vor allen Dingen an ihrer immer noch leicht schrulligen Art zu singen, die sie auch gar nicht versucht abzulegen. Besonders die, trotz Band, sehr intime Atmosphäre profitiert davon wieder ungemein.

Ad Acta legt sie dafür hingegen die Bezüge zur griechischen Mythologie. Holter ist nun im Los Angeles der Gegenwart angekommen und betrachtet soziokulturelle Strömungen, oder wie sie es ausdrückt: „Städtischen Lärm von Medien, Gossip und Celebrity-Kultur„. Als Inspiration für das Loud City Song Album dient ihr der französische, 1944 erschienene Roman Gigi der Schriftstellerin Colette, den sie auch inhaltlich gekonnt in den erzählerischen Rahmen des Albums einbringt. Hinzu kommt noch ein bis zur Unkenntlichkeit verfremdetes Cover des 1963er-Hits Hello Stranger der Soulsängerin Barbara Lewis, bei der tatsächlich nur der Text derselbe ist, musikalisch aber kein Motiv übernommen wurde. Referenzlosigkeit ist Holter also trotz der Abkehr von griechischen Mythen nicht anzukreiden.

Überhaupt fällt es schwer, Julia Holter für Loud City Song zu kritisieren. Die gemachten Änderungen harmonieren mit dem typischen verschrobenen Holter-Sound und fügen dem Spiel der 28-jährigen weitere Dimensionen zu. Es es also vertretbar, Loud City Song als ihr bisher bestes Werk zu bezeichnen. Einzig den Titel „Lo-Fi-Göttin“ hat sie durch die Beteiligung der vielen Gastmusiker wohl verspielt. Auch egal, solange das Ergebnis so gut ist. Julia Holter wies den Titel ohnehin schon entschieden in einem Interview in der selben Ausgabe, aus der besagtes Zitat stammt, zurück.

1. World
2. Maxim’s I
3. Horns Surrounding Me
4. In The Green Wild
5. Hello Stranger
6. Maxim’s II
7. He’s Running Through My Eyes
8. This Is a True Heart
9. City Appearing

Zolin sagt: 8 von 10

Die besten Alben des Jahres 2012: 30-21

Nun kommen wir endlich zur Königsdisziplin! Die 30 besten Alben des Jahres. Los geht’s mit den Plätzen 30 bis 21. Die weiteren Plätze werden in den kommenden Tagen folgen. Unter den Platzierten sind unter anderem der letztjährige Sieger Robag Wruhme, die gute Lana del Rey, Dr Dres Schützling Kendrick Lamar und der zornige Morlockk Dilemma.

30. Lana Del Rey – Born To Die

Lana. Lana war in diesem Jahr überall. In der Fachpresse wurde Anfang des Jahres wild über ihr Debut spekuliert, in der nicht so fachlichen Presse über ihre Lippen und an der Bushaltestelle zerriss man sich das Maul über den hässlichen Fummel, den Lana auf den H&M Plakaten präsentierte. Bei all dem Gerede um Lana Del Rey fiel es immer schwerer, sich nur um die Musik zu kümmern. Aber die ist wirklich gut geworden! Born To Die hat großartige Hits wie Summertime Sadness oder das gleichnamige Born To Die am Start. Da ist es mal egal, was Lana auf ihren Plakaten trägt.

29. Robag Wruhme – Olgamikks

Good Guy Robag hat’s einfach verdammt nochmal raus. Nicht nur, dass sein letztes Jahr veröffentlichtes Debut Thora Vukk das beste Album des Jahres war, nein, dieses Jahr haut der freundliche Kerl direkt noch ein grandioses Release raus. Dieses Mal handelt es sich zwar „lediglich“ um eine Mischung aus Liveset und Remix-Kollektion, die dafür aber noch immer doper sind, als der Großteil der anderen veröffentlichten experimentellen Deep House/Techno Alben.

28. Menomena – Moms

Wer hätte gedacht, dass die mittlerweile zum Duo geschrumpften Menomena nochmal ein so gutes Album wie Moms raushauen? Verstecken vor den Vorgängern braucht sich Moms jedenfalls nicht, vielleicht ist es sogar ihr bisher Bestes? Wer weiß das schon, Tatsache ist jedeoch, dass Moms die verstärkte Zugänglichkeit vom typischen Menomena Klanggerüst sehr gut steht.

27. Kendrick Lamar – good kid, m.A.A.d city

Wahrscheinlich das zweitmeist diskutierte Album des Jahres. Kendrick Lamar hat auf seinem Major-Debut good kid, m.A.A.d city schon einmal die Erwartungen, die an ihn gestellt wurden, erfüllt. Dabei rausgekommen ist eines der wohl wichtigsten HipHop Outputs des Jahres und eine Reanimation des Raps aus Compton. Wesentlich besser könnte auch ein Comeback von N.W.A. nicht werden. In diesem Sinne: „Straight outta Compton, Crazy Muthafucker named Kendrick Lamar„.

26. Julia Holter – Ekstasis

Die Reise von Julia Holter nach Europa war wieder einmal vergleichsweise lang. Fast um ein halbes Jahr hat sich die Veröffentlichung ihres großartigen Ekstasis in Europa verspätet. Ist aber eigentlich auch egal. Ekstasis ist und bleibt ein Werk, welches nicht nur einfach gut ist, sondern auch bestimmte Teile im Kopf des Hörers anspricht, die von Musik normalerweise nicht erreicht werden.

25. The Shins – Port Of Morrow

Hach, Port Of Morrow ist einfach DAS „gudde Laune-Album“ des Jahres. Dadurch bietet es zwar auch viel Angriffsfläche, dennoch muss man unter dem Strich sagen, dass auch das vierte The Shins Album sehr gelungen ist. Besonders profitiert hat die Band übrigens durch von dem Beitritt des Keyboarders Richard Swift, der Solo ja schon seine Qualitäten unter Beweis gestellt hat und auch The Shins zu ausgetüfelteren Songstrukturen verhilft.

24. Killer Mike – R.A.P. Music

El-P, die erste. Na gut, bei R.A.P. Music steht er natürlich hinter Hauptakteur Killer Mike, trotzdem ist es hauptsächlich sein Verdienst, dass es Killer Mike zum ersten Mal in seiner Solo-Karriere gelungen ist, ein Album zu veröffentlichen, welches nicht im Schatten seiner Langzeitkollaboratoren Outkast steht. R.A.P. Music ist brutal, eigenständig und dabei sogar politisch, ohne peinlich zu wirken. Eine wahrliche Glanzleistung von Killer Mike.

23. Tame Impala – Lonerism

Auch auf Lonerism lassen Tame Impala mal wieder die 60s und 70s aufleben. Dieses Mal vielleicht sogar ein bisschen stärker, als auf ihrem Debut. Stärker sowohl im Bezug auf die schiere Qualität, als auch in Bezug auf ihre Anleihen. Dieses Mal bedienen sie sich nämlich noch vehementer bei John Lennon und teilweise sogar bei Led Zeppelin und zwängen jene in ein modernisiertes Gerüst. Großartig!

22. Grizzly Bear – Shields

Grizzly Bears neuster Streich Shields verhält sich in etwa so zu der Band, wie Helplessness Blues zu den Fleet Foxes im letzten Jahr. Die perfekte Musik zum Spazieren, Schnee schippen oder sonstige Tätigkeiten, bei denen man seine Gedanken schweifen lässt. Abgesehen davon ist Shields auch so toll. Einzig fader Beigeschmack ist die permanente Öffentliche Zurschaustellung des Sänger Ed Droste. Mal sind’s die bösen Streaming Dienste, mal die Grammies. Die Welt ist einfach böse zu Mr. Droste.

21. Morlockk Dilemma & Dexter – Weihnachten Im Elfenbeinturm

Morlockk Dilemma entwickelt sich langsam aber sicher auch zu dieser Art Rapper, die es schafft, innerhalb von kürzester Zeit ein dopes Album nach dem nächsten rauszubringen. Bei seinem Kollabo-Arbeit mit Dexter macht er natürlich keine Ausnahme. Ganz fein durchgestyltes Gesamtkonzept mit den Beats von Dexter und Gastbeiträgen von Audio88, Hiob und Kamp. So kann es ruhig weiter gehen.

Review: Julia Holter – Ekstasis

Bereits Anfang des Jahres erschien Julia Holters Zweitling Ekstasis in den USA. Nun folgt endlich das Release in Deutschland durch Domino. Und Domino hätte den Zeitpunkt zur Neuveröffentlichung dieses Albums kaum besser wählen können. Alles an Ekstasis schreit gerade nur danach, besonders in kalten Jahreszeiten konsumiert zu werden und trotzdem ist die Intention von Ekstasis durch und durch romantisch.

Julia Holter steht auf dem Album nicht im Mittelpunkt, aber auch nicht irgendein anderer Musiker. Die Musik steht für sich alleine und erschafft dabei einzigarte Kulissen und eine sehr kühle Atmosphere. Das sowohl bei Konzeption, als auch bei der Schaffung der Songs selber der Gedanke an etwas Übersinnliches mitspielt, erschließt sich dem Hörer schon ziemlich früh, spätestens bei dem achtminütigen Boy In The Moon. In diesen Momenten hat Ekstasis sogar fast etwas sakrales. Einen adäquaten Vergleich dafür gibt es nicht, am ehesten erinnert das aber noch an Oneohtrix Point Never.

Bei all der Transzendenz schafft es Julia Holter, all die Öko-New Age-Fettnäpchen zu umschiffen und gliedert sich dadurch eher in das geimeinsame Erbe von David Sylvian und Kate Bush ein. Rein technisch bedeutet das also, dass sich die Songs auf der einen Seite aus den sehr Ambient-artigen Grundkonstrukten, auf der anderen Seite aus Julia Holters elfenhaftem Gesang zusammensetzen. Glücklicherweise schafft es diese Reduktion der Bestandteile von Ekstasis, das Album nicht im Kern zu beschreiben.

Am besten sollte man sich auch lieber nicht all zu theoretisch mit diesem Album beschäftigen, sondern es einfach auf sich wirken lassen. Wenn es Julia Holter denn dann bei dem Hörer so weit geschafft hat, muss man wohl zugeben, dass man in ihren Bann gezogen wurde, wobei man so langsam aber sicher selber in eine Ekstasis fällt.

1. Marienbad
2. Our Sorrows
3. In the Same Room
4. Boy in the Moon
5. Für Felix
6. Goddess Eyes II
7. Moni Mon Amie
8. Four Gardens
9. Goddess Eyes I
10. This Is Ekstasis

Zolin sagt: 8 von 10