Kategorie-Archiv: Ghostpoet

Review-Runde: Ghostpoet, MS MR, Bibio, !!! (Chk Chk Chk)

Neues Spiel, neues Glück. Ein weiteres Review-Ründchen steht an und Zolin lädt abermals eine daumenlose Hand voll produktiver Gäste, mit ihren neusten Werken im Schlepptau, in die gute Stube ein. Mit von der Partie sind Ghostpoet, MS MR, Bibio und !!!. Der abgeschnittene Daumen kann sich allerhöchstens zum nach-oben-zeigen nützlich machen, da man doch insgesamt von einem netten Ründchen sprechen kann. Gut, wir wollen nun aber auch nicht um den heißen Brei reden, los geht’s!

Ghostpoet – Some Say I So I Say Light

2011 war James Blakes Debut nicht das einzige Post-Dubstep Werk, welches neue Standards für das Genre setzte. Auch Ghostpoets unwesentlich später veröffentlichtes Debut Peanut Butter Blues & Melancholy Jam zeigte wo abseits des Instrumentalen die Stärken von ruhiger, basslastiger Musik liegen. Im Gegensatz zu James Blake verband er Post-Dubstep nicht nur mit seichtem Singsang, sondern mit kühlem Grime. Wie Blake hat Ghostpoet nun zwei Jahre später ein Nachfolgealbum names Some Say I So I Say Light veröffentlicht und wie bereits Blake knüpft Ghostpoet zwar an sein Debut an, entwickelt den Grundgedanken seines Albums jedoch weiter und lässt so noch bessere Songs wachsen, die vor allen Dingen nicht mehr länger durch ihre äußeren Reize bestechen, sondern weitaus tiefer gehen. Ghostpoet rappt weniger, als dass er viel eher über Dinge wie Intimität oder Entfremdung sinniert. Zeitweise fühlt man sich dabei sogar an eine britische Version von Gil Scott-Heron erinnert. Der Titel Ghostpoet steht ihm demnach besser denn je.

Zolin sagt: 8 von 10

MS MR – Secondhand Rapture

Als MS MR im letzten Jahr zum ersten Mal an dieser Stelle vorgestellt wurden, gab es eigentlich nichts an Informationen. Bis auf ein dilettantisches, bis zum Umfallen gehyptes Video zu Hurricane und eine sehr ansprechende EP mit dem bereit erwähnten Hurricane sowie drei weiteren guten Tracks. Ein halbes Jahr später gibt es nicht nur eine hochglanz Version des Videos zu Hurricane, sondern auch ein erstes Album namens Secondhand Rapture, was genau das hält, was auch schon die erste EP versprach: Dream-Pop der Marke Poliça oder Bat For Lashes, nur eben noch eine Stufe eher für den Absatzmarkt konzipiert. Man mag beim Hören nicht das Bild aus dem Kopf bekommen, auf dem sich Woodkid, Lana Del Rey und Poliça über die perfekte Pop-Platte unterhalten. Ein bisschen Kitsch, ein bisschen Bombast und natürlich ganz große Gefühle. Das Ergebnis wäre gar nicht so schlecht, wenn einem nicht immer schon so wäre, als hätte man das alles schon bei Florence + The Machine gehört.

Zolin sagt: 7 von 10

Bibio – Silver Wilkinson

Das folgende Review wurde bereits das erste Mal vor zwei Monaten hier veröffentlicht, musste kurz darauf aber wegen eines Druckfehlers auf dem Pressesheet am Releasedatum wieder runtergenommen werden. An dem Eindruck des Albums hat sich für Zolin trotzdem nichts geändert. Daher folgt nun auch das schon dagewesene Review: Bibio ist eines der Beispiele, wie ein einziges grandioses Album die Erwartungen für die folgenden so unerreichbar hoch schrauben kann, dass kein Nachfolger mehr die Fans wirklich zufriedenstellt. So war es nach Ambivalence Avenue bereits bei Mind Bokeh, das vielen zu kommerziell war, und so wird es auch dieses Mal wieder bei Silver Wilkinson sein, das zwar stilistisch näher bei Ambivalence Avenue liegt, aber trotzdem doch deutlich schlechter als letzteres ist. Dennoch liefert Silver Wilkinson gute Kost zum Entspannen, geradezu ideal für einen Frühlings-Sonntag.

Zolin sagt: 6 von 10

!!! (Chk Chk Chk) – Thr!!!er

Es soll ja mal Zeiten gegeben haben, zu denen Zolin ohne mit der Wimper zu zucken !!! zu seinen offiziellen Lieblingsbands gezählt hat. 2007 beispielsweise, als sie ihr letztes grandioses Album Myth Takes veröffentlicht haben. Seit dem ist leider einiges im Lager der Unaussprechbaren Imperative passiert. Der auch für LCD Soundsystem und Maserati Drumsticks schwingende Jerry Fuchs kam tragischerweise bei einem Sturz ums Leben. !!! beschlossen trotzdem weiter zu machen und veröffentlichten wenig später das etwas halbgare Strange Weather, Isn’t It?. Ein Album was vor allen Dingen daran krankte, dass es über wenige Highlights, die sich der Hörer einprägt und an die er sich gerne zurück erinnert, verfügte. Dann blieb es lange ruhig um die Band, bis sie schließlich ihr fünftes Album Thr!!!er ankündigten. Mehr Ausrufezeichen denn je! Wenn das mal nichts ist. Glücklicherweise ist das Album wirklich wieder gut geworden und besitzt mit Slyd endlich wieder ein waschechtes Highlight! Das kann man mal mit dem überschwänglichen Gebrauch von Ausrufezeichen feiern!!!!!1111einseinself11

Zolin sagt: 7 von 10

Die besten Alben des Jahres: 30-21

Original Foto von Benedikt Schnermann

Endlich geht’s ans Eingemachte: Das erste Drittel der besten Alben von 2011! 0815-Fact: Dabei sind Newcomer, alte Hasen und auch so manche Band, die man vorher nicht auf dem Schirm hatte.

30. Martyn – Ghost People

Masks, We Are You In The Future und das namensgebende Ghost People. Was mehr müsste man noch zum zweiten Album von Martyn sagen? Jeder dieser grandiosen Tracks hat nicht nur einen Club zum Brennen gebracht. Damit hat sich der Holländer endlich den verdienten Platz im Techno-Olymp gesichert.

29. Boy – Mutal Friends

Auf den ersten Blick ist das Debut Album von Boy nicht mehr als eine nette Pop-Platte. Aber spätestens nach dem ersten Track This is the beginning zeigt sich Mutual Friends in seiner vollen Pracht. Pop muss nicht immer belanglos sein.

28. Steven Wilson – Grace For Drowning

Progressive Rock war dieses Jahr ein schwieriges Thema. Während Bands wie Opeth es nicht geschafft haben, sich von den großen Vorbildern zu lösen, gelingt es Wilson, alte Traditionen aufleben zu lassen, ohne an Originalität zu verlieren und sie mit Eigenständigkeit zu verfeinern. Grace For Drowning ist das beste Progressive-Album seit langer Zeit.

27. Thundercat – The Golden Age Of Apocalypse

Brainfeeder die Zweite: Flying Lotus‚ Schützling Thundercat gelang dieses Jahr die wohl interessanteste Kreuzung von Jazz und dem typischen Brainfeeder-Sound. Nebenberuflich ist Thundercat übrigens Bassist von der Hardcore Band Suicidal Tendencies. Interessant, oder?

26. Kasabian – Velociraptor!

Velociraptor! ist wahrscheinlich das bisher schlechteste Kasabian Album. Nichtsdestotrotz kann es Velociraptor! mit nahezu jeder Britpop Veröffentlichung des Jahres aufnehmen. In erster Linie erinnern Kasabian eben an eine moderne Version der Beatles und das kann doch wirklich nichts Schlechtes sein.

25. Metronomy – The English Riviera

Eins der Sommer-Alben 2011. Wer sich einmal auf The English Riviera eingelassen hat, wird diese CD so lange hören, bis er wirklich jede Text- oder Musikstelle auswendig kann und sich einige Abnutzungserscheinungen offenbaren.

24. Gil Scott-Heron & Jamie XX – We’re New Here

Um We’re New Here zu verstehen, muss man sich erstmal von dem AUSGEZEICHNETEN Original distanzieren. Sobald das geschehen ist, findet man sehr schnell Gefallen an der Remix Variante von Jamie XX. Eins der besten Chillwave/Dubstep/Whatever Alben des Jahres.

23. GusGus – Arabian Horse

Eigentlich rechtfertigen schon Over und Selfoss die Platzierung im Jahrespoll. Die restlichen Songs sind aber auch nicht schlechter. Selten wurde Soul so intelligent mit Techno Beats vermengt. Außerdem ist Arabian Horse das bisher beste Album des islänidschen Trios.

22. Ghostpoet – Peanut Butter Blues & Melancholy Jam

Mit Ghostpoet ist es nach langer Zeit mal wieder einem englischen Rapper gelungen, ein Debut aufzunehemen, welches nicht nur einfach gut ist, sonder gänzlich neue Standards setzt. Man fühlt sich an den jungen Roots Manuva erinnert.

21. Flashguns – Passions Of A Different Kind

Passions Of A Different Kind ist das traurigste und zugleich beste Britpop Album des Jahres. Die Musik ist nicht daran Schuld. Nein, eher im Gegenteil. Vielmehr stimmt die Tatsache traurig, dass die Drei sich kurz nach der Veröffentlichung ihres Debuts aufgelöst haben.

Review: Ghostpoet – Peanut Butter Blues & Melancholy Jam

Das Königreich Großbritannien braucht einen neuen Hiphop König. Mike Skinner von The Streets verkündete seinen Rücktritt aus der Szene, Dizzee Rascal macht nur noch Tracks mit peinlichen House Produzenten und Roots Manuva ist irgendwie in der Versenkung verschwunden. Auf einen neuen MC muss aber nicht zu lange gewartet werden. Ghostpoet verpasst mit seinem neuen Album Peanut Butter Blues & Melancholy Jam dem UK Hiphop frischen Aufwind und erweißt sich als äußerst geschickter Wortkünstler. Der 24-Jährige Ghostpoet stammt aus Coventry und zog nach London, wie es nunmal in England für Musiker Gang und Gebe ist, entweder nach London oder Bristol zu ziehen.Ghostpoet hält sich mit seinen 12 Tracks weit von den üblichen Rapklischees entfernt und orientiert sich eher an der neuen NeoDubstep Bewegung oder an neueren Künstlern wie Gonjasufi. Trotzdem ist Peanut Butter Blues & Melancholy Jam ein reines Eigengewächs und nicht wirklich als Kopie zu bezeichnen. Eher als Wundertüte mit einer Mischung aus HipHop, Indie, Dub und viel Experimentierfreude.
Ghostpoets Art zu rappen ist eine gemächliche. Man bekommt das Bild nicht aus dem Kopf Ghostpoet in einem schwarzen Van durch die Nacht von London fahren zu sehen. Aber nicht schnell, sondern gemächlich. Insbesondere Longing for the Night ist ein relaxter Schleicher, der die Vorfreude auf nächtliche Aktivitäten – nicht: schlafen – mit einem Grinsen thematisiert. Aufjedenfall ist damit klar, das Ghostpoet anders ist. Er bringt Bewegung in das, was sich Leben nennt.

1. One twos
2. Run run run
3. Us against whatever ever
4. Finished I ain’t
5. Longing for the night
6. Yeah pause
7. I just don’t know
8. Survive it
9. Gaaasp
10. Cash & carry me home
11. Garden path
12. Liiines

Zolin sagt: 8 von 10