Kategorie-Archiv: Forest Swords

Video der Woche: Forest Swords – The Weight Of Gold


Forest Swords: The Weight of Gold on Nowness.com

Engravings, das zweite Album von Matthew Barnes, besser bekannt als Forest Swords, konnte nicht nur an dieser Stelle den Kritikern allerlei Lobhymnen entlocken, sondern stieß allerorts auf viel Lob. Selbst abseits des üblichen Musik-Geflechts, so war der französische Choreo- und Fotograph, sowie Ehemann von Natalie Portman, Benjamin Millepied, schon nach dem ersten Hören seiner Platte davon überzeugt, unbedingt ein Video für Matthew Barnes drehen zu wollen.

Tatsächlich kam es dann auch dazu. Das Ergebnis der Zusammenarbeit ist The Weight Of Gold und wurde in Tel Aviv gedreht. Man sieht dem russischstämmigen, amerikanischen Rapper Lakutis bei einer eindrucksvollen Tanzperformance zu, in mitten der wunderschönen Kulissen Israels. Laut Barnes assoziierte er seine Songs bisher visuell immer ausschließlich mit seiner Heimat, also britschen Landschaften, zeigte sich aber von Millepieds Auswahl der Drehorte überzeugt und bescheinigte ihm sogar, dass die Visuallsierung von The Weight Of Gold dadurch noch interessanter würde.

Die besten Alben des Jahres 2013: 10-1

Trommelwirbel, bitte! Denn bevor uns die Silvesterknaller um die Ohren fliegen und der ein oder andere den Sinn des Lebens in einer Pfütze aus Erbrochenem findet, kommt hier endlich der letzte Artikel des Jahrespolls, bevor das Jahr endgültig abgeschlossen wird: Das feine Finale der Trilogie der besten Alben des Jahres.

10. Arcade Fire – Reflektor

Es war schier unmöglich, wegzusehen. Allerorts begegnete man den propagandaartigen Verheißungen um den neuen Zweiteiler von Arcade Fire. Böse Zungen zerrissen sich schon im Vorfeld genervt die Mäuler, sprachen sich mit aller Gewalt dagegen aus. Aber warum der Unmut? Weg damit, denn Reflektor ist ein wunderbares viertes Album. Kuschelt man noch in nachweihnachtlicher Sanftmut, mag man sogar meinen, es sei eines der Besseren, ja vielleicht gar das Beste. Nun, was war auch anderes zu erwarten bei einer Zusammenarbeit mit James Murphy von LCD Soundsystem oder aber keinem Geringeren als David Bowie? Anders als sonst strotzen Arcade Fire vor Energie, bunte Funken sprühen und ein jeder beginnt zu tanzen.

9. Unknown Mortal Orchestra – II

Für Freunde von psychedelischer Rockmusik war 2013 mal wieder ein hervorragendes Jahr. Die Routeniers MGMT und Flaming Lips konnten jeweils mit, erneut, sehr guten Alben überzeugen, aber auch kleinere Bands wie Foxygene oder Unknown Mortal Orchestra schafften es zurecht, einige Aufmerksamkeit auf sich zu siehen. Besonders letztere konnten auf ihrem zweiten Album nicht nur mit ausgeklügelterem Songwriting, sondern auch mit einer angenehmen Pop-Note punkten. Hinzu kommt eine Lo-fi Produktion, die nicht über das Ziel hinausschießt, sondern den Sound durch eine weitere Retro-Komponente sinnvoll ergänzt.

8. Earl Sweatshirt – Doris

Was Herr Sweatshirt mit seinem Ehrgeiz und mühelos scheinendem Arbeitsenthusiasmus in den letzten Monaten geschaffen hat, grenzt, besonders in Anbetracht seines zarten Alters von 19 Jahren, an Wahnsinn. Nach dem von Gerüchten umschwärmten Erziehungslager-Timeout auf Samoa sicherte der wohl talentierteste Jungspund der OFWGKTA sich kurzum einige der derzeit gefragtesten Produzenten und Gast-Auftritte wie BadBadNotGood, Mac Miller, Frank Ocean und selbstverständlich Tyler, The Creator für sein grandioses Album Doris. Da wundert es, auch in Bezug auf Projekte abseits der LP, kaum, dass Earl sich erst vor ein paar Tagen den rühmlichen, verdienten Platz als Act des Jahres auf die Supreme-Kappe schreiben darf.

7. Siriusmo – Enthusiast

Moritz Friedrich stellt höchste Ansprüche an sich selbst – ein etwas schüchterner, äußerst talentierter, netter, blonder, bebrillter junger Herr, der in warmen Farben malt und um kein abreißendes Break verlegen scheint. Auf Enthusiast ist alles wie immer und doch überzeugt die Sammlung von Liedern, die zum Tanzen kaum geeigneter sein könnten, noch mehr als der Vorgänger Mosaik. Niemals klang ein Perfektionist gleichzeitig so entspannt und durchgelockert wie hier. Humor? Keine Fehlanzeige. Gemessen an der Qualität der Musik wäre eine weltweite Produktionsdominanz nicht überraschend. Es mag an seiner Persönlichkeit liegen, dass sich diese bisher noch nicht einstellte. Aber wozu auch; in seiner Nische lebt er gut.

6. Danny Brown – Old

Detroits auffälligste Rapper-Frisur gepaart mit der auffälligsten Frontzahnlücke geben nicht nur äußerlich ein höchst interessantes Ausnahmebild eines MCs ab. Auch das diesjährige Debüt LP-Release des 32-jährigen Daniel Dewan Sewell aka Danny Brown hatte es in sich. Auf Old bekam die leidenschaftliche Rap-Hörerschaft den exzellent portionierten Zucker der Glanzproduktion per Trichter eingeflößt. Dazu ließ ein reiferer, reflektierter Danny Brown lyrisch dermaßen die Korken knallen, dass man sich unter kleineren Schweißausbrüchen zwischen der emotional persönlichen ersten Hälfte und der gewohnt exzessiv scheppernden zweiten kaum entscheiden konnte.

5. Mount Kimbie – Cold Spring Fault Less Youth

Dass Warp ohnehin ein Händchen für Releases aller Art haben, ist ein offenes Geheimnis. Dass sie sich aber mit Mount Kimbie eine von vielen, aber guten, Post-Dubstep Bands der englischen Szene gesichert haben, überrascht. Nicht, dass ihr auf Hotflush veröffentlichtes Debüt Crooks And Lovers nicht auch gut war, aber ihr Zweitling Cold Spring Fault Less Youth ist nahezu eine Steigerung in allen Belängen. Mount Kimbie können sowohl für das Tanzparkett, als auch für regnerische Tage produzieren und setzen ihre Vokalisten immer perfekt in Szene. Der Kokon Post-Dubstep reicht hierfür längst nicht mehr aus. Sie sind ihm entwachsen und zu einem Schmetterling geworden.

4. Forest Swords – Engravings

Als die Akkordfolge von Miarches, dem Opener von Matthew Barnes erster EP Dagger Paths, vor drei Jahren das erste Mal erklang, öffnete sich ein Tor zu einer neuen Welt, in der Ennio Morricones tausend Tränen tiefe E-Gitarre wildem Sex mit viel dubbigem Hall und kessen R’n’B Samples fröhnte; Untergang wie Beginn in einem Augenblick zusammengedacht. Drei Jahre später fehlt die Schockwirkung dieses psychedelischen Trips – was nichts daran ändert, dass Engravings in seiner rhythmusbetonten Verfeinerung ein herausragendes Album ist, mit Potenzial zum Götzen. Wir sehen uns – Vorfreude enabled – anfang März in Köln, sagt der Bienenjäger.

3. Kanye West – Yeezus

Was lässt sich noch großartig über Kanye West sagen? Menschlich am unteren Ende der Skala, musikalisch seinen Kollegen im amerikanischen Mainstream Rap weit voraus. Wer beide Eigenschaften nicht voneinander trennen kann, wird auch mit Yeezus nicht warm werden, alle anderen werden mit einer weiteren Facette seines Schaffens beglückt. In Zusammenarbeit mit unter anderem Gesaffelstein, Hudson Mohwake, Arca und Daft Punk legt er eine elektronischere und kühlere Version seines Bombast-Raps von My Beautiful Dark Twisted Fantasy vor, während es textlich wieder eher in Richtung 808s & Heartbreak geht. Doch Bitterheit ist nicht das einzige, das Yeezus prägt, es ist vor allen Dingen der Closer Bound 2, eine der besten Liebeserklärungen des Jahres. In diesem Sinne: Uh Huh Honey.

2. Dean Blunt – The Redeemer

Ja, wir wissen, zunächst arbeitet Dean Blunt mit Kollegin Inga Copeland unter dem Namen Hype Williams an einer Fülle von Mixtapes und veröffentlicht im Jahr 2012 das Album Black Is Beautiful mit ihr. Im selben Jahr noch erscheint das Mixtape The Narcissist ll – diesmal von Blunt im Alleingang – und wenig später im Frühjahr sein alles übertrumpfendes Album The Redeemer. Doch schon hier hört unsere Kenntnis auf; der mysteriöse Londoner wirft mehr Fragen auf, als dass er Antworten gibt. Ähnlich okkult wie seine Identität ist auch sein musikalisches Schaffen auf The Redeemer. Ohne sich jeglicher Art der Songkonventionen zu bedienen, konstruiert Blunt ein faszinierendes Gebilde aus Soundcollagen, verwendet ungewöhnlichste, disharmonische Instrumente oder gar Alltagsgeräusche, AB-Soundschnippsel. Alles der unbegreiflichen Atmosphäre zuliebe. Wen wundert’s da noch, dass das wandelnde Mysterium Blunt einige Monate später gleich daran anknüpft und Stone Island, sein nächstes Album, bestehend aus kyrillisch verfassten Titeln, über die Website eines russischen Magazins veröffentlicht? Nun, er darf das. Blunt ist unser Erlöser.

1. DJ Koze – Amygdala

Er selbst sagt, dass Amygdala so etwas wie sein ganz persönliches Sgt. Peppers ist. Nur, in welcher Beziehung? Betrachtet man Sgt. einfach als Gamebreaker, quasi als Metapher für Qualität, die die folgende Pop-Geschichte beeinflusst hat, so lässt sich sicherlich auch über Amygdala sagen, dass alle kommenden technoiden Alben sich an diesem hohen Maßstab messen lassen müssen. Doch nicht nur das alleine macht Amygdala so stark. Bei all der Weiterentwicklung von DJ Koze ist es nämlich gerade die Bewahrung von dem, was DJ Koze schon immer ausgezeichnet hat, einen Sinn sowohl für kühle Basslines, als auch für einen wohlig warmen Soul-Kern. Dass dann noch viele Weggefährten mit mittlerweile großen Namen dabei sind, ist fast nur eine Randnotiz wert – Amygdala ist schon als solches zu gut.

Review: Forest Swords – Engravings

Mit Dagger Paths von Forest Swords war es anno 2010 vielleicht ein wenig wie mit Überfällig von Günter Schickert in den 70er Jahren. Unverwechselbarer, eigenständiger Soundentwurf, brillantes Werk und doch eher übersehen als anerkannt. Inzwischen hat sich das ein bisschen geändert, allerorts schwingt Enthusiasmus mit, wenn es um die Musik von Matthew Barnes aus dem arkadischen Wirral geht. Die Stärken von Dagger Paths lagen nicht nur in der Musik, sondern auch in der überzeugenden, graphischen Realisierung der Tonträger, die auf sehr gelungene Art und Weise ästhetisch die Musik widerspiegelte. Die einmalige Mischung aus verhallenden Dubproduktionstechniken, Ennio Morricone reminiszierenden Gitarren und R’n’B Samplen ließ das Herz des Untergrunds höher schlagen. Wie knüpft Barnes also an diesen kurzen Moment Glück an? Sind es neue Pfade, die er einschlägt, oder ist es eine Verfeinerung der Rezeptur?

Engravings ist ein Album, dessen Inschriften im Analogen, Organischen verankert sind. Trotz der Produktion am Laptop ist es ein Klang von Holz, der die gleiche Wärme ausstrahlt wie Dagger Paths zuvor. Von der Produktion im Schlafzimmer ging es raus ins Freie, um das Album zu mischen. Auch hier haben wir es mit einem zeitlosen Gitarrenklang, Tupfern von R’n’B als Transportmittel der Seele zu tun. Es ist eine Evolution des Ansatzes, keine Revolution, die in der Einbindung vorher nicht verwendeter Instrumente unter anderem ihren Ausdruck findet. Die LP erscheint auf Tri Angle, eins der relevantesten Labels der letzten Jahre, mit Künstlern wie oOoOO, Balam Acab und The Haxan Cloak. Es ist ein in sich stimmiges Werk, das etwas Mythisches ausstrahlt. Vieles bleibt ein Geheimnis, das zwischen den Akkorden verborgen aufflackert – in der Hinsicht erinnert es an Portisheads Opus Magnum Third.

Engravings ist die Entdeckung des Pulses, denn Barnes durchzieht die dichte Atmosphäre mit subtilen Rhythmen, die wesentlich ausgeprägter und präsenter sind als noch auf dem Debut. Bereits das Eröffnungsstück Ljoss wartet mit schweren Drums auf. Thor’s Stone knüpft daran an, mit unerwartetem, letzten Drittel; es pocht und erzeugt Bilder von gnadenloser, asiatisch-archaischer Herrschaft. Musikalisch innoviert Irby Tremor mit wundervoll eingewobenen, geloopten Flöten; minimalistische Bassmotive tun ihr Übriges. Beinahe brutal wirkt zu Beginn Onward, welches zunächst gesamplete Klänge wechselhaft rein- und rausdreht, um in Folge darüber und darunter auf die Entfaltung von Höhen und Tiefen zu setzen. Die erste Single Weight Of Gold gibt sich leichter als das benannte Schwermetall, auch wenn hier wieder gefühlt Existenzialistisches verhandelt wird, das so schwer wiegt wie Distelmeyers besungenes T-Shirt. Die Gitarren zwirbeln, das Schlagzeug wuchtet.

Weiter geht es mit An Hour; hier bindet Barnes gekonnt ein Xylophon ein. Weitaus kurzweiliger als eine Stunde ist es der letzte Stopp vor Anneka’s Battle, einem der Höhepunkte Engravings. Anneka Warburton aus Brighton, die schon für die Speerspitze der britischen Bassmusik Gesang beisteuerte, fügt sich nahtlos in die Klangästhetik ein. Barnes schafft es, die Unterschiede zu den anderen Samples aufzulösen und Warburton wie eine von vielen Samplequellen klingen zu lassen. Was als Beliebigkeit gedeutet werden könnte, gerät hier zum Gegenteil. In höchsten Höhen schwebt Warburton davon. Nach Gathering mit sich aneinander reibenden Samplen sowie Klaviersprengseln und The Plumes, das die tiefsten Gitarrenklänge des Albums featuret, schließt Barnes die LP mit dem langen Friend, You Will Never Learn, das durch Kombination von mäandernden Gitarrenmotiven und Barnes unfehlbarem Gespür für feinsinnige Rhythmen an Drive gewinnt und Piano wie Streicher miteinander verschränkt. Auf in die Unendlichkeit.

1. Ljoss
2. Thor’s Stone
3. Irby Tremor
4. Onward
5. The Weight Of Gold
6. An Hour
7. Anneka’s Battle
8. Gathering
9. The Plumes
10. Friend, You Will Never Learn

Zolin sagt: 9 von 10