Archiv der Kategorie: Deerhunter

Review-Runde: Colin Stetson, Dillinger Escape Plan, Vampire Weekend, Deerhunter

Nachdem die letzte Review-Runde ja sehr elektronisch war, gibt’s diese Woche mal was ganz anderes. So hat Bienenjäger eine kleine Rast von all seinen Konzertbesuchen eingelegt, um über den dritten Teil der New History Warfare-Saga des experimentellen Ausnahme-Saxophonisten Colin Stetson namens To See More Light zu berichten. Mit dem Dillinger Escape Plan geht es experimentell weiter. Oder doch nicht? Immerhin erübrigt sich diese Frage bei dem neuen Vampire Weekend Album und auch Deerhunter wandeln für ihre Verhältnisse auf nicht allzu verkopften Pfaden.

Colin Stetson – New History Warfare Vol. 3: To See More Light

Colin Stetsons beeindruckende Liste an Kollaborationen zeigt schon viel Verdienst; Namedropping erspart sich der Bienenjäger. Sein jüngstes Machwerk demonstriert, dass er sich nicht hinter diesen Namen verstecken muss – der dritte Teil der New History Warfare Reihe zelebriert einen Primat des Primalen und zeigt eine angenehm kathartische Wirkung, ideal für die illusionäre Suche nach vorzivilisatorischem Mythos. Schmuh ist das allerdings nicht; eher ein interessantes Experiment, ein narratives Albumkonzept musikalisch anregend zu vertonen. In Adornos Hirn kann hierzu vermutlich immer noch marschiert werden. Aber der hat den Jazz ja leider nicht verstanden. Stetsons Ausgangspunkt ist das Basssaxophon, dass er zwischen Atmosphärischem (In Mirrors) und einer akustischen Tour de Force (Brute) inklusive gutturalen Befreiungsschreien pendeln lässt; teilweise am Rande des Erträglichen, doch auch das immer wieder: ästhetisch. Hymnisch öffnet und schließt sich der Kreis in diesem Fall; runde Sache!

Zolin sagt: 8 von 10

The Dillinger Escape Plan – One Of Us Is The Killer

Seit der legendäre Provokateur Seth Putnam – Gott habe ihn selig – im Jahre 2001 den Anal Cunt Song Anyone Who Likes The Dillinger Escape Plan Is A Faggot veröffentlichte, haben die Erben John Dillingers einiges getan, um ihren guten Ruf wieder herzustellen. Mit Ire Works platzierten sie sich auf dem Thron des Mathrock und mit Operation Paralysis gestaltete die Band ihren exzentrischen Stil etwas zugänglicher für das einfache Volk. Mit dem neuen Album One of Us Is the Killer wird diese Entwicklung ziemlich konsequent fortgesetzt. Dieser groteske Dillinger Escape Plan Flow, bestehend aus aggressiven Blastbeats, melodischen Passagen, Dissonanzen, Jazz-Einschüben, technischer Metal-Spielweise und nicht zu vergessen die äußerst dynamischen Vocals, ist wieder so lebhaft, dass das Album den Hörer wohl kaum kalt lassen wird. Gegen Ende geht leider etwas an Fahrt verloren und die abermals erhöhte Zugänglichkeit dürfte den einen oder anderen Zyniker an den guten alten Anal Cunt Songtitel erinnern, aber insgesamt beweisen Dillinger Escape Plan erneut, dass es eher ein gutes Omen ist, von Seth Putnam beleidigt zu werden.

Zolin sagt: 7 von 10

Vampire Weekend – Modern Vampires Of The City

Als Liebhaber von physischen CDs hat man ja eigentlich schon Grund genug, Vampire Weekend zu mögen. Ihre zwei bisher veröffentlichten Alben Vampire Weekend und Contra sehen nebeneinanderstehend durch das ähnliche, aber trotzdem nicht zu ähnliche, Artwork sehr schick aus. Auch das dritte Album Modern Vampires Of The City macht dabei einen sehr guten Eindruck und übernimmt die minimalistische Grundhaltung der Vorgänger, überzeugt aber durch ein noch schöneres Covermotiv des in Nebel umhüllten New Yorks. Die äußerliche Gestaltung wird aber natürlich nicht der Grund sein, weshalb Vampire Weekend stets herausragende Wertungen verliehen bekommen. Ihre Mischung aus Ethno-Pop à la Paul Simons Graceland, gemischt mit Spitzen aus Indie und R&B ist mindestens so geschmacksvoll wie das Artwork der CD. Ihr drittes Album ist, was die bunte Mischung der verschiedeneen Stile betrifft, zwar nicht mehr so experimentell, es scheint dafür so, als habe sich die Band mehr auf den poppigen Kern des Albums konzentriert . Dadurch ist Modern Vampires Of The City wohl eine der reinsten Pop-Erfahrungen des Jahres und das ist noch wesentlich wichtiger als das schöne Artwork.

Zolin sagt: 8 von 10

Deerhunter – Monomania

Deerhunters letztes Album Halcyon Digest ist für verkifften Dreampop das Nonplusultra. Ein kluger Schachzug von der Band um Bradford Cox, einfach Monomania, ein Album aufzunehmen, das wesentlich lauter und vor allen Dingen mehr nach Rock klingt. Nur in einzelnen Songs wie The Missing wird man an den – im wahrsten Sinne des Wortes – traumhaften Vorgänger erinnert. Tatsächlich ist das aber gar nicht Monomanias Intention, permanent an den Vorgänger erinnert zu werden. Schließlich steht es besonders kontextlos gut da und beweißt abermals, was für großartige Songschreiber Deerhunter sind. Die Rolle des Albums in der Banddiskographie ist dagagen schwieriger herauszufinden. So könnte es sich bei Monomania zwar durchaus für einen einzelnen Ausritt in die Welt des „Lärms“ handeln, andererseits aber auch einen Gesinnungswechsel hin zu dauerhaftem „Lärm“ ankündigen. Und dann steht bei den Referenzen, ganz plakativ ausgedrückt, nicht mehr Beach House, sondern Ty Segall.

Zolin sagt: 7 von 10

Mixtape #31: FVKK WINTER

Es ist verdammt nochmal Zeit für den Sommer!

1. The Sound of Animals Fighting – Uzbekistan
2. Breton – Interference
3. Deerhunter – Revival
4. Field Music – Is This The Picture?
5. Love A – Freibad
6. Big Boi – Shine Blockas
7. Kraak & Smaak – No Sun In The Sky (Henrik Schwarz Remix)
8. Janelle Monáe – Cold War
9. Faithless – Mass Destruction (Remix)
10. Oliver Koletzki – Headshaped Box
11. Trouble Andrew & Amanda Blank – Run/Hide

Mixtape #10: MAI

Letzte Woche berichtete ich schon über die Mixtape Austausch-Aktion von Julien von Der Impuls. Diese Woche geht es um meinen Beitrag, den ich auf Reise schicken durfte.

Bei der Erstellung dieses Mixtapes war es mir sehr wichtig eine gewisse Stimmung zu erzeugen, deswegen ist es eigentlich eine Schande, sich diese wunderbaren Tracks bei YouTube und Konsorten anzuhören. Ich hoffe, es ist trotzdem ein wunderbares Hörerlebnis, wenn ihr dieses Mixtape lauscht. Das gilt natürlich besonders für meinen Austauschpartner.

Der Link zu dem Song Hand Grenade ist leider nirgends zu finden. Vielleicht habt ihr ja mehr Glück bei der Suche.

1. The Knife – The Captain
2. Björk – Amphibian
3. Bon Iver – Lump Sum
4. Depeche Mode – Useless (The Kruder + Dorfmeister Session)
5. Tu Fawning – Hand Grenade
6. Bloc Party – Where Is Home? (Burial Remix)
7. Interpol – Try It On
8. CocoRosie – Lemonade
9. Deerhunter – Desire Lines
10. Foo Fighters – Stranger Things Have Happened
11. The National – Anyone’s Ghost
12. José González – Down The Line
13. Radiohead – Lotus Flower
14. Air – Alone In Kyoto
15. Hercules & Love Affair – Time Will
16. Nouvelle Vague – O Pamela