Kategorie-Archiv: CRNKN

Die besten Sets 2013

Man wird das Gefühl nicht los, dass sich über die letzten Jahre hinweg eine geradezu exponentiell wachsende Breite an Künstlern immer öfter für den kompakten, unmittelbaren Weg des Sets entscheiden. Spätestens seit immer populärer und gängiger gewordenen Techno-Podcasts verschiedenster Online-Portale, der polarisierenden Boiler Room-Reihe oder gar dem vergleichsweise klassischen Formats des BBC Radio 1 Essential Mix ist klar: Mehrstündige Sets eignen sich auf so wunderbare Weise für mehrere fruchtende Ziele gleichzeitig. Seien es neue, unbekannte Tracks des jeweiligen Künstlers, die mit einem Augenzwinkern eingebunden werden und bewusst für hysterische Vorfreude bei Fans sorgen sollen oder die wirkungsvoll kombinierte Präsentation der wichtigsten Einflüsse. Welchen Zweck die kunstvolle Kollektion letztlich erfüllen soll, ist oft so grundverschieden wie die Künstler selbst. Anstatt den Rückblick auf einige herausragende Sets des Jahres mit dem Fokus auf eine tatsächliche Bestenliste zu gestalten, wird die Aufmerksamkeit nun in Richtung der fünf interessantesten DJ Mixes / Sets 2013 gelenkt. Wer auch nur eines davon verpasst haben sollte, dem sei zu Recherche geraten.

5. Maya Jane Coles – Essential Mix 2013

Mit gerade einmal 25 Jahren und jeder Menge Charisma sowie Eigenständigkeit bewies Maya Jane Coles über die letzten drei Jahre hinweg immer wieder, wozu sie im Stande ist. Dass es dabei viel eher um die Arbeit der Britin als DJ auf einigen der größten Festivals der Welt, als um ihre überraschend maue, diesjährige Eigenveröffentlichung Comfort geht, lässt man da gerne einmal außer Acht. Sie selbst machte große Augen wegen ihres Platz 15 unter den einflussreichsten DJs 2013 im Rolling Stone-Magazin, der Anfrage nach ihrem bereits zweiten BBC Radio 1 Essential Mix kam sie dennoch mit Vergnügen und jeder Menge beeindruckender Set-Atmosphäre nach. Die mit Lob überhäufte Coles spielt mit Bravour nach wie vor stur ihren eigenen launischen Sound, der sich unter anderem durch ihre erfrischend dynamische Deep House-Auswahl auszeichnet.

4. RL Grime – Diplo & Friends Mix 2013

Ein weiterer Ableger des BBC ist die von Hype-Produzent und Twerk-Promoter Diplo initiierte Mix-Reihe Diplo & Friends, bei der allerlei Künstler an den Tellern zu Wort kommen, denen nur noch der letzte Schritt zu weltweitem Ansehen als DJ fehlt. Ob das bei Trap-Virtuose RL Grime wirklich nötig gewesen wäre? Henry Steinways Trap Alter Ego zählt seit jeher zu den innovativsten und handwerklich geschicktesten der boomenden Szene. Sich zwischen seinem abermals genialen Halloween Mix 2013 und dem Beitrag zu Diplos Reihe zu entscheiden, fällt schwer. Beide stehen einander in Sachen Ohrenwummern in Nichts nach. Dabei fällt das Spektrum an Tracks immer noch so breit aus, als dass sich auch Techno-Heads kurzerhand zwischen Flosstradamus‘ Original Don Mix und der Birdmachine von DJ Snake und Alesia verlieren können.

3. Four Tet – 0181

Kieran Hebden hat dieses Jahr für ungewöhnlich wenig Trubel gesorgt, was nicht zuletzt an seinem schwierigen und irgendwie unbeholfenen Ansatz der UK Bass Musik-Reminiszenz auf Beautiful Rewind liegen könne. Zumal er in der ersten Hälfte des Jahres ein wahrlich mehr als erwähnenswertes Set aus bisher unveröffentlichten Arbeiten unter dem Codenamen 0181 hervorgebracht hat. Entgegen seinen diesjährigen, härteren Tendenzen lässt er mit 0181 wohliges Erstaunen, ängstliches Unwohlsein und euphorisches Kopfnicken zu Gitarrenbeats Schichtwechsel betreiben. Es handelt sich tatsächlich nicht einmal um wirkliches Mixing. Dennoch erschafft Hebden hier mit seinem warmen, organischen und vor allem einzigartigen Kollektiv elektronischer Arbeiten über die Länge von knapp 40 Minuten eine Atmosphäre, die rührend und einzigartig sympathisch ist.

2. CRNKN – Diplo and Friends Mix

Wie der heiße Scheiß vor Monaten schon einmal zu betonen suchte: CRNKN kennt sein Handwerk. Der vergleichweise noch frische Jüngling der Trap- und Beatszene erfährt seit seiner ersten Stunde Unterstützung von allen Seiten und Größen. Da er ursprünglich aus anderen Gefilden der Musik stammt, fließen bei Gigs und Sets Einflüsse so vieler Genres mit ein, dass man schnell vergisst, aus welcher Krawallecke CRNKN seine Signale seit knapp zwei Jahren sendet. Für die Diplo & Friends-Reihe fertigte er ein Set an, das mit einer fast schon dreisten Leichtigkeit und Arroganz die anderen Beiträge zu überfliegen scheint. Zu keiner Zeit monoton, immer in verschiedensten, sprunghaft bunten Formen und Facetten und doch hat es Hand, Fuß und einen mit allen Wassern gewaschenen Kopf: Neben R’n’B Eintagsfliege Mario, Erfolgsduo Disclosure und Querkopf Ben Howard findet auch Mr. Oizo seinen Platz.

1. DJ Sprinkles – Where Dancefloors Stand Still

Terre Thaemlitz‘ bekanntestes Pseudonym stellt sich quer und schlägt einmal große Wellen. Der Transgender-Aktivist und Essayist, der hinter dem 30-stündigen Piano-Solo-Sammelsurium Soulnessless und der bahnbrechenden Compilation-LP Midtown 120 Blues steckt, richtet sich dieses Mal ganz gezielt an ein politisches Geschehen: der aktuelle Prozess um die mögliche Änderung des japanischen Fuzoku-Gesetzes, welches es vielen Clubs des Landes archaisch verbietet, nach 1 Uhr nachts das Tanzen zu erlauben. Dj Sprinkles, selbst seit Jahren in Kawasaki, Japan sesshaft, positioniert sich zielgerichtet mit einem Mix, in dem mehr als eine Dekade Erfahrung und seine immer noch präzise Nase für aktuelles Material zusammenspielen. Rare Veröffentlichungen und Remix-Arbeiten fließen haltlos und gekonnt ineinander über, die Meisten entspringen dem Deep House, einer nicht gerade alltäglich genutzten Plattform für politischen Inhalt.

Heißer Scheiß: CRNKN

Damn son, where’d ya find this?“ Verdammt, mein Sohn, ich glaube, dies könnte die mir am öftesten gestellte Frage in einigen der stimmungsvollsten elektronischen DJ-Mixes und Sets des letzten (und vielleicht schon vorletzten) Jahres gewesen sein. Dass mehr und mehr Bassliebhaber und HiHat-Addicts diesen Satz innerhalb von Nanosekunden mit den Trap-A-Holics und allen den Genre Zugehörigen verbinden, spricht vor allem für eins: It’s a Trap! Die Sub-Szene, die bereits seit einiger Zeit keine mehr ist, hat nicht nur ihren Weg in die breite Ohrmuschelmasse des Volks gefunden, sondern unter den mittlerweile gefühlten abertausenden DJs und einschlägigen Produzenten des Genres hat sich eine wachsende Qualitätsperle herauskristallisiert: Neben etablierten Größen wie Baauer, RL Grime, Flosstradamus oder dem Hit-Duo TNGHT sind es vor allem die Frischlinge, die dem bisher für relativ simpel und wenig abwechslungsreich eingeschätzten Sound des Metiers Aufwind verschaffen und die Grenzen nach und nach erweitern. Immer seltener geschieht dies bei Trap in Form von spektakulären LP-Releases, sondern viel eher durch Remixes im eigenen Gehege, unter Genre-Kollegen, aber auch besonders durch diverse frei verfügbare DJ-Sets und Mixes der Pioniere.

Gabe Baer ist einer der besagten Frischlinge, die besonders zu beeindrucken wussten: Geboren in New Hampshire, lebend im kreativen Zentrum der experimentellen Beat-Szene der Westküste, in Los Angeles, California stieß der gerade mal 20 Jahre junge Gabe Bear aka CRNKN erst vor weniger als 2 Jahren auf den Trend. Trotz des späten Einstiegs wurde ihm der Weg durch keinen geringeren als die Genregröße Flosstradamus erleichtert. Das Duo gab ihm konstant konstruktive Kritik bezüglich seiner Produktionsarbeit und seines Mixings. Durch gute Kontakte zu diversen Namen im sowieso vergleichsweise kleinen Genre-Spektrum wie besagte Flosstradamus, UZ, Dillon Francis oder selbst Diplo erfuhr Baer Unterstützung und Wohlwollen von allen Seiten. Als mittlerweile bereits sehr selbstständiger und vor allem kreativer Vertreter der Szene mixt CRNKN die unterschiedlichsten Arten von Tracks, oft auch außerhalb seines vom Hörer erwarteten Beuteschemas: Er selbst sei beeinflusst durch Künstler aller Art und wurde bereits früh durch seine musikbesessenen Eltern auf die unterschiedlichsten Stile gebracht.

Seine geschmackliche Vielfalt und kreative Finesse kommt im unten vorgestellten Set sehr gut zur Geltung: Für die Mix-Reihe von Diplo im BBC Radio fertigte er ein einstündiges Dance-Set an. In dieser Stunde greift CRNKN so tief und so gründlich in die farbenfrohe EDM-Tasche, dass es jedem aufgeschlossenen Trap-Lover eine aufkreischende Freude ist. Gespickt mit den feinsten und innovativsten Remixes diverser bekannter wie unbekannter Kollegen bespaßt er den Hörer so abgestimmt und frisch, dass er selbst dem konstanten Naysayer in Bezug auf die derzeit gehypteste Beatszene mehr als nur ein Fünkchen Hörfreude entlocken dürfte. Atmosphärisches Auf und Ab, Bassgebretter, feinste Synthie-Bepuderung, dabei eine Dynamik in den Übergängen, die bei jedem erneuten Hören an vielen Stellen anerkennend die Augenbrauen auf Anschlag ziehen lässt. Nicht nur, dass diese volle (Stern-)Stunde an elektronischer Musik stets vollauf befriedigt die Kopfhörer ablegen lässt, sie ist auch noch als freier Download auf CRNKNs Soundcloud-Seite verfügbar. Man darf auf die ersten offizielleren Releases des viel umschwärmten EDM-Jünglings hoffen, mit Blick auf den guten Draht zum Mad Decent-Label. Uneingeschränkte Empfehlung für jeden, der auch nur beim ersten Satz eine Spur Neugier an sich erwischt!