Archiv der Kategorie: Allgemein

Die Videos des Jahres 2013 – Die zweite Hälfte

Weiter geht’s zu den fehlenden besten Videos des Jahres. Auch bei der zweiten Hälfte reicht die Bandbreite an Videos von Loop-Kunstwerken, über Teleshopping Satire, bis letztlich zu einer verstörenden Einsicht ins Fetisch-Geschäft und einem dazugehörigen Brainfuck. Natürlich auch dieses Mal meisterhaft von den Regisseuren umgesetzt. Also schnell das Licht dimmen, Popkorn holen und sich letztlich selbst überzeugen lassen.

Gesaffelstein – Hate Or Glory

Grizzly Bear – Gun-Shy

Grizzly Bear – Gun-Shy from Kris Moyes on Vimeo.

Oneohtrix Point Never – Still Life

Pissed Jeans – Bathroom Laughter

Pissed Jeans – Bathroom Laughter von BlastroNetworks

Slava – Werk

Slava – ‚Werk‘ (Official Video) from Software Recording Co on Vimeo.

Review-Runde: Chvrches, Haim, Gerard, Architect

In dieser Review-Runde gibt es einige elementare Fragen zu klären. Was können die vom BBC hochgepushten Newcomer Chvrches und Haim wirklich? Ist Gerard die viel zu späte deutschsprachige Antwort auf The Streets? Und wer ist überhaupt dieser Architect? Das und noch viel mehr erfahren Sie nach der kurzen Cover-Banner Unterbrechung.

Chvrches- The Bones of What You Believe

Vorhang auf für eine Band, die sich weniger aus tiefster Glaubensbekenntnis, sondern eher aus Jux und Dollerei mit dem Namen Chvrches (sprich: churches) betitelt und damit zuckersüßen Synthiepop schustert. Bis zum Himmel gepriesen wurden sie letztes Jahr in Kreisen der Blogosphäre, als sie mit gerademal einem Track einen Trend setzten, der in naher Zukunft ganze Fluten an Hypewellen auslösen würde. Anfang diesen Jahres folgte dann die Recover EP, die sich als Eintrittskarte für die Bühnen der globalen Festivalsaison und das Supportprogramm von Depeche Mode erwies. Bis hierhin also eine Senkrechtkarriere für die drei Schotten, die nun ihr Debüt The Bones of What You Believe offerieren. Ein Album, das technoide Beats und einen Platzregen an Synthesizern bündelt und die volle Albumlänge durch auf des Hörers ahnungslose Trommelfelle einprasseln lässt. Darüber gleitet die kindlich naive, glasklare Stimme Lauren Mayberrys, die einem leider auch nicht die nötige Luft zum Atmen verspricht, nach der man während der zwölf viel zu dick aufgetragenen und aneinander gepressten Hits ringt. Jeder davon ist nett zum Tanzen, aber als einer von vielen völlig überdosiert, sodass sie in ihrer Summe nicht funktionieren. Am Ende fühlt man sich elektrisiert und etwas überfahren. Vielleicht Zeit für ein Katerfrühstück mit Haim?

Zolin sagt: 5 von 10

Haim – Days Are Gone

Freundlich, freundlicher, Days Are Gone. Anders möchte man es eigentlich gar nicht beschreiben, dafür lieber mit einer Einschränkung versehen, steht Freundlichkeit bei Musik doch zu häufig symptomatisch für Beliebigkeit. Die gilt jedoch in keinem Maße für Haims Debüt. Es hört sich viel eher wie ein wildes Sammelsurium aus 40 Jahren Popgeschichte an. Die Stimme von Sängerin Danielle Haim erinnert bisweilen an Stevie Nicks, selbiges gilt übrigens für die Songstrukturen, die auch aus der Glanzphase Fleetwood Macs stammen könnten, sowie für die dezenten R&B Anleihen, die sich aber nie aufdrängen. Neben den bereits erwähnten Fleetwood Mac lassen sich Haim aber wohl am ehesten mit Boy vergleichen, jedoch mit einem Unterschied: Haims Songs klingen wesentlich ausgetüftelter und Days Are Gone ist im Gegensatz zum Debüt ihrer deutschen Konkurrenz nicht nur einfach eine Ansammlung an Hits, sondern bietet einen Mehrwert. Auch wenn Haim erst am Anfang einer garantiert noch langen Karriere stehen, ist eines jetzt schon gewiss: Sie haben den BBC Hype zumindest mehr verdient als Chvrches!

Zolin sagt: 8 von 10

Gerard – Blausicht

Was wurde in den letzten Wochen nicht alles über Caspers Hinterland geschrieben. Innovativ soll es sein, zeitgemäßer als alle vergleichbaren deutschen Rapper, dazu noch referenziell und lyrisch auf einer Stufe mit Blumfeld. Das ist nicht nur maßlos übertrieben, sondern gemessen an der Qualität von Hinterland einfach ein Witz. Den Casper verliehenen Vorschusslorbeeren wird der Wiener Gerard natürlich auch nicht gerecht, dennoch kommt er mit seinem nun erschienenen Album Blausicht dem ganzen schon mal ein Stück weit näher. An Gerards Sprechgesang, der in diesem Falle sogar wörtlich zu nehmen ist, muss man sich zwar erst gewöhnen, doch sobald man dann einen Zugang gefunden hat, wird man von der Tiefe des Albums nahezu überrascht. Die melancholischen und vom Eskapismus getragenen Texte erinnern zu weilen sogar an die viel zu späte deutschsprachige Antwort auf The Streets. Die große Stärke von Blausicht sind hingegen aber die Beats, die auch internationalen Standards gerecht werden. Innovationen findet man zwar auch bei Gerard nicht, dafür aber ein verdammt solides und zeitgemäßes deutsches HipHop-Album.

Zolin sagt: 7 von 10

Architect – Mine

Manchmal kann man auch einfach Glück haben. Bereits 1998 hat Daniel Myer das Projekt Architect ins Leben gerufen und das Debüt Galactic Supermarket veröffentlicht. Auf einem seiner vielen Konzerte lernte er das ehemalige Depeche Mode Mitglied Alan Wilder kennen, arbeitete mit seiner neuen Band Recoil zusammen und remixte schließlich sogar Depeche Mode. So kommt es auch, dass Myer bei seinem bereits sechsten Album Mine auf ein größeres Repertoire an Kollaborateuren zurückgreifen kann. Dabei ist beispielsweise Paul Kandall, der unter anderem schon für Nine Inch Nails hinter den Reglern stand, sowie die Electronica-Legende und Filmkomponist Ben Lukas Boysen. Doch was nützt schon das Personal, wenn das Ergebnis nicht zu überzeugen vermag? Glücklicherweise tut es das. Architect führt auf Mine durch dichtes Elektronikgewächs, mal gibt es Trip-Hop-Blüten, mal wummert der Bass so stark, dass alle Nadeln einfach abfallen. Doch zum Tanz lädt Mine nie ein, viel eher zum wohligen Entspannen. Ein wahrer Glücksgriff.

Zolin sagt: 7 von 10

Bienenjäger: Conor Oberst in Hamburg, 29.01.2013

Ausverkauft!„, sagt ein Schild am Hamburger Kampnagel. Von ein paar Studenten, die seit einigen Stunden mit Rotwein in der Kälte warten, lasse ich mir sagen, dass das im großen K6 nicht allzu oft vorkommt – außer wenn Conor Oberst spielt. Seine Besuche in Deutschland sind rar und die Karten für seine wenigen Konzerte begehrt.

Akustik-Tour, bestuhlte Halle – nach der letzten Bright Eyes Tour zu The People’s Key, einem ungewöhnlichen, schnellen Album, ist das für einige Fans sehr ungewohnt. Aber Oberst hat Mike Mogis und Nate Wallcott in Omaha gelassen. Seine Setlist ist traurig und gefühlvoll. Vor dem Konzert eine Durchsage von Oberst selbst. Er weist darauf hin, dass das Fotografieren und Filmen verboten ist. Erstaunlich ist, dass es funktioniert, wenn das Verbot vom Künstler selbst kommt. Auch das trägt sicherlich maßgeblich zu der ganz speziellen Atmosphäre im Kampnagel bei.

Simone Felice eröffnet das Konzert. Lyrisch ein großer Romantiker, musikalisch ähneln sich seine Songs so sehr, dass es schnell langweilig wird. Das Publikum wird unruhig. Sie warten alle auf Conor Oberst, den Songwriting-Virtuosen aus dem trostlosen Omaha.

Still, etwas verloren und mit einem Glas Rotwein in der Hand betritt dieser die Bühne. Seine Haare, schulterlang, bedecken sein Gesicht. Er klingt zerbrochen, er klingt schwach, er klingt auch mal kraftvoll und gar wütend als er als ersten Song den sieben-minütigen Kracher Big Picture anspielt. Schwere Kost, gleich zu Beginn.

Dann ein Klassiker. Oberst spielt First Day Of My Life an. Einige Zuhörer sind noch in der Lage zu kreischen, der Rest starrt gebannt auf den einsamen Mann, der ganz in schwarz in der Mitte der Bühne sitzt. Aufmerksam beobachten sie jede seiner Bewegungen, hören jeden seiner Töne. Er schafft es, das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Das Publikum fühlt, was er fühlt. Die Atmosphäre ist wie der Rotwein in Conor Obersts Hand – bitter, traurig, berauschend. Und man möchte, dass dieser Rausch niemals vergeht.

Immer wieder wechselt er im Laufe des Konzertes zwischen elektrischer und akustischer Gitarre, zwischen Bier und Rotwein und zwischen Bright Eyes, Mystic Valley Band und Monsters of Folk. Meistens alleine auf der Bühne, manchmal mit Ben Brodin am Xylophon, der bereits auf The People’s Key mitwirkte. Einige Songs spielt Oberst am Klavier.

Erstaunlich: Sonst in sich gekehrt und schüchtern, präsentiert sich Oberst in Hamburg gesprächig und extrovertiert. Immer wieder erinnert er sein Publikum daran, nicht nur zuzuhören, sondern dabei auch Spaß zu haben. Den Abend zu genießen. Er erzählt Geschichten aus seiner Jugend. Seiner ersten Tour mit 16 Jahren durch die USA, bei der all die Dinge passierten, vor denen seine Eltern hätten Angst haben müssen. Als Highlight reicht er beim Song Laura Laurent das Mikrophon herum, animiert sein Publikum zum Mitsingen und tauscht Küsschen und Umarmungen mit den Frauen in der ersten Reihe aus.

Intime Momente, eine wundervolle Atmosphäre, diese großartige Musik – der Songwriter aus der wohl trostlosesten Stadt der USA hat sich mit seiner Akustik-Tour ein weiteres mal selbst übertroffen und dem ausverkauften Kampnagel einen unvergesslichen Abend geboten, der dem ein oder anderen Zuschauer auch in einigen Jahren noch ein Lächeln auf das Gesicht zaubern wird.

Review: Tosca – Odeon


Tosca sind und bleiben eine der wahrscheinlich unterschätztesten Bands aller Zeiten. Bereits seit ihrem Debut Opera, welches bereits 1997 veröffentlicht wurde, sind sie eine der atmosphärischsten, besten Downtempo Bands und vor allen Dingen eine, die ihren eigenen Sound immer weiter geprägt und modernisiert hat. Das hat sich auch nicht auf Odeon, ihrem mittlerweile schon sechsten Album, verändert. Was sich hingegen verändert hat, ist die allgemeine Grundstimmung auf Odeon, die dieses mal deutlich düsterer, als beispielsweise noch auf ihrem letzten Album No Hassle ist.

Dieses deutliche Bild wird aber nicht durch ebenso klare, dunklere Einflüsse gezeichnet, sondern ist eher die Summe von einzelnen Faktoren, die nur sehr gut in Szene gesetzt werden. Einer dieser Faktoren ist zum Beispiel, dass nur einer der Songs auf Odeon von einer weiblichen Sängerin getragen wird, während sonst nahezu ausschließlich auf die natürliche Dunkelheit des männlichen Organs gesetzt wird. Außerdem kommt noch hinzu, dass durch den verstärkten Einsatz von Sprechgesang der Blues-Charakter gegenüber ihren bisherigen Alben deutlicher ausfällt.

Das soll jedoch keinesfalls bedeuten, dass Odeon so düster oder ambientlastig ist, dass es selbst Anklang in den dunkelsten Szenen finden würde. Nur in solchem Maße, wie es den typischen Tosca Sound bereichert. Trotzdem ist es für den geübten Tosca Hörer deutlich schwieriger einen Zugang zu Odeon zu finden, als zu den Vorgänger Alben. Das hat aber den psychischen Vorteil, dass der Hörer, sobald er sich dann eingehört hat, noch mehr von dem Hörerlebnis bereichert wird, als bei den ohnehin schon sehr guten Alben.

Diejenigen, die bisher nur dazu geneigt waren, Tosca als rein meditative Musik für zwischendurch zu hören, werden jedoch auch weiterhin nicht enttäuscht werden. Man kann Odeon eben unter zweierlei Gesichtspunkten hören: Will man was entdecken oder reicht die kurzfristige aus Odeon hervorgehende Entspannung aus? Egal wie, in beiden Fällen schlagen sich Tosca großartig und dies ist ein Erfolg, den Tosca so konkret noch nicht verbuchen konnten. Es lässt somit eigentlich nur die Schlussfolgerung zu, dass sich Tosca auf dem Gipfel ihres künstlerischen Schaffens befinden, denn eine qualitative Steigerung dieser Art von Musik ist kaum mehr möglich.

1. Zur Guten Ambience
2. What If
3. Heatwave
4. Jayjay
5. Soda
6. Meixner
7. Stuttgart
8. In My Brain Prinz Eugen
9. Cavallo
10. Bonjour

Zolin sagt: 9 von 10

Mixtape #37: 2012

Die besten Tracks des Jahres.

1. Die Bestesten – Ein Job Für die Bestesten
2. Frank Ocean – Lost
3. Major Lazer – Get Free
4. Kindness – That’s Alright
5. Burial – Loner
6. Lana Del Rey – Born To Die
7. Mikky Ekko – Pull Me Down (Ryan Hemsworth Remix)
8. EL-P – The Jig Is Up
9. Fun. – Some Nights
10. Die Türen – Pop ist Tot
11. Ashes Of Pompeii – The Bells Of Old Dunwich
12. Rudi Zygadlo – Catharine
13. Black Moth Super Rainbow – Windshield Smasher
14. Andy Stott – Numb
15. Die Orsons – Horst & Monika
16. Kindness – House
17. Tame Impala – Elephant