Archiv der Kategorie: Adolar

Review-Runde: Goldfrapp, Betty Ford Boys, Adolar, Raffertie

Der Herbst kommt und mit ihm scheinen auch die Alben dunkler zu werden. Zumindest entsteht dieser Eindruck bei Betrachtung der Cover der neuen Goldfrapp, Betty Ford Boys, Adolar und Raffertie Alben. Immerhin sieht es musikalisch nicht so düster aus, doch dazu mehr in den Kritiken.

Goldfrapp – Tales Of Us

Da räuspert sich endlich mal wieder eine der relevanteren Glam-Pop-Queens und was bekommt man auf den Teller serviert? Eine Scheibe zum Meditieren und Grübeln. Dass das Goldfrapp-Duo auf jedem ihrer fünf bisherigen Alben immer wieder auf’s Neue für allerhand Überraschungen gut war, ließ sich zwar vermuten, auch dass sich Album Nr.6 von den Wegbereitern absetzten oder gar ein klanglich völlig neues Feld beackern könnte. Aber wer hätte schon damit gerechnet, dass sämtliche wesenhafte Elektromaschinerien zurückgefahren und diesmal auf den schwelgerischen Wohlklang des Streichers und der gezupften Holzgitarre gesetzt würde. Zu hoch gepokert? Nein! Engelsgleich schwebt das anmutige Hauchen einer Alison Goldfrapp über das nun nahezu organische Soundgewebe, wie man sie zuletzt zu längst entschwundenen Debüt-Zeiten hörte. Tales Of Us ist ein Album, das atmet; das unter die Haut kriecht. Viele Worte drehen sich um das Leitmotiv der Ungewissheit und geben dieser durch verschiedene Charaktere auf jedem der zehn Tracks eine neue Bedeutung. Dennoch verharrt das Album auf voller Länge sowohl textlich als auch soundtechnisch in einer faden Unschärfe, ohne vollends aufzugehen.

Zolin sagt: 7 von 10

Betty Ford Boys – Leaders of the Brew School

Ein Raunen ging durch die deutsche HipHop-Welt, als Suff Daddy, Dexter und Brenk Sinatra, die momentan wohl besten deutschen HipHop Produzenten, verkündeten, dass sie sich gemeinsam zu den Betty Ford Boys formieren und das nichtmals für – wie zuerst vermutet – eine Tour oder die erschienene 10“, sondern tatsächlich für ein gemeinsames Album. Schaut man sich die jeweils letzten Veröffentlichungen der einzelnen Produzenten an, so müsste mindestens ein Album bei gemeinsamer Mitwirkung erscheinen, dass so ziemlich alles vergleichbare auf ihre Plätze zurückverweist und als zukünftige Referenz gehandhabt wird. Dieser Fall ist jedoch nicht unbedingt eingetreten. Zwar hört man die typische Produktionsweise von jedem einzelnen raus, wie beispielsweise den sehr offensiven Umgang mit Samples von Seiten Dexters, den stark Westcoast beeinflusste Sound von Brenk oder die fröhlich vor sich her pumpenden Bässen Suff Daddys, nur entsteht hierdurch nicht etwas neues, noch besseres, sondern eine Synthese, die „nur“ genauso gut ist wie die einzelnen Solowerke. Das macht vor allen Dingen viel Spaß zuhören, setzt aber keine neuen Standards. Am passendsten ist wohl als Fazit ein freies Zitat von SSIO zu übernehmen: Betty Ford Boys sind boombaptastisch.

Zolin sagt: 8 von 10

Adolar – Die Kälte der Neuen Biederkeit

Adolar sind eine dieser wenigen deutschen Post-Punk Bands, die es geschafft haben, seit ihrer Bandgründung komplett eigenständig zu bleiben und dabei trotzdem noch ihre Songs weiter zu entwickeln – sowohl textlich als auch musikalisch. War ihr Debüt Schwörende Seen, Ihr Schicksalsjahre! noch sehr selbstreferenziell und vor allen Dingen traurig, gingen Adolar auf ihrem grandiosen zweiten Album Zu Den Takten Des Programms einen Schritt weiter: Nun ging es nicht mehr um die eigenen Beziehungen, sondern in erster Linie um Frust. Frust gegen DJs, gegen Musikjournalismus und überhaupt gegen das System. Das wäre bei einem florierenden Genre wie Post-Punk sicherlich keine Besonderheit, nur gelang es Adolar eben, diesen Frust in leicht verstrobene Songstrukturen und Texte zu verpacken. Nun wurde das dritte Album mit dem programmatischen Titel Die Kälte der Neuen Biederkeit veröffentlicht und wieder wird der sich angestaute Frust ausgelassen. Dieses Mal nur leider nicht mehr in der musikalischen Verschrobenheit, sondern wesentlich zugänglicher, dafür textlich feiner denn je. Witziger Nebeneffekt ist, dass Adolar tatsächlich zu Stefan Raabs Bundesvision Song Contest eingeladen wurden. Unter anderem neben Max Herre. Lass gut jen.

Zolin sagt: 7 von 10

Raffertie – Sleep of Reason

Zugegeben, dieses Review kommt reichlich spät. Aus irgendeinem Grund ist das Debüt Sleep of Reason von Raffertie vollkommen unter dem Radar der Meisten im Sommer erschienen. Vor allen Dingen auch weil Raffertie mit seinen bisherigen EPs immer eher für mittelmäßige UK-Garage Tracks stand. Das ändert sich radikal auf Sleep of Reason. Viel mehr sind die nötigen Referenzen hier James Blake oder auch Rudi Zygadlo, denn wie jetzt nur unschwer zu erraten ist, macht Raffertie auf Sleep of Reason eine ebenfalls sehr virtuose Mischung aus seinem glasklaren und ansatzweise souligen Gesang und Dubstep Sound. Das Ergebnis klingt höchst fragil und baut über die gesamte Laufzeit des Albums immer mehr Anspannung auf, die in instrumentalen Tracks wie One Track Mind zumindest ein wenig aufgelockert wird. Was nach einem Hördurchgang bleibt, ist das Gefühl, gerade ein wirklich grandioses, aber ebenso forderndes Album gehört zu haben. Keine Spur von irgendwelchen UK-Garage Songs. Raffertie steht diese Art von Musik sowieso nicht.

Zolin sagt: 8 von 10

Top 10: Adolar

Letztes Jahr erschien das aktuelle Album von Adolar mit dem Namen Zu Den Takten Des Programms. Mit ihrem zweiten Album gelang ihnen etwas, dass dem Begriff Meisterwerk sehr nahe kommt. Im Geiste von Bands wie Muff Potter haben sie es geschafft, ein beispielloses deutschsprachiges Punk-Album aufzunehmen. Während Zu Den Takten Des Programms also ein Lieblingsalbum vom Zolin ist, stellt Kollegah-Imitator und Gitarrist Micha (2. von links) seine 10 Lieblingsalben vor.

Refused – The Shape Of Punk To Come

Wegweisendes und genreübergreifendes Album, das Punk an der Stelle war und ist wo er sein soll. Experimentiere und mach was Eigenes!

Oceansize – Frames

Hat uns in der Studiozeit zum ersten Album geprägt. Wir haben uns oft die Live-DVD dazu reingezogen. Symphonischer, aber unpathetischer Rock.

Sparta – Wiretap Scars

Lief immer im Auto als ich auf der Rückfahrt von Konzertbesuchen mit Freunden war. Da war ich Anfang 20. Geil.

Deftones – Diamond Eyes

Grandioser Opener. Brachial und schön zugleich und angeblich innerhalb von 10 Tagen runtergeschrieben. Respekt an die Tennissocken!

Kollegah – Bossaura

Inhaltlich fraglich, formal überragend! Schnell und intelligent. Spielerischer Rap mit technischem Anspruch der einem die Ohren zu Brei kloppt und als Schläger Metaphern benutzt.

The Cooper Temple Clause – Kick Up The Fire And Let The Frames Break Loose

Soundlich und atmosphärisch dicht. Nur Micha mag es wirklich richtig krass…

Käfer K – Von scheiternden Mühen

Geile Entwicklung einer Band und dazu noch so nette Typen!

Beatles – Abbey Road

Da ist der Song „Because“ drauf, den ich sehr gelungen finde. Geile mehrstimmige Vocals!

Bohren And The Club Of Gore – Sunset Mission

Selten war ein Saxohpon so unaufdringlich! Empfehlung eines guten Freundes, seitdem immer auf Rotation zur Entspannung und zum Schreiben.

Biffy Clyro – Infinity Land

Geiler Math-Rock, der an genau den richtigen Stellen abwechslungsreich wird. Hören wir oft. Sehr oft. Aber grad nicht so… Wird wieder…

Mixtape #27: Your Father Will Love This

sure he does

1. Beirut – Santa Fe
2. Mice Parade – Galileo
3. Adolar – Die Ekelhaften Pläne
4. White Denim – Street Joy
5. Four Tet – Plastic People
6. ASAP Rocky – Trilla (Feat. ASAP Twelvy & ASAP Nast)
7. Teams vs. Star Slinger – Close To Me
8. DJ Shadow & Little Dragon – Scale It Back
9. Monsters Of Folk – Dear God (sincerely M.O.F.)
10. Mister Heavenly – Bronx Sniper
11. Eric Dolphy – Gazzelloni

Mixtape #9: RAVE ≠ RAVE

Das zweite Mixtape diese Woche. Dieses Mal müssen jedoch ein paar mehr Wörter über diese besondere Ausgabe nicht verloren, sondern gewonnen werden. Denn Julien von Der Impuls hatte mal wieder eine wunderbare Idee. Einen Mixtape Austausch zwischen Musikbloggern.

Dabei hatte ich viel Glück. Denn das Los entschied, dass Martin von dem frisch umbenannten Blog RAVE ≠ RAVE mir sein Mixtape schicken durfte. Die Songs auf dem Mixtape sind eine wunderbare Mischung aus deutschen Klassikern, wie Korn & Sprite von Tomte und gute Laune Songs, wie El Guinchos Bombay.

Besonders positiv zu erwähnen ist die Emmotionskurve, die einen von den beschwingten Songs vom Anfang, bis zum melancholischen Ende tragen. Hinzu kommt noch das wunderbare Cover, welches dieses Mixtape zu einer besseren CD macht, als 70 % aller restlichen Veröffentlichungen.

Da ich euch das wunderbare Artwork nicht vorenthalten will, müsst ihr diesesmal die Songs alle selber bei YouTube suchen. Für dieses Meisterwerk ein annehmbarer Preis.