Archiv der Kategorie: 2014

Review: Trust – Joyland

Als Rezensent hat man es generell einfacher, wenn man über ein Album sprechen kann, welches in irgendeiner Weise aus dem restlichen und nebenbei bemerkt gigantischen Berg an Veröffentlichungen heraussticht. Dabei ist es grundsätzlich egal in welcher Weise dies geschieht. Ein Album mag besonders gut, besonders schlecht oder einfach nur besonders sein, es hilft auf jeden Fall, die Musik mit Worten beschreiben zu können, die wie auf das entsprechende Album zugeschnitten zu sein scheinen. Vor allem Bands aus den zahlreichen Revival-Szenen haben es da schwer, nicht andauernd mit meist bereits lange vor ihrer Zeit gefeierten Gruppen verglichen zu werden. Trust sind eine dieser Bands, welche viele Elemente bereits bestehender Genres direkt übernehmen. Das kanadische Synth Pop-Projekt, welches mittlerweile nur noch aus einer Person, Robert Alfons, besteht, kombiniert Depeche Mode und Gothik Pop/Rock zu einer durchaus tanzbaren Mischung, die gerade Nostalgiker, welche in der Ära der synthetischen Pop-Musik und dunklen Klamotten zu Hause sind, zum Hören antreiben sollte.

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Review: Moon Zero – Tombs + Loss

Denovali Records aus Bochum, auch bekannt als deutscher safe haven für experimentelle und ambiente Musik, haben schon den ein oder anderen dicken Brocken an Land gezogen, seien es Metalkracher wie Celeste oder Omega Massif, Ambient-Größen wie Bersarin Quartett oder die jazzigen Grusel-Experten vom Kilimanjaro Darkjazz Ensemble beziehungsweise The Mount Fuji Doomjazz Corporation. Labels wie Denovali gibt es nur äußerst selten, und beiden Inhabern muss die Musik gefallen, damit ein Künstler über das Label seine Veröffentlichungen der wartenden Hörerschaft bereitstellen kann. Moon Zero, das Ambient-Projekt vom Londoner Musiker Tim Garratt ist einer der neuesten signees des Labels und gleich veröffentlicht es seine bisher nur auf Tape erhältliche Debut-EP und sein neuestes Werk gleichzeitig. Was steckt dahinter?
Tombs, die erste der beiden Eps, zeigt sich schon mit seinem Opener Dalyan von einer sehr starken und überzeugenden Seite. Während ein wie ein verrostetes Zahnrad klingendes Schaben konstant im Hintergrund arbeitet, legt sich langsam aber sicher ein droniges Betttuch über das Stück, ehe Klänge wie kalter Wind labyrinthartige Räume durchstreifen und anschließend von den letzten Zuckungen elektronischer Pulsadern verschluckt werden. Dazu klingt das Ganze noch nach einer alten Fabrikhalle und voilà: schon hat man einen fesselnden Ambient-Track, der dem Hörer lange im Gedächtnis bleiben wird. Shadow Den hingegen klingt mehr wie ein verstaubtes Apartment, in welches schon viel zu lange kein Licht hineingelassen wurde und sorgt, genau wie Endless Palms, für eine geisterhafte Stimmung, welche durch stark bearbeitete Orgelklänge hervorgerufen wird und Stimmen aus dem Jenseits nicht nur wieder erweckt, sondern quicklebendig erscheinen lässt.
Loss begibt sich auf ähnliche Pfade, zeigt aber gleichzeitig dass ein höheres Budget für Ambient-Musiker durchaus von Vorteil sein kann. Aufgenommen in einer Kirche zeigt sich die verwahrloste und einsame Atmosphäre noch weitaus besser als auf Tombs. Während Youth noch einen eher klassischen Ambient-Cut darstellt, ist Nosema Caranae’s fragiles Orgel-Spiel, welches von elektronischen Adern durchzogen wird klar von Tim Hecker, vor allem dessen neusten Werken, inspiriert, schafft es aber ohne Probleme das gleiche Niveau darzubieten. The Industrial Sadness hingegen geht eher in Richtung Industrial. Ein Beat, der wie ein verkrustetes, maschinelles Herz ohne Pause durch alte, tropfende Rohre gepumpt wird, trifft auf trauernde Stimmen, die klingen, als könnten sie das Ableben dieses Herzens nicht verkraften. Gegen Ende bauschen sich all diese Elemente so lange auf, bis eine Hochfrequenz wie ein Wecker durch das industrielle Brachland peitscht und dem Hörer auf den letzten Schritten nochmal alles abverlangt. Gerade einmal knapp 24 Minuten dauert diese Reise und trotzdem wird sie unvergesslich bleiben.
Mit nur zwei Eps hat es das Projekt Moon Zero schon geschafft, unvergessliche Musik irgendwo zwischen Ambient, Drone, Industrial und sehr viel eigenen Ideen zu machen, die Genrekennern das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen müsste. Vor allem Loss ist ein undurchdringbarer Brocken an Atmosphäre und Schauer auf dem Rücken sind garantiert. Jedes Jahr veröffentlichen unzählige kleine Projekte ihre Musik in das große und raue Meer der Hörerschaft und Moon Zero ist eines dieser, welches mit Sonnenschein und warmen Temperaturen am anderen Ende empfangen werden sollte.

Tombs:
1. Dalyan
2. Endless Palms
3. Winter Dreams
4. Shadow Den

Zolin sagt: 7 von 10

Loss:
1. Youth
2. Nosema Caranae
3. Lara Witchcraft
4. The Industrial Sadness

Zolin sagt: 8 von 10

Review: Impetuous Ritual – Unholy Congregation of Hypocritical Ambivalence

Wer anno 2014 immer noch behauptet, Extreme Metal sei ein stagnierendes Genre, dem sei ein Trip nach Australien wärmstens ans Herz gelegt. In jenem fernen Land der Extreme hausen nämlich nicht nur die giftigsten Schlangen, gruseligsten Spinnen und tödlichsten Haie, sondern auch die extremsten Metal-Bands. Egal ob zum Selbstmord anregende Depressive Bands à la Austere und Drowning The Light oder roher, geisteskranker Death Metal wie die kultigen Sadistik Exekution, dort ist man in jedem Fall versorgt! Und als wäre das alles nicht genug, hat der schwarzmetallige Sumpf Australiens innerhalb der letzten zehn Jahre einen neuen Teufelskurs eingeschlagen, dem auch Impetuous Ritual angehören.

Ein Kurs, der dem aufmerksamen Underground-Musikliebhaber am ehesten verkörpert von den prominenteren Portal vertraut ist: Death-und Black Metal herrschen vor, und zwar in der unbarmherzigsten, aberwitzigsten Form, in der man sich diese an sich schon extremen Subgenres vorstellen kann. Im Gegensatz insbesondere zu den traditionelleren Black Metal Vertretern ist bei diesen Bands die Produktion hochwertig, wodurch der auditive Terror sogar intensiver wirkt. Nichts anderes als das möchten Impetuous Ritual auf ihrem zweiten Album Unholy Congregation of Hypocritical Ambivalence beschwören. In Sachen makaberem Humor kommen sie an die verwandten Portal, die live gerne mit einem Kuckucksuhr-Helm auftreten, schon mal ran.

Was den auditiven Terror angeht, brauchen sich Impetuous Ritual ebenfalls nicht zu verstecken. Vor allem den zweiten Track Venality in Worship liest sich wie ein Lehrbuch des australischen Extremmetals. Inhumane Vocals besingen furiose, knüppelharte Riffs zu tyrannischen Schlagzeug-Rhythmen. Wen die Drums nicht erschlagen haben, der wird spätestens von den perdiden Gitarrensoli dahingerafft. Chaotisch könnte man die „unheilige Kongregation heuchlerischer Ambivalenz“ nennen, doch muss man sich darüber im Klaren sein, dass mit Chaos kein heilloses Gedresche gemeint ist. Schließlich steckt eine gezielte böse Intention hinter dem Ganzen.

Mit Recht kann man Impetuous Ritual ab jetzt zu den Großmeistern des Bösen zählen. Vergessen sind die Tage, da man in ihnen lediglich ein Nebenprojekt Portals sah! Zugegebenermaßen lag der Gedanke damals nicht fern angesichts des wesentlich schwächeren Debüt-Albums sowie der Tatsache, dass die beiden Bands zum Teil aus den selben Mitgliedern bestehen. Unholy Congregation of Hypocritical Ambivalence hat Impetuous Ritual den umfassenden Feinschliff gebracht, der nötig ist, um von einem Fall für die Kuriositätensammlung zu einer allgemein respektierten Extremmetal Formation aufzusteigen.

1. Verboten Genesis
2. Venality In Worship
3. Sentient Aberrations
4. Despair
5. Inservitude Of Asynchronous Duality
6. Womb Of Acrimony
7. Metastasis
8. Abhorrent Paragon
9. Blight

Zolin sagt: 8 von 10

Review: Barrio Lindo – Menoko

In der Sprache der Mapuche, einem indigenen Volk Argentiniens, steht der Begriff Menoko für heilige Haine in den Anden, Orte der natürlichen Unberührtheit und Quellen sauberster Gewässer. Die Assoziationen mit der Übersetzung mögen von immergrünen Wäldern und kleinen Bächen bis hin zu den indigenen Völkern, die eben solche Orte bewachen und hüten, reichen – doch das Wort selbst, Menoko, dürfte dem europäischen Ohr eher befremdlich klingen. Während sich fremde Sprachen leider nur so gut verstehen lassen wie ihre Übersetzungen, versucht Barrio Lindo die Magie solcher Orte non-verbal verständlich zu machen. Es gelingt ihm nicht nur dadurch, dass er sein Album auf den indigenen Term tauft, sondern auch damit, dass er sein Klangbild und die Thematik exakt aufeinander abstimmt. Doch was soll das bei einem Album heißen?

Das soll heißen, dass jedem Hörer schon beim ersten Reinhören das Bild des Hains vor seinen Augen haben wird – und der erste Absatz dieses Reviews ein Spoiler ohne jegliche Vorwarnung war. Was Barrio Lindo mit Menoko vorlegt ist ein bildgewaltig und liebevoll gestaltetes Album, das mit einem Fuß in der Faszination für indigene Kulturen und mit dem anderen Fuß im Facettenreichtum der elektronischen Musik steht, ohne zu nostalgisch oder kitschig zu wirken; während andere Künstler dazu tendieren, Volksmusik und moderne Musik so zu vermengen, dass das Ganze wie ein Armdrücken der Kulturen wirkt, lässt er beide Komponenten Händchen halten. Vor allem die Raffinesse, mit der er sich den Details widmet, macht den besonderen Unterschied aus.

Eine ganze Armee aus Bongos, Flöten, Rasseln, hölzernen Percussion, Digeridoos, anderen Instrumenten und exotischsten Samples wird so intelligent eingesetzt, dass kein Klacken und kein Rauschen unnötig klingt. Die Sensibilität gegenüber der Poly-Rhythmik von indigener Volksmusik wird so gekonnt ins Spiel gebracht, dass viele der 12 Lieder jeweils ein aufregendes, schnelles und ein gemächlicheres, langsames Eigenleben entwickeln können. Gerade die Produktion des Albums macht es zu einem Erlebnis, Barrio Lindos musikalische Reisetagebücher zu durchstöbern. Zu keinem Zeitpunkt wirkt das Album zu hektisch, weil jeder einzelnen Facette eines Liedes gerade so viel Freiraum zugemutet wird, dass sie noch atmen kann- alle Instrumente wirken glasklar und stehen sich nie gegenseitig im Weg. Balseros zum Beispiel beginnt mit einer beruhigend klaren Kickdrum, die durch das Sample eines Regenschauers hindurch vibriert, um dem einlullenden Synthesizer und der hölzernen Percussion ihren Platz einzufordern – der hypnotische Aufbau und der Reichtum an Details verleihen diesem und anderen Tracks wie Afuera und La Noche das Bild einer Südamerika-Reise mit Flying Lotus und Eureka The Butcher, während Libres oder Aduki den Moment zeigen könnten, in dem Youth Lagoon per Anhalter mitfährt.

Mit der durchschnittlichen Länge von etwa 4 Minuten pro Lied umgeht Barrio Lindo außerdem gekonnt die Gefahr, dass eine Idee zu sehr ausgedehnt wird. Das bedeutet natürlich auch, dass es Momente gibt, in denen die Entwicklung eines Liedes nicht so flüssig vorangeht – Visión zum Beispiel besitzt auch nach mehrmaligem Hören die Spannung einer unbesetzten Hängematte. Jedoch liegt mit Menoko eben ein Reiseführer in die indigene Welt der Akustik vor, der nicht den Anspruch darauf erhebt, bombastisch zu wirken. Er soll so authentisch und trotzdem vertraut klingen, dass wir Lust aufs Mitreisen kriegen; die vielen Momente des wiederentdeckten Seelenfriedens, den man seit dem letzten Sommerurlaub vermisst hat, zeugen davon, dass dies Barrio Lindo mehr als nur gelungen ist.

1. Balseros
2. El aire
3. Afuera
4. Libres
5. La cueva feat Chancha vía Circuito
6. La noche
7. Visión
8. Garza bruja
9. Aduki
10. Yaguareté abá
11. Islote
12. Arrayanes feat. Barda

Zolin sagt: 8 von 10

Review: Chet Faker – Built On Glass

Seit seiner erfrischend soulig ausgelegten Version des 2000er-Hits No Diggity von Blackstreet genießt der Australier Nicholas James Murphy alias Chet Faker nicht nur in seiner lokalen Umgebung Aufmerksamkeit und große Nachfrage. Der gebürtige Melbourner schuf sich nach ersten größeren Remix-Anfragen und einem kurzfristigen Werbevertrag mit Beck’s eine Fanbasis, die über ein One-Hit Wonder weit hinaus ging. Mittlerweile ist er als Globetrotter seit 2012 immer wieder auf größeren Festivals wie dem amerikanischen Coachella oder SXSW, doch auch seine europäischen Tourneen erfreuen sich dankbarer Besucherzahlen. Mit seinem ersten größeren Release Thinking In Textures verschaffte er sich 2012 dann den nötigen Respekt für seine gefühlvoll nuschelnde Neo-Soul-Bandbreite auf der Länge einer EP. Vor allem der gute alte Fender Rhodes kommt dabei seit jeher immer wieder sanft untermalend zum Einsatz. Beobachter der elektronischen Beat-Szene bezeichnen Australien in Bezug auf momentan aufsteigende Künstler wie Flume, Ta-Ku oder eben Chet Faker als Mischungen aus „Future Beat“ und „Modern Soul“.

Die zwangsläufige Zusammenarbeit der drei Bastler lässt sich in diversen Features vermehrt feststellen. So veröffentlichten Flume und Chet Faker ebenfalls 2012 die Lockjaw EP, auf der leicht schwankende, elektronische Off-Beat Spielerei mit deutlichem J Dilla-Einfluss von den summenden Singereien des vollbärtigen Chet Fakers unterlegt wurde. Des Weiteren ließ er Fans allerorts die Ohren spitzen, als er den wohl bekanntesten Song Archangel der sagenumwobenen Future Garage-Legende Burial neu interpretierte. Was bei all den Projekten in einem ohnehin beachtlichen Zeitrahmen von knapp zwei Jahren nie aus der Gewichtung fallen sollte: Bis dato erledigte Murphy alles selbst. Songwriting, Aufnahmen, Mastering und Performances werden von ihm nach wie vor fast vollständig nach dem DIY-Motto abgearbeitet. Nicht anders verhält es sich bei seinem nun erschienenen Debüt Built On Glass. Vorab versetzte das Video zum eingängig warmen Talk Is Cheap Hörer in Aufregung. Im Zeitraffer aus der Close-Up Perspektive erliegt das markante Gesicht Murphys nach und nach der Witterung der Natur und schließlich der Verwesung. Wie bei den meisten seiner Songs schafft er es trotz der spürbaren Verletzlichkeit und Trauer, den Melodien Leichtigkeit und einen Hauch von Sex-Appeal zu verleihen. Nicht das plakative, in Pop-Clips so vulgär dargestellte Sexy. Eher das leicht Angetrunkene, langsam und intensiv vorangetriebene Spiel zweier Körper.

Dabei schafft Murphy auch auf Built On Glass eine elegante Brücke zwischen seinem eigenständigen, cremig verrührten Fender Rhodes-Soul mit elektronischer Schlafzimmer-Produktion und einer gesunden Prise an Pop-Tendenzen. Der Opener Release Your Problems zeigt beispielhaft, inwiefern sich Murphy mit seinem Alias der einstigen Jazz-Legende Chet Baker und dessen damals neuartiger, sehr intimer und nah erscheinender Stimme widmete. Back-Up Vocals, Drum-Computer und eine saftige Bassline lassen die gefühlvoll vorgetragenen Zeilen in gedimmtem Rampenlicht angenehm ihren Lauf nehmen. Zusammen mit der jungen amerikanischen Sängerin Kilo Kish wandelt er bei Melt den wohlbekannten Fender-Rhodes leicht ab, fügt knackige Synthies und eine digitale Flöte der Klasse Black Moth Super Rainbow hinzu. Auf To Me fällt der Rhodes dann ganz weg, dafür bereiten griffige Bass-Riffs neben sporadisch vorbeiziehenden Bläsern und nebeligen Synthesizern den Weg. Ab diesem Punkt geleitet der Track / den Hörer unter Vinylknistern in die zweite Hälfte mit den Worten: „This was the other side of the record. Now relax even more and drift a little deeper as you listen„. Und hier wird das Album erst richtig interessant. Murphy bereitet den Hörer ganz bewusst vor und unterteilt Built On Glass in die erste, seichte und leicht bekömmliche Hälfte und die zweite, weitaus experimentierfreudigere Hälfte. Auf Blush erlebt man einen Chet Faker mit Filtern, mit großen Effekten und feingeschnittenen Vocal-Samples.

Gerade jenen, denen die zweifellos angenehme Stimme Murphys eben manchmal einfach nicht emotional genug klingt, dürfte die zweite Hälfte eine interessante neue Perspektive auf den Mann vermitteln. Klar, Murphy trifft seine Töne und auch im Bereich Songwriting hält er seine Versprechen. Doch insgesamt erwischt man sich ab und an dabei, wie man ihm eine noch ausdrucksstärkere Art des Gesangs wünscht. Zwar steht er verhältnismäßig nach wie vor in den Startlöchern seiner Karriere, doch verglichen mit momentanen Größen des modernen Soul wie Aloe Blacc, Frank Ocean oder Janelle Monae bleibt er stimmlich noch oft zu zurückhaltend, was bei einigen Songs Potenzial zu verschenken droht. Beispielsweise das von Flume grandios als leicht angestaubter House-Track produzierte 1998 würde mit ein paar mehr ausufernden Vocal-Momenten glänzen. Andererseits fügt sich Murphy in den meisten Fällen trotzdem passend verhalten an seine Kompositionen an. Bei Cigarettes & Loneliness arrangiert er im gelungenen Wechsel zwischen seiner Kopfstimme und den hellen Akkorden der Hintergrund-Vocals. Für manch Einen klingt es sogar ein wenig nach Atoms For Peace. Wirft man einen kurzen Blick auf die Minutenzahlen hinter den einzelnen Songs, kann man schon mal ins Staunen geraten: Die eben erwähnten beiden Songs halten die Aufmerksamkeit des Hörers immerhin für sechs und acht Minuten konstant. Auch das darauffolgende, schleppend jazzige Lesson In Patience fließt mit knapp sechs Minuten und ohne eine einzige Zeile Text in Richtung Schlusslicht. Dead Body schließt letztlich mit Kerzenlicht neben hocherotischer Blues-Gitarre und der kurzen, stimmlich verführenden Darbietung Chet Fakers ab. Alles in allem bildet Built On Glass eine logische, teils sogar sehr ambitionierte Erweiterung des musikalischen Spektrums des Nicholas James Murphy. Die Tracks variieren stärker als noch auf Thinking In Textures, die Gastbeiträge sind bereichernd und die Instrumentalisierung ist vor allem im zweiten Teil um einiges breiter gefächert. Obwohl es kaum Stücke gibt, die herausragen, schafft Chet Faker hier einen sehr soliden Startpunkt einer ehrlichen Karriere.

1. Release Your Problems
2. Talk Is Cheap
3. No Advice (Airport Version)
4. Melt feat. Kilo Kish
5. Gold
6. To Me
7. /
8. Blush
9. 1998
10. Cigarettes & Loneliness
11. Lesson In Patience
12. Dead Body

Zolin sagt: 7 von 10