Archiv der Kategorie: 2013

Review: The National – Trouble Will Find Me

 

Ein unglaublich aufkratzendes Album – das ließ das Albumcover mit dem in der Mitte so verstörend gespiegelten Kopf einer Frau im Zusammenspiel mit dem Titel Trouble Will Find Me erwarten. Das passt zu The Natioal und zum Image vom zerbrechlichen Matt Berninger. Der sich auf der Bühne so unglaublich in seine Songs hereinsteigert. Den man in den Arm nehmen möchte, nach seinen Shows. Seine eindringliche Stimme ist es, die dafür sorgt, dass der Zuhörer selbst ein wenig fragil ist nach dem Hören einer The National Platte. Ja, Berningers Stimme nimmt den Zuhörer mit in eine Welt voll von wundervoller Tragik, Schwäche und bitterem Rotwein.

Demons – die so lang erwartete erste Singleauskopplung – sorgte schließlich für Ernüchterung. Ein schwacher Song, ohne richtigen Höhepunkt. Etwas charakterlos. Haben die Amerikaner ihr ganzes Pulver auf dem grandiosen High Violet verschossen? Haben sie nicht! Demons ist zum Glück der schwächste Song eines Albums, das durch eine nicht zu beschreibende Tiefe zu begeistern weiß.

Düster bleibt die Atmosphäre auch auf Trouble Will Find Me. Beim herausragenden Sea Of Love fällt vor allem Bryan Devendorfs eingängiges Schlagzeugspiel auf. Gemeinsam mit der aufwühlenden Stimme von Berninger klingt der Song nach einem Wegrennen vor Ärger und Weltschmerz. Nach einem hoffnungslosen Wegrennen. So auch auf dem auffällig schnellen und ein bisschen verstörenden Graceless, einem weiteren Höhepunkt des Albums. Bei I Need My Girl fällt das für The National eher ungewöhnlich klare und wunderschöne Gitarrenspiel auf, das diesen Song zu einem ganz besonderen macht.

Insgesamt präsentieren sich The National wesentlich ruhiger, als noch auf High Violet. Die Instrumente klingen auf Trouble Will Find Me aber wieder sehr klar und nicht mehr so verwoben wie auf dem Vorgänger. Viel Wert wurde erneut auf die Atmosphäre der einzelnen Songs gelegt, die zwischen düster und dunkel und zwischen hoffnungslos und tragisch schwanken. Wenn man Matt Berninger singen hört, möchte man ja ohnehin in einem Meer aus Rotwein versinken, Tonnen an Zartbitterschokolade essen und stangenweise Zigaretten rauchen. Das ändert sich glücklicherweise auch auf dem neuen The National Album Trouble Will Find Me nicht. Die Band aus Cincinnati, Ohio, hat nach dem großen Erfolg mit High Violet ein großartiges Album mit vielen grandiosen Songs folgen lassen. Ohne viel Schnick-Schnack oder großartige Experimente. Ein simples, großartiges Album für Abende, an denen man ein bisschen leiden möchte.

1. I Should Live In Salt
2. Demons
3. Don’t Swallow The Cap
4. Fireproof
5. Sea Of Love
6. Heavenfaced
7. This Is The Last Time
8. Grace
9. Slipped
10. I Need My Girl
11. Humiliation
12. Pink Rabbits
13. Hard To Find

Zolin sagt: 8 von 10

Review-Runde: Colin Stetson, Dillinger Escape Plan, Vampire Weekend, Deerhunter

Nachdem die letzte Review-Runde ja sehr elektronisch war, gibt’s diese Woche mal was ganz anderes. So hat Bienenjäger eine kleine Rast von all seinen Konzertbesuchen eingelegt, um über den dritten Teil der New History Warfare-Saga des experimentellen Ausnahme-Saxophonisten Colin Stetson namens To See More Light zu berichten. Mit dem Dillinger Escape Plan geht es experimentell weiter. Oder doch nicht? Immerhin erübrigt sich diese Frage bei dem neuen Vampire Weekend Album und auch Deerhunter wandeln für ihre Verhältnisse auf nicht allzu verkopften Pfaden.

Colin Stetson – New History Warfare Vol. 3: To See More Light

Colin Stetsons beeindruckende Liste an Kollaborationen zeigt schon viel Verdienst; Namedropping erspart sich der Bienenjäger. Sein jüngstes Machwerk demonstriert, dass er sich nicht hinter diesen Namen verstecken muss – der dritte Teil der New History Warfare Reihe zelebriert einen Primat des Primalen und zeigt eine angenehm kathartische Wirkung, ideal für die illusionäre Suche nach vorzivilisatorischem Mythos. Schmuh ist das allerdings nicht; eher ein interessantes Experiment, ein narratives Albumkonzept musikalisch anregend zu vertonen. In Adornos Hirn kann hierzu vermutlich immer noch marschiert werden. Aber der hat den Jazz ja leider nicht verstanden. Stetsons Ausgangspunkt ist das Basssaxophon, dass er zwischen Atmosphärischem (In Mirrors) und einer akustischen Tour de Force (Brute) inklusive gutturalen Befreiungsschreien pendeln lässt; teilweise am Rande des Erträglichen, doch auch das immer wieder: ästhetisch. Hymnisch öffnet und schließt sich der Kreis in diesem Fall; runde Sache!

Zolin sagt: 8 von 10

The Dillinger Escape Plan – One Of Us Is The Killer

Seit der legendäre Provokateur Seth Putnam – Gott habe ihn selig – im Jahre 2001 den Anal Cunt Song Anyone Who Likes The Dillinger Escape Plan Is A Faggot veröffentlichte, haben die Erben John Dillingers einiges getan, um ihren guten Ruf wieder herzustellen. Mit Ire Works platzierten sie sich auf dem Thron des Mathrock und mit Operation Paralysis gestaltete die Band ihren exzentrischen Stil etwas zugänglicher für das einfache Volk. Mit dem neuen Album One of Us Is the Killer wird diese Entwicklung ziemlich konsequent fortgesetzt. Dieser groteske Dillinger Escape Plan Flow, bestehend aus aggressiven Blastbeats, melodischen Passagen, Dissonanzen, Jazz-Einschüben, technischer Metal-Spielweise und nicht zu vergessen die äußerst dynamischen Vocals, ist wieder so lebhaft, dass das Album den Hörer wohl kaum kalt lassen wird. Gegen Ende geht leider etwas an Fahrt verloren und die abermals erhöhte Zugänglichkeit dürfte den einen oder anderen Zyniker an den guten alten Anal Cunt Songtitel erinnern, aber insgesamt beweisen Dillinger Escape Plan erneut, dass es eher ein gutes Omen ist, von Seth Putnam beleidigt zu werden.

Zolin sagt: 7 von 10

Vampire Weekend – Modern Vampires Of The City

Als Liebhaber von physischen CDs hat man ja eigentlich schon Grund genug, Vampire Weekend zu mögen. Ihre zwei bisher veröffentlichten Alben Vampire Weekend und Contra sehen nebeneinanderstehend durch das ähnliche, aber trotzdem nicht zu ähnliche, Artwork sehr schick aus. Auch das dritte Album Modern Vampires Of The City macht dabei einen sehr guten Eindruck und übernimmt die minimalistische Grundhaltung der Vorgänger, überzeugt aber durch ein noch schöneres Covermotiv des in Nebel umhüllten New Yorks. Die äußerliche Gestaltung wird aber natürlich nicht der Grund sein, weshalb Vampire Weekend stets herausragende Wertungen verliehen bekommen. Ihre Mischung aus Ethno-Pop à la Paul Simons Graceland, gemischt mit Spitzen aus Indie und R&B ist mindestens so geschmacksvoll wie das Artwork der CD. Ihr drittes Album ist, was die bunte Mischung der verschiedeneen Stile betrifft, zwar nicht mehr so experimentell, es scheint dafür so, als habe sich die Band mehr auf den poppigen Kern des Albums konzentriert . Dadurch ist Modern Vampires Of The City wohl eine der reinsten Pop-Erfahrungen des Jahres und das ist noch wesentlich wichtiger als das schöne Artwork.

Zolin sagt: 8 von 10

Deerhunter – Monomania

Deerhunters letztes Album Halcyon Digest ist für verkifften Dreampop das Nonplusultra. Ein kluger Schachzug von der Band um Bradford Cox, einfach Monomania, ein Album aufzunehmen, das wesentlich lauter und vor allen Dingen mehr nach Rock klingt. Nur in einzelnen Songs wie The Missing wird man an den – im wahrsten Sinne des Wortes – traumhaften Vorgänger erinnert. Tatsächlich ist das aber gar nicht Monomanias Intention, permanent an den Vorgänger erinnert zu werden. Schließlich steht es besonders kontextlos gut da und beweißt abermals, was für großartige Songschreiber Deerhunter sind. Die Rolle des Albums in der Banddiskographie ist dagagen schwieriger herauszufinden. So könnte es sich bei Monomania zwar durchaus für einen einzelnen Ausritt in die Welt des „Lärms“ handeln, andererseits aber auch einen Gesinnungswechsel hin zu dauerhaftem „Lärm“ ankündigen. Und dann steht bei den Referenzen, ganz plakativ ausgedrückt, nicht mehr Beach House, sondern Ty Segall.

Zolin sagt: 7 von 10

Review: Dexter – The Trip

Boom-Bap boomt. In Deutschland insbesondere durch das Kölner Label Melting Pot Music und seine Zupferde Suff Daddy, Brenk und Dexter. Während Suff Daddy mittlerweile kaum mehr aus dem allgemeinen Beatverständins durch seine überragenden Alben wie Suff Sells wegzudenken ist und Brenk mittlerweile sogar Beats für die große Legende aus Compton MC Eiht produziert hat, war Dexter auch nicht unfleißig. Er veröffentlichte schließlich schon einen Beitrag zur Hausinternen Reihe Hi-Hat Club namens The Jazz-Files und letztes Jahr gemeinsam mit Morlockk Dilemma eine EP mit dem nicht minder programmatischen Titel Weihnachten Im Elfenbeinturm. In der Zwischenzeit produzierte Dexter mal eben den einzig wirklich annehmbaren Beat des Cro Debüts und den unbestreitbar besten Beat von Caspers XOXO und übte – und das ist kein Scherz – seinen Beruf als Kinderarzt weiter aus.

Denn wer hätte schon gedacht, dass a) Boom Bap-Beats in Deutschland ein so großes Revival feiern und b) Dexter zu der Speerspitze dieser Bewegung gehören würde. Darum wird ihm wohl keiner diese Entscheidung hinterfragen oder gar verübeln, zumal es ja eh ein sehr ehrbarer Beruf ist. Aber kommen wir nochmal zurück auf Dexters bisheriges Schaffen: Außerhalb von Dexters Auftragsarbeiten fällt nämlich auf, dass seine beiden vorherigen Alben, zählen wir Weihnachten Im Elfenbeinturm einfach mal als solches, konzeptuell gedacht sind. Dadurch entsteht besonders bei seinen Jazz-Files, für die er übrigens nur Ausschnitte aus Jazz-Stücken, Dokumentationen und Filmen verwendete, der Eindruck, man höre gerade ein Hörbuch, das einem bis ins kleinste Detail von der bearbeiteten Zeit erzählt. Kein Wunder also, weshalb sein Beitrag des Hi-Hat Clubs als einer der großen Meilensteine des Boom-Baps gilt.

Doch das ist nun mittlerweile auch schon drei Jahre her. Zeit also, dass Dexter mal wieder zu einem ähnlich großen Schlag ausholt. Dieser große Schlag trägt den Titel The Trip und ist ähnlich wie seine Jazz-Files aufgebaut. Nur mit dem Unterschied, dass dieses Mal eben nicht der Schwerpunkt auf der verruchten Jazzzeit liegt, sondern Dexter uns dafür in seinen VW-Bus verfrachtet und uns auf eine Reise zurück in die Swingin Sixties mitnimmt. Auf der Reise begegnen wir Peter Fonda, schauen einer Hippie Revolte zu und bekommen feinste Blunts gedreht. Dass wir mittlerweile etwas benebelt sind kommt aber nicht nur durch das, was wir zu erleben scheinen, nein, allein Dexters feinste psychedelische Beats mit den nie unpassenden Samples sind dafür verantwortlich.

Unweigerlich fühlt man sich während des Hörens des Albums an The Alchemist letztes Jahr veröffentlichtes Russian Roulette erinnert, bei dem der Live DJ von Eminem noch einen Schritt weiter als Dexter ging und nur russische Progressive-Songs der frühen 70er Jahren sampelte und zusätzlich auch noch den einen oder anderen Rapper darüber rappen lies. Die Tatsache, dass Dexters The Trip bis auf das grandiose Pictures und die Samples instrumental bleibt, ist vielleicht der einzige Makel, den man Dexter ankreiden möchte. Schließlich gelang es The Alchemist ja auch trotz Gastrapper die entsprechende Atmosphäre einzufangen. Dass das Meckern auf hohem Niveau ist, ist natürlich klar. Dexters The Trip ist wahrscheinlich eine der intensivsten Erfahrungen, die Boom-Bap liefern kann.

1. Once Again Back (Tune In)
2. San Francisco H feat. DJ Adlib
3. Walk With Us
4. Psychedelic Club Scene
5. Witch/Room
6. Rainbow Flight
7. Teenage Mother
8. Cupcakes
9. With Ease
10. Hippie Revolt (Turn On)
11. You & I
12. Roll It, Light It, Suck It
13. Dexy Lovecraft
14. Clouds Of Zero
15. Acido (Heavyyy)
16. Never Knew
17. Pictures feat. Josa Peit
18. Summerdays (Drop Out)

Zolin sagt
: 8 von 10

Review: Dagobert – Dagobert

Was kann eigentlich Kitsch? Was darf er? Und darf ich das gut finden? Elementare Fragen, die aufkommen sobald man sich mit Popmusik auseinandersetzt. Als erstes schießen einem natürlich all die bösen Vorurteile von textlicher Redundanz in den Kopf, mit denen vor allen Dingen der deutsche Pop zu kämpfen hat. Um es dem geneigten Pop-Hörer jedoch leicht zu machen wird in Deutschland einfach zwischen Pop und Schlager unterschieden. Eigentlich ganz easy: Schlager Pfui, Pop hui. Dass das Ganze eben gar nicht so simpel ist, wie man meinen könnte, wurde schon durch die späten Werke der Hamburger Schule, wie Blumfelds Verbotene Früchte, oder durch die Veröffentlichungen von Andreas Dorau oder den Türen auf dem Berliner Label Staatsakt bewiesen.

Tatsächlich gelangt die Problematik bei Dagoberts selbstbetiteltem Debut an seine Grenzen. Während die bisher genannten Beispiele tatsächlich musikalisch nicht unbedingt direkt mit Schlager assoziiert werden müssten, könnte man Dagobert auch zum Musikantenstadl einladen und es würde sich garantiert kein Stammzuschauer über die abstruse Auswahl dieses Schweizer Künstlers beschweren. Ganz im Gegenteil: Mit hoher Wahrscheinlichkeit würde Dagobert ganz vortrefflich aufgenommen werden. Der Grund liegt gar nicht unbedingt in der Musik selber, sondern tiefer unter der Oberfläche der einzelnen Songs. Denn ohne es direkt zu merken nehmen viele von ihnen, beispielsweise Ich bin zu jung, direkten Einfluss auf die Gefühlswelt des Hörers, ganz egal wie alt er ist, oder wo er herkommt. Dagoberts Botschaften sind universell.

Die bedingungslose Akzeptanz der Songs durch die Vertreter der Schlagerriegen gilt jedoch nicht unbedingt für das gesamte Album. Songs wie Hast Du auch so viel Spass oder Morgens um halb Vier sind einfach wesentlich zu schwermütig, als dass sie Florian Silbereisen herbeizitieren oder wenigstens dessen Fans beglücken könnten. Dagobert ist eben doch kein – wie er sich in einer Dokumentation selber bezeichnet – Schlagersänger, sondern eher ein geistiger Verwandter von dem ehemaligen Blumfeld-Kopf Jochen Distelmeyer. Stimmlich sieht es da schon ganz anders aus. Dagobert bedient sich nämlich seiner recht tiefen Kopfstimme und verpackt seine Worte in einen sehr angenehmen Schweizer Akzent. Zusätzlich wird Dagobert noch perfekt von Sizarr/Muso/Casper-Produzent Pink Ganter in Szene gesetzt.

Wenn man das alles liest, ergibt sich nur ein ungefähres Bild von dem, was man letztendlich von Dagoberts Debut erwarten kann. Allzu einfach es zusammenzufassen oder gar zu bewerten ist es letztendlich auch nicht. Doch wenn man Dagobert zuhört, erkennt man endlich die Antwort auf die Fragen zu Beginn. Kitsch kann alles. Er darf alles und du darfst es gut finden. Zumindest, solange Kitsch als Synonym für Dagobert herhält.

1. Bild
2. Für immer blau
3. Ich bin zu jung
4. Die ganz normale Liebe
5. Hast Du auch so viel Spass
6. In unserem Garten
7. Ich mag Deine Freunde nicht
8. Ich bin verstrahlt
9. Morgens um halb Vier
10. Raumpilot
11. Hochzeit
12. Raub

Zolin sagt: 8 von 10

Review-Runde: Ghostpoet, MS MR, Bibio, !!! (Chk Chk Chk)

Neues Spiel, neues Glück. Ein weiteres Review-Ründchen steht an und Zolin lädt abermals eine daumenlose Hand voll produktiver Gäste, mit ihren neusten Werken im Schlepptau, in die gute Stube ein. Mit von der Partie sind Ghostpoet, MS MR, Bibio und !!!. Der abgeschnittene Daumen kann sich allerhöchstens zum nach-oben-zeigen nützlich machen, da man doch insgesamt von einem netten Ründchen sprechen kann. Gut, wir wollen nun aber auch nicht um den heißen Brei reden, los geht’s!

Ghostpoet – Some Say I So I Say Light

2011 war James Blakes Debut nicht das einzige Post-Dubstep Werk, welches neue Standards für das Genre setzte. Auch Ghostpoets unwesentlich später veröffentlichtes Debut Peanut Butter Blues & Melancholy Jam zeigte wo abseits des Instrumentalen die Stärken von ruhiger, basslastiger Musik liegen. Im Gegensatz zu James Blake verband er Post-Dubstep nicht nur mit seichtem Singsang, sondern mit kühlem Grime. Wie Blake hat Ghostpoet nun zwei Jahre später ein Nachfolgealbum names Some Say I So I Say Light veröffentlicht und wie bereits Blake knüpft Ghostpoet zwar an sein Debut an, entwickelt den Grundgedanken seines Albums jedoch weiter und lässt so noch bessere Songs wachsen, die vor allen Dingen nicht mehr länger durch ihre äußeren Reize bestechen, sondern weitaus tiefer gehen. Ghostpoet rappt weniger, als dass er viel eher über Dinge wie Intimität oder Entfremdung sinniert. Zeitweise fühlt man sich dabei sogar an eine britische Version von Gil Scott-Heron erinnert. Der Titel Ghostpoet steht ihm demnach besser denn je.

Zolin sagt: 8 von 10

MS MR – Secondhand Rapture

Als MS MR im letzten Jahr zum ersten Mal an dieser Stelle vorgestellt wurden, gab es eigentlich nichts an Informationen. Bis auf ein dilettantisches, bis zum Umfallen gehyptes Video zu Hurricane und eine sehr ansprechende EP mit dem bereit erwähnten Hurricane sowie drei weiteren guten Tracks. Ein halbes Jahr später gibt es nicht nur eine hochglanz Version des Videos zu Hurricane, sondern auch ein erstes Album namens Secondhand Rapture, was genau das hält, was auch schon die erste EP versprach: Dream-Pop der Marke Poliça oder Bat For Lashes, nur eben noch eine Stufe eher für den Absatzmarkt konzipiert. Man mag beim Hören nicht das Bild aus dem Kopf bekommen, auf dem sich Woodkid, Lana Del Rey und Poliça über die perfekte Pop-Platte unterhalten. Ein bisschen Kitsch, ein bisschen Bombast und natürlich ganz große Gefühle. Das Ergebnis wäre gar nicht so schlecht, wenn einem nicht immer schon so wäre, als hätte man das alles schon bei Florence + The Machine gehört.

Zolin sagt: 7 von 10

Bibio – Silver Wilkinson

Das folgende Review wurde bereits das erste Mal vor zwei Monaten hier veröffentlicht, musste kurz darauf aber wegen eines Druckfehlers auf dem Pressesheet am Releasedatum wieder runtergenommen werden. An dem Eindruck des Albums hat sich für Zolin trotzdem nichts geändert. Daher folgt nun auch das schon dagewesene Review: Bibio ist eines der Beispiele, wie ein einziges grandioses Album die Erwartungen für die folgenden so unerreichbar hoch schrauben kann, dass kein Nachfolger mehr die Fans wirklich zufriedenstellt. So war es nach Ambivalence Avenue bereits bei Mind Bokeh, das vielen zu kommerziell war, und so wird es auch dieses Mal wieder bei Silver Wilkinson sein, das zwar stilistisch näher bei Ambivalence Avenue liegt, aber trotzdem doch deutlich schlechter als letzteres ist. Dennoch liefert Silver Wilkinson gute Kost zum Entspannen, geradezu ideal für einen Frühlings-Sonntag.

Zolin sagt: 6 von 10

!!! (Chk Chk Chk) – Thr!!!er

Es soll ja mal Zeiten gegeben haben, zu denen Zolin ohne mit der Wimper zu zucken !!! zu seinen offiziellen Lieblingsbands gezählt hat. 2007 beispielsweise, als sie ihr letztes grandioses Album Myth Takes veröffentlicht haben. Seit dem ist leider einiges im Lager der Unaussprechbaren Imperative passiert. Der auch für LCD Soundsystem und Maserati Drumsticks schwingende Jerry Fuchs kam tragischerweise bei einem Sturz ums Leben. !!! beschlossen trotzdem weiter zu machen und veröffentlichten wenig später das etwas halbgare Strange Weather, Isn’t It?. Ein Album was vor allen Dingen daran krankte, dass es über wenige Highlights, die sich der Hörer einprägt und an die er sich gerne zurück erinnert, verfügte. Dann blieb es lange ruhig um die Band, bis sie schließlich ihr fünftes Album Thr!!!er ankündigten. Mehr Ausrufezeichen denn je! Wenn das mal nichts ist. Glücklicherweise ist das Album wirklich wieder gut geworden und besitzt mit Slyd endlich wieder ein waschechtes Highlight! Das kann man mal mit dem überschwänglichen Gebrauch von Ausrufezeichen feiern!!!!!1111einseinself11

Zolin sagt: 7 von 10