Kategorie-Archiv: 2011

Review: The Black Keys – El Camino

Es ist so eine Sache mit dem Erfolg. Nachdem sich das letzte Album der Black Keys, Brothers, alleine in den Vereinigten Staaten über eine Millionen Mal verkaufte, und gerade einmal knapp ein Jahr zwischen der Veröffentlichung von Brothers und ihrem neuesten Streich El Camino liegt, könnte man schon befürchten, dass sie sich auf ihren Lorbeeren ausruhen und einfach ein Jahr später einen lahmen Aufguss von Brothers als neues Album präsentieren.

Doch nichts dergleichen. Sie lassen das aalglatte Brothers hinter sich und begeben sich zwar nicht in gänzlich neue Gefilde, jedoch wieder zurück zu ihrem in Wirklichkeit besten Album Attack & Release. Wie sie das anstellen? Ganz einfach: Sie holen Danger Mouse endlich wieder zurück ins Boot, der bisher immer ihre Bestleistungen zum Vorschein bringen konnte.

Eine sehr gute Entscheidung, wie sich schon beim Opener Lonely Boy heraus stellt. Die Black Keys sind zurück und sind nicht gekommen, um Geiseln zu nehmen. Höhepunkte gibt es auf El Camino viele. Allen voran Money Maker in der Mitte des Albums und das vergleichsweise außergewöhnliche Hell Of A Season, welches nicht nur typisch vom Blues getragen wird, sondern auch noch mit einer kleinen Reggae-Note verfeinert wurde.

Mit El Camino beweisen die Black Keys, dass sie nur aufgrund ihres Erfolges noch lange nicht abzuschreiben sind. Im Gegenteil: Wer weiß schon, was geschehen wäre, wenn Brothers nicht so eingeschlagen wäre? Egal. Das sind Fragen, die die Black Keys jedenfalls momentan nicht zu interessieren brauchen. Wieso auch, wenn sie weiterhin so großartige Songs schreiben und dabei Erfolg haben.

1. Lonely boy
2. Dead and gone
3. Gold on the ceiling
4. Little black submarines
5. Money maker
6. Run right back
7. Sister
8. Hell of a season
9. Stop stop
10. Nova baby
11. Mind eraser

Zolin sagt: 8 von 10

Review: Gotye – Making Mirrors

Die letzten Monate lassen nur noch zu einer Vermutung kommen: Australien ist die neue Hochburg des etwas verqueren Pops. Was mit Modular Acts wie Wolfmother, Cut Copy oder Tame Impala anfing, hat sich erstaunlich weit entwickelt. Aktuellstes Beispiel: Gotye. Der gebürtige Belgier veröffentlichte im August sein bereits drittes Album. Dank des Radioerfolgs von Somebody That I Used To Know, erscheint Making Mirrors auch endlich bald bei uns.

Wer jetzt glaubt, dass Making Mirrors nur von Somebody That I Used To Know lebt, der irrt. Gotye läd auf eine Reise quer durch alle Facetten des modernen Pop ein. I Feel Better erinnert an Jamie Lidell, während Smoke And Mirrors auch vom letzten Elbow Album stammen könnte. Das eher expirimentelle State Of The Art sitzt am rechten Platz und verhindert, dass Making Mirrors zu einer simplen Zusammenfassung von bereits mal irgendwo gehörter Musik wird.

Von dem Mann, der wie der französische Designer Gautier ausgesprochen wird, wird man in nächster Zeit noch viel hören. Sei es auf Grund seines heftigen Airplays im Radio, oder eben weil er sich zu einer festen, weltweiten Größe etabliert. Verdient hat er es in jedem Fall. Bleibt nur zu hoffen, dass man ihn nicht weiterhin auf seine Hitsingle reduziert.

1. Making mirrors
2. Easy way out
3. Somebody that I used to know
4. Eyes wide open
5. Smoke and mirrors
6. I feel better
7. In your light
8. State of the art
9. Don’t worry, we’ll be watching you
10. Giving me a chance
11. Save me
12. Bronte

Zolin sagt: 7 von 10

Review: Drake – Take Care

Die typischen R&B Schnulzen scheinen sich nun endgültig selbst zerstört zu haben. Kaum einer, der früher für diese Art von Musik stand, scheint noch überlebt zu haben. Zwar gibt es mit Mayer Hawthrone oder Aloe Blacc einige Ausnahmen, doch der Großteil der Szene scheint sich in andere Gewässer zu begeben. Die einen suchen nach Land mit 0815-David Guetta-Dance Produktionen und die anderen lassen sich von dem aus England herübergeschwappten Dubstep-Hype mitreißen.

Bei Drake lag zumindest die Befürchtung nahe, dass er in Zusammenarbeit mit einschlägigen Dance-Produzenten weiter auf seinem Erfolg reitet. So ist es zwar dann auch gekommen, doch seine Wahl fiel nicht wie befürchtet auf David Guetta, Boys Noize und Konsorten, sondern auf Jamie XX und The Weeknd.

Natürlich wäre es etwas zu hoch gegriffen, Take Care als elektronisches Album zu sehen, denn es klingt zu klassisch, zu sehr wie sein Vorgänger. Mit Headlines und Make Me Proud sind sogar einige treibende Hip-Hop Tracks dabei, von denen man jetzt schon sehr sicher sein kann, dass sie in den USA ziemlich einschlagen werden.

Aber um es auf den Punkt zu bringen: Take Care ist grandios. Drake hat es innerhalb eines Jahres geschafft, noch mal einen auf sein ausgezeichnetes Debut draufzusetzen. Alles scheint zu stimmen: Die klassischen R&B Tracks, die Dubstep Anleihen und die Hip-Hop Tracks. Da stört es auch nicht, dass Gil Scott-Herons Take Care von Rihanna vergewaltigt wird.

1. Over My Dead Body
2. Shot for Me
3. Headlines
4. Crew Love (featuring The Weeknd)
5. Take Care (featuring Rihanna)
6. Marvins Room
7. Buried Alive (featuring Kendrick Lamar)
8. Under Ground Kings
9. We’ll Be Fine (featuring Birdman)
10. Make Me Proud (featuring Nicki Minaj)
11. Lord Knows (featuring Rick Ross)
12. Cameras / Good Ones Go (Interlude)
13. Doing It Wrong
14. The Real Her (featuring Lil Wayne and André 3000)
15. Look What You’ve Done
16. HYFR (featuring Lil Wayne)
17. Practice
18. The Ride

Zolin sagt: 8 von 10

Review: Steven Wilson – Grace For Drowning

In Steven Wilsons künstlerischem Treiben der letzten Jahre ist stets ein schmaler Grad zwischen Genie und Prätentiösität zu erkennen. Ersteres obsiegt dabei in den meisten Fällen, insbesondere in Form genialer Alben à la Fear of a Blank Planet, welche er mit seiner genialen Truppe Porcupine Tree schuf.

Was sein neuestes Solo-Werk angeht, lag die Befürchtung nicht fern, er würde seiner rebellischen Künstlerseele erliegen und die Welt mit großkotzigem Schund zumüllen, wie es Roger Waters einst tat, als er Pink Floyd zu Gunsten einer Solokarriere verließ. Beim ersten Hördurchgang, verwandelte sich diese schreckliche Erwartung in absolute Euphorie angesichts der schieren Perfektion, die Grace for Drownig letztendlich darstellt. Das Album vermag nicht nur technisch, sondern auch emotional auf ganzer Linie zu beeindrucken.

Spätestens nach einem weiteren, erschließen sich komplexere Titel, wie zum Beispielder 23 minütige Koloss Raider 2. Nun sollten endgültig jegliche Zweifel an Wilsons Genie passé sein. So gelingt es ihm, Progressive-Ikonen wie King Crimson zu huldigen, ohne dabei zu tief auf die Knie zu fallen und das eigene Gesicht zu verlieren, wie es bei Opeths Heritage der Fall war. Ganz im Gegenteil: Steve Wilson vermag seine eigene künstlerische Integrität aufrechtzuerhalten und mehr zur Geltung zu bringen als noch bei seinem Solo-Debut Insurgentes.

Nein, die Quantität an Arbeit, die Herr Wilson in letzter Zeit abgeliefert hat, schadet diesem Meisterstück nicht im Geringsten, eben sowenig das erhöhte Maß an künstlerischer Freiheit, die ihm hier zur Verfügung stand. Grace for Drowning ist definitiv ein Höhepunkt seiner Karriere und für jeden Musikfreund, der ein Minimum an Geduld aufbringen kann, nicht weniger als ein Meisterwerk.

CD 1
1. Grace for drowning
2. Sectarian
3. Deform to form a star
4. No part of me
5. Postcard
6. Raider prelude
7. Remainder the black dog

CD 2
1. Belle de jour
2. Index
3. Track one
4. Raider II
5. Like dust I have cleared from my eye

Zolin sagt: 9 von 10

Review: Opeth – Heritage

Vor 10 Jahren machten sich Opeth mit dem Meisterwerk Blackwater Park unsterblich. Die brilliante Kombination aus Progressive und Death Metal entzückte sogar Freunde progressiver Musik, die sonst nichts mit hartem Metal und br00tal Growlz anfangen können.

Mit Heritage ist nun nach Damnation das zweite Album erschienen, welches komplett auf jegliche Death Metal Elemente verzichtet. Für diejenigen, welche die melodischeren Opeth bevorzugen sicherlich eine erfreuliche Neuerung. Jedoch wird für viele Opeth Fans der neue Kurs, der eher an 70er Prog-Rock Bands erinnert, gewöhnungsbedürftig sein. Virtuose Kompositionen, wie sie in Watershed noch vorhanden waren, vermisst man.

Der unumgängliche Vergleich mit Opeths bisher stets genialer Diskographie, sowie zu den Idolen aus den 70ern, denen Mastermind Akerfeldt hier Tribut zollen will, lässt Heritage teilweise gar belanglos erscheinen, obwohl es sich um ein solides bis gutes Prog-Rock Album handelt. Hervorragende Songs, wie The Devils Orchard oder Slither, die eine subtile, dunkle Atmosphäre vermitteln, hauchen Heritage Leben ein und entschädigen für die nicht nur lang, sondern (für Opeth untypisch)auch arg weiligen Lieder.

Existenzberechtigung erhält das neueste Opeth Werk nicht zuletzt auf Grund der meisterhaften Produktion Steven Wilsons (Porcupine Tree), welche wesentlich dazu beiträgt, dem Album Geltung zu verschaffen, am Ende ist man tatsächlich gewollt, eine gewisse Faszination für die vermeintlich dahinplätschernden Songs zu erkennen. Was bleibt, ist jedoch die Ernüchterung angesichts Opeth bisherigen Erbe.

1. Heritage
2. The devil’s orchard
3. I feel the dark
4. Slither
5. Nepenthe
6. Häxprocess
7. Famine
8. The lines in my hand
9. Folklore
10. Marrow of the Earth

Zolin sagt: 6 von 10