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Review-Runde: Austra, Queens Of The Stone Age, Disclosure, When Saints Go Machine

Über einen Monat liegt die letzte Review-Runde jetzt schon hinter uns. Dementsprechend ist der Stapel der unbesprochenen Platten auch weiterhin gestiegen. Unter ihnen auch Hochkaräter wie Queens Of The Stone Age, Austra, die ihr für die Band schwieriges zweites Album veröffentlichen sowie das viel besprochene Debüt der beiden Brüder Disclosure und schließlich der Versuch von When Saints Go Machine an ihr letztes Album anzuknüpfen.

Austra – Olympia

2010 erschien Feel It Break, das Debüt-Album der kanadischen Band Austra. Ein zugegeben recht gutes Album, welches der Band einen gewaltigen Popularitätsanstieg bescherte. Drei Jahre später wollen Austra mit ihrem zweiten Album Olympia auch mindestens alles doppelt so gut machen, wie bei ihrem Debüt. Deswegen wurden bei Austra aus drei Bandmitgliedern sechs gemacht und die Produktion des Albums durch die Hilfe von Produzententeams verfeinert, die zuvor auch Hand an Alben von Hot Chip oder Björk anlegten. Hinzu kommt noch ein größeres Harmoniebedürfnis seitens der Sängerin Katie Stelmanis. Dies hat zur Folge, dass Stelmanis teilweise sehr stark nach Florence Welch klingt, jedoch mit einem wichtigen Unterschied: Wo die Songs von Florence + The Machine nämlich unter all dem Bombast zusammenbrechen, umgeht Austra diese Falle ganz elegant mit einem höheren elektronischen Anteil, wie man ihn schon von dem Debüt kennt. Dementsprechend ist der Zweitling Olympia zwar nicht doppelt, aber mindestens genauso gut wie das Debüt.

Zolin sagt: 7 von 10

Queens Of The Stone Age – …Like Clockwork

Mannomann. Wer hätte das für möglich gehalten? Es erscheint endlich das Queens of the Stone Age Album, welches Josh Homme bereits 2009 vollmundig als „desert orgy in the dark“ ankündigte. Vier Jahre, Produktionen für Biffy Clyro, Arctic Monkeys, einem Kraftklub-Diss und der Wiedereinstellung von Dave Grohl später ist endlich …Like Clockwork da. Und überraschenderweise ist der Opener zum ersten Mal keine Power Nummer wie You Think I Ain’t Worth A Dollar, But I Feel Like A Millionaire oder Medication, sondern eine langsamere Blues-Nummer. Sowieso ist das Album vor allen Dingen in der ersten Hälfte ruhiger als die Vorgänger und wirkt dadurch wieder ähnlich psychedelisch wie Rated R. Trotzdem sind natürlich mit Songs wie der Vorab-Single My God Is The Sun die klassischen QOTSA-Gitarren Tracks dabei. Trotzdem merkt man leider, dass Chris Goss leider nicht mehr direkt an der Produktion beteiligt war, und so geht ein wenig der alte Spirit von QOSTA verloren. …Like Clockwork ist trotzdem noch eines der besten Rock-Alben, die wahrscheinlich dieses Jahr veröffentlich werden, dennoch ist es wohl das schwächste der bisherigen QOTSA-Diskographie.

Zolin sagt: 8 von 10

Disclosure – Settle

Wer sagt eigentlich, dass es die Reihe xy for Dummies nur als Bücher geben sollte? Musikalisch würden sich diese sicherlich auch verkaufen. Beispiel gefällig? SBTRKTs selbstbetiteltes Debüt hat auch denjenigen zugesagt, die zuvor nicht unbedingt Fans des Post-Dubsteps waren oder diesen als Musikrichtung gar nicht wahrgenommen haben. Mark Ronsons Version wäre auch ein Beispiel. Das Album produzierte er nämlich mit Hilfe der Daptone-Horns und sieß damit die Türen auf für den kommerziellen Erfolg von Charles Bradley oder Sharon Jones. Das, was die beiden Alben außerdem gemeinsam haben ist eine prominente Gästeliste, sei es jetzt bei Mark Ronson Kasabian oder bei SBTRKT Little Dragon. Diese Namen ziehen einfach noch zusätzlich. So ähnlich läuft es auch bei Disclosures Debüt Settle. Hier wird UK Garage, wie ihn George Fitzgerald oder Machinedrum zu pflegen lieben, mit Pop und einigen bekannten Sängern wie Jamie Woon oder Friendly Fires Ed Macfarlane, vermischt. Das funktioniert herausragend und beweißt wieder einmal, dass Alben, die sich zugänglicher als andere Veröffentlichungen innerhalb des Genres zeigen, auch dem gesamten Genre helfen und zu Popularität ausserhalb von Musik-Nerd Kreisen führen kann.

Zolin sagt: 8 von 10

When Saints Go Machine – Infinity Pool

Wie auch Austra haben When Saints Go Machine mit ihrem vorherigen Werk den Durchbruch geschafft. Sowohl qualitativ als auch in Sachen Popularität. Mit dem Unterschied, dass es sich bei When Saints Go Machines letzten Album Konkylie bereits um ihr zweites Album handelte. Hier verbanden sie experimentelle Elektronische Elemente mit der Falsetto-Stimme von Nikolaj Manuel Vonsild und steckten sie in ein Indie-Gewand. Diesen Gedanken entwickeln sie auf ihrem neuen Album Infinity Pool konsequent weiter und greifen bei dem Opener Love And Respect sogar auf die Hilfe von El-P-Stammgast Killer Mike zurück. Rein funktionell hat sich bei Infinity Pool also gegenüber dem Vorgänger wenig getan. Einzig die Tatsache, dass die Songs nun weniger sphärisch und ungewöhnlich, sondern – man möchte fast sagen – „normaler“ wirken. Nichtsdestotrotz sind When Saints Go Machine natürlich noch weit davon entfernt, mit dem grauen Einheitsbrei über einen Kamm geschoren zu werden. Dies ändert sich auch nicht bei Album Nummer drei.

Zolin sagt: 7 von 10

Review: Leprous – Coal

Das Jahr 2013 steht allem Anschein nach unter dem Segen des Progressive Gottes höchstpersönlich; zumindest den vielen Kostbarkeiten, an denen wir bereits schnuppern durften, nach zu urteilen. Cult of Luna legten einen phänomenalen Start hin, kurz darauf gab es neues von Riverside zu hören, der große Stevie Wilson gab sich auch mal wieder solo die Ehre und unsere Landsleute The Ocean schossen mit Pelagial wahrlich den Vogel ab. Eine Glückswelle die immer noch nicht aufgehört hat, geniales Material an Land zu spülen. Heute wird es Zeit für Zolin, Leprous unter die Lupe zu nehmen.

Die skurrilen Norweger haben sich schon im Schicksalsjahr 2001 formiert, wobei deren Blütezeit erst 10 Jahre später im Rahmen des Geniestreichs Bilateral ihren Lauf nahm. Spätestens seit diesem Werk, ist Leprous fester Platz an der Vorhut der nordischen Extremmusik nicht wegzudenken. Mit Coal erscheint ein Nachfolger, der diese verblüffende Entwicklung fortsetzt bzw. ihr das i-Tüpfelchen aufsetzt. Ganz gleich dem gepriesenen Vorgänger ergibt sich auf Coal ein eigenwilliger Soundkosmos, unvorhersehbare Kreativität schafft es dort irgendwie, sich mit einer Prise altehrwürdigem Metal-Pathos – das zu großen Teilen durch Einar Solbergs enorm dynamische Stimme aufkommt – zu verbinden.

Von Anfang bis Ende lässt der willige Hörer Coal über sich ergehen, er ergötzt sich an den raffinierten Riffs, den extravaganten Songstrukturen, findet in entspannten Momenten kurz Ruhe, bis es dann mit der Achterbahnfahrt durch Leprous‚ pfiffige Gedankenwelt weitergeht. Sobald man ein wenig rationale Distanz zu dem Hörerlebnis erlangt hat, gibt es keinen Zweifel mehr darüber, dass bei Leprous keine Willkür vorherrscht (höchstens bizarre künstlerische Impulse), sondern alle Teile – sei es der enigmatische Opener Foe oder das alles zerstörende Ende Contaminate Me – sinnvoll miteinander verbunden sind und aufeinander aufbauen, ähnlich wie das bei einer hochwertigen Fernsehserie geschieht.

Bis man erst einmal bei der analytischen Distanz angekommen ist, kann durchaus ein wenig Zeit verstreichen, denn Contaminate Me hat es wie gesagt in sich. Der Closer formt Leprous Ideenreichtum nämlich zu einer bizarren auditiven Horrorshow um, die auch noch von Ihsahns böser Stimme begleitet wird – und der alte Haudegen, der mit Leprous an seiner Seite in jüngster Zeit selbst wieder an der Spitze der Extremmusik angelangt ist, hat sich wahrscheinlich nicht mal zu Emperor Zeiten so eindrucksvoll die Seele aus dem Leib gekreischt und gefaucht. Contaminate Me ist in jedenfalls ein Imperativ, dem Leprous weiterhin folgt. Der Progressive Fan lässt sich von diesem Aussatz gerne kontaminieren.

1. Foe
2. Chronic
3. Coal
4. The Cloak
5. The Valley
6. Salt
7. Echo
8. Contaminate Me

Zolin sagt: 8 von 10