Schlagwort-Archiv: Psychedelic

Review: Deerhunter – Fading Frontier

Deerhunter - Fading Frontier

Die Faustregel des Jägers, dass ein verwundetes Tier ein gefährliches Tier ist, scheint auch für den Jäger selbst zu gelten. Vor allem nach dem schweren Autounfall Bradford Coxs und dem darauf folgenden mehrmonatigen Krankenhausaufenthalt, aber auch nach der vergleichsweise nervenaufreibend verzerrten Kakophonie auf Monomania hätte man von Deerhunter erwarten können, dass das Folgewerk der Psych-Pop-Formation verstärkt die Abgründe des Noise-Rock im Scheinwerferlicht ihres immer wieder bewiesenen, genialen Songwritings erkunden würde. Doch stattdessen legt die Truppe um Cox a.k.a. Atlas Sound, Moses Archuleta, Lockett Pundt a.k.a. Lotus Plaza, Josh McKay und Frankie Broyles einen (un-)erwarteten linken Haken vor – Fading Frontier zeigt den brachialen Pop Chop, den sie bisher unterschwellig hinter Noise, Shoegaze oder punkigen Ausfällen versteckt hielten, mehr denn je.

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Review: Mac DeMarco – Another One

mac demarco another one

Noch eins. Und schon wieder. Auf den ersten Blick hat Mac DeMarco mit der Titelauswahl für sein neues, kürzeres Mini-Album Geschick darin bewiesen, sich selbst in Kürze zu rezensieren. Die musikalische Rezeptur des vom charismatischen Chaoten selbst so deklarierten Jizz-Jazz hat sich seit Salad Days nicht allzu stark gewandelt; der Sound bleibt weiterhin vor allem auf der klaren, hook-orientierten Gitarre und dem laxen Gesang des Songwriters fokussiert, keine von diesen skeletthaften Komponenten könnte in Albumlänge für sich alleine stehend das Interesse an sich halten, das aus deren Kombination mit dem heuristischen Konstrukt aus minimalistischen Percussions und simplen Bass-Lines einhergeht – mal wieder. Was hält uns davon ab, Another One mit einem beherzten „Schon wieder so eins von so einem?“ in dieselbe Ecke des zerebralen Systems zu pfeffern, in der womöglich schon Salad Days oder gar Rock and Roll Nightclub deponiert liegt?

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Review: Tame Impala – Currents

Tame Impala - Currents

Da batikt man sich sein ausgewaschenes T-Shirt in alle Farben des Regenbogens, um sein Äußeres dem Inneren anzupassen und auf dem Konzert den ungeduschten Speck zu schütteln – letzten Endes führt der Weg dann doch in die kuscheligen, da anonymen und gesichtslosen Sphären der Disko. Auch ein Kevin Parker kann sich diesem Sog nicht vollends entzogen haben, umso weniger auch seine Kopfgeburt Tame Impala; zeugte zum Beispiel Solitude is Bliss auf seinem Debütalbum Innerspeaker mit Zeilen wie „There’s a party in my head/ and no one is invited“ von einer gewissen soziophoben Ader, die bis ins Zweitwerk Lonerism hinein immer wieder auf seiner musikalischen Stirn pochte, so ist sein neuestes Werk, Currents, die reichlich verspätete Einladung zur selbigen Party. Parkers mehrfach bekundete Faszination gegenüber der Atmosphäre in Clubs und auf Raves bringt einen auf den ersten Blick radikalen Bruch mit dem Vergangenen, der Sensationsgeilen wie alteingesessenen Fans zu knabbern gibt.

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Review: Unknown Mortal Orchestra – Multi-Love

Unknown Mortal Orchestra - Multi-Love

Nach einer gewissen Zeit ohne Schlaf erreicht man bekanntlich, ob nun gewollt oder nicht, diesen humoristisch wertvollen, jedoch nur schwer teilbaren Zustand der Schlaftrunkenheit, in dem laut Hans Arndt der Schlaflose die Ereignisse multipliziert; angesichts dessen kann schon allein aus dem Titel Multi-Love herausgelesen werden, auf welchen somnambulen Pfaden Unknown Mortal Orchestra gewandelt sein müssen, um zu diesem Album zu gelangen. Respektive der vergangenen musikalischen Ausflüge Ruban Nielsons wie dem schizophren-schlaftrunken wirkenden, selbstbetitelten Erstlingswerk oder dem Song-orientierteren und interessanter strukturierten II von vor zwei Jahren erschließt sich sein aktuellstes Werk einfacher denn je. Es wirkt weniger verkopft um der Verkopftheit willen, es klingt aufgeräumter – klingt es da etwa nach Pop? Tatsächlich trägt ein Gros der Tracks auf Multi-Love das selbe Banner wie Hot Chip oder andere entwaffnende Pop-Bataillone. Es wirkt im Vergleich zu den Vorgängern vor allem zum Beginn durch die neuartige, weniger auf Lo Fi bedachte Produktion bedrohlich unbedrohlich.

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Video der Woche: Foxygen – How Can You Really

Jaja, wer mag sie schon, die kräftezehrende Lohnarbeit. Foxygen, spätestens seit letztem Jahr durch ihr Album We Are The 21st Century Ambassadors of Peace & Magic als die Realitätsverwischer höchstpersönlich bekannt, gestalten den öden Lohnarbeitsalltag in ihrem neuen Video zu How Can You Really um. Sänger Sam France steigt fröhlich auf den Tischen seiner Mitarbeiter umher und richtet dabei selbstverständlich einiges Unheil an – begleitet von seinem wunderschönen Pailletten-Top.

Das Video bzw. die Single dient übrigens als Vorbote zu ihrem dritten Album …And Star Power, welches im gleichen Atemzug mit dem Video angekündigt wurde. Es soll am 14. Oktober erscheinen und beherbergt sage und schreibe 24 Tracks. Die dazu veröffentlichte Info wirkt nur mit okkulten Beschreibungen für das Album um sich. So ist das Album ein „svelte 82-minute run time of psych-ward folk, cartoon fantasia, soft-rock indulgences, D&D doomrock and paranoid bathroom rompers“ und „a cinematic auditory adventure for speedy freaks, skull krunchers, abductees and misfit“. Dass dazu noch einige Gaststars versprochen werden, steigert natürlich die Vorfreude. Bleibt zu hoffen, dass das Album auch überzeugen kann.