Schlagwort-Archiv: Pop

Video-Premiere: Tellavision – Unimperative

Ach Tellavision, oh mächtige Television! Über die Jahre hinweg hat sich die Gute zum wahrscheinlich besten Geheimtipp der hiesigen Musikszene entwickelt. Ganz im Geiste von Frauen wie Fever Ray, Björk oder Kate Bush unternahm sie auf jedem ihrer bisherigen Alben eine Genrewanderung zwischen Folk, Pop und sogar Sprechgesang. Ihr letztes Album Funnel Walk produzierte sie mit Tobias Levin, der zuvor Alben von Bands wie Tocotronic oder Kante aufgenommen hatte.

Ihr neues Album The Third Eye (VÖ 23.10.2015) hingegen nahm sie wieder dem Ethos des DIY entsprechend während eines längeren Aufenthalts in den USA im berüchtigten Bostoner Whitehaus allein auf. Die erste Auskopplung von The Third Eye ist Unimperative, ein impulsiver Song, getragen von einem Bass-Loop und gespickt mit wundersamen, selbstverständlich analogen, Synthesizerklängen. Das dazu passende Video fertigte Marq Lativ im originalgetreuen 4:3 Format an. Es feiert nun exklusiv auf Zolin sagt Premiere.

Upcoming Tourdates:
26.10.15 GER- Berlin, Urban Spree w/ Hildegard von Binge Drinking & Golden Diskó Ship
29.10.15 GER- Hamburg, Golden Pudel w/ Monsterheart

Review: Tame Impala – Currents

Tame Impala - Currents

Da batikt man sich sein ausgewaschenes T-Shirt in alle Farben des Regenbogens, um sein Äußeres dem Inneren anzupassen und auf dem Konzert den ungeduschten Speck zu schütteln – letzten Endes führt der Weg dann doch in die kuscheligen, da anonymen und gesichtslosen Sphären der Disko. Auch ein Kevin Parker kann sich diesem Sog nicht vollends entzogen haben, umso weniger auch seine Kopfgeburt Tame Impala; zeugte zum Beispiel Solitude is Bliss auf seinem Debütalbum Innerspeaker mit Zeilen wie „There’s a party in my head/ and no one is invited“ von einer gewissen soziophoben Ader, die bis ins Zweitwerk Lonerism hinein immer wieder auf seiner musikalischen Stirn pochte, so ist sein neuestes Werk, Currents, die reichlich verspätete Einladung zur selbigen Party. Parkers mehrfach bekundete Faszination gegenüber der Atmosphäre in Clubs und auf Raves bringt einen auf den ersten Blick radikalen Bruch mit dem Vergangenen, der Sensationsgeilen wie alteingesessenen Fans zu knabbern gibt.

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Review: Fabian Römer – Kalenderblätter

Fabian Römer - Kalenderblätter

Schon der Namenswechsel von F.R. zu Fabian Römer und der Titel seines ersten Albums unter diesem, seinem bürgerlichen Namen, Kalenderblätter verraten, wohin es mit dem nunmehr 25-Jährigen Fabi anno 2015 geht: Richtung (Surprise!) erwachsen ein, es gibt leider kein anderes Wort dafür. Man lauscht einem klischeehaften Coming of Age-Drama in all seinen Facetten: Oberflächliche Zweifel an der Welt (Blauwalherz), Sex mit der Ex (Nach Dir (Anna)) und hoffnungsvolles In-die-Welt-hinaus-Latschen (Übersommern). Auf der einen Seite kann man an dieser Stelle Prezident zitieren und von vornherein ablehnend meinen: „Du machst jetzt erwachsene Musik, die vom Erwachsenwerden handeln / Versteh ich nicht so ganz“ und klar, mit politischem Bewusstsein, kritischem Geist oder auch nur Weltbürgertum ist hier nicht viel. Andererseits muss man dem Protagonisten dieses Reviews zugutehalten, dass er in der Zeit und dem Raum, in dem er nun mal lebt, mit solcherlei Fragen und Problemen konfrontiert ist. Wenn einem dann mal in einem schwachen Moment alle wahnsinnig kritische Distanz und Coolness flöten geht, muss man auch zugeben, dass man zu Tracks wie Kalenderblätter oder Stille toll traurig sein kann.

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Review: Tocotronic – Das Rote Album

Tocotronic - Das Rote Album

Tocotronic haben in ihrer mittlerweile 22-jährigen Bandgeschichte eine wirklich drastische Entwicklung und verschiedenste Veränderungen durchgemacht. Aus wütenden, unverstandenen Typen, die auf ihre Instrumente einhämmerten und mit den einfachsten Worten die größten Dinge sagen konnten, sind Tocotronic zu an mancher Stelle gefeierten, an anderer Stelle als nervig gebrandmarkten Diskursschwaflern geworden. Während der Sound immer seichter und vermehrt gesäuselt wurde, kamen die Texte verklausulierter und reicher an Metaphern daher. Natürlich, Tocotronic hatten immer eine Berechtigung und sie haben einige der tiefgreifendsten Stücke der neueren Popgeschichte geschrieben, man denke nur an Free Hospital oder Im Zweifel für den Zweifel. Aber trotzdem: Dirk von Lowtzow gab kürzlich zu Protokoll, dass er sich eine Zeit lang einen Spaß daraus machte, möglichst kompliziert zu schreiben. Na, dange. Wenn man mit Freunden Tocotronic hört oder Artikel über Tocotronic liest, ist also seit einiger Zeit eine nicht ganz irrelevante Frage: Wer kriegt den Kauderwelsch am schlausten decodiert?

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Review: Bilderbuch – Schick Schock

Bilderbuch - Schick Schock

Puh, solch einen durchgänigen Hype muss man in Deutschland auch erstmal schaffen. Seit der Neuinterpretierung ihres eigenen Sounds haben es Bilderbuch mit der Veröffentlichung von vereinzelten Songs geschafft, die Spannung seit Mitte 2013 hoch zu halten. Doch fangen wir vorne an, denn entgegen aller Annahmen sind Bilderbuch nämlich gar keine richtigen Newcomer. Schon zwei Alben veröffentlichten sie unter diesem Namen, die zusammenfassend eher, nun ja, durchschnittliche Kost bieten: Musikalisch zahme Indie-Songs, mit schlüpfrigen Texten. Macht Spaß, gerade live, muss aber auf Platte nicht unbedingt sein. Vielleicht haben Bilderbuch Ähnliches schon vermutet, denn nach den beiden Alben gab es einen Wechsel am Schlagzeug und mit diesem Wechsel folgte auch eine grundsätzliche Reform des Sounds. Statt nämlich ein bisschen, nun ja, zurückgeblieben zu klingen, machen sie jetzt einfach next level shit. So entdeckt man vieles auf Schick Schock: Kanye Wests Sinn für’s Pompöse, Metronomys wundersame Melodienbögen und vielleicht sogar ein bisschen Prince. All das, was in dieser Weise noch nie in der deutschsprachigen Musikszene probiert wurde.

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