Schlagwort-Archiv: Metal

Review: Leprous – Coal

Das Jahr 2013 steht allem Anschein nach unter dem Segen des Progressive Gottes höchstpersönlich; zumindest den vielen Kostbarkeiten, an denen wir bereits schnuppern durften, nach zu urteilen. Cult of Luna legten einen phänomenalen Start hin, kurz darauf gab es neues von Riverside zu hören, der große Stevie Wilson gab sich auch mal wieder solo die Ehre und unsere Landsleute The Ocean schossen mit Pelagial wahrlich den Vogel ab. Eine Glückswelle die immer noch nicht aufgehört hat, geniales Material an Land zu spülen. Heute wird es Zeit für Zolin, Leprous unter die Lupe zu nehmen.

Die skurrilen Norweger haben sich schon im Schicksalsjahr 2001 formiert, wobei deren Blütezeit erst 10 Jahre später im Rahmen des Geniestreichs Bilateral ihren Lauf nahm. Spätestens seit diesem Werk, ist Leprous fester Platz an der Vorhut der nordischen Extremmusik nicht wegzudenken. Mit Coal erscheint ein Nachfolger, der diese verblüffende Entwicklung fortsetzt bzw. ihr das i-Tüpfelchen aufsetzt. Ganz gleich dem gepriesenen Vorgänger ergibt sich auf Coal ein eigenwilliger Soundkosmos, unvorhersehbare Kreativität schafft es dort irgendwie, sich mit einer Prise altehrwürdigem Metal-Pathos – das zu großen Teilen durch Einar Solbergs enorm dynamische Stimme aufkommt – zu verbinden.

Von Anfang bis Ende lässt der willige Hörer Coal über sich ergehen, er ergötzt sich an den raffinierten Riffs, den extravaganten Songstrukturen, findet in entspannten Momenten kurz Ruhe, bis es dann mit der Achterbahnfahrt durch Leprous‚ pfiffige Gedankenwelt weitergeht. Sobald man ein wenig rationale Distanz zu dem Hörerlebnis erlangt hat, gibt es keinen Zweifel mehr darüber, dass bei Leprous keine Willkür vorherrscht (höchstens bizarre künstlerische Impulse), sondern alle Teile – sei es der enigmatische Opener Foe oder das alles zerstörende Ende Contaminate Me – sinnvoll miteinander verbunden sind und aufeinander aufbauen, ähnlich wie das bei einer hochwertigen Fernsehserie geschieht.

Bis man erst einmal bei der analytischen Distanz angekommen ist, kann durchaus ein wenig Zeit verstreichen, denn Contaminate Me hat es wie gesagt in sich. Der Closer formt Leprous Ideenreichtum nämlich zu einer bizarren auditiven Horrorshow um, die auch noch von Ihsahns böser Stimme begleitet wird – und der alte Haudegen, der mit Leprous an seiner Seite in jüngster Zeit selbst wieder an der Spitze der Extremmusik angelangt ist, hat sich wahrscheinlich nicht mal zu Emperor Zeiten so eindrucksvoll die Seele aus dem Leib gekreischt und gefaucht. Contaminate Me ist in jedenfalls ein Imperativ, dem Leprous weiterhin folgt. Der Progressive Fan lässt sich von diesem Aussatz gerne kontaminieren.

1. Foe
2. Chronic
3. Coal
4. The Cloak
5. The Valley
6. Salt
7. Echo
8. Contaminate Me

Zolin sagt: 8 von 10