Schlagwort-Archiv: Krautrock

Interview: Klaus Johann Grobe

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Als Klaus Johann Grobe Anfang diesen Jahres mit Im Sinne der Zeit ihre überraschend erfrischende Mixtur aus Disco-Grooves, erleichterndem Orgelspiel und humorvollen lyrischen Ergüssen präsentierten, war schon abzusehen, dass die Live-Umsetzung ihres Materials in Deutschland nicht lange auf sich warten ließe. Nachdem sie im Leipziger UT Connewitz, einem der ältesten Lichtspieltheater Deutschlands, als Support-Act der Psychedelic-Band The Growlers rote Köpfe und tote Füße eingefordert hatten, traf sich Zolin auf ein Wort mit Sevi Landolt (Keyboard) und Daniel Bachmann (Drums), um über ihren kreativen Schaffensprozess, die Altersspanne auf ihren Konzerten und weitere Herzensangelegenheiten zu reden.

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Verlosung: Sonson, Sork und Exchampion live! (2×2 Tickets)

Sonson
Foto von Ramon Lenherr

Bereits gestern wurde an dieser Stelle über das große Verlangen der großen Masse nach Krautrock und allen verwandten Genres berichtet. Auch Sonson ist zu wünschen, dass sie davon profitieren. Schließlich ist ihr unlängst auf Kapitän Platte erschienenes Debüt A Shine Below the Mound eine herrlich unaufgeregte, aber unglaublich atmosphärische Schiffsfahrt durch die psychedelischen Gewässer der Rock-Vergangenheit. Am kommenden Sonntag, den 18. Mai, kann man sich von der Qualität der Schweden auch live im Duisburger Djäzz überzeugen lassen. Mit ihnen werden auch Sork sowie der wunderbare Exchampion aus Münster spielen, der bereits hier Beachtung erfuhr.

Falls du nun einwerfen solltest, dass du kein Geld hast, weil du Student bist oder zu viel spendest hat Zolin eine gute Nachricht für dich: Er verlost 2 mal 2 Karten für den Abend. Um an der Verlosung teilzunehmen musst du ganz einfach eine Email an diese Adresse mit dem Betreff „Sonson“ schreiben. Schon bist du im Lostopf drin! Der Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen. Einsendeschluss ist der 17. Mai um 17 Uhr. Hier geht’s noch zur Facebook-Veranstaltung.

Die Gewinner wurden benachrichtigt!

Review: Klaus Johann Grobe – Im Sinne der Zeit

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…und die Crowd schreit noch immer nach Kraut! Was sich wie die Wunschvorstellung eines jeden Retro-Fetischisten lesen lässt, bewahrheitet sich seit geraumer Zeit immer wieder. Krautpop hat scheinbar das Sauerkraut, dem es doch seinen eher spöttischen Namen verdankt, als bekanntestes teutonisches Exportgut abgelöst – des Öfteren liest man zurzeit in Interviews und Tonträgern einiger Musiker den Einfluss des Genres klar heraus. Seien es Tame Impala, die mit Lonerism eines der ambitioniertesten Psychedelic-Pop-Alben dieses Jahrzehnts präsentiert haben oder Temples, die gerade wegen ihrer Affinität gegenüber der Musik der 60er, 70er Jahre sowohl ihren Sprung ins Jetzt als auch ihre Einzigartigkeit eingebüßt haben; es gibt viele Beispiele für Bands, die sich mehr oder weniger gelungen ein Beispiel an der musikalischen Vision dieses Genres nehmen. Doch wo befinden sich in diesem breiten Spektrum Klaus Johann Grobe, die jeglichen Einfluss dessen verneinen und gleichzeitig mit Im Sinne der Zeit ein Album vorlegen, das Kraut-fokussierter klingt als das Wahlprogramm der Piratenpartei?

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Review: LADA – Vitamine

Als die Hamburger Band LADA Ende 2012 die Krautrock-Szene mit ihrem Mini-Album Trouble Hat bereicherten, war es schon leicht absehbar, dass sie Fan- und Bloggemeinschaften auch in Zukunft weitere Anlässe für exzessive Lobgesänge bieten würden. Mit ihrer energischen Kombination aus pulsierenden Drums, mantra-artigen Gesängen, pointierenden Gitarreneinschlägen und wabernden Synthesizer-Teppichen, die sogar Aladins fliegendes Exemplar wie ein billiges Frotteetuch aussehen lassen könnten, ließen sie uns alle wieder wissen, wieso Krautrock aktueller und attraktiver denn je ist. Während zur Zeit des letzten Releases Acts wie Beak> oder die fulminante Konzertreihe von Kraftwerk hohe Wellen in der Krautrock-Szene schlugen, scheinen heute diese Wellen langsam verebbt oder in andere Genres versickert zu sein– Grund genug für LADA, ihre Anhänger mit neuem, lebenswichtigem Material zu versorgen. Passenderweise lautet der Titel ihres neuen Albums auch Vitamine.

Die hohe Kunst, derer sich das Hamburger Trio mehr als mächtig erweist, besteht darin, dass die Lieder des neuen Werks Assoziationen hervorrufen, die nichts mit ihrem urbanen Entstehungsort gemeinsam haben; Vitamine katapultiert den Zuhörer in den krautigen, fernen Urwald, in dem LADA die süßen und reifen Früchte vom Krautpop-Baum gepflückt und gegessen zu haben scheinen, um danach barfuß zwischen den Bäumen zu rennen. Trouble Hat, der Opener des Albums, versinnbildlicht die sich ankündigende Reise durch ein brodelndes Intro aus kakophonen Synth-Arpeggios und feurig knisternden Gitarren-Sounds, die sich wie süße Rauchschwaden ineinander verbeißen und aufbäumen, um sich in einem Schwall über die plötzlich einsetzenden, hölzern-knackigen Drums zu ergießen. Hitchhiker setzt dieses Prinzip auf einem gemächlicheren Beat fort; der zarte, düstere Gesang von Tellavision, der ein wenig an Chelsea Wolfe erinnert, nimmt den Zuhörer bei der Hand und zieht ihn noch tiefer in den Synthesizer-Wald, um ihn später bei Enschede von selbst laufen zu lassen. Mit den Drums, die gleichmäßig und belebend wie Äste und Laub unter Füßen knacken, den weiterhin wabernden Synthesizern und den rituell anmutenden Gesangsschüben klingt das Ganze im besten Sinne wie eine Peyote-Session am Lagerfeuer mit Mariam the Believer.

Auf der weiteren Reise scheuen sich LADA nicht davor, interessante De-Tours durch andere musikalische Gefilde zu unternehmen. Somebody zum Beispiel beginnt als eine recht zahme, Reggae-artige Nummer, um sich unter dem Hinzufügen von gruselig-betörenden Vokalharmonien in Richtung eines infernalen Synth-Gewitters zu bewegen. Mit The Little Itch und Rocket Mam liegen sogar gitarrenlastigere, verkopfte und doch verspielte Nummern vor, die mit manchen Werken von Mathrock-Bands wie LITE oder The Physics House Band denselben Geist teilen, ohne dem Flow des Albums zu schaden oder gar zu gekünstelt zu wirken.

Leider stellt die Produktion des Albums dem hoch gesetzten Ziel desselben ein Beinchen; die Synthesizer-Wände sind vereinzelt so vordergründig abgemischt, dass sie mitunter drohen, andere Melodien zu ertränken. Auch sind mit Liedern wie Apostola, Walk und Masel Tov recht monotone und fast schon Filler-artige Lieder vertreten, die beim zuvor erwähnten Motiv des Waldspaziergangs den Moment darstellen, in dem man nach einem langen Marsch wiederholt an einer schon bekannten Lichtung oder demselben Baum ankommt. Letztendlich gelingt es LADA jedoch, mit Vitamine ein Album vorzulegen, das sowohl facettenreich als auch besonders aufregend ist und es versteht, die Zuhörer mehrmals zum sonaren Urwaldspaziergang zu verführen. Und wem das so oft in einem einzigen Album gelingt, kann man nur einen einzigartigen Charme attestieren.

1. Trouble Hat
2. Hitchhiker
3. Enschede
4. Masel Tov
5. Walk
6. Somebody
7. The Little Itch
8. Apostola
9. Rocket Mam
10. Talk

Zolin sagt: 7 von 10

Heißer Scheiß: Niedervolthoudini

Was ist eigentlich Krautrock? Nur eine einfältige Zusammenfassung von experimentellen und improvisationslastigen Arten, Rock zu spielen, einzig geeint in ihrer ungefähren Entstehungszeit und ihrem Entstehungsland, Deutschland? Doch symbolisch steht es für noch viel mehr. Er beschreibt eine musikalische Epoche des Aufbruchs in Deutschland, die bis heute nicht nur die hiesige Musik stark beeinflusst hat, sondern selbst in aktuellen Werken von Flying Lotus, Fujiya + Miyagi, LCD Soundsystem oder sogar Radiohead zu entdecken ist. Doch obwohl Deutschland einst die Hochburg für Krautrock war, gibt es vergleichsweise wenig Ausläufer. Ansätze sind zwar noch bei Veröffentlichungen der Goldenen Zitronen, von DJ Koze oder den Türen zu hören, doch Bands, wie die bereits an dieser Stelle vorgestellten LADA, sind Mangelware.

Doch gerade LADA tragen den Grundgedanken der Improvisation, des Experimentierens und des Aufbruchs noch ein Stückchen weiter. Jedoch nicht nur alleine, sondern als Teil des Kollektivs Niedervolthoudini. Das Kollektiv beschränkt sich jedoch nicht nur auf Musik. Es ist viel eher ein großes Künstler Konglomerat, bei dem jeder Künstler seine eigenen Freiheiten besitzt, auch gerade abseits der Musik bei Installationen und bildener Kunst.

Beispielsweise waren Niedervolthoudini letztes Jahr zu Gewuchs, einer Ausstellung im Hamburger Westwerk, eingeladen, bei der sie sich entschieden, ein temporäres Studio aus Resten zu bauen und wilde Musik aus nahezu allen Richtungen aufzunehmen. Live-Impression von Bands wie LADA, Honeyheads und Andrew and The Media Terrors gibt’s schon über Youtube zu sehen. Doch dabei allein bleibt es nicht. Denn Carl-John Hoffmann, Thomas Klein und René Huthwelker nahmen im Zuge dessen ihren über eine halbe Stunde dauernden Auftritt auf, der nun endlich als kostenloser Download veröffentlicht wird. Musikalisch wird deutlich an die große Improvisationskunst des Krautrocks angeknüpft, jedoch wird er auch beispielsweise durch Glitch-Elemente auf eine weitere Stufe gehoben. Zolin fühlt sich durch die Premiere geehrt, an dem Fest der Niedervolthoudini teilzuhaben. Denn bald erscheinen noch drei weitere Veröffentlichungen aus diesem bunten Kreis.