Schlagwort-Archiv: Hip Hop

Heißer Scheiß: Rejjie Snow

Kommen wir nun zu musikalischen Anti-Klischees, also sprich Sachverhalte, die ein wenig seltsam in dem Kontext ihrer musikalischen Geschichte und Sozialisation wirken. Am besten fangen wir mal mit einem Beispiel an und bauen einen gefeierten HipHop Newcomer. Der kommt natürlich wahlweise aus Brooklyn oder aus einem coolen Vorort von Los Angeles, ist beeinflusst von seinen großen Helden Snoop Do, ähhh, Snoop Lion und dem Wu-Tang Clan und bekommt Beats von noch hipperen Produzenten. Ok, schon sollten einige Medien über diesen fiktiven Rapper schreiben wollen. Aber hier geht es ja nicht um Klischees, sondern um das genaue Gegenteil. Also drehen wir die ganzen Infos einfach um. Uncooler Ort? Naja, Irland geht wohl klar. Einflüsse? Chet Baker. Sagt den meisten 0815 HipHop-Hörern ja sowieso nichts, also uncool. Und wenn man noch nicht mal damit angibt, was für Produzenten man hat, kann es wohl auch nichts besonders tolles sein.

Das ist natürlich Schwachsinn. Schließlich treffen all diese „Anti-Klischees“ auf Rejjie Snow zu. Und momentan gibt es zumindest von der grünen Insel nichts doperes als den gerade mal 19 Jahre jungen Rapper und ehemaligen Graffiti-Writer. Um sich davon zu überzeugen braucht man sich nur die bisher leider nur vereinzelt veröffentlichten Tracks von ihm reinzuziehen. Als erstes wird man dabei wahrscheinlich auf Lost in Empathy stoßen. Ein Track, der zumindest flowtechnisch sehr an Tyler, The Creator, Earl Sweatshirt oder Captain Murphy erinnert. Das ist zwar nett, haut aber noch nicht unbedingt vom Hocker. Dass Rejjie Snow aber nicht nur auf den OFWGKTA-Style beschränkt ist, stellt er bei dem wesentlich entspannteren Meddling Loops unter Beweis. Besonders durch den Beat des Tracks kommen hier große Assoziationen zu Doom, Madlib oder Dilla zu stande.

Großartiger Kram also, entfernt von den üblich aufgetischten Pressetexten. Das wird auch mit Sicherheit Kaya Kaya Records, einem Sub-Label von XL Recordings, wo ja bekanntermaßen M.I.A., Vampire Weekend und Radiohead veröffentlichen, aufgefallen sein. Dort wird auch in wenigen Tagen seine Debüt EP Rejovich erscheinen. Bisher kann man zwar wieder nur vereinzelt Tracks lauschen, aber das, was es dann zu hören gibt, ist wieder famos. Ein weiteres Mixtape oder gar Album wird aber sicherlich auch nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Immerhin wissen wir von Loveleen, der ersten Auskopplung der EP, dass es Rejjie Snow auch um das gleiche wie bei Klischee-Rappern geht: „Money, bitches, hoes, greed, pussy, lord knows“ Trotzdem gut.

Video der Woche: K.I.Z – „Ich bin Adolf Hitler“

Timur Vermes bescherte uns letztes Jahr in Form des satirisch-kultigen Romans Er ist wieder da ein denkwürdiges Comeback des Gröfaz. Nun beschwören K.I.Z Adolf Hitler erneut in unsere Gesellschaft, in diesem Fall wirkt der „Führer“ allerdings wesentlich angepasster an den Lifestyle der modernen rechtsradikalen Szene. Beim Nazi von Heute ist nämlich kaum noch eine Spur des stoischen Germanentums archaischer Zeiten zu erkennen. Neben dem Glauben an „wahre Werte“ wie Vaterlandsliebe und ähnliches konsumiert der Neonazi gerne mal doppelt so viel Alkohol und Drogen als die verhasste 68er Bewegung in all deren freizügigen Jahren.

In der Tat beginnt K.I.Zs provokantes Musikvideo zu dem Lied „Ich bin Adolf Hitler“ mit einem gewaltigen Hangover des Gröfaz. Er spuckt und röchelt vor sich hin, seine körperliche Form entspricht nicht mehr gerade dem Ideal des tüchtigen Volksgenossen. Er wird von orthodoxen Judengangs vermöbelt und muss auch noch Barack Obama im Fernsehen ertragen. Immerhin hat Hitler zum Trost im Zimmer ein hübsches Frei.Wild Poster hängen, die perfekte Besänftigungsmusik für sozial zurückgebliebene Vaterlandsliebhaber. Zusammenfassend kann man K.I.Z nur beglückwünschen, denn so realitätsgetreu hat selten jemand das Wesen der rechtsextremen Szene verfilmt!

Heißer Scheiß: Action Bronson & Harry Fraud

Ok, machen wir uns nichts vor: Der Heiße Scheiß zu Action Bronson ist mittlerweile schon genauso überfällig wie Dr. Dres Detox. Doch im Gegensatz zu Dre, holt Zolin das jetzt endlich nach und widmet Bronsolini seinen Artikel. Nur muss er sich den mit Harry Fraud teilen, mit dem er gemeinsam die EP Saaab Stories veröffentlichte. Harry Fraud ist, wie auch Action Bronson, im letzten Jahr aus den Schatten getreten und hat mit Produktionen für Meyhem Lauren und Curren$y und mit seinem eigenen Mixtape Adrift – unter anderem mit Beiträgen von Danny Brown, Juicy J oder Pusha T – bewiesen, dass er mittlerweile einer der dopsten Boom-Bap Beatbauer aus den Staaten ist.

Unter der Arbeit von Harry Fraud gab es aber auch immer wieder Tracks mit Action Bronson, – Die Arbeit von Bronsons letzten Produzenten The Alchemist und Party Supplies in allen Ehren – die ihm quasi auf den Leib geschnitten waren, wie keine anderen Beats zuvor. Man denke nur mal an die letztes Jahr veröffentlichten Tracks Bird On A Wire mit Riff Raff oder BBQ Brisket von Meyhem Laurens famosem Mixtape Respect the Fly Shit. Und das obwohl Action Bronson auf den jeweiligen Tracks nur jeweils Featurepartner und nicht die eigentliche Hauptperson sein sollte. Wie dieser Artikel war es also endlich überfällig, dass Harry Fraud und Action Bronson sich mal gemeinsam in ein Studio verkriechen, einen durchziehen und dann ein verdammt dopes Mixtape abliefern!

Ein Mixtape ist Saaab Stories jetzt zwar leider mit gerade einmal sieben Tracks leider nicht geworden, dafür markiert es trotzdem den bisherigen Höhepunkt des Schaffens der beiden. Weil alles vorgenommene funktioniert und Bronsolini sogar beweist, dass er auf einem eher „marktorientierten“ Beat, wie dem von Alligator, besser als die meisten anderen MCs ist. Bester Track der EP ist aber mit Abstand Seven Series Triplets mit Mobb Deeps Prodigy und Wu-Tang Clan Mitglied Raekwon. Zum einen wegen des göttlichen Samples, zum anderen, weil es endlich der Beweis ist, dass Bronsolini nicht nur die Zukunft gehört, sondern er sich auch durchaus mit alten Größen messen lassen kann. Wenn jetzt noch Detox erscheint, ist die HipHop Welt endlich wieder in Ordnung.

Review: Zeroh – Bred: A Dedication

Zeroh, Multitalent aus L.A., nimmt sich nach seinem im letzten Jahr erschienenen Tape mal wieder den Kochlöffel und zaubert etwas einmaliges. Mit einem Rezept, welches viel weniger Album, EP oder Mixtape, sondern eher – wie der Titel schon treffend beschreibt – Widmung ist. Nämlich eine Widmung für die Musikbewusstseinserweiterung. Dementsprechend schlägt das Werk auch beim ersten Hören auf den Magen. Aber gut bekömmlich soll dieses Gericht, zumindest beim ersten Geschmackstest, auch gar nicht sein. Schließlich ist Left-Field-HipHop das Stichwort. Zutaten sind unter anderem Extrakte aus der lyrischen Rafinesse eines Aesop Rock, gehackte Stückchen des Blu Flows, gewürzt mit der Verschrobenheit von Flying Lotus‚ Alter Ego Captain Murphy.

Während Zeroh zwar Küchenchef ist, greifen ihm aber illustere Gäste wie Brainfeeders Jeremiah Jae, Devonwho und der auf Stones Throw beheimatete Jonwayne unter die Arme und sorgen dafür, dass der Hauptgang sich auch wesentlich schöner anhört. Dennoch stimmt das Klischee, das zu viele Köche die Suppe versalzen in diesem Fall sicherlich nicht. Zeroh bleibt bei all dem Treiben Chefkoch, reitet über Pasta, spittet sich durch die gesamte Feinkostabteilung und gibt den Kochlöffel nicht aus der Hand. Dadurch wirkt Bred: A Dedication nicht wie ein unfertiger Brei, sondern besitzt zwar eine verworrene, aber ziemlich homogene Konsistenz, so dass der komplette Konsum – sobald denn ein Anfang gefunden wurde – nicht schwerfällt.

Das fertige Gericht ist selbstverständlich so bunt wie die Zutaten selbst: Gaumenspezialisten erkennen Elektonik-, Lofi-, Fusion- und Jazz Einflüsse und natürlich nicht zuletzt verrückte Samples. Alles kommt gleichzeitig auf den Teller, gleich darfst du von diesem obskuren Mal kosten und wackelst schnurstracks zurück zu deinem Platz. Endlich ist der Moment gekommen, es ist angerichtet, du kannst probieren – Geschmacksexplosion! Du verspeist das Album, als ob es kein Morgen mehr geben würde. Nach dem Mal sitzt du da, hast Bauchschmerzen und verlangst etwas irritiert und aufgedunsen nach der Rechnung. Doch Zeroh verlangt nicht mal Geld. Bred: A Dedication ist komplett kostenlos!

Was war das jetzt genau? Du bezahlst, gehst sofort ins Bett und schläfst. Am nächsten Tag wachst du mit nur einem Gedanken im Kopf auf: Dieses Essen musst du nochmal probieren. Und siehe da, das zweite Mal durchschaust du Bred: A Dedication! Du liebst alles an Zeroh, seinen unkonventionellen Flow, seine scharfe Zunge. Dein Musikbewusstsein wurde zwar auf sehr verwirrende, aber erfolgreiche Art erweitert – einfach kann ja jeder.

1. feigning sleep
2. Watching Me (Jon quotes Quelle)
3. Angelfootwork (4 Georgia Anne & Chicago)
4. clocks (Christoph El Truento)
5. Seeing Stars (w/ Half B. my brother)
6. dis joint (King Ohbliv)
7. Rich Soil (beats by Jae)
8. PORK OIL (from the Holy No.2)
9. yeast meets wests (Devonwho)
10. tricking in florence (Co.fee)

Zolin sagt: 8 von 10

Video der Woche: Flynt feat. Orelsan – Mon pote

Was soll man noch den frenetischen Worten der Blogosphäre hinzufügen, wenn es um das Video zu Mon Pote – deutsch für Kumpel – der französischen Rapper Flynt und Orelsan geht? Am besten stimmt man einfach in den Lobgesang ein, denn im Gegensatz zu dem Hype um ihre Landsmänner Daft Punk ist er dieses Mal gerechtfertigt. Das liegt zum einen an der grandiosen Idee, die beiden Rapper einfach in mehrere Filmklassiker einzubinden und zum anderen an der grandiosen Filmauswahl. Nur um mal einige der vielen zu nennen: Full Metal Jacket, Fight Club, Pulp Fiction und Clockwork Orange.

Viel mehr bleibt auch gar nicht über das Video zu sagen, zumal Zolins Französisch auch so eingerostet ist, dass er nicht viel zum Inhalt des Tracks sagen kann. Immerhin geht der Beat in Ordnung und Französisch ist doch immer ganz schön zu hören!