Schlagwort-Archiv: Folk

Review: Joanna Newsom – Divers

joanna newsom divers

Joanna Newsom – die Frau der vielen und großen Worte. Allein ihren grandiosen Song Emily des zweiten Albums Ys bestückte sie mit rund 850 Worten, was vermutlich der Länge dieses Reviews gleichkommen wird. Und wenn die aus Nevada stammende, begnadete Harfenistin nicht gerade dermaßen lange Songs schreibt, dann zumindest unzählige kurze, wie bei dem nachfolgenden, vor gut fünf Jahren erschienenen Triple-Album Have One On Me, das bei 18 Songs und einer stolzen Laufzeit von über zwei Stunden dennoch in keinem Moment an Pathos verliert. Viel zu rätselgebend ist die gewieft verklausulierte Lyrik, beinahe schon ans Absurde grenzend die inbrünstige Liebe zum Detail und unerschöpflich aufregend der Gebrauch von orchestralen Arrangements in völlig neuen Kontexten. Im Rampenlicht steht dabei jedoch stets eines der ältesten und traditionellsten Zupfinstrumente der Menschheitsgeschichte: die Harfe, mit der Newsom sowohl E- als auch U-Kultur charmant zu bezirzen weiß.

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Review: Julia Holter – Have You In My Wilderness

Julia Holter - Have You In My Wilderness

Von der Großstadt zur Wildnis ist es meistens ein weiter Weg. Mehrere Minuten, vielleicht sogar Stunden der Zugfahrt oder Wanderschaft, nur um an den Punkt zu gelangen, an dem man sich so alleine wie möglich fühlt. Julia Holter hingegen scheint den Weg dorthin mit nur einem Schritt zurückgelegt zu haben – ihr Transportmedium; bloße Introspektive. War Loud City Song noch von Verweisen auf geisteswissenschaftliche Motive durchsetzt, so erschließt sie vor allem textlich auf Have You In My Wilderness ein für den Zuhörer neues Terrain, nämlich ihr Innenleben.

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Review: Chelsea Wolfe – Abyss

Chelsea Wolfe - Abyss

Sie sieht aus wie die raffinierte, stilvolle Version einer Gothic Fürstin und macht hervorragende, genreübergreifende Musik; von avant-garde Folk, darkfolk, so etwa in Kooperation mit der ähnlich obskuren Gestalt King Dude, über Industrial, metallische sowie auch intimere Töne ist alles dabei, was Chelsea Wolfe gerne aufwendet, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Und wer nicht ohnehin schon in ihren Bann gefallen war, den hat sie spätestens mit dem Game of Thrones Trailer, bzw. eher dem imposanten Lied Feral Love, welches dort die Soundkulisse liefert, gekriegt. Das dazugehörige Album Pain is Beauty galt für einige schon als eine Art Höhepunkt in Wolfes Diskographie, doch nun will Abyss noch höher steigen, oder eher noch tiefer hinein in den Abgrund.

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Review: Touchy Mob – Let My Wild Boys Shine in the Boomers

Touchy Mob – Let My Wild Boys Shine in the Boomers

Ein kurzes, nicht zur Nachahmung oder akademischen Verwertung geeignetes Gedankenexperiment; man nehme einen faustgroßen Stein und werfe ihn zur Berliner Prime-Time, ob nun Montag mittags oder Samstags gegen 4 Uhr am Morgen, in eine nicht näher definierte Menschenmenge. Wie viele Musiker hat man wohl mit diesem einen beherzten Wurf verletzt oder dahingerafft? Drei? Vier? Und wie viel mehr Musiker würden an den Ort des Verbrechens eilen, um den dumpfen Aufprall des Wurfgeschosses aufzunehmen und diesen zu samplen? 30? Unter diesem musischen Mob wäre Ludwig Plath, a.k.a. Touchy Mob, wahrscheinlich der Einzige, der zumindest die (musikalische) Intimität dazu besäße, nach der Aufnahme die Verletzten händehaltend bis ins Krankenhaus zu begleiten und dort eine Ode für sie zu schreiben, sei es um ihrer Genesung oder der trauernden Angehörigen willen.

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Review: Binoculers – Adapted To Both Shade And Sun

Binoculers - Adapted To Both Shade And Sun

“…but the stars are the brightest where the water is black“. Eine schlichte Zeile, die sowohl die charmant-absurde Logik als auch die kosmisch-romantische bis düstere Szenerie und Bildsprache des neuen Albums Binoculers‘ auf den Punkt zu bringen vermag. Unter den anmutig gehauchten Zeilen der Sängerin Nadja Rüdebusch schreitet unterdessen ein stattliches Klavier, das zum Ende des Tracks in den entzückend hymnischen, scheinbar unendlichen Refrain versinkt. Auch der Albumtitel Adapted To Both Shade And Sun spielt mit jener Kontrastmetapher, die auf jeglicher ihrer zu interpretierenden Ebenen zum zentralen Thema des Albums wird. Nachdem das Hamburger Duo nämlich 2013 mit dem wundervollen, äußerst folklastigen Zweitlingswerk feststellen musste, There Is Not Enough Space in the Dark, scheinen sich die seit jeher beengten Binoculers aus dem lauschigen Schatten des Kammerfolks heraus ins Licht, vielmehr ins Rampenlicht, gewagt zu haben – denn bühnenreif ist ihre neue Scheibe allemal.

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