Schlagwort-Archiv: Experimental

Review: Oneohtrix Point Never – Garden Of Delete

CD Booklet OPN GOD - images embeded

Hektik, Überforderung oder gar Resignation gegenüber ihrem Werk sind nun wirklich nicht die Reaktionen, die Musikern den Tag versüßen dürften; wie passend also, dass sich Daniel Lopatin a.k.a. Oneohtrix Point Never als „Nicht-Musiker, der Musik macht“ versteht und sich aus dieser Zwangsbeziehung zu bugsieren weiß. Wäre es also angebrachter, ihn aufgrund seines offensichtlichen elektronischen Schwerpunktes als bloßen Produzenten abzustempeln? Eventuell nicht angebrachter, sondern nur leichter – und zwar auch nur so lange, bis sein neustes Werk, Garden of Delete, die nächste Wortfindungsstörung auslöst. Bar jeglicher Möglichkeiten, Garden of Delete als etwas anderes als die logische, weiterhin MIDI-lastige Weiterführung von R plus Seven zu beschreiben, ist das Album-Artwork zu Beginn das eventuell greifbarste Mittel, um es im Ansatz zu erläutern; ein Totempfahl-ähnliches, stringentes Konstrukt aus weißen Strichen, das den tiefschwarzen Hintergrund durchbricht.

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Review: Deerhunter – Fading Frontier

Deerhunter - Fading Frontier

Die Faustregel des Jägers, dass ein verwundetes Tier ein gefährliches Tier ist, scheint auch für den Jäger selbst zu gelten. Vor allem nach dem schweren Autounfall Bradford Coxs und dem darauf folgenden mehrmonatigen Krankenhausaufenthalt, aber auch nach der vergleichsweise nervenaufreibend verzerrten Kakophonie auf Monomania hätte man von Deerhunter erwarten können, dass das Folgewerk der Psych-Pop-Formation verstärkt die Abgründe des Noise-Rock im Scheinwerferlicht ihres immer wieder bewiesenen, genialen Songwritings erkunden würde. Doch stattdessen legt die Truppe um Cox a.k.a. Atlas Sound, Moses Archuleta, Lockett Pundt a.k.a. Lotus Plaza, Josh McKay und Frankie Broyles einen (un-)erwarteten linken Haken vor – Fading Frontier zeigt den brachialen Pop Chop, den sie bisher unterschwellig hinter Noise, Shoegaze oder punkigen Ausfällen versteckt hielten, mehr denn je.

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Review: Deafheaven – New Bermuda

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Zwei Jahre ist es her, da beförderten sich Deafheaven, die angesagteste Post-Black Metal Band aus San Francisco, rasant an die Spitze ihres raffinierten Schwarzmetall Subgenres, zumindest nach ganz herrschender Meinung. Dem rebellischen Zolin hingegen fiel es schwer, der Hypewelle um ihr groß angelegtes Album Sunbather ganz unkritisch zu folgen. Ohne dem aufwendigen Werk seine durchaus stark vorhandenen Qualitäten absprechen zu wollen, war es doch nicht nur der Höhepunkt des Post-Black Metal, sondern auch ein Ausdruck von Stillstand in diesem Genre, welches nicht mehr so richtig weiß, was denn nach dem „Post-Post- Black Metal“ kommen könnte. Womöglich hält ja Deafheavens brandaktuelles Werk New Bermuda eine Antwort parat.

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Review: Battles – La Di Da Di

Battles - La Di Da Di

Die Artworks der beiden Alben ähneln sich in ihrer knalligen Farbenfreude, die Freak-Formation dahinter hat in der Zwischenzeit keine weiteren Verluste erlitten – eigentlich versprach und verspricht zunächst vieles an La Di Da Di, dass die Mathrock-Pioniere Battles mit ihrem dritten Studioalbum einen würdigen Nachfolger für das Spektakel bieten, als das sich Gloss Drop mit der Zeit herausstellte. Vielleicht versprach auch die bisherige Geschichte der Band Großes, schließlich hatten sie nach dem Abschied von ihrem Sänger ihr Konstrukt aus kariesfördernd süßen Melodien und brachialer Percussion dermaßen feinfühlig mit Samples und anderen Soundspielereien verfeinert, dass sie ohne ein Stimmorgan an Überzeugungskraft kaum einbüßten. Doch ist die Ableitung irreführend und das Unmögliche eingetreten. La Di Da Di bringt das menschliche Gehirn entgegen aller Erwartungen nicht dazu, einen Kurzschluss zu erleiden und Regenbögen kotzend durch das Stereofeld zu fliegen – ganz im Gegenteil, es wird beinahe unterfordert.

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Video-Premiere: Tellavision – Unimperative

Ach Tellavision, oh mächtige Television! Über die Jahre hinweg hat sich die Gute zum wahrscheinlich besten Geheimtipp der hiesigen Musikszene entwickelt. Ganz im Geiste von Frauen wie Fever Ray, Björk oder Kate Bush unternahm sie auf jedem ihrer bisherigen Alben eine Genrewanderung zwischen Folk, Pop und sogar Sprechgesang. Ihr letztes Album Funnel Walk produzierte sie mit Tobias Levin, der zuvor Alben von Bands wie Tocotronic oder Kante aufgenommen hatte.

Ihr neues Album The Third Eye (VÖ 23.10.2015) hingegen nahm sie wieder dem Ethos des DIY entsprechend während eines längeren Aufenthalts in den USA im berüchtigten Bostoner Whitehaus allein auf. Die erste Auskopplung von The Third Eye ist Unimperative, ein impulsiver Song, getragen von einem Bass-Loop und gespickt mit wundersamen, selbstverständlich analogen, Synthesizerklängen. Das dazu passende Video fertigte Marq Lativ im originalgetreuen 4:3 Format an. Es feiert nun exklusiv auf Zolin sagt Premiere.

Upcoming Tourdates:
26.10.15 GER- Berlin, Urban Spree w/ Hildegard von Binge Drinking & Golden Diskó Ship
29.10.15 GER- Hamburg, Golden Pudel w/ Monsterheart