Schlagwort-Archiv: Elektronic

Review: Aphex Twin – Syro

Aphex Twin - Syro

Wenn Daft Punk den Maschinen das Tanzen beibrachten, so war es Richard D. James, der ihnen das Denken lehrte. Zugleich Sonderling und Wunderkind der elektronischen Musik, programmierte er die ersten Tracks seines Debuts Selected Ambient Works 85-92 im Alter von 14 Jahren. Seitdem nimmt er bis heute einen unanfechtbaren Sonderstatus unter den Pionieren des Genres ein, welcher auch während der 13-jährigen Pause seit dem letzten Release unter seinem bekanntesten Alias zu keiner Zeit in Frage gestellt wurde. Sicherlich werden sich währenddessen einige gefragt haben, ob er nicht in der Zwischenzeit Aphex Twin mit Drukqs zu den Akten gelegt habe – bis zu dem Tag, als ein mit seinem Siegel versehener Zeppelin über London erschien, als sei James abermals von einer Expedition zu unerforschten Welten in der Maschine zurückgekehrt. In einer Zeit, in der so viele elektronische Künstler wie Sterne am sichtbaren Nachthimmel existieren, war er das Zeichen dafür, dass das Urgestein aus den Tiefen des Weltalls mit seinen außerirdischen Sounds wieder in die Erdumlaufbahn kommen würde.

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Review: The Bug – Angels & Devils

The Bug - Angels & Devils

Kevin Martin alias The Bug floh Anfang der 90er Jahre vor der Monokultur seiner 52.000-Einwohner-Heimatstadt Weymouth in die Hauptstadt London. Er folgte dem Ruf von Post-Punk, Dub und Industrial, der ihn im örtlichen Plattenladen den Weg aus der geistigen Enge der Provinz wies und ihn dazu inspirierte, selber Musik zu machen, die alles sein sollte, nur nicht konventionell oder harmonisch. Martin schöpfte aus dem brodelnden Hexenkessel des Londoner Undergrounds und begann, seinen eigenen Sud zu brauen. Im Laufe seiner seit dieser Zeit ununterbrochen anhaltenden produktiven Phase kollaborierte er mit den unterschiedlichsten musikalischen Grenzgängern wie dem Jazz-Innovator John Zorn, Electro-Punk Alec Empire und immer wieder mit der Grindcore-Legende Justin Broadrick, der in den 80ern Mitglied von Napalm Death und Gründungsmitglied von Godflesh war. The Bug allerdings, obwohl ursprünglich aus einer Zusammenarbeit von Martin und DJ Vadim geboren, sollte über die Jahre das bleiben, was man wohl am ehesten als sein Soloprojekt bezeichnen könnte.

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Video der Woche: Arca – Thievery

Arca geht ja momentan ziemlich durch die Decke. Das könnte womöglich daran liegen, dass der Gute mit den (Teil-)Produktionen von Kanye Wests letztem Streich Yeezus und FKA Twigs Debüt LP1 ganz gute Arbeit geleistet hat. Nun ist auch noch durchgesickert, dass er wohl das kommende Björk Album in Gänze produzieren und sich damit wohl endgültig einen Namen gemacht haben wird. Weniger bekannt als seine Produktionsarbeiten, aber mindestens auf dem gleichen Level – falls teilweise nicht sogar besser – sind seine Eigenkreationen, wie sein letztes Mixtape mit dem sperrigen Titel &&&&&. Hier produzierte er gemeinsam mit dem Regisseur Jesse Kanda bereits eine Reihe von Videos im Rahmen einer visuellen Installation namens Trauma. Der Name ist angesichts der verstörenden 3D-Animationen von beispielsweise Babys sehr passend, stellt die Musik aber auch perfekt dar. Für Thievery, dem ersten Video seines nun erscheinenden Albums Xen hat sich Arca erneut mit Jesse Kanda zusammengeschlossen. Das erste gemeinsame Video ist konsequenterweise nicht so traumatisch wie die vorangegangene Installation, nutzt aber dennoch eine ähnliche 3D-Visualisierung.

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Review: Caribou – Our Love

Caribou - Our Love

Wie viel Mathematik steckt wohl in der Mache eines guten Popsongs? Ein Gedanke, der das Hexenwerk musikalischer Ästhetik keinesfalls herabwürdigen, eher in irgendeiner Weise nachvollziehen möchte. Schon seit Pythagoras wissen wir schließlich, dass sich Töne durch Zahlen und Klänge durch gewisse Zahlenverhältnisse beschreiben lassen. Als harmonisch empfindet unser Ohr diejenigen Frequenzen, deren Verhältnis durch den goldenen Schnitt – eine mathematische Zahl – definiert wird. Somit lassen sich zumindest Aufbau und Euphonie der Akkorde, Rhythmen und Melodien systemisch darlegen und beurteilen. Soweit so gut. Oder auch nicht gut, denn läuft dieses pseudointellektuelle Gefasel letztendlich auf die Annahme hinaus, dass Mathematiker DIE Popstars on earth sein müssten und das ist natürlich völliger Käse. Wo würden wir nur enden, wenn sich Teenies schmierige Wissenschaftler an ihre Wände kleistern würden?

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Review: Seekae – The Worry

Seekae - The Worry

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold – dieses Motto trifft allzu oft auf die Musik zu. Tracks, die dem Zuhörer ihren visionären Kern allein durch die Wechselspiele der Klänge vermitteln können, schmiegen sich auf eine andere, intuitivere Art und Weise an die Vorstellungskraft als welche mit Texten. Dies ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Seekae -der Band um John Hassell, Alex Cameron und George Nicholas- schon ein Begriff. Schließlich erschufen sie mit ihrem 2008’er Erstling The Sound of Trees Falling on People sowie der Nachhut +Dome, die drei Jahre später erschien, zwei Werke, die einen sich schon damals andeutenden Nerv für Beat-Konstrukte mit Geist und Groove gut trafen.

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