Schlagwort-Archiv: Elektronic

Review: Flying Lotus – You’re Dead!

Flying Lotus - You're Dead

„Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen.“, lautet ein bekanntes Bonmot von Deutschlands beliebtestem Kettenraucher Helmut Schmidt, „…oder anfangen Beats zu machen!“, möchte man im Hinblick auf Flying Lotus hinzufügen. Mindestens seit seinem Album Los Angeles von 2008 beeinflusst er alles und jeden von Hongkong bis Hamburg, was einen Laptop und eine Drummachine besitzt und sich „Producer“ schimpft. Ob Flume, der FlyLos verstolperte Beats und ungerade Rhythmen in den Mainstream schmuggelt, Gaslamp Killer, welcher dessen Psychedelik eine gehörige Portion Wahnsinn beimischt oder jeder beliebige Heimproduzent mit Soundcloud-Profil: Alle gingen sie bei ihm auf die eine oder andere Weise in die Lehre. Dennoch ist er ihnen allen stets drei Schritte vorraus. Denn jedem seiner Alben liegt eine der angesprochenen Visionen zugrunde, sei es die instrumentale Beschreibung seiner Heimatstadt auf Los Angeles, die Entschlüsselung der „Grammatik des Kosmos“ auf Cosmogramma oder der Umsetzung eines Tagtraums auf Until The Quiet Comes. Seine oft skizzenhaften Produktionen sind nie Selbstzweck, sondern fügen sich stets in ein übergeordnetes Konzept ein.

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Zolin Sagt 022: Moglebaum – 14.11.2014

Podcast-022

Die überall verteilten Aufkleber gehören längst zum Düsseldorfer Stadtbild. Doch was hat es mit Moglebaum eigentlich auf sich? Dahinter steckt das bis zu siebenköpfige Kollektiv um Hauptkonstante Simon Ebener-Holscher. Gemeinsam erzeugen sie live wundersame Electronica Wände, die so flauschig wirken, dass man sich am liebsten in sie hineinlegen würde. Vergleiche mit Bonobo, Sun Glitters oder Arms & Sleepers braucht man bei einer so hohen Qualität also gar nicht zu fürchten. Für Zolin hat Beatbastler Simon nun einen exklusiven Mix zusammengestellt, der gleichzeitig auch als Werkschau ihrer bisherigen Veröffentlichungen dient und natürlich ein paar Fragen beantwortet.

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Review-Runde: Tinashe, Tosca, Jessie Ware, T.I.

20

Siehe mal da, die Review-Runde wird langsam alt und ist schon längst kein kleines Ründchen mehr. Die diesmalige Ausgabe ist mittlerweile schon die 20ste. Ob die Themen dadurch reifer werden, ist zwar sicherlich Ansichtssache, aber auf dem Papier sieht es schon mal ganz danach aus: So wären da beispielsweise die neuen Alben der beiden Soul-Damen Tinashe und Jessie Ware, die besonders Connaisseuren des Genres zu empfehlen sind. Weiterhin veröffentlichen Tosca nach dem recht dunklen Odeon aus dem letzten Jahr ein reines Pop-Album. T.I. dagegen versucht einmal mehr der Rolle als King des Dirty South gerecht zu werden und hat sich dafür die Hilfe von Pharrell Williams geholt.

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Heißer Scheiß: Billion One

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„SamplEmotionalStep“ nennt sich das Wortamalgam, das einem der Pressetext hinwirft, um für den Sound von Billion One eine Schublade zu erschaffen. Dabei hat er eine solche gar nicht nötig, und wollte man unbedingt eine finden, so müsste man sie, um bei Kraftwerk zu bleiben, „Morgenspaziergangsmusik“ nennen. Das Szenario ist bekannt: Der von der Nacht und ihrem Trubel gezeichnete Heimkehrer ist erschöpft, fußmüde und noch ziemlich zugedröhnt, aber auch ziemlich glücklich und gibt sich ganz dem sanften Gewaber im Innern seines strapazierten Gehirns hin. Der Elektroniker und Beatbastler aus Oldenburg fängt mit seinen Klängen jenes spezifische introspektive Gefühl, das sich am ehesten während eines Sonnenaufgangs um halb 6 Uhr Sonntagmorgens einstellt, gekonnt ein. Die anfangs erwähnten Emotionen schlagen sich in den Tracks von Sven Strohschnieder, so der bürgerliche Name des Produzenten aus Oldenburg, in einer Weise nieder, die sich der Melancholie annähert, ohne jedoch in die latent drohende Wehleidigkeit etwa eines James Blake abzudriften. Anstatt dass der Nachtschwärmer darüber grübelt, wie er das Mädchen schon wieder nicht geküsst hat, genießt er den Sonnenaufgang an sich und die Wärme, die er bringt. Eine Wärme, die auch Billion Ones Produktionen jederzeit umgibt.

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Review: Thom Yorke – Tomorrow’s Modern Boxes

Thom Yorke - Tomorrow's Modern Boxes

„Oh why hast thou forsaken us?“, fragt die fragile Falsetto-Stimme Thom Yorks in den ersten Sequenzen seines neuen Albums, und passender könnte die Frage nicht lauten. Seines Zeichens Mitglied in der experimentellen Kult-Rockband Radiohead, scheint sich der Sänger und Songwriter von seiner Vergangenheit als blondierter Frontmann mit Gitarre vor der Brust verabschiedet zu haben. Während er in diversen Interviews sowohl sein wachsendes Desinteresse am Saiteninstrument als auch seine Faszination gegenüber elektronischer Musik bekundet hat, war der Einfluss dieses Wandels vor allem in seinen letzten Veröffentlichungen stets spürbar; während Radiohead im Jahre 2011 mit The King of Limbs ihr statischstes und synthetischstes Album seit ihrem modernen Klassiker Kid A vorlegten, klang vor allem Atoms for Peaces AMOK nicht mehr nach einer Liveband mit Computern, sondern einer Band aus Computern. Gerade der Sound auf diesem Album, der durch seine robotisch minuziösen Klangbilder mit dunkler Atmosphäre bestach, ist im Nachhinein ein mehr als deutlicher Fingerzeig auf den Weg gewesen, den Thom Yorke nun mit Tomorrow’s Modern Boxes bestreiten will.

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