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Review: RL Grime – Void

RL Grime – Void

Henry Steinway – der Richard Strauss des 21. Jahrhunderts? Gewagt, mögen einige einwenden, doch Steinway aka RL Grime fände mit seinem Debut Void sicherlich auch ein begeistertes Publikum bei den Primaten aus der berühmten Eingangsszene aus 2001, welche zu den Klängen von StraussAlso sprach Zarathustra den Oberschenkelknochen als Waffe für sich entdecken. Denn was ist Trap anderes als Musik für’s Stammhirn? RL Grime verwandelt seit dem Beginn seines Feldzugs über die Kontinente und durch die Untiefen des EDM jeden mit Hipstern bestückten Club und jedes Festivalzelt in eine archaische Versammlung einer Meute ellenbogentanzender, pöbelnder, feiernder Höhlenmenschen. Dabei wohnt seinen Tracks seit jeher in den besten Momenten ein Scheibchen der Strausschen apokalyptischen Wucht inne. Kann er dieses Niveau auf seinem lange erwarteten Debut auf Albumlänge liefern?

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Review: Robots Don’t Sleep – Mirror

robots dont sleep

Mit allerart gepfefferten Titulierungen wie „Berlins hottest beatmaker“ oder gar „One of Europe‘s finest producers of the beat generation“, wie ihn Low End Theory zu etikettieren wagte, darf sich der Beatproduzent Robert Koch inzwischen genüsslich das Ego kraulen. Denn schon seit Jahren gilt er unter dem technoiden Künstlernamen Robot Koch als einer der ambitioniertesten und hochgradig experimentellen Produzenten hierzulande; aber auch den internationalen Messlatten gibt er sich längst gewachsen. Begonnen hatte der gebürtige Kassler 2002, indem er erste Berliner Szenenkreise mit seiner Band Jahcoozi aufzumischen wusste, wurde zunehmend solo aktiv und stand zudem schließlich hinter den Reglern von K.I.Z, Marteria bzw. Marsimoto und Konsorten. Wer nun meint, Robot Koch würde sich ab da an auf die faule Haut legen und auf seinen bisherigen Erträgen ausruhen, der hat sich gewaltig geschnitten. Denn demonstrativ tut sein aktuelles Projekt kund, was Sache ist: Robots Don’t Sleep.

Aber vielleicht dösen sie mal? Eigentlich wurde das Debüt dieses Projektes nämlich schon für das vergangene Jahr angekündigt, doch verschwanden Robots Don’t Sleep dann kurzzeitig von der Bildfläche, sodass die allgemein in Fahrt gekommene Vorfreude allmählich wieder ausgebremst werden musste. Doch keine Sorge, Alleskönner Robot Koch wäre nicht Robot Koch, wenn er nicht auch diese Baustelle mit Bravour meistern würde und so erscheint das Debüt Mirror eben mit kleiner Verzögerung endlich diese Woche. Die erloschene Vorfreude darf sich also wieder getrost anbahnen, denn eines sei vorab gesagt, dieses kleine, überraschend kommerzielle Pop-Oeuvre weiß auf kurz oder lang jeden um den Finger zu wickeln. Es scheint auf den seltenen Knotenpunkt zwischen jener subtilen, elektronischen Ästhetik, wie man sie von Robot Koch bislang gewohnt war und eben der konventionellen, massenkompatiblen Pop Affinität der heutigen Zeit gestoßen zu sein und lässt das, was immer scharf voneinander getrennt wird, nun Hand in Hand miteinander versöhnen.

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Review-Runde: Isaiah Rashad, Katy B, Planningtorock, Angel Olsen

Verschiedener könnten die dieswöchigen Alben der Review-Runde gar nicht sein: Da wäre beispielsweise das Debüt des neuen TDE Schützlings Isaiah Rashad, Katy Bs Erfolgsalbum Little Red, Planningtorocks erstes Album auf ihrem eigenen, neu gegründeten Label und schließlich Angel Olsens psychotischer Traum in Albumform, Burn Your Fire For No Witness. Abwechslung ist also garantiert. Qualität bei diesen Namen sowieso. Oder?

Isaiah Rashad – Cilvia Demo

Isaiah Rashad heißt also das neue Talent bei Top Dawg Entertainment. Und anstatt dass er Zeit und Raum bekommt, ist er derjenige, der als Erster nach Kendrick Lamars Überalbum good kid, m.A.A.d city sein Album auf dem Label veröffentlichen darf. Wobei Album gar nicht die richtige Bezeichnung zu sein scheint. Onkel Wikipedia spricht beispielsweise von einer EP, andere Internetmedien gar von einem Mixtape. EP wird wohl bei der Laufzeit von knapp 50 Minuten ein bisschen zu tief gestapelt sein, und auch die Bezeichnung Mixtape wird dem Ganzen nicht gerecht. Außerdem kann man Cilvia Demo, so der Name des Werks, ausschließlich gegen Bezahlung erwerben, was ja einem Grundprinzip des Mixtapes widerstrebt. Aber abseits der ganzen Formats-Problematik – die ja praktisch keine ist – lässt sich festhalten, dass auch Isaiah Rashad seinen Job verdammt gut macht. Ein Flow zwischen André 3000 und Kendrick Lamar auf eher entspannten Based-Beats und in den besten Momenten, wie auf Heavenly Father, nach Outkast klingend. Das perfekte Album/EP/Mixtape für einen entspannten Tag und für sein Debüt auf TDE schon erstaunlich ausgecheckt. Gute Voraussetzungen also, dass sein erstes (richtiges) Debüt qualitativ wieder neue Maßstäbe setzt. Aber darunter scheint’s bei TDE ja momentan eh niemand mehr zu machen.

Zolin sagt: 8 von 10

Katy B – Little Red

Beim Blick auf die momentanen UK Top 40 der Alben fällt ein Name direkt ins Auge: Katy B. Klar, die Gute führt ja auch die Liste an. Trotzdem ist sie den meisten in Deutschland kein Begriff. Eigentlich schade, denn ihr 2011 veröffentlichtes Debüt On A Mission brachte etwas frischen Wind in das von Alex Clare, Linkin Park und Konsorten zerpflügte Feld des Pop-Dubsteps. Ein Grund dafür war wahrscheinlich, dass es sich bei Katy B nicht um ein gecastetes Gesangstalent handelt, sondern sie sich zunächst in der britischen Elektronik Szene unter anderem mit allerlei Gastbeiträgen einen Namen machte. Nun veröffentlicht sie also ihr zweites Album Little Red und erntet den Erfolg, zumindest auf der Insel. Den Erfolg hat sie aber glücklicherweise nicht gegen ihre Qualität eingetauscht, denn auch Little Red ist wieder ein fantastisches Pop-Album geworden. Gerade die Tracks mit den SBTRKT-Kollaboratoren Jessie Ware und Sampha stechen hervor. Aaliyah mit besagter Jessie Ware als textlich sehr durchdachte Uptempo-Reminiszenz an die RnB Ikone und Play als durch und durch verspielter Track, der besonders von den beiden einzigartigen Stimmen Katy Bs und Samphas lebt. So hat Pop im Jahr 2014 klingen.

Zolin sagt: 7 von 10

Planningtorock – All Love’s Legal

Als Misogyny Drop Dead im letzten Jahr erschien, schieden sich an diesem Track, noch mehr als am allgemeinen Œuvre Planningtorocks, die Geister. Für die einen eine unwiderstehliche Tanznummer im Stile einer sehr experimentellen Version eines Deep House-Tracks auf einem DFA-Basslauf, für die anderen nichts anderes als ein arhythmisches krächzen auf einem langweiligen Disco-Beat. Aber das ist selbstverständlich alles kalkuliert, The Knife suchen sich schließlich nicht beliebig ihre Kollaborateure aus. Selbstverständlich trifft dies auch auf Planningtorocks neusten Streich All Love’s Legal zu. Einmal mehr ist hier die Gender-Problematik im Zentrum angesiedelt. Diese wird aber nicht wie beispielsweise bei The Knifes letzten Album mittels Aggressivität übermittelt, sondern bleibt eigentlich immer relativ soulig, mit kleinen elektronischen Einschlägen. Dadurch ist All Love’s Legal letzlich doch nicht so verkopft wie man meinen könnte. Nun gibt es also nichts mehr, das noch davon abhalten könnte, den weisen Worten Planningtorocks zu lauschen. Oder zu tanzen. Oder einfach beides gleichzeitig.

Zolin sagt: 7 von 10

Angel Olsen – Burn Your Fire For No Witness

Angel Olsen begann ihre Karriere als Musikerin mit lo-fi Folk, der oft an die Atmosphäre erinnerte, die Groupers Musik heraufbeschwört. Oft war es nur Sie, ihre Gitarre und ihre Stimme mit reverb-Effekten, doch Burn Your Fire For No Witness ist ihr erstes Album mit einer vollen Band. Der Sound ist insgesamt rockiger geworden, die Single Hi-Five ist ein Stück schwungvoller, mit Country-Einflüssen durchzogener Rocker, den man von so einer zaghaften Stimme vielleicht nicht erwartet. Leider sind die rockigen Songs im Stil des Psych-Pop der späten sechziger Jahre doch die größte Schwäche der Platte, denn sie wirken deplatziert neben den oft wunderbar fragil und einsam wirkenden Folk-Pop-Songs wie White Fire, das mit seinem dronigen Gitarrenriff und geflüsterten Vocals den Hörer in einen sieben-minütigen Trancezustand treiben kann. Zu oft wirkt das Album jedoch wie ein Kombination aus zwei Eps, die gerne auch von zwei völlig verschiedenen Künstlern stammen könnten. Allerdings steht ihr es besser, wenn die Instrumentierung etwas herunterfährt und Platz für ihre intimen Momente lässt, anstatt sie im Sumpf der 60er-Revival Bands versinken zu lassen, wie es auf Burn Your Fire For No Witness leider etwas zu oft geschieht.

Zolin sagt: 6 von 10

Review: Lee Bannon – Alternate/Endings

EDM hat in den letzten Jahren stark an Popularität gewonnen und befindet sich nach wie vor auf dem Weg nach oben auf der Beliebheitsskala nahezu jeder Hörerschaft, ob nun eher in den Top 40-Charts oder im Underground angesiedelt. Fast in jedem Feld der Musik ist mittlerweile ein kleiner Einfluss tanzbarer elektronischer Beats zu hören, und gerade im letzten Jahr ritten Alben wie Disclosure’s Settle und vor allem Daft Punk’s Riesenerfolg Random Access Memories eine nahezu beängstigend große Welle des Erfolges, so dass es nur wahrscheinlich scheint, dass dieser Trend in allzu naher Zeit nicht abreißen wird. Warum auch, denn selbst Rapper wie Drake zeigen, dass subtil und minimal arrangierte elektronische Soundflächen auch ein maximales Ergebnis erzeugen können. Doch trotz dieses Trends bleibt es einigen Genres verwehrt, den großen Durchbruch zu schaffen und Mainstream-Hörern den Kopf zu verdrehen. Zu diesen gehört Drum and Bass. Hier mag es wohl an der Unzugänglichkeit der oft harten, komplexen und unberechenbaren Beats liegen, dass ein größeres Publikum fernbleibt und nur Szene-Hörer ihren Spaß daran haben, doch vielleicht ändert sich auch dies bald. Schließlich präsentierte Future Garage-Pionier Burial auf seiner Ende des letzten Jahres erschienenen Rival Dealer-EP seine eigene Vision von Drum and Bass und seinen Möglichkeiten. Zumindest auf dem ersten Track.

So ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, wenn mehr Musiker versuchen, ihre eigenen Ideen mit bereits vorhandenen Genre-Grenzen zu vermischen und damit etwas komplett Neues zu schaffen. Einer dieser Musiker ist Lee Bannon, seines Zeichens Beat-Produzent, unter anderem für die New Yorker Pro.Era-Crew um Joey Bada$$. Unbekannt ist Bannon also nicht, verwunderlicher erscheint da eher sein Ansatz für sein neues Album Alternate/Endings. Bisher war seine Musik nämlich meistens von der Vergangenheit geprägt, von der „goldenen Zeit“ des Hip Hops der 90er Jahre. Dieses Solowerk greift auch in die Vergangenheit, versucht jedoch an anderen Genres (Drum and Bass), auf eine andere Art und Weise. Alternate/Endings klingt nämlich wie eine Verbindung aus alten Genre-Konventionen und den aktuellen Trends der elektronischen Musik. Dies wird schon auf dem ersten Song der Platte klar deutlich. Resorectah beginnt wie ein klassischer DnB-Track, mit verwinkelten, nervösen Beats, einer unfreundlichen Atmosphäre und doch wird beim Hörer die Lust zum tanzen oder zumindest zum Kopf nicken geweckt. Dass der Song mittendrin allerdings eine gewaltige Ambient-Schlagseite erfährt mag unerwartet kommen, ist jedoch ein im Laufe des Albums oft wiederkehrendes und immer effektives Stilmittel, das niemals die Atmosphäre zerstört, sondern sie um Welten erweitert.

You see the maddening complexy of the endless string of numbers“ ist ein Zitat, welches das Genre Drum and Bass gut zusammenfasst und im Outro des ersten Tracks gesamplet wurde. Doch wie schon erwähnt, sind komplexe Beats, die das Gehirn in einen Notzustand versetzen, nur eine Seite der Münze. Stücke wie Shoot Out the Stars and Win variieren gekonnt zwischen ratterndem Geklacker und Ambient-Synths, die mal wie ein startender Flugzeugmotor, mal wie ein Blick in die Sterne außerhalb der Stadt klingen. Phoebe Cats erinnert oft an das underground-theme eines Capcom SNES-Games, während das fast zehnminütige Readly/Available, eines der Highlights der Platte, Gedanken an den Blick in einen leeren Aufzugschacht hervorkommen lässt, während in einem der unteren Stockwerke die letzten Momente einer intensiven und langen Party zu hören sind.

Alternate/Endings erinnert in seinen besten Momenten an die Anfangszeiten von Burial, als sein Sound noch weitaus rauer und dancefloor-tauglicher war. Doch das ist der größte Vorwurf, den man dem Album neben der möglicherweise etwas anstrengenden Laufzeit von knapp über einer Stunde bei weitem machen kann. Bannon verbindet gekonnt Tanzbarkeit mit den ruhigen Momenten der Future Garage-Szene und schafft somit eine Platte, die entspannt die dünne Linie zwischen Retro und Zukunft entlangspaziert und sich sicher ist, dass eine Kombination der beiden die beste Lösung ist. Alternate/Endings sei somit allen ans Herz gelegt, die ein Herz für elektronische Musik und ihre Geschichte sowie ihre hell strahlende Zukunft haben.

1. Resorectah
2. NW/WB
3. Prime/Decent
4. Shoot Out The Stars And Win
5. Bent/Sequence
6. Phoebe Cates
7. 216
8. Perfect/Division
9. Value 10
10. Cold/Melt
11. Readly/Available
12. Eternal/Attack

Zolin sagt: 8 von 10

Review: Burial – Rival Dealer EP

Der seltsame Fall des William Bevan setzt seinen undurchschaubaren Lauf fort. Als eines der bekanntesten und begehrtesten Phantome der heutigen elektronischen Musik kursierten im Laufe der Jahre immer wieder skurrile Gerüchte und Mythen um seine Identität: 2013 toppte ein Satire-Magazin mit der „bewiesenen“ These, es handele sich bei der Person hinter Burial um Kieran Hebden aka Four Tet. Die Geheimhaltung kommt dem britischen Produzenten der „alten Schule“ rund um das Dubstep-Geschehen ab 2005 in Bezug auf Nachfrage definitiv zugute, zumal sich sein Alleinstellungsmerkmal in der Musik parallel dazu auch nicht zu verflüssigen scheint. Obwohl der Volksmund ihm mit Klassifizierungen wie 2-Step, Future Garage oder Dubstep gerecht zu werden versucht, will keines der Genres letztlich so recht den einzigartigen, dunklen, atmosphärisch-melancholischen Signatur-Sound des Vorzeigetalents von Hyperdub Records definieren.

Dickflüssig verschwimmende Wände aus weinerlichen Akkorden, stimmungsvoll eingebundene R’n’B-Vocal Samples, subtile, nach UK Clubsound klingende Skip & Swing Drums und ein ewig scheinendes Raumgefühl, das mit jeder Menge Melancholie vervollständigt wird. So oder so ähnlich lässt sich Burial gezwungenermaßen subsumieren, jedenfalls wenn man den Rückblick über seine von vielen Die-Hards fast schon vergötterte Diskografie schweifen lässt: Das selbstbetitelte erste Album überraschte EDM- und UK Bass Music-Fans allerorts und ließ unzählige dürstend nach mehr schreien. Ein Jahr später legte Burial mit Untrue einen wegweisenden modernen Klassiker nach, der endgültig die unsagbaren Ambitionen des Phantoms bestätigte. Was dann folgte, war quälende Stille. Vier lange Jahre ließ William Bevan Fans und Kritiker hungern, abgesehen von Remix-Arbeiten oder der nicht zu verachtenden Kollaborations-EP Moth / Wolf Club mit Four Tet. 2011 brach er das Schweigen und begann seine momentane Release-Tradition mit mehreren EPs über die letzten drei Jahre.

Der Kern blieb, jedoch tendierten die wenigen Stücke zu progressiverer Ausarbeitung über epische Längen von bis zu 13 Minuten. So auch bei Bevans aktuellstem Werk: Rival Dealer.Vorab ließ William Bevan der BBC-Moderatorin Mary Anne Hobbs eine Nachricht zukommen, die den Kontext und Hintergrund von Rival Dealer erklären sollte: „I wanted the tunes to be anti-bullying tunes that could maybe help someone to believe in themselves, to not be afraid, and to not give up, and to know that someone out there cares and is looking out for them.“ Dass gerade Burials triste, romantisch-weinerliche 2-Step Balladen Mobbingopfern über Selbstzweifel hinweghelfen sollen, weckt im ersten Moment eher Skepsis. Doch es hat sich etwas in der Produktion und Konzeption von Rival Dealer getan, über das man nicht hinweghören kann, vor allem dann nicht, wenn man bereits mit vorigen Werken warm geworden ist.

Der Titeltrack Rival Dealer steigt vorerst typisch ein, hallende Geräusche, die an gedimmte, einsame Londoner U-Bahnschächte erinnern, das vertraute Knistern, sirenenhafte Hintergrundstimmen. Dann ein emporsteigender Raum mit einer geradezu brennenden Synth-Bassline, umschwirrt von Echostimmen eines Vocal Samples, das immer wieder bewusst in leichte Dissonanz verfällt, was den ersten Minuten bedrohlichen Charakter verleiht. Plötzlich der erste markante Umbruch: Klare, ungewohnt lineare Drums, die an UK Jungle oder Drum’n’Bass erinnern. Hintergründig bäumen sich indes immer wieder hell röhrende, dabei harmonische Maschinenklänge auf. Zwischendurch blitzen hier und da Spoken Word-Samples auf. Nach überrumpelnden und ungewöhnlich fordernden zehn Minuten folgt in klassischer Burial-Manier ein Ambient-Ausstieg und der Track hievt sich unter weiteren Geisterrufen in Richtung Ende. Die letzten Tracks fallen weitaus weniger spektakulär aus. „Excuse me, I’m lost“ beginnt Come Down To Us mit surreal anmutender Silent Hill-Ästhetik unter einem langsamen drumbeat, der beinahe an Trip-Hop denken lässt, Zupfer einer Zitar begleiten den Kurs. Das genutzte Vocal Sample lässt Hoffnungen und Fragen aufkommen: man fragt sich, ob William Bevan die Singstimme absichtlich so oft neben den Ton schießen lässt, man hofft, dass sich der Einsatz von Auto-Tune innerhalb dieses Rahmens noch irgendwie richten lässt. Abgesehen von kleinen Details und einem unfassbar schnulzig klingenden letzten Drittel bietet Come Down To Us einen seltsamen, neuartigen Ansatz des typischen Burial-Sounds, der vorerst jedoch noch einiges an Stirnrunzeln zulässt.

1. Rival Dealer
2. Hiders
3. Come Down to Us

Zolin sagt: 6 von 10