Schlagwort-Archiv: Deep House

Review: Jamie xx – In Colour

Jamie XX - In Colour

So wie man nicht zweifelsfrei von einem Text auf dessen Autor schließen kann, so ist der Bezug zwischen dem Solo- und dem Bandmaterial eines Musikers schwer handzuhaben. Eigentlich sollte man diese beiden Herzensangelegenheiten differenziert betrachten und bewerten, Ausnahmen wie Jamie Smith a. k. a. Jamie xx jedoch beschädigen die Regel. Das Albumcover in Anlehnung an Vorgängerwerke wie den äußerst gelungenen Gil Scott-Heron-Tributen zu I’m New Here oder der mehr als eindeutige Verweis im Künstlernamen – sowohl inhaltlich als auch im Kontext betrachtet führt uns alles an In Colour vor Augen, dass hier der Herr an den Reglern sitzt, der The xx mit seinem offensichtlichen elektronischen Einflüssen davor bewahrt, zu einer einzigen schwerfälligen Geister-Orgie aus Gesängen wie geheuchelten Orgasmen und gehauchten Gitarren zu mutieren.

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Daily Hits: Daphni (Caribou) und Helen (Grouper)

daphni

Wildes „Bäumchen-wechsle-dich“ scheinen derzeit die beiden Lieblinge des Feuilltons Grouper und Caribou zu spielen. Knapp einen Monat nach seinem frei downloadbaren Mashup von Usha Uthup und Alex Israel hat Dan Snaith (besser bekannt als Kopf von Caribou) unter seinem Techno-Alias Daphni mit Vikram erneut einen kostenlosen Track auf sein Soundcloud-Profil geladen. Mensch, wenn da nicht mal bald eine normale Promophase ansteht.

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Review: DJ Koze – Reincarnations, Pt. 2

DJ Koze - Reincarnations, Pt. 2

Dass DJ Koze letztes Jahr mit seinem zweiten Album Amygdala das beste Album des Jahres ablieferte, war nicht unbedingt eine Überraschung. Denn obwohl sein Debüt Kosi Comes Around „nur“ ganz gut war, gab es einen großen Unterschied zum Vorgänger. Auf nahezu jeden Track gab es einen Gastbeitrag. Dadurch kam Koze seiner Paradedisziplin, nämlich dem Remixen, wesentlich näher als beim instrumentalen Debüt. Diese zunächst mal kühn wirkende Behauptung hat DJ Koze stets durch ausführliche Remix-Werkschauen bewahrheitet – Anfang des Jahrtausends auf dem teilweise noch recht HipHop lastigen Music is Okay mit Klassikern wie Kozes Remix von Blumfelds Tausend Tränen Tief oder der Is mir egal Remix von Tobi und das Bo. Erst 2009 und damit nach Kosi Comes Around folgt mit Reincarnations der nächste Querschnitt seiner Remixarbeiten. Auch dieses Mal ist ein Remix besser als der andere, auch wenn der technoidere Sound jetzt deutlich spürbar ist. Höhepunkte sind unter anderem seine Versionen von Matthew Dears Elementary Lover oder Matias Aguayos Minimal.

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Heißer Scheiß: Physical Therapy

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Daniel Fisher aka. Physical Therapy war nie jemand, der sich auf ein bestimmtes Genre festlegen lies. Sein erstes der Öffentlichkeit offenbartes Lebenszeichen war 2011 beispielsweise ein ausgezeichneter Remix  von Alicia KeysUnthinkable. Damals noch geprägt von den ersten Gehversuchen befreundeter DJs, entscheidet er sich, mit ersten Edits von bekannteren Songs das Produzieren zu beginnen. Besagtes Unthinkable war dann der erste Song, den er für gut genug befand, um ihn der Öffentlichkeit zu präsentieren. Zum Glück. Fisher schafft es immerhin aus einem 0815-Pop Song eine riesige und unglaublich intim klingende Soul Ballade im Stile von How To Dress Well zu basteln. Doch nach ersten Liebesbekundungen von Blogs ist mit Edits erst einmal Schluss: Er tourt mit Sets, zwischen Jungle, Footwork und Deep House durch die Vereinigten Staaten und überzeugt immer mehr  von der Bedeutung seines Künstlernamens. Neben seinen diversen Gigs baut Fisher auch seine Präsenz im Internet aus und legt sich visuell ein ähnliches Trash-Image wie James Ferraro und seine Vaporwave-Zöglinge zu.

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Review: Todd Terje – It’s Album Time

Was sagt es über einen Künstler aus, wenn seine Musik als „background music at a beach bar“ bezeichnet wird und diese Bezeichnung auch noch von dem Künstler als treffend aufgenommen wird? Nun ja, zunächst einmal ist „background music“ ja per se nicht unbedingt als eine Beleidigung zu verstehen, schließlich hatten grandiose Vaporwave Alben wie Macintosh PlusFloral Shoppe oder Chuck Persons Eccojams Vol.1 eben genau diese Intention. Andererseits zeugt es auch von grandiosem Tiefstapeln seitens des Norwegers Todd Terje, dessen Song Inspector Norse so bezeichnet wurde. Denn sowohl besagter Song als auch sein nun endlich erschienenes Album mit den passenden Titel It’s Album Time wirken ganz und gar nicht passiv.

Bei Todd Terjes modernem Disko-Sound geht es nämlich vor allen Dingen um die aktive Miteinbeziehung des Hörers. Idealerweise durch das althergebrachte Element des Tanzes. Dazu bedient er sich quer durch alle Tanzplatten, die schon in der Vergangenheit funktioniert haben. Seien es die Jan Hammer Synthies im massiven Delorean Dynamite, das sehr an Giorgio Moroder erinnernde Oh Joy oder der permanente Bossa Nova Einbezug, besonders spürbar bei Svensk Sås. Im gewissen Maße könnte man an dieser Stelle sogar Parallelen zu Daft Punks letztem Album Random Access Memories ziehen, nur dass sich Todd Terje im Gegensatz zu seinen französischen Kollegen bei all den freien Zitaten nicht zu sehr in der Retro-Kiste verrent, sondern It’s Album Time durchgängig modern und eigenständig klingt.

Was Todd Terje seinen Artgenossen außerdem voraus hat, ist dass das Album auch abseits des oberflächlichen Tanz-Genusses auf ganzer Linie überzeugt. Der fast ein wenig jazzig klingende Track mit dem sperrigen Titel Alfonso Muskedunder überzeugt zum Beispiel mit einem 7/8 Takt, der mal ganz und gar nicht nerdig klingt. Überhaupt klingt an It’s Album Time nichts irgendwie aufgesetzt oder zu komplex. Alle Einsätze kommen genauso, wie sie zu kommen haben. Dass das Album aber dennoch nicht vorhersehbar ist, ist vor allen Dingen auch Todd Terjes Pop-Appeal zu verdanken. Am offensichtlichsten wird dies wohl beim balladesquen Cover des Robert Palmer Songs Johnny and Mary, vorgetragen vom einzigen Vocalisten des Albums, Roxy Music-Sänger Bryan Ferry. Aber auch alle anderen Songs strahlen eine in diesem Jahr bislang unvergleichbare Leichtfüßigkeit aus.

Nicht von ungefähr trifft Todd Terje daher genau den Nerv der Zeit. It’s Album Time ist ein grandioses Album, welches auch sicherlich nicht nur in Kennerkreisen grassieren wird. Schließlich ist kaum einer, wie momentan Todd Terje ein Tastmaker’s Tastemaker. Die Produzenten von Robbie Williams bedienten sich ja ohnehin schon bei einem seiner Songs. Mit „background music“ hat das ganze also letztendlich herzlich wenig am Hut. Präsenter geht es ja fast kaum. Man darf eben nur nicht die Augen verschließen.

1. Intro (It’s Album time)
2. Leisure Suit Preben
3. Preben Goes To Acapulco
4. Svensk Sås
5. Strandbar
6. Delorean Dynamite
7. Johnny and Mary (feat. Bryan Ferry)
8. Alfonso Muskedunder
9. Swing Star part I
10. Swing Star part II
11. Oh Joy
12. Inspector Norse

Zolin sagt: 8 von 10