Schlagwort-Archiv: Alternative

Review: Mutoid Man – Bleeder

Mutoid Man - Bleeder

Bei all den Metal-Alben der letzten Jahren, die sich teils so bitter ernst nehmen oder in allgemeine Negativität versinken, wünscht man sich als ein Exemplar, welches ohne den allzu großen Anspruch einfach nur dick abrocken will. In dieser Hinsicht war die EP Helium Head des noch frischen, unverbrauchten Projekts von Stephen Brodsky, Mutoid Man, ein großer Hoffnungsschimmer. Brodsky kennt der ein oder andere eventuell aus den Zeiten der recht innovativen Hardcore Band Cave Inn, bei Mutoid Man ist jedoch keine Zeit für prog-artige 14-Minuten Tracks, sondern da wird sich richtig ausgelassen, auf musikalisch ansprechende wie unterhaltsame Weise wohlgemerkt. Mit einem entsprechend guten Gefühl geht man da an Bleeder, das LP-Debüt, ran.

Review: Mutoid Man – Bleeder weiterlesen

Heißer Scheiß: Hail The Sun

hail the sun

Neben der musikalischen Selbstrepräsentation dessen ist es vor allem sein Inhalt, der auch den weltoffensten Zuhörern das Interesse am gegenwärtigen Gefilde des Emo/Post-Hardcores dämpfen kann. Konträr zur sicherlich vorhandenen, technischen Raffinesse tendieren viele Bands dieser Sparte nach einer gewissen Zeit inhaltlich dazu, die gleichermaßen verständlichsten und doch auch subjektivsten Anliegen wie Beziehungsprobleme und -ängste mit einem zum Teil unangebrachten Weltschmerz non plus ultra zu besingen. Natürlich ist es schwer und ethisch nicht angebracht, den Schmerz einer Person mit dem einer anderen zu vergleichen. Doch gerade durch die immer wiederkehrende Betonung auf atmosphärische Dichte und solche „Epic!“-Momente, die sich wie ein Ouroborus selbst in den Schwanz zu beißen scheinen, wirken selbst manche führenden Stellvertreter dieses Genres wie zum Beispiel Circa Survive inzwischen äußerst abgekühlt und fad. Zeit also, dass in die abgedunkelten Kammern frische Luft und helles Licht gelassen werden – und da kommen Hail the Sun ins Spiel.

Heißer Scheiß: Hail The Sun weiterlesen

Review: Nine Inch Nails – Hesitation Marks

Erinnert sich noch jemand an David Finchers The Social Network? Der Film, der Trent Reznor seinen Oscar einbrachte? Denkwürdiger als das dokumentierte Leben des Internet-Tycoons Zuckerberg fiel wohl Reznors Auftritt bei der Preisverleihung für Freunde von Musik und Senf aus. Gut ein Jahr nach der vorläufigen Kaltstellung dessen musikalischen Lebenswerks Nine Inch Nails lief Herr Reznor in gutbürgerlicher Manier auf und nahm den Oscar dankend an. Nicht, dass man ihm den Triumph nicht gönnen solle, aber ist das noch der Trent, den man über die vergangen 20 Jahre lieben gelernt hat?

An dieser Stelle – und insbesondere in Hinblick auf die Erwartungen, die man an das erste Studioalbum nach der „Rückkehr von Nine Inch Nails haben kann – sollte man besser klarstellen, was denn überhaupt dieser tolle Trent ist und wie man ihn auf Hesitation Marks am liebsten hören will. Natürlich erfreuen sich die denkwürdigen Konzeptalben The Downward Spiral und The Fragile weiterhin der meisten Fanboys, doch seien wir ehrlich: Wer wünscht sich ernsthaft einen unehrlichen Aufguss der damals so meisterlich umgesetzten Charakterstudien des „depri-Trent„? Aggression und Nihilismus können logischerweise nicht auf ewig Nine Inch Nails Geist beherrschen. Auch letzterer wird mit fortschreitendem Alter stiller, subtiler… und elektronischer?

In der Tat läuft man bei Hesitation Marks zu keinem Zeitpunkt Gefahr, von emotionalen Gitarrenausbrüchen an die Wand gefahren zu werden, nicht einmal Reznors Gesang springt einen mehr an. Diverse elektronische Spielereien – mal geradezu poppig, mal experimentellerer Natur – gepaart mit ruhigeren, teils sogar recht vielfältigen Stimmeinlagen zeichnen das Bild eines gereiften, distanzierter über die Dinge reflektierenden Trent. Die konkreten Inhalte der Lyrics bleiben gewohnt sehr direkt, um es freundlich zu formulieren. Selbst das Albumcover, das stilistisch geradezu als ergrautes The Fragile wirkt, suggeriert diese fortgeschrittene Identität der Nine Inch Nails, die vor allem in der ersten Hälfte von Hesitation Marks durch Highlights wie Copy of A und All Time Low aufblüht.

Was Höhepunkte angeht bleibt es leider bei den anfänglicher paar, die man gegen Richtung Ende mehr und mehr vermisst. Insbesondere beim schwächsten Song Running kauft man Reznor das Konzept nicht mehr ab. Da wirkt das elektronische Geblubbe nicht mehr reflektierend, sondern schlicht einfallslos. Hier und da geben sich zusätzlich Ansätze der NIN Klassiker Closer, Into the Void sowie des Materials der With Teeth-Ära zu hören, die zwar nicht nach Eigenplagiat schreien, aber auch nicht gerade von größter Kreativität zollen. So manche vollwertige Songs der späten Hesitation Marks hätte man auf The Fragile höchstens einen Interlude Platz zugetraut.

Soll Trent Reznor also wieder in Weltschmerz und Drogensumpf versinken? Nein, gewiss nicht, denn Hesitation Marks erfüllt abgesehen von der insgesamt betrachtet eher ernüchternden Qualität der Platte an sich einen fundamentalen Sinn für Nine Inch Nails in Bezug auf deren Laufbahn als Musikprojekt: Es zeigt, dass Trent Reznor artistisch noch nicht erledigt ist, dass NIN Potential hat, selbst Jahrzehnte nach der Gründung noch immer etwas zu sagen zu haben. Für ein Comeback Album ist das schon mal was.

1. The Eater of Dreams
2. Copy of A
3. Came Back Haunted
4. Find My Way
5. All Time Low
6. Disappointed
7. Everything
8. Satellite
9. Various Methods of Escape
10. Running
11. I Would for You
12. In Two
13. While I’m Still Here
14. Black Noise

Zolin sagt: 6 von 10

Review-Runde: J. Cole, Crystal Fighters, Fat Freddy’s Drop, Palms

So bunt wie das Wetter ist diese Woche auch die Review-Runde. Viel Sonne gibt’s von den Crystal Fighters, die sich mit Album Numero zwei zurück melden und Fat Freddy’s Drop sorgen dagegen eher für einen runden Mond, der zum Tanzen einlädt. Weiterhin zieht in Form des Debüts der Supergroup Palms Nebel auf, aber immerhin klingt J. Coles Zweitling wie ein gemütlicher Nachmittagsregen.

J. Cole – Born Sinner

J. Cole war bisher immer einer der Rapper, dem zwar immer eine rosige Zukunft vorausgesagt wurde, qualitativ aber nicht unbedingt diesen Maßstäben gerecht werden konnte. Das soll sich auf seinem zweiten Album Born Sinner ändern. Das erkennt man schon an der Auswahl der Gäste. So befinden sich auf dem Album gleich drei Beiträge von letztes Jahr schwer gefeierten Musikern: Kendrick Lamar, übrigens auf dem beste Track des Albums, Dirty Projectors‚ Amber Coffman und Miguel. Und siehe da, auf Born Sinner lässt J. Cole endlich das ihm nachgesagte Talent aufblitzen. Dabei beruft er sich viel auf seine eigenen Helden: ein offensichtliches Notorious B.I.G. Sample beim Opener Villuminati, die Kollaboration mit den übrig gebliebenen Mitgliedern von TLC (Crooked Smile) und gegen Ende sogar eine Liebeserklärung an Nas (Let Nas Down). Trotz der Lobeshymnen auf die Klassiker vergangener Tage ist Born Sinner immer noch nicht das, was man sich vorgestellt hat, als Jay-Z J.Cole mit den Worten „A Star is Born“ signte. Ein gutes Rap-Album ja und auch eine Steigerung gegenüber seines Debüts, aber noch entfernt von der Klasse eines Kendrick Lamar oder Drake.

Zolin sagt: 7 von 10

Crystal Fighters – Cave Rave

Ein Rave in einer Höhle hört sich prinzipiell schon mal nach einer ganz guten Sache an. Was soll da aber laufen? Wenn es sich um einen Rave in einer so abgefahrenen Location wie in einer Höhle handelt, doch mit Sicherheit schwerer Techno, oder? Doch auf jeden Fall nicht das als Cave Rave betitelte zweite Album der Crystal Fighters. Doch bevor man als Leser denkt, es gehe in eine andere Richtung: Dies liegt nicht an der Qualität, sondern einzig daran, dass das Album alles andere als die Atmosphäre einer dunklen Höhle wiedergibt. Viel eher klingt Cave Rave wie schon der Vorgänger nach Sonne, Sonne, Sonne. Hier folgt Pop-Hymne auf Pop-Hymne und durch die vorhandene Indie-Kredibilität braucht man sich nichtmals dafür schämen, Crystal Fighters an einem schönen Sommertag laut aufzudrehen. Leider schützt diese Cave Rave nicht davor, teilweise schon zu seicht zu werden. Außerdem fehlt Cave Rave ein Afterpartysong wie Champion Sound vom Debüt. Dennoch ist Cave Rave schöne Musik für den Sommer. Im Winter verschwindet das Album dann wieder im Regal.

Zolin sagt: 6 von 10

Fat Freddy’s Drop – Blackbird

Normaler Move einer Band, anstatt eines Debütalbums einfach mal ein Live-Album zu veröffentlichen. Dass dieses dann auch noch hervorragend von der animalischen Presse aufgenommen wird und sich auch noch so gut verkauft, dass es in ihrer Heimat Gold bekommt spricht ja in jedem Fall für die Livequalitäten der Neuseeländer Fat Freddy’s Drop. Nun steht mit Blackbird aber wieder einmal ein neues Studioalbum an, auf dem wieder alles zum tragen kommt, was auch die Liveauftritte der Band so gut macht: der permanent vorhandene Dub-Einschlag, der aber nie aufgesetzt wirkt und das angenehme Organ von Sänger Joe Dukie. Dessen Stimme wird übrigens der eine oder andere von Kollaborationen mit Recloose, Boozoo Bajou oder Jazzanova erkennen. Weiterhin zeichnet Blackbird eine stets verträumte, aber nicht lethargische, sondern zum Tanz auffordernde Grundhaltung aus. Besonders hervorzuheben ist der letzte Song des Albums Bohannon, der nicht nur mit den allgegenwärtigen Dubsounds spielt, sondern auch Platz für Gitarrenarbeit und elektronische Spielereien lässt. Der 7-minütige Closer erinnert dadurch fast an einen Track aus der Hochphase des New Raves. Überhaupt fasst das Album zwar gerade mal neun Tracks, ist aber mit Laufzeit von 64 Minuten nicht zu knapp. Fazit: Blackbird ist das ultimative Album für den Sommer (und die Liveshow bestimmt nicht schlecht!).

Zolin sagt: 8 von 10

Palms – Palms

Wie Pilze sprießen momentan die Metal „Supergroups“ nur so aus dem Boden. Und den Pilzen nicht unähnlich können neue Sorten, an denen man die falschen Erwartungen hat, durchaus unangenehm im Magen liegen bleiben. So in etwa lässt sich der Eindruck beschreiben, den Palms‚ Debüt bei Zolin vorerst hinterlässt. Bei den Zutaten Isis und Deftones‚ Chino Moreno hatte er verständlicherweise hohe Erwartungen, die beim Opener mit dem im Zusammenhang vielversprechenden Namen Future Warrior noch (!) nicht unbedingt enttäuscht wurden. Da stößt der Deftones’sche alternative-Spirit auf ausgefuchste progressive/post-rock Songstrukturen, wodurch ein überaus wohltuendes Klangbild aufkommt. Aber Moment mal, das Album geht ja noch über eine halbe Stunde. Leider kommt jene einem ziemlich lang vor, da sich sowohl der Pepp als auch die Dynamik, die man beim Namen Chino Moreno sehnlich erwartet, auf Palms nicht die Ehre geben. Glücklicherweise schleicht sich paradoxerweise beim einzigen 10-Minuten Track Mission Sunset noch ein Höhepunkt ein, ansonsten plätschert Palms so ziemlich vor sich her. Schade, denn die Ansätze für eine würdige Supergroup sind nicht zu übersehen. Nun ja, böse Zungen könnten jetzt auch erwidern, für die Ansätze bräuchte man nicht einmal die Musik hören, sondern nur auf die Namen zu achten.

Zolin sagt: 6 von 10