Schlagwort-Archiv: 2015

Review: Sleater-Kinney – No Cities to Love

Sleater-Kinney - No Cities to Love

Kaum ein Comeback ist das, was das Wort eigentlich aussagt: eine Rückkehr in bekannte Gefilde, alte Zeiten, Situationen, die einem bekannt vorkommen und möglicherweise Besseres in sich trugen. Oft verkommt so ein Comeback eher zu einer Art Farce: der mühevoll aufgebaute Respekt ist nicht mehr vorhanden, das Alter spielt plötzlich eine größere Rolle und so wirklich erfolgreich war diese Art der Rückmeldung doch eigentlich nie wirklich, oder? Glücklicherweise kommen die drei Damen von Sleater-Kinney mit solch einem Druck nichtmal ansatzweise in Berührung. Diesem Trio künstlerischen Druck entgegenzuwerfen würde nahezu blasphemische Auswüchse annehmen, schließlich ist ihre nahezu gesamte Diskographie nicht nur musikalisch den Kritikern ans Herz gewachsen, auch der Rock-Szene machte die Band seit circa Mitte der Neunziger ordentlich Feuer unterm Hintern. In einer von Männern dominierten Künstler-Szene brachen Sleater-Kinney nicht nur mit ihrem etwas ungewöhnlichen Line-Up (zwei Gitarren, ein Drumset) Konventionen auseinander, auch ihre feministische Herangehensweise und gnadenlosen Texte zwischen hochpolitisch und furios wütender Dichtkunst wirbelten mächtig Staub auf und klangen zumeist brachialer als so manches metallische Ensemble.

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Review: Belle & Sebastian – Girls in Peacetime Want To Dance

Belle & Sebastian - Girls in Peacetime Want To Dance

Um eines gleich am Anfang gesagt zu haben: Das neue Belle & Sebastian Album Girls in Peacetime Want to Dance ist höchst gelungen, was erfreulich, aber nicht überraschend ist. Manche Rezensenten schrieben bisher auch, es sei gelungen und überraschend oder gelungen, da überraschend, immerhin befände sich ein Eurodance-Stück auf dem Album, nämlich das beinahe siebenminütige Enter Sylvia Plath. Wer daraus eine kleine Sensation oder, je nach Geschmack, einen kleinen Skandal machen möchte, unterschätzt die Band oder kennt zu wenige ihrer inzwischen immerhin ungefähr 140 Songs. Und wenn die alle gleich klingen würden, wären Belle & Sebastian entweder kaum noch wahrzunehmen oder langweilig, aber erfolgreich. Beides ist nicht der Fall.

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Review: Panda Bear – Panda Bear Meets The Grim Reaper

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Spätestens seit Ingmar Bergmanns „Das siebente Siegel“ weiß ein Jeder, dass der Gevatter Tod nicht nur für kleine Späße und „Aha!“-Momente zu haben ist. Ob es nun ein Schachspiel um das eigene Leben oder der Erleuchtungsmoment des Todes, den Flying Lotus letztes Jahr mit You’re Dead! musikalisch gelungen umgesetzt hat, ist – dem Tod als letzte Etappe des Lebens werden zurzeit mit jeder neuen kulturellen Abhandlung immer neuere, menschliche Facetten hinzugefügt. Woher kommt die neu gewonnene Faszination gegenüber dem Lebensende, das die moderne Pop-Kultur zu durchziehen scheint? Wenn es nach Noah Lennox aka Panda Bear geht, liegt das vor allem an der einschneidenden, nicht unbedingt absoluten Natur des Todes, die einen Bruch mit dem Alten und einen Anfang von etwas Neuem mit sich bringt. Man möchte fast meinen, dass der musikalische Querdenker und Gründungsmitglied der verquirlten Freak-Pop Band Animal Collective genau weiß, wovon er spricht; schließlich ist seine neue Solo-LP die erste, die er in seiner neuen Wahlheimat Lissabon aufgenommen hat, und gleichermaßen das erste nach zwei äußerst enttäuschenden Releases aus seinem Kollektiv, das bisher doch für ihre eigenartige und unkonventionelle Pop-Rezeptur Erfolge gefeiert hatte. Wovon bricht sich Panda Bear mit Panda Bear Meets The Grim Reaper los?

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Review: Death Grips – Fashion Week

death grips - Fashion Week

Schon gleich zu Beginn des neuen Jahres eine der abschließenden Aussagen des vergangenen Jahres revidieren zu müssen, zeugt meistens von tadelwürdiger Uninformiertheit oder Verwirrung seitens des Aussagestiftenden – es sei denn, es handelt sich beim Subjekt um Death Grips, gleichermaßen der feuchte Traum eines jeden Musik-Anarchisten wie auch der Albtraum eines jeden Musikjournalisten; wenn sich bezüglich dieser musikalischen Jihadisten um Hella-Drummer Zach Hill, den Produzenten Flatlander und ihrem sprengstoffgefüllten Sprachrohr Stefan Burnett falsche Aussagen finden lassen, so kann man mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass diese von der Gruppe erwünscht und dementsprechend verzeihbar sind. Nachdem sie sich Ende letzten Jahres mit einer handgeschriebenen Abschiedsbotschaft auf einer Serviette vom Radar entfernten, setzte die ausgeprägt medienkritische Band ausgerechnet einen Tweet ab, der die angebliche Auflösung in ein zweifelhaftes Licht rückt – ob dieser nun ernst zu nehmen sei, war lange zu bezweifeln. Nun steht jedoch mit Fashion Week ihre mal wieder unerwartete Flaschenpost in den Startlöchern, und der Inhalt dessen ist wie immer – welch Überraschung! – ein Mittelfinger an alle.

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