Schlagwort-Archiv: 2015

Review: Archy Marshall – A New Place 2 Drown

Archy Marshall

Stille Wasser sind die tiefsten, und wenn Archy Marshall von einem Ort zum Ertrinken spricht, so dürften sich einige Herzen schon voller Vorfreude in Badestimmung versetzt haben. Mit einer kläffenden Bariton-Stimme, die in jeder Zeile unter der Schwere des Gesprochenen fast wegzubrechen scheint, versorgte der junge Brite uns bisher schließlich zuverlässig mit Einsichten in seine verworrene bis verzweifelte Gedankenwelt – sei es als Zoo Kid oder als King Krule, der Speerspitze seiner Armada aus Künstlernamen. Letzteres Alter Ego bestach vor allem durch seine simple band-artige Instrumentierung auf dem Feuilleton-Liebling 6 Feet beneath the Moon, das sich dem gegenwärtigen Beatmaker-Trend nicht vollständig verschloss, sondern Ansätze davon gekonnt in sein jazziges Songwriting einarbeitete; nun scheint die Faszination für Hip Hop-Beatkonstrukte die Oberhand gewonnen zu haben.

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Review: Baroness – Purple

Baroness - Purple

Drei Jahre nach dem groß angelegten Doppelalbum Yellow & Green geht es auf Baroness Farbpalette in Form von Purple weiter, einem herkömmlichen Einzelwerk. In der Zwischenzeit erlitt die Band einen erheblichen persönlichen Rückschlag. Mit dem Auto stürzten sie von einer Brücke, wobei alle Beteiligten schwer verletzt wurden, zwei der Bandmitglieder spalteten sich in der Folge ab. John Baizley, der Kopf von Baroness, gab allerdings nicht auf, er formierte die Band neu und leitete alles für dieses neue Album in die Wege. Ob es die alte Spritzigkeit musikalisch beibehält, ist nun zu klären.

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Review: Knowsum – HiHat Club Vol. 7: Hyasynthus

knowsum - Hyasynthus

Die jetzt schon legendäre Reihe des HiHat-Clubs startet nach fast dreijähriger Verschnaufpause mit Knowsum in die siebte Runde. Die Bühne für Nischenmusik fernab jeglicher Geschmackskonventionen, es gibt keine Grenzen, keinen vorgegebenen Stil. Einzig verfrickelte Detailverliebtheit wird zur Voraussetzung, ein Teil dieser Momentaufnahmen der heutigen Beatgeneration sein zu dürfen. Nun wird nach Hulk Hodn, Twit One, Dexter, Suff Daddy, Brenk, Fid Mella und anderen Hochkarätern des deutschsprachigen Beatraums (und einem kleinem Ausflug nach Amsterdam) also dem jungen Mainzer diese Ehre zu Teil. Trotz ‘92er Jahrgangs sollte er niemanden mehr etwas beweisen müssen. Als eine Hälfte des Duos Luk&Fil und „Jünger des Sichtexotismus“ hat er bereits mit der ein oder anderen Veröffentlichung gezeigt, dass der Rucksack Deutschrap auch in den 2010er Jahren immer noch hervorragend stehen kann, wenn auch im moderneren, progressiveren Gewand als zuvor.

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Review: Fatoni & Dexter – Yo, Picasso

Fatoni & Dexter - Yo, Picasso

Fatoni flexte sich in den letzten Jahren langsam, aber stetig an die Spitze des hiesigen Undergrounds – egal, ob als langjähriger Teil von Creme Fresh, in Kollabo mit Edgar Wasser und Konsorten oder auf etlichen schlauen, unterhaltsamen EPs, sowieso seinem Solo-Debüt Solange Früher alles besser war: Der Mann hat Liebe für HipHop. Gemeinsam mit Dexter, der neben seinen bekannten Arbeiten für Cro und Casper beispielsweise auch Morlockk Dilemma zu einem ungeahnten Hoch verhalf, legt er nun sein bislang wohl bestes Werk vor. Und führt – mit Ankündigung – den musikalischen Klischee-Gedanken „Früher war alles besser“ ad absurdum.

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Review: Joanna Newsom – Divers

joanna newsom divers

Joanna Newsom – die Frau der vielen und großen Worte. Allein ihren grandiosen Song Emily des zweiten Albums Ys bestückte sie mit rund 850 Worten, was vermutlich der Länge dieses Reviews gleichkommen wird. Und wenn die aus Nevada stammende, begnadete Harfenistin nicht gerade dermaßen lange Songs schreibt, dann zumindest unzählige kurze, wie bei dem nachfolgenden, vor gut fünf Jahren erschienenen Triple-Album Have One On Me, das bei 18 Songs und einer stolzen Laufzeit von über zwei Stunden dennoch in keinem Moment an Pathos verliert. Viel zu rätselgebend ist die gewieft verklausulierte Lyrik, beinahe schon ans Absurde grenzend die inbrünstige Liebe zum Detail und unerschöpflich aufregend der Gebrauch von orchestralen Arrangements in völlig neuen Kontexten. Im Rampenlicht steht dabei jedoch stets eines der ältesten und traditionellsten Zupfinstrumente der Menschheitsgeschichte: die Harfe, mit der Newsom sowohl E- als auch U-Kultur charmant zu bezirzen weiß.

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