Schlagwort-Archiv: 2014

Review: Ne Obliviscaris – Citadel

Obliviscaris - Citadel

Wenn man erst einmal die CD einer Metal Band in den Händen hält, die in der Lage ist, klassische Instrumente wie Violine und Klavier in ihren Sound zu integrieren, ohne lächerlich Kitsch überladen zu klingen, sollte man sie fest bei sich halten und nicht so schnell wieder loslassen. Bei dem neuen Album der australischen Progressive Metal Formation Ne Obliviscaris, Citadel, handelt es sich um so eine Rarität, folglich verdient es automatisch Aufmerksamkeit. Nicht zuletzt auch auf Grund des sehr starken LP Debüts Portal of I, welches 2012 nach langer, aufwendiger Produktion erschien. Citadel hat „nur“ zwei Jahre benötigt und kommt dennoch mit dem Anspruch daher, das Debüt zu toppen.

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Review: Haftbefehl – Russisch Roulette

Haftbefehl - Russisch Roulette

2014 war ein ertragreiches Jahr für den kommerzielleren deutschen Straßenrap. Zumindest vor nominellen Topalben konnte man sich kaum retten. Bushido und Kool Savas haben sich aus dem Ruhestand zurück gemeldet, die Schwergewichtler Eko Fresh und Kollegah haben ihre neuen Werke unter’s Volk gebracht und Shindy seinen groß aufgelegten Zweitling veröffentlicht. Wirklich überzeugen konnte aber keines der Alben. Kool Savas ist schon längst nicht mehr der alte Battlekönig, Kollegah hat seinen übertriebenen Humor leider schon an wacke Vorabtracks verschleudert, Shindys Bragging geht wahrscheinlich selbst den abgestumpftesten Rap-Hörern auf den Sack, Eko Fresh übertreibt das Prinzip der ambivalenten Integrationsnummer langsam und Bushido fehlt es zwar nicht (mehr) an der nötigen Härte, doch kann er seit Nie Ein Rapper scheinbar einfach keine Hits mehr schreiben. Nun, am Ende des Jahres schickt sich Haftbefehl mit Russisch Roulette, dem letzten großen Blockbuster des Jahres, an, um alles besser zu machen.

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Review: Dean Blunt – Black Metal

dean blunt black metal

Dabei erlöste er uns doch längst schon. Mit seinem bahnbrechenden Solo-Album The Redeemer schwebte dem Briten Dean Blunt vergangenes Jahr eine völlig neue, hochgradig bizarre Vision von Popmusik vor. Popmusik, die sich wie ein prächtiger Flickenteppich aus verschiedenartigen Genremerkmalen, sauber vernähten Samples und kringelnden Loopschleifen ästhetisch zusammensetzt. Zuvor machte Blunt es sich bereits mit Kollegin Inga Copeland u.a. unter dem Namen Hype Williams im Reich der experimentellen LoFi-Elektronik gemütlich und veröffentlichte mit ihr 2012 das großartige Album Black Is Beautiful. Im Alleingang, aber auf diesen Erfahrungen bauend, gelang es ihm, jene experimentellen Soundspielereien schließlich in ein salbungsvolles Pop-Gemach zu betten. Was aber wollte der Heiland Dean Blunt bloß auf einen solchen Akt der Güte, auf die Erlösung, das letztgültige Ziel, noch folgen lassen? Die ersten rätselhaften Hinweise lieferte er bereits letztes Jahr, als er frei von Trommelwirbel und Rampenlicht Stone Island, eine zehnteilige, okkulte Liederkollektion ähnlichen Kalibers über ein russisches Magazin veröffentlichte und dieses Jahr das ominöse Mixtape Skin Fade (Deluxe Edition) kredenzte.

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Review: RL Grime – Void

RL Grime – Void

Henry Steinway – der Richard Strauss des 21. Jahrhunderts? Gewagt, mögen einige einwenden, doch Steinway aka RL Grime fände mit seinem Debut Void sicherlich auch ein begeistertes Publikum bei den Primaten aus der berühmten Eingangsszene aus 2001, welche zu den Klängen von StraussAlso sprach Zarathustra den Oberschenkelknochen als Waffe für sich entdecken. Denn was ist Trap anderes als Musik für’s Stammhirn? RL Grime verwandelt seit dem Beginn seines Feldzugs über die Kontinente und durch die Untiefen des EDM jeden mit Hipstern bestückten Club und jedes Festivalzelt in eine archaische Versammlung einer Meute ellenbogentanzender, pöbelnder, feiernder Höhlenmenschen. Dabei wohnt seinen Tracks seit jeher in den besten Momenten ein Scheibchen der Strausschen apokalyptischen Wucht inne. Kann er dieses Niveau auf seinem lange erwarteten Debut auf Albumlänge liefern?

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Review: Tony Allen – Film Of Life

Tony Allen - Film Of Life

Die Zusammenstellung einer Band lässt sich ungemein gut mit dem Cast eines Films vergleichen. Es sind vor allem Hauptdarsteller wie Gitarristen und Sänger, die Zuschauer durch ihren Aktionismus fesseln und locken, doch trägt der Schlagzeuger dieselbe Verantwortung wie der Erzähler, ohne dessen dezentes Dazutun die Handlung des Films nicht voranschreiten oder Sinn ergeben will. Wenn Tony Allen in diesem Vergleich eine Rolle innehätte, so wäre er wohl der Morgan Freeman unter den Erzählern, er könnte selbst aus Aufnahmen von stolpernden Pinguinen einen Hauch Magie und Story herauskitzeln. Sein Ruf des besten Drummers aller Zeiten bekam Herr Allen nicht von ungefähr; Fela Kuti, seines Zeichens „The Black President“ und der Erfinder des funk-explosionsartigen Afrobeat-Genres, kürte ihn zu seinem Ritter der Percussion. Unter der jahrelangen Kooperation mit ihm schliff der Schlagzeuger sein Handwerk an der technischen und rhythmischen Komplexität der Poly-Rhythmik, die sowohl in all ihren gemeinsamen Werken wie auch in Film of Life, dem zehnten Album des Schlagzeug-Hexenmeisters, eine zentrale Rolle spielt.

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