Review: Baroness – Purple

Baroness - Purple

Drei Jahre nach dem groß angelegten Doppelalbum Yellow & Green geht es auf Baroness Farbpalette in Form von Purple weiter, einem herkömmlichen Einzelwerk. In der Zwischenzeit erlitt die Band einen erheblichen persönlichen Rückschlag. Mit dem Auto stürzten sie von einer Brücke, wobei alle Beteiligten schwer verletzt wurden, zwei der Bandmitglieder spalteten sich in der Folge ab. John Baizley, der Kopf von Baroness, gab allerdings nicht auf, er formierte die Band neu und leitete alles für dieses neue Album in die Wege. Ob es die alte Spritzigkeit musikalisch beibehält, ist nun zu klären.

Die Vorab-Single Chlorine & Whine stimmte einen in der Hinsicht bereits optimistisch, dass die Band ihre Lebens- und Kompositionsfreude nicht verlieren würde. Auch im fertigen Albumkontext ist der Song ein waschechtes Highlight, teilweise von intimerem Balladen-Charakter, dann auch mal richtig schön rockig und mit perfekt sitzendem Gitarrensolo, das Baroness‘ Reputation für gehobene Catchyness unterstreicht. Von letzterem gibt es auf Purple jede Menge, im Vergleich zum doppelt so umfangreichen Vorgänger kommt sie aber besser zur Geltung, da es diesmal weniger Zeit für Abnutzungserscheinungen gibt.

Baroness bleibt also der Wandlung vom Stoner Sludge hin zum melodischen Rock mit entfernten Metal-Untertönen treu. Dieser Kurs ist nun noch klarer vorgegeben, wodurch Purple runder und abgeschlossener klingt als Yellow & Green. Die andere Seite der Medaille ist halt ein gewisser Grad an vorhersehbarer Routine, die sich im Songwriting bemerkbar macht. Shock Me ist so ein typischer moderner Baroness-Song, Intro-Keyboards bereiten einen geschmeidig vor, im nächsten Schritt auf die wunderbaren Riffs und Refrains abzugehen, gerne auch die eingängigen, aber nicht banalen Lyrics mitsingend.

Ganz so schön geht die Formel natürlich nicht bei jedem einzelnen Song auf Purple auf – der ein oder andere Moment bewegt sich eher in Richtung Fillermaterial. Glücklicherweise nimmt der Flow des Albums dadurch allerdings keinen erheblichen Abbruch, dafür ist das Grundgerüst von Baizleys Songwriting zu abgeklärt. Der große Qualitätssprung, beispielsweise in Richtung des erwachsenen Bruders Mastodon, bleibt zwar aus, dafür gelingt Baroness mit Purple ein kleines Meisterstück der Selbstwiederfindung nach einer harten persönlichen Zerreißprobe, für uns bleibt ein gutes Rockalbum zurück, das Freude bereitet.

1 Morningstar
2 Shock Me
3 Try to Disappear
4 Kerosene
5 Fugue
6 Chlorine & Wine
7 The Iron Bell
8 Desperation Burns
9 If I Have to Wake Up (Would You Stop the Rain)
10 Crossroads of Infinity

Zolin sagt: 7.5 von 10

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