Review: Knowsum – HiHat Club Vol. 7: Hyasynthus

knowsum - Hyasynthus

Die jetzt schon legendäre Reihe des HiHat-Clubs startet nach fast dreijähriger Verschnaufpause mit Knowsum in die siebte Runde. Die Bühne für Nischenmusik fernab jeglicher Geschmackskonventionen, es gibt keine Grenzen, keinen vorgegebenen Stil. Einzig verfrickelte Detailverliebtheit wird zur Voraussetzung, ein Teil dieser Momentaufnahmen der heutigen Beatgeneration sein zu dürfen. Nun wird nach Hulk Hodn, Twit One, Dexter, Suff Daddy, Brenk, Fid Mella und anderen Hochkarätern des deutschsprachigen Beatraums (und einem kleinem Ausflug nach Amsterdam) also dem jungen Mainzer diese Ehre zu Teil. Trotz ‘92er Jahrgangs sollte er niemanden mehr etwas beweisen müssen. Als eine Hälfte des Duos Luk&Fil und „Jünger des Sichtexotismus“ hat er bereits mit der ein oder anderen Veröffentlichung gezeigt, dass der Rucksack Deutschrap auch in den 2010er Jahren immer noch hervorragend stehen kann, wenn auch im moderneren, progressiveren Gewand als zuvor.

Wer sich noch nicht mit Knowsum beschäftigt hat und nun staubtrockene Drums und eine (weitere) Glorifizierung der goldenen Neunziger erwartet, liegt jedoch auf der falschen Fährte und sollte die Finger von der Platte lassen, wenn er mit Ausflügen in schwierig zu beschreibende Musiklandschaften eher wenig anfangen kann. Hyasnthus ist spährisch verträumt und hat alles außer Angst vor wirren, verzogenen Sounds, die so oft durch den Loop gejagt wurden, dass wohl Knowsum selbst hier und da seine Schwierigkeiten haben dürfte, ihren Ursprung zu benennen. Zwischen sehr reduzierten Drums und einem andauernden, angenehmen Knisterteppich, finden verworren-verspielte Orgelsounds genauso wie durch den Kakao gezogene Synthies problemlos ihren Platz. Für einen 16er deines Lieblingsrappers wird sich jedoch keiner finden lassen – doch das ist auch gut so. Denn wenn es eine Instanz gibt, die aufzeigen kann, was deutsche Hiphop-Musik neben der uns so wohl gesonnen Wortakrobatik alles ist und sein kann, dann ist es der HiHat-Club aus dem Hause Melting Pot Music.

Das soll allerdings nicht heißen, dass der junge Sichtexot vollständig auf Vocals verzichtet hat. Denn gerade die Gastbeiträge von Form von Anne-Louise Hoffmann, Salami Rose Joe Louis und Jean-Foucoud Rouxbelle machen die teilweise sehr schwer zu verortenden Lo-Fi-lastigen Produktionen greifbar. Besonders hervorzuheben sei hier das von einer Akustikgitarre getragene Home, das zusammen mit dem aus Toulouse stammenden Jean-Foucoud Rouxbelle entstanden ist. Völlig zurecht wurde die Kollaboration – mit den für die Platte eher untypisch durchgängigen Drums – mit einem Video belohnt, welches vom aufstrebend durch die deutsche Hiphop-Szene geisternden Timo Milbredt produziert wurde und die Stimmung von Song und Album trotz einfacher Bilder gut festzuhalten weiß. Auch der Beitrag von Anne-Louise Hoffmann schafft es, den Hörer an sich zu klammern, da die 17 Anspielstationen starke Platte einem allgemein einiges abverlangt und leicht jazziger Gesang diesen Umstand etwas zu lösen weiß.

Gerade hinsichtlich der Anzahl der Songs, tut es der Scheibe gut, dass die Produktionen mit zwei bis maximal drei Minuten eher kurz ausfallen. Letztlich sollte der Track Mumps noch einmal eine Erwähnung finden, welcher wie die namensgebende Krankheit ziemlich dick aufträgt und wunderbar unangepasst zum Kopfnicken zwingt. Die siebte Ausführung des HiHat-Clubs ist letzendlich genauso wie man es nach Engagement von Knowsum erwarten konnte und dennoch komplett unvorhersehbar.

01. Impure Prologue
02. Ghost (feat. Anne-Louise Hoffmann)
03. Tesserakt
04. Interlude
05. Mrsfcfoe
06. Bubbles (feat. Salami Rose Joe Louis)
07. Papapropaganda
08. Homo Momentus
09. Mumps
10. Klingsor
11. Consequencer
12. Fruit of the Doom
13. Tesserakt, Pt. 2
14. Illusion
15. Home (feat. Jean-Foucaud Rouxbelle)
16. Reset (feat. Jean-Foucaud Rouxbelle)
17. Quiet Epilogue (2:34)

Zolin sagt: 7 von 10

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