Die Enttäuschungen des Jahres 2015

Jahrespoll 2015

„The first cut is the deepest…“ und so. Deswegen fängt Zolin auch dieses Jahr direkt mit all den Künstlern an, die ihn in diesem Jahr maßlos (mindestens, ha!) enttäuscht haben. Dass unter ihnen auch Künstler sind, die die meisten entweder total gut finden oder nichtmals kennen – geschenkt. Das schöne an den Listen ist ja auch die grenzenlose Subjektivität. Immerhin wird hier noch der Versuch unternommen, die jeweiligen Schwächen zu unterstreichen! Auf das niemand mehr die genannten Alben gut finden wird – selbst wenn die Person sie noch nicht gehört hat.

5. Fatima Yamaha – Imaginary Lines

Fatima Yamaha - Imaginary Lines
Ok, starten wir direkt mit dem wahrscheinlich unbekanntesten Album dieser Liste. Tatsächlich ist Fatima Yamaha aber wahrscheinlich einer deiner Lieblingskünstler – soweit du dich mit elektronischer Musik auseinandersetzt. Vor über zehn Jahren veröffentlichte er nämlich die EP A Girl Between Two Worlds mit dem überragendem What’s A Girl To Do. Ein Hit, der wahrscheinlich tatsächlich ein kommerzieller Hit geworden wäre, zumindest mit dem richtigen Vertrieb bzw. Label. Trotzdem versammelt Fatima Yamaha (zurecht) seit dem eine treue Fangemeinschaftt, zu der unter anderem auch Hudson Mohawke (der den Song auf seinem diesjährigen Album samplete) oder Jackmaster zählen. Vor wenigen Wochen erschien nun endlich sein Debüt Imaginary Lines und dort war kaum etwas von der Einfühlsamkeit seiner alten Songs zu finden. Stattdessen haben wir es mehr oder weniger mit einem bisweilen sogar langweiligen, 0815-House Album zu tun, das auch von jedem anderen beliebigen Künstler hätte produziert werden können. Da wäre es doch wahrlich besser gewesen, wenn einzig die Legende um What’s A Girl To Do von Fatima Yamaha geblieben wäre.

4. Battles – La Di Da Di

Battles - La Di Da Di
Hach, Battles. Eine Band der man nach zwei nahezu perfekten experimentellen Rock-Alben gar nichts schlechtes mehr zugetraut hätte. Zugegebenermaßen ist ihr drittes Album La Di Da Di nicht unbedingt schlecht – es ist nur einfach sehr uninteressant. Obwohl Battles schon immer am ehesten als instrumentale Band ausgelegt war, ist dafür wahrscheinlich der Hauptgrund, dass nach dem Abgang ihres ehemaligen „Sängers“ Tyondai Braxton dieser Fakt auf dem Zweitling noch durch grandiose Gastvokalisten kaschiert wurde. Bei La Di Da Di verlassen sie sich ausschließlich auf ihre Trademarks: Abstruseste Songstrukturen, kunterbunte Arrangements und ein permanenter Dialog zwischen Keyboard und Gitarre. La Di Da Di ist leider der Beweis, dass dies für einen gelungenen Nachfolger noch lange nicht ausreicht.

3. Disclosure – Caracal

Disclosure - Caracal
Disclosure haben auf ihrem Debüt Settle vieles richtig gemacht. Unter anderem haben sie UK Garage und bis dato eher unbekanntere Sänger/innen einem (sehr) großen Publikum nahegebracht und nebenbei auch noch fantastische Pop-Songs produziert. Doch mit höherem Erfolg steigen natürlich auch die Erwartungen der Plattenfirma. Dementsprechend wurden sie mit der Creme de la Creme ausgestattet – zumindest gemessen an ihren Verkaufszahlen. Da steht neben The Weeknd und Lorde, ein Gregory Porter und selbstverständlich wieder Sam Smith. Leider sind die Songs aber genauso wenig überraschend wie die Feature Parts und machen aus dem Album ein weiteres belangloses EDM Album mit wenigen guten Pop-Songs. Lustigerweise sind diese Höhepunkte gerade die Features mit den beispielsweise (noch) recht unbekannten NAO oder Jordan Rakei.

2. Wanda – Bussi

Wanda Bussi
Man muss es einfach so sagen: Wanda waren wahrscheinlich die Überraschungsband des letzten Jahres. Auch Zolin hatte Amore für Amore. Dass nur wenige Monate nach ihrem Debüt mit Bussi bereits ein Nachfolger in den Startlöchern stand, war dementsprechend eher ein Grund zur Freude. Früher erschienen im Jahr schließlich regelmäßig zwei Alben in einem Jahr und auch Beach House hatten diese Situation in diesem Jahr achtsam gemeistert. Bei Bussi hingegen erhebt sich beim Hören tatsächlich eher das Gefühl von Songrecycling. Während rein musikalisch alles durchaus besser ausgetüftelt wird, wiederholen sich die Text Motive am laufenden Band. Mit bloßer Selbstreferenz hat das wenig zu tun. Und selbst wenn, ist das in dieser Form trotzdem öde. Ganz zu schweigen davon, dass keiner der neuen Tracks an die Kompromisslosigkeit von Songs wie Bologna oder Stehengelassene Weinflaschen heranreicht. Immerhin gibt es ja noch Hoffnung, dass das nächste Album dann auch wieder textlich mehr hergibt.

1. Tame Impala – Currents

Tame Impala - Currents
Bitte nicht falsch verstehen: Es ist ja nicht generell so, dass sich Zolin gegen Fortschritt wehrt, aber muss sich eine Band wie Tame Impala nach all dem großartigen 60s Psychedelic Revival wirklich als nächstes stark Synthesizer basierte Songs für Clubs vornehmen? Die ersten Höreindruck in Form von Let it Happen und ‚Cause I’m a Man waren ja durchweg großartig, man wollte die Veränderung ja quasi mit Kusshand empfangen, das komplette Album überstrapaziert dieses Konzept dann aber leider doch. Man bekommt das Gefühl dass für den Wandel in eine Groove-Pop-Band Kevin Parkers wundersame Songwriter Fähigkeiten in den Hintergrund gestellt worden sind. Currents ist durchsetzt von starken Tracks, die jedoch in der homogenen Welle aus Tracks mit viel zu ähnlicher Soundästhetik unterzugehen drohen wie eben der Einzelne im Club.

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