Die besten Metalalben 2015

metal14

Endlich wieder Adventszeit, endlich kann man wieder in der Metal Sektion des Jahrespolls billige Witze bezüglich der Unverträglichkeit vom heiligen Weihnachtsfest mit allerlei nihilistischen, satanischen oder kommunistischen Extremmetal Bands raushauen! In diesem Sinne.

5. Mgła – Exercises in Futility


Wie kommt ein Album, das sich „Übungen in der Sinnlosigkeit“ nennt in die Top 5 des Jahres? Ganz einfach, wenn es sich dabei um das erstaunlich angesagte Album der polnischen Orthodox Black Metal Formation Mgła handelt. Ursprünglich eine obskure underground Erscheinung, die bis ins ferne Jahr 2000 zurückgeht, haben die finsteren Gesellen aus Polen plötzlich ein großes Maß an positiver Aufmerksamkeit von Musikliebhabern bekommen, ähnlich wie andere ehemals unbekannte Orthodox Gruppen à la Deathspell Omega, welche dann dank bahnbrechender Alben einem breiteren Publikum bekannt wurden. Exercises in Futility ist ein solches Album, es mag zwar das Black Metal Rad nicht gänzlich neu erfinden, aber es begeistert mit seiner musikalischen Präzision und Effektivität aus vergleichsweise archaischen Mitteln. In bester Dissection Manier zelebrieren Mgła melodisch erstklassige Riffs vor einer makellos produzierten Dunkelritus-Atmosphäre. Am Ende möchte man diese „Exercises“ gleich nochmal durchgehen, anstatt über die Trostlosigkeit des Seins zu sinnieren. Aus diesem Grund ist Mgła Werk nicht bloß ein Top Black Metal-, sondern in erster Linie ein Top Metal Album.

4. Leprous – The Congregation


Ah ja, Leprous, ein immer gern gesehener Gast an der Pforte des Zolin Hofes, 2013 führten die hohen Vertreter des norwegischen Avantgarde Progs den Metal-Jahrespoll sogar an erster Stelle an und auch dieses Jahr schaffen sie es mit relativer Leichtigkeit in die Top 5. The Congregation führt die wesentlichen Stärken der Band nämlich konsequent fort, das geniale Songwriting sowie das unaufgesetzte Metal-Pathos, welches irgendwie trotz der subtil-pessimistischen Atmosphäre und dem großen technischen Anspruch so lebendig zur Geltung kommt. Mit seiner recht langen Laufzeit und zahlreichen Top-Songs bietet dieses Album alleine bereits genug Quantität an Qualitätsmetal, um erforlgreich zu überwintern.

3. Deafheaven – New Bermuda


Ein schöner Metal-Moment dieses Jahr war zweifellos Deafheavens Rückbesinnung auf alte Tugenden der Heavyness im Gegensatz zum stetig verweichlichter werdenden Post-Black Metal Zeitgeist. Da wurde auf New Bermuda musikalisch eher Slayer zitiert statt beispielsweise Alcest, da bekam man vor den besinnlicheren, durchaus nochmal in Richtung Shoegaze tendierenden Passagen waschechte Thrash Riffs zu hören, die es in sich hatten! Melodisch ist New Bermuda vom feinsten, wie es Sunbather ebenfalls war, jedoch kann man ersteres nun auch tatsächlich guten Gewissens Metal nennen und gar auf den vorderen Rängen des Jahrespolls auflisten, denn Deafheavens neue Stärke macht sie nicht etwa plumper, sondern verleiht den begnadeten Musikern aus den Staaten mehr Reichweite und Tiefgang denn je.

2. Enslaved – In Times


Nach Ulver im vergangenen Jahr haben wir jetzt die zweite relevante Ex-Black Metal Band aus dem originalen norwegischen Zirkel, die sich eine neue, hart erarbeitete kreative Identität verschafft hat: Enslaved. Seit dem aktuellen Meisterstück In Times wäre es allerdings euphemistisch, lediglich von einer „relevanten“ Band zu sprechen. In Times ist nicht nämlich nicht nur ein härteres blackened Prog Opus mit ein paar netten folkloristischen Elementen, sondern ein monumentales Killer-Album, in dem all diese altbekannten Qualitäten von Enslaved so natürlich und meisterlich zusammenfließen, dass man zwangsweise an die großen Werke Opeths denkt. Damit soll Enslaved keinesfalls als „norwegisches Opeth“ oder dergleichen gelten, schließlich kommt Enslaved wie anfangs betont aus einer selbstgeschmiedeten Tradition, die in In Times ihren absoluten Höhepunkt findet. Ob Black- oder Death Metal, ein wunderbares Weihnachtsgeschenk haben wir hier definitiv.

1. Napalm Death – Apex Predator-Easy Meat


Wie könnte man einen Jahresrückblick feurig feierlicher zu Ende bringen als mit Napalm Death? Apex Predator ist ein wahrlich explosives Bündel an anti-Establishment Aggression wie aus besten Post-Vietnam Zeiten. Bei diesen ganzen introspektiven, ja geradezu biedermeirschen Post-Metal Bands vermisst man oft die rohe, provokante Ebene, die antikonformistische Aggression oder schlicht gesagt das “fuck you!” gegen die Gesellschaft. Auf Napalm Death kann man sich in dieser Hinsicht glücklicherweise selbst im Jahr 2015 verlassen, denn selten hat das Establishment einen Metal-Mittelfinger nötiger gehabt. Dass die Band vom musikalischen Gehalt her reichhaltiger losbrettert als erwartet, ist letztendlich aber der Hauptgrund für die Spitzenplazierung. Natürlich ist das nicht im raffinierten Prog Sinne gemeint, so etwas brauchen Napalm Death nicht, um alles richtig zu machen. Sie mussten lediglich 40 Minuten beispielloses Chaos und Anarchie heraufbeschwören, um jedweden Metal Nerv voll zu treffen. Die höchste Kunst liegt eben manchmal in den scheinbar einfachen Dingen, die in Wirklichkeit alles andere als einfach sind.

2 Gedanken zu „Die besten Metalalben 2015“

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