Review: Eagles Of Death Metal – Zipper Down

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Immer, wenn die Konstellation um Kindheitsfreunde Baby Duck a.k.a. Josh Homme und Jesse „The Devil“ Hughes unter dem Banner von Eagles of Death Metal zusammentraf, kam dieselbe Frage nach der Pointe auf. Die Frage danach, ob der Bandname wie ein kleines Abschreckungsmanöver wirken sollte, all die „Rock out with your cocks out“-Allüren ernst zu nehmen seien und ob einzig die Kräfte des Queens of the Stone Age-Frontmassivs dieses humoristische Unterfangen tragen würden. Fast sieben Jahre Wartezeit, in denen dessen Formation mit …Like Clockwork eine Art modernen Klassiker erschufen, bedürften manchen Fans sogar eine Art musikalischen Quantensprung für Zipper Down. Die Antwort des Speedfreaks Hughes? Complexity. Eine gewohnt gewalttätige Rückführung wie auch eine Ansage, dass noch nicht einmal Anstalten dazu unternommen wurden, zum neuen Album den Hosenstall hochzuziehen. Getreu dem Bisherigen gilt seine Devise, dass eine Kulmination aus allen vergangenen Rock-Alben das beste Album aller Zeiten werden muss. Und fast ist man dazu geneigt, sie ihm abzukaufen.

Zurück zu Complexity. Die schrille Klaviermelodie zum Trotz des angezogenen Schlagzeugspiels und des zermarternden Basses verursacht schon zufriedenes bis dämliches Grinsen, doch wenn Jesse Hughes mit Zeilen wie „My socks and underwear, I like to keep them clean/ It’s so easy without complexity“ auftrumpft, wird jeder akademische Blick Fehl am Platz. Von Menschen wie Hughes und Homme kann man erwarten, dass sie selbst ohne Hände durch ihren Humor zu Ruhm gelangt wären –
Silverlake (K.S.O.F.M.) zum Beispiel wirkt auf den ersten Blick wie eine typische machoistische Rock-Story, doch stellt sie sich im Laufe als der absurde Gedankengang eines Hipsters in der Schlange vor dem überfüllten Club heraus, der mit Fortschreiten einer Existenzkrise nahekommt. Die Musik dazu klingt hier altbewährt und in Rolling Stoner-Manier, doch im Laufe von Zipper Down offenbaren sich dank der aufgeräumten Produktion dahinter neuartige Songwriter-Fähigkeiten von Jesse Hughes; manche der stärksten Tracks wie zum Beispiel das balladenartige I Love You All The Time besitzen das unabdingbare Flair von Queens of the Stone Age. Die Lieder klingen nicht mehr nach der Garage, sondern nach der verstaubten Weite.

Groovereiche Balladen wie das mit Fuzz frisierte Duran Duran-Cover, Save A Prayer, oder das mit Hook-Power ausgestattete Oh Girl sind für die Momente, in denen man triumphal einen Arm in die Luft hebt, um mit dem anderen den Schritt zu richten. Speed Rock-Nummern in Manier von Chase the Devil finden hier mit Got a Woman und seinem Reprise Platz. The Deuce kettet den Boogie an die Saiten der schief anmutenden Gitarre und lässt ihn elegant zwischen Altbewährtem und Neuartigem zappeln, wenn man denn in so einem stigmatisierten Genre wie dem Rock davon sprechen kann. Zwar wirkt das betont fetzige, überladene The Reverend als Closer des Albums zu sehr darauf bedacht, am Ende nochmal mit der dB-Anzahl auf gefühlte 180 Grad zu gehen und eine gewisse Erwartungshaltung zu erfüllen. Doch insgesamt variiert das musikalische Spektrum zwischen den Songs so weit, dass man gut zwischen den Facetten einen enormen Fortschritt seit Heart On zu vermelden hat.

Wer in Erwartung eines bahnbrechenden musikalischen Sprungs Zipper Down in die Hände genommen hat, sollte sich eher fragen, ob er generell dafür diese Art von Musik durchstöbern sollte. Wenn man sich über die notgedrungene Rückwärtsgewandtheit hinweghelfen kann, belohnt das Album mit neuen Höhepunkten aus Speed und Groove. Rückwärts gewandt, ja – aber mit 190 km/h auf dem Tacho; das sind die Konditionen, unter denen Eagles of Death Metal am besten Gas verbrennen.

1. Complexity
2. Silverlake (K.S.O.F.M.)
3. Got a Woman
4. I Love You All The Time
5. Oh Girl
6. Got the Power
7. Skin Tight Boogie
8. Got a Woman (slight return)
9. The Deuce
10. Save a Prayer (Duran Duran cover)
11. The Reverend

Zolin sagt: 8 von 10

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