Review: Deafheaven – New Bermuda

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Zwei Jahre ist es her, da beförderten sich Deafheaven, die angesagteste Post-Black Metal Band aus San Francisco, rasant an die Spitze ihres raffinierten Schwarzmetall Subgenres, zumindest nach ganz herrschender Meinung. Dem rebellischen Zolin hingegen fiel es schwer, der Hypewelle um ihr groß angelegtes Album Sunbather ganz unkritisch zu folgen. Ohne dem aufwendigen Werk seine durchaus stark vorhandenen Qualitäten absprechen zu wollen, war es doch nicht nur der Höhepunkt des Post-Black Metal, sondern auch ein Ausdruck von Stillstand in diesem Genre, welches nicht mehr so richtig weiß, was denn nach dem „Post-Post- Black Metal“ kommen könnte. Womöglich hält ja Deafheavens brandaktuelles Werk New Bermuda eine Antwort parat.

Bevor man groß Zeit zum weiteren Grübeln hat, kommt auch schon der Opener Brought to the Water mit einem für Deafheaven Standards merklich höheren Level an aggressiver Metalness an und reißt einen aus der Erwartung, ein zweites Sunbather zu erhalten eiskalt heraus. Tatsächlich ist sehr wenig von der träumerischen, für Metal-Elitisten zu schnuckeligen Shoegaze Komponente in Deafheavens Sound übriggeblieben. Angeblich habe man sich diesmal gar von Slayer inspirieren lassen. Dem Riffing auf New Bermuda kann man das generell durchaus abnehmen, in positiver Weise wohlgemerkt, so wirken die härteren Metal Parts doch entschlossener und damit überzeugender als auf Sunbather, welches von der rein melodiösen Qualität her bereits hervorragend war.

Luna setzt die energische Evolution Deafheavens schnörkellos fort, thrashige Intro Riffs demonstrieren die neu gefundene Heavyness der Band, der glücklicherweise ihr Talent für sensible Komposition dabei nicht abhanden gekommen ist. Hier ist etwa ein gefühlvoller, unaufgesetzter Piano-Part als Übergang zu einem emotionalen Finale an durchschlagskräftigem Melodic Black Metal mit angemessen dezentem Post-Rock Hauch. Diesem überzeugenden Pfad folgend ergänzt Baby Blue noch um ein markantes Solo und ein mitunter fast schon old-school rockiges Feel. Gerade das ist ein Problem von einigen der ausgeleirten Post-Black Metal Bands, ihr Metal kommt ohne Rock aus. Etwas ungeschickt ist Baby Blue wie bereits der Opener ganz am Ende, welches von einem leicht ziellos wirkenden Fadeout gekennzeichnet ist.

New Bermuda hält den schnelleren, härteren Kurs bis zum Closer Gifts for the Earth durch, trotz des im Vergleich zum Rest des Albums helleren Charakters dieses Tracks. Die Vocals bleiben durch und durch so intensiv wie nie bei Deafheaven, auf der anderen Seite versüßen Akustik Gitarre und Piano die finale Atmosphäre in einer Weise, die Sunbather nicht vermissen lässt. Was bleibt, ist die freudige Festellung, dass im Post-Black Metal durchaus noch was geht, sofern man die nötige Entschlossenheit an den Tag legt, um den Rock in den Metal zurückzubringen und nebenbei noch so eine grundsätzlich talentierte Band wie Deafheaven ist.

1. Brought to the Water
2. Luna
3. Baby Blue
4. Come Back
5. Gifts for the Earth

Zolin sagt: 8 von 10

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