Live-Review: Action Bronson in Köln (25.09.2015)

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Action Bronson ist ein Phänomen. Wer auch nur eine Folge »Fuck, that’s delicious« gesehen hat, wird bestätigen können, dass das Schwergewicht mit dem roten Rauschebart eine kaum sympathischere Ausstrahlung haben könne, aber eben auch unberechenbar ist. Während Action Bronsons Konzerten kann alles passieren. Es wäre z.B. nicht das erste mal, dass ein Zuschauer sich eine Faust fängt oder Bronsolino ein Konzert abbricht, da er spontan Lust auf einen Snack aus dem benachbarten Imbiss bekommt. So ist auch zu erklären, dass die Zuschauer in der ausverkauften Kölner Essigfabrik mit einem Dauergrinsen geduldig auf ihren Mr Wonderful warteten.

Die Geruchskulisse auf den beiden Konzerten, die der Halbalbaner zuvor in Paris gespielt hatte, wurde als eine Mischung aus Vancouver am 4/20 und Fitnessstudioumkleiden beschrieben. Doch die perfekte Klimatisierung am ersten der beiden deutschen Dates sorgte dafür, dass es in Köln nicht so sein sollte.

Trotz anhaltender Bronson-Rufe wollte sich der Hauptakteur des Abends jedoch nicht zu früh aus der Reserve locken lassen, sodass zunächst Meyhem Lauren das Wort ergriff und die Masse mit auf eine Reise zurück in die Goldene Ära nahm. A-Traks Fools Gold Signing hätte gar nicht immer wieder betonen müssen, dass er »straight outta Queens, New York« angereist sei, da die mitgebrachten Instrumentale keinen Hehl aus ihrer Heimat an der Ostküste machten.

Nach unterhaltsamen 30 Minuten sollten dann auch endlich Action Bronson und niemand geringeres als The Alchemist als Unterstützung an den Turntables auf die Bühne kommen. Aus dem anfangs erwähntes Grinsen wurde nun ein weit aufgerissenes Lächeln. Wenn man so durch die Reihen schaute, war es so als würden die meisten gar nicht glauben, wer da gerade vor ihnen steht. Wenn dieses Grinsen doch mal unterbrochen wurde, dann nur um Bronsolino die eigenen Lyrics entgegen zu schreien.

Jener war sichtlich angetan von der Textsicherheit des Kölner Publikums und zahlte dies mit purer Verausgabung zurück. Immer wieder klatschte er sich Wasser ins Gesicht, spuckte es gen Scheinwerferlicht und schüttelte sich wie ein nasser Hund. Als der Beat zu Terry einsetzte, musste Bronson einen Weg finden, dem Publikum zu zeigen, dass er nun noch mehr Enthusiasmus erwartete. Diesen fand er, indem er einem Lautsprecher mehrere Kopfnüsse erteilte (»this shit is makin’ me wanna crash my head against the speaker«) und somit eines der zweifellos besten, aber eher ruhigen Stücke seines aktuellen Langspielers, zu einem der energievollsten Songs des Abends machte. So schallte es immer wieder lautstark »don’t hurt me again!« durch die Prall gefüllte Halle.

Wenn man sieht, wie der gelernte Koch – ebenfalls aus Queens – das Publikum fest im Griff hat und selbigem Zeile um Zeile kompromisslos um die Ohren haut, möchte man ihm fast glauben, dass er auch live imstande sei, sechs verschiedene Sprachen in drei verschiedenen Stimmen wiedergeben zu können. Ein sprachliches Talent ist ihm jedenfalls nicht abzusprechen. Gerade wenn dieses Talent in Raps zum Ausdruck gebracht wird, gelingt es dem Schwergewicht problemlos die Köpfe im Publikum auf den Takt nicken zu lassen. Doch auch ein gesangliches Talent ist ihm zweifelsfrei nicht abzusprechen, obwohl er sich für Baby Blue Playback zu Hilfe nahm. Dass er Beistand solcher Art allerdings nicht nötig hat, wurde deutlich als ihm die Essigfabrik stimmgewaltig bei der Abrechnung mit der Ex unter die Arme griff.

Dies sollte auch das große Finale des Konzerts darstellen. Nach etwas mehr als einer Stunde verließ der klitschnasse MC die Bühne, um das Konzert anschließend mit einer Zugabe von drei Songs ruhig ausklingen zu lassen.

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