Review: Mutoid Man – Bleeder

Mutoid Man - Bleeder

Bei all den Metal-Alben der letzten Jahren, die sich teils so bitter ernst nehmen oder in allgemeine Negativität versinken, wünscht man sich als ein Exemplar, welches ohne den allzu großen Anspruch einfach nur dick abrocken will. In dieser Hinsicht war die EP Helium Head des noch frischen, unverbrauchten Projekts von Stephen Brodsky, Mutoid Man, ein großer Hoffnungsschimmer. Brodsky kennt der ein oder andere eventuell aus den Zeiten der recht innovativen Hardcore Band Cave Inn, bei Mutoid Man ist jedoch keine Zeit für prog-artige 14-Minuten Tracks, sondern da wird sich richtig ausgelassen, auf musikalisch ansprechende wie unterhaltsame Weise wohlgemerkt. Mit einem entsprechend guten Gefühl geht man da an Bleeder, das LP-Debüt, ran.

Formell hat sich im Grunde nichts verändert im Vergleich zur EP, mit 29 Minuten Gesamtlänge über zehn Songs verteilt geht es weiterhin kurz und knackig zu. Diese Beschreibung kann man sogleich auf den ersten Track, Bridgeburner, übertragen. Zunächst gibt es ein mini-Intro an moodigem Geschredder, welches durchaus geschmeidig in den flotten Takt des Openers übergeht. Die Riffs sind recht simpel, aber sie packen einen sofort dank eines geradezu unverschämten Maßes an Catchyness. Weiter begünstigt wird die Zugänglichkeit außerdem vom klarerem Gesang und höherem Produktionswert als noch bei Helium Head.

Dennoch bleibt Mutoid Man inhaltlich wie musikalisch weitgehend eine rohe, ungezähmte Angelegenheit. So steht der zweite Song, Reptilian Man, mit seinen melodischen Riffs und effizienten Chorus-Passagen dem Opener in Sachen mitreißender Lebhaftigkeit in nichts nach. Teilweise gewinnt man Bleeder eher ein Feeling von lässigem old school Hardrock ab als von Hardcore/Metal. Es gibt jedoch auch Songs wie Dead Dreams, die unter anderem wegen schwereren Riffs und gekonnten Stilwechsel von Klargesang und kreischigeren Vocals an Brodskys theoretisch bestehendes Händchen für progressive Virtuosität erinnern.

Zum Finale hin tritt erstmals der Titeltrack Bleeder in Erscheinung. Man könnte ihn als eine Art chaotische Mutoid Man-Version einer Metal-Ballade betrachten. Los geht es mit ein paar galanteren Gitarrenklängen und langsam einschreitenden Drums, ehe die Riffs wieder in Fahrt kommen und Brodsky sich zum Abschluss noch einmal mit schreienden Vocals auspowert. Nach dem mit fünf Minuten längsten Song des Albums ist die Geschichte auch schon wieder vorbei. Zurück bleibt der hauptsächlich positive Eindruck, eines flotten, rockigen Albums, das sich nicht allzu wichtig nimmt. Etwas weniger Power für mehr Feinschliff verglichen mit der EP, als Album nimmt man das Angebot gerne an.

1. Bridgeburner
2. Reptilian Soul
3. Sweet Ivy
4. 1000 Mile Stare
5. Surveillance
6. Beast
7. Dead Dreams
8. Soft Spot in My Skull
9. Deadlock
10. Bleeder

Zolin sagt: 8 von 10

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