Review: Monophona – Black on Black

Monophona - Black on Black

Sagt das Herkunftsland einer Band viel über ihr Klangbild aus, oder liegt hinter dieser Theorie das Verlangen danach, etwas so grenzenloses wie Musik in den Rastern der Nationalgrenzen vereinfacht beschreiben zu können? Bei manchen Ländern fällt die Antwort auf diese Frage recht leicht, während sie bei anderen wie zum Beispiel Luxemburg umso komplizierter wird; schließlich scheint es es keine markant luxemburgische Volksmusik zu geben, und falls doch, so hat sie sich bisher nicht signifikant über ihre Landesgrenzen hinausbewegt – dieser Erklärungsansatz fällt also schwach aus. Wenn es nach Monophona ginge, müsste man den Fokus wahrscheinlich eher auf die Gemeinsamkeiten statt auf die Grenzen richten. Genauso, wie ihr besagtes Heimatland durch seine interessante Positionierung auf der Weltkarte zu einem Mekka der Mehrsprachigkeit wurde, so ist es der jeweilige musikalische Background der zwei Bandmitglieder, der das einnehmend tiefe Klangbild auf ihrem zweiten Album, Black on Black, bestimmt. Es sind sowohl die Einflüsse des Folks auf die stimmliche und instrumentale Darbietung als auch die ausgetüftelten Klangwelten des ehemaligen Drum’n’Bass-Produzenten Chook, die diese Tracks mit der Stärke elektronischer Musik und der Verletzlichkeit der akustischen segnen.

„Schon wieder so ein Akustik trifft Elektronik-Zeugs?“, dürften sich einige seufzend fragen. Zugegebenermaßen ist der Anspruch auf Authentizität in dieser Musiksparte härter umkämpft als ukrainischer Boden, seit sich schon vor nicht wenigen Jahren federführende Gestalten wie Thom Yorke mit The Eraser diesem Metier verschrieben haben. Was Black on Black jedoch davon abhält, zu einem weiteren Symptom der Genre-Gentrifizierung zu verkommen, ist das meist gelungene Songwriting und vor allem die atmosphärische Dichte hinter den zehn Tracks, die dem Zuhörer keine Zeit dazu lässt, zwischen den verschiedenen Einflüssen dahinter großartig zu differenzieren – durch die sorgfältige Produktion stehen sich Beats, Vocals und Instrumente nie im Weg, sodass eine einheitliche Klangwelt entsteht.

Das wird vor allem an Thumb und Heavier Slower deutlich; der erstere Track beginnt mit einem beschwingten Beat und hintergründigem Synthesizer-Klopfen, um mit den sachten Vocals und einer gezupften Akustikgitarre zu einem sanften Riesen zu mutieren, während sich letzterer so langsam und spannend entfaltet wie eine Andockmission im All. Diesen beiden Tracks und Ricochet liegt eine energische, einnehmende Melancholie zugrunde, die selbst Trip Hop-Größen wie Massive Attack nicht besser hätten ausdrücken können. Der Titeltrack des Albums und Forest of Wonders halten sich mit ihrem energischen, House-artigen Beat und den Basswellen eher im elektronischen Gefilde auf, um mit der markanten, rauen und doch anschmiegsamen Stimme Claudines einen klanglichen Bruch zu erzeugen. Es ist vor allem diese nicht verfremdete Stimme, die sich wie Schnee auf die schon vereisten Klangwelten zu legen scheint.

Auch die Experimentierfreude kommt mit dem Track Yes Yes nicht zu kurz; so oder ähnlich würde wahrscheinlich eine Metal-Band mit SBTRKT am Schlagzeug klingen. Leider überlagern sich hier die Gitarrenspuren mit der Stimme, sodass sich zum Chorus hin ein schwer genießbares Chaos offenbart. Trotz solcher kleiner Mankos ist Black on Black in seiner Gesamtheit ein ambitioniertes Album, das schon jetzt die Messlatte für die Herbstblues-Musik dieses Jahres hoch steckt; Monophona loten zwar hiermit nicht die Grenzen der Musik aus, doch dafür verwischen sie diese und schaffen ihr eigenes Gebiet. Sie zeigen; wenn Musik von der Politik eines lernen sollte, dann das Missachten von Grenzen.

1. Black on Black
2. Thumb
3. Yes Yes
4. A Mole Like a Breadcrumb
5. Forest of Wonders
6. The Hill
7. Heavier Slower
8. Ribbons
9. All Downhill
10. Ricochet

Zolin sagt: 8.5 von 10

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