Die besten Alben des Jahres 2014: 20-11

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…und endlich geht’s weiter! Das zweite Häppchen von Zolins Top 30 steht an und damit die Platzierungen von 20 bis 11! Die hoch gehandelten Sun Kil Moon und Haftbefehl tummeln sich mit den Energie geladenen Liars, dem argentinischen Buschfunker Barrio Lindo und der Vorjahres Bestplatzierung DJ Koze. Einen kleinen Nachtrag vom letzten Jahr gibt’s mit Burials Rival Dealer EP auch noch, aber bei einem so späten Release kann man ja auch mal kulant sein. Nach Weihnachten geht’s dann weiter mit den Top 10. Bleibt gespannt!

20. Burial – Rival Dealer EP

burial rival dealer
Für viele Fans von britischem, atmosphärischem Dubstep ist es mittlerweile fast schon zur Gewohnheit geworden, rund um die Weihnachtszeit nicht nur panisch Geschenke zu kaufen und sich auf Betriebsweihnachtsfeiern zu langweilen, sondern auch auf eine neue EP von Burial zu hoffen. So war es auch Ende 2013 der Fall. Wie schon im Jahr zuvor warf der nun nicht mehr Gesichtslose kurz nach Veröffentlichung nahezu aller Jahresabschlusslisten sein neuestes Werk auf den Markt, das clever an seine älteren EPs anknüpfte und wiederum viel Neues mit sich brachte. 3 Tracks lang ist Rival Dealer und formt sich im Laufe von 28 Minuten von einer Hommage an Drum’n’Bass über einen traumhaften 80er Jahre-Kitschmoment zu einem ausdrucksstarken Future Garage-Brett, welches nicht nur den Leuten, denen die EP gewidmet wurde („[the songs are]anti-bullying tunes that could maybe help someone to believe in themselves, to not be afraid […]“) mächtig zusagen dürfte.

19. Barrio Lindo – Menoko

Barrio Lindo - Menoko
Wenn Cem Özdemir im Bezug auf den Krieg gegen den IS davon spricht, dass man ihn nicht mit Yoga-Matten unter dem Arm gewinnen kann, wäre Barrio Lindo sozusagen der Hauptmann dieser flauschigen Einheit. Während den ersteren bei dieser Aussage eher die Polemik trieb, war es beim letzteren die Faszination gegenüber der lateinamerikanischen Folklore mit all ihren Geräuschkulissen, die der ungewollte Zuhörer wohl als bloßes Esoterik-Zeugs abstempeln würde – trotz dieser schwierigen Ausgangslage schafft es der gebürtige Argentinier, auf Menoko höchst organisch klingende und beruhigende Beat-Konstrukte auf die Beine zu stellen, die nach der passenden Beweihräucherung dazu nur so schreien.

18. United Nations – The Next Four Years

United Nations  The Next Four Years
In bewegten Zeiten scheinen wir zu leben, denn sowohl politisch als auch musikalisch fliegt uns einiges um die Ohren. Das Post-Hardcore-Urgestein United Nations um Gründungsmitglieder von Thursday, Converge und Konsorten hat sich dieses Jahr mal wieder aus den Tiefen erhoben, um mit The Next Four Years eine urkomische, da brachiale und ehrliche Kollektion aus schnellen Sturmböen des Punks auf die Welt loszulassen, die eben diese bewegten Zeiten humorvoll zu konnotieren vermag. Die Tracks darauf sind schnell, kraftvoll und schonungslos geraten – und das sind doch die Eigenschaften von Tracks, die sie über die Jahre hinweg erinnerungswürdig halten, nicht wahr?

17. Todd Terje – It’s Album Time

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Man könnte es sich einfach machen und sagen, dass Todd Terje mit seinem Debüt It’s Album Time gelungen ist, was Daft Punk mit Random Acces Memories letztes Jahr vergeblich versuchten. Es ist die perfekte Homange an vergangene Zeiten der populären Musik, gespickt mit raffinierten Jazz-Arrangements, eingebettet in einen modernen House-Sound und zaubert egal zu welcher Jahreszeit oder Wetterlage ein sonniges Gemüt. Kein Wunder, dass sich selbst Roxy Music-Legende und Strahlemann in Person, Bryan Ferry, nicht scheute, seine Stimme auf einem wunderbaren Robert Palmer-Cover beizusteuern.

16. Sun Kil Moon – Benji

Sun Kil Moon - Benji
Nach all den unnötigen Streitereien mit The War on Drugs, grenzwertigen „Diss“-Tracks diesen gegenüber und seine Fans betreffenden Ausschreitungen, welche noch das nachvollziehbarste von all diesen Dingen waren, legte es Sun Kil Moon-Frontmann und Indie Rock-Legende Mark Kozelek wohl darauf an, dass Benji, sein erst im Februar erschienenes Album, möglichst schnell in Vergessenheit geraten sollte. Doch es ist, Gott sei Dank, eben nicht so einfach, fantastische Alben aus seinem Gedächtnis zu streichen. Obwohl es durchaus kritikwürdige, fast schon exploitative Momente und Textzeilen bietet, die den Hörer leicht in Fremdscham versetzen könnten, bleibt Benji in seiner fast meditativen Monotonie und durchgängig negativen Weltanschauung ein faszinierendes Werk. Über Nylon-Saiten und Easy Listening-Instrumentalisierung erzählt Kozelek Geschichten über den Tod, seine Jugend und einen Alltag, der vor lähmender Melancholie nur so strotzt. Dass es diese Geschichten trotz ihrer Natur auf diese Platte geschafft haben, beweist nur, wie sehr Kozelek sich für diese interessiert. Und genau das sollten wir auch tun.

15. Haftbefehl – Russisch Roulette

Haftbefehl - Russisch Roulette
Der Held des Feuilletons war dieses Jahr ohne Frage Haftbefehl. Dank einer ausgefeilten Media-Kampagne inklusive provokanten Videos, glücklichen, sowie unglücklichen Umständen war Hafti in aller Munde. Doch auch hinter dem Hype steckt ein mehr als gelungenens, deutsches Straßenrap Album, welches zum ersten Mal in Haftbefehls Diskographie kohärent durchdacht und vor allen Dingen produziert wurde. Hinzu kommen natürlich Haftbefehls Steckenpferde, wie sein Flow und das schier pausenlose Abfeuern von Signature-Moves, die Russisch Roulette schon jetzt zu einem Klassiker des deutschen Straßen-Raps machen.

14. Rustie – Green Language

Rustie-Green-Language
Mit einem Debüt im Gepäck, das als eines der Blaupausen für modernen Trap gilt, bringt der Schotte Rustie seinen Zweitling Green Language raus und übertrifft gar die Erwartungen. Das liegt vor allen Dingen daran, dass Green Language kein klassisches Album mehr ist. Rustie selbst hatte sich vorgenommen mit Green Language eine Art von der Natur inspirierten Oper aufzunehmen. Nur eben anstatt mit Hilfe eines Streichorchesters mit Danny Brown, Redinho und hartem Bass. Trotz all der Drops und Breakouts bleibt das Album dabei aber so elegant wie der Flamingo auf dem Cover.

13. Liars – Mess

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Donnerwetter, was haben uns die New Yorker Liars dieses Jahr überrascht. Mit ihrem letzten, fast schon poporientierten Heldenstreich WIXIW (und einer immerhin schon vierzehnjährigen, sehr punklastigen Bandgeschichte auf den Schultern) deutete alles auf eine eher ruhigere, zugänglichere Soundentwicklung hin – doch, Pustekuchen. Mit ihrem zerstörerischen siebten Album Mess präsentierten sich Liars experimenteller, gnadenloser und vor allem elektronischer denn je. Mit verstörend gewaltsamen Synthies, mechanischen Beats und anstößigen Lyrics konstruierten sie eine fieberhafte, beinahe aufdringliche Atmosphäre und zelebrierten damit konzeptionell die Schönheit des Chaos‘. Doch den Faden buchstäblich verlieren taten sie dabei nie wirklich, denn zum ersten Mal scheinen Liars ihre wilden Ideen intuitiv und entschlossen umgesetzt und ihre Produktion weitestgehend aufgeräumt zu haben, sodass einfach alles genau richtig klingt.

12. DJ Koze – Reincarnations, Pt. 2

DJ Koze - Reincarnations, Pt. 2
Zolins Nummer Eins des Vorjahres hat deutlich an Boden verloren und findet sich nur noch auf Rang Zwölf wieder. Nun trotzdem ist seine dritte Remix-Werkschau Reincarnations, Pt. 2 auf keinen Fall enttäuschend. Schließlich handelt es sich wie bereits erwähnt um eine Remix-Werkschau, die tatsächlich besser als die meisten in diesem Jahr veröffentlichten Alben ist. Das liegt vor allen Dingen daran, dass Reincarnations, Pt. 2 trotz seiner unbestreitbaren Compilation-Herkunft über einen durchgehenden roten Faden verfügt, der fast glauben lässt, dass es sich um ein Konzeptalbum handeln könnte. Aber wir kennen ja unseren DJ Koze. Wenn er etwas macht, dann auch richtig.

11. Schoolboy Q – Oxymoron

Schoolboy Q - Oxymoron
Wanne-Eickel ist nicht Compton, und in Anglermütze und Sneakers durch Wersten zu laufen macht einen noch lange nicht zum Hustler: Als vergleichsweise gutsituiertem Mitteleuropäer fehlt einem doch oftmals der reale Bezug zum Genre Gangsta-Rap. Schoolboy Q, seines Zeichens ehemaliges Mitglied der Hoover Crips, schafft mit Oxymoron dennoch den Spagat, durch und durch „real“ zu klingen, dabei jedoch auf jedem Track hochgradig zu unterhalten; ein hartes, ungeschöntes Bild von der Lebenswirklichkeit in South Central zu zeichnen, ohne in Platitüden zu verfallen; auf hochwertigen Beats lyrisch abzuliefern, ohne den Punch in seinen Texten zu vernachlässigen; kurz, ein Gangsta-Rap-Album höchster Güteklasse vorzulegen, was man dennoch als oben beschriebenes Weißbrot hören und für stark befinden kann, ohne sich lächerlich vorzukommen, denn sowohl Attitüde als auch musikalische Qualität sind über jeden Zweifel erhaben.

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